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Temmler

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Temmler-Gruppe

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Temmler logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 2007
Sitz Marburg, Deutschland
Leitung Geschäftsführer:
Werner Schneider
Matthias Utrata
Mitarbeiterzahl 1.000 (2012)<ref name="aenova-ubernahme">Aenova: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Presseinformation: Aenova Unternehmensgruppe übernimmt Temmler-Gruppe (Memento vom 25. Juli 2014 im Internet Archive), abgerufen am 18. Juli 2014.</ref>
Umsatz 170 Mio. EUR<ref name="aenova-ubernahme" />
Branche Pharma
Website www.temmler.de
www.temmler.eu
Datei:Temmler-werke berlin 2015.jpg
Temmler-Werke in Berlin-Johannisthal, Produktionsgebäude (2015)

Die 2012 von der Aenova Group übernommene Temmler-Gruppe ist mit sieben Produktionsstandorten einer der größten europäischen Anbieter für pharmazeutische Auftragsherstellung.

Geschichte

Die Temmler-Werke wurden 1917 von Hermann Temmler in Detmold gegründet. Sie fusionierten 1919 mit der Vereinigte Chemische Fabriken GmbH in Detmold zu den Vereinigten Chemischen Fabriken H. Temmler. 1925 wurde der Geschäftssitz nach Berlin verlegt. Ab 1933 konzentrierte das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit und Produktion vollständig auf den Standort am Berliner Flugplatz Johannisthal.

Nach dem 1933 von den Nationalsozialisten erzwungenen Ausscheiden des jüdischen Miteigentümers der Chemischen Fabrik Tempelhof, Albert Mendel, übernahm Temmler 1934 Beteiligungen an der Chemischen Fabrik Tempelhof. Das Unternehmen firmierte danach unter der Bezeichnung Chemische Fabrik Tempelhof – Preuß & Temmler,<ref>Markenzeichen der Heilmittelindustrie. Marken-Arzneimittel. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XXXVIII.</ref> benannt nach Hermann Temmler und Paul Preuß, bzw. Preuß & Temmler AG.

Datei:Pervitinampullen.jpg
Pervitinampullen der Vereinigten Chemischen Fabriken H. Temmler in Berlin

Temmler wurde seinerzeit besonders durch die Einführung des Methamphetamin-Präparates unter der Marke Pervitin (ugs. Panzerschokolade) bekannt, die auch bis 2015 noch die Marke hielten.<ref>Pervitin. Registernummer 321782 im Markenregister des Deutschen Patent- und Markenamtes</ref> Wesentlichen Anteil an der Methamphetamin-Entwicklung hatte Fritz Kurt Hauschild, der die Arbeiten bei Temmler auch zum Gegenstand seiner Habilitationsschrift „Zur Chemie und Pharmakologie der Phenylalkylamine“<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Zur Pharmakologie des 1-Phenyl-2-methylaminopropans (Pervitin). In: Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie. 191. Jahrgang, Nr. 2–4, Vorlage:Cite book/Date, S. 465–481, doi:10.1007/BF01998844 (Vorlage:Cite book/URL [abgerufen am -05-]).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> machte, welche von Wolfgang Heubner betreut wurde. Insbesondere während der Blitzkriege gegen Polen und Frankreich 1939/40 fand Pervitin millionenfache Verwendung. Allein von April bis Juli 1940 wurden mehr als 35 Millionen Tabletten an Heer und Luftwaffe ausgeliefert.<ref>Pieper W. Nazis on Speed – Drogen im 3. Reich; Grüne Kraft 2002, ISBN 3-930442-53-1; zu „Panzerschokolade“ siehe Scho-Ka-Kola</ref> Pervitin wurde 1988 vom Markt genommen.

In Ostdeutschland wurden die in Ost-Berlin gelegenen Produktionsstätten von Temmler 1945 sequestriert und teilweise demontiert, ab 1946 unter Treuhandverwaltung gestellt und 1949 enteignet.<ref>Landesarchiv Berlin. Ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 3. August 2024.@1@2Vorlage:Toter Link/www.landesarchiv-berlin.de (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref> Die dortige Produktion wurde zunächst als VVB Pharma Temmler-Werke fortgeführt, später war der Betrieb Teil von Berlin-Chemie, Werk Johannisthal.

In Westdeutschland wurde die Geschäftstätigkeit von Temmler nach 1945 zunächst in Hamburg-Neugraben und ab 1960 in Marburg fortgeführt. Zu den in den 1950er Jahren vertriebenen Präparaten der Firma gehörte das als „Exspectorans“ eingesetzte und auch mit Codein erhältliche Siran.<ref>Siran. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CIV.</ref> Seit 1982 ist Temmler auch in der Auftragsherstellung für andere Pharmaunternehmen tätig. Von 1990 bis 1999 gehörte Temmler zur Degussa-Tochtergesellschaft ASTA Medica. Danach war die Firma in Privatbesitz.

2007 erwarb Temmler drei Produktionsstandorte des japanischen Pharmaunternehmens Astellas in München, Irland (Killorglin) und Italien (Carugate). Zwei weitere Standorte in Oberbayern, Feldkirchen und Bruckmühl, kamen im April 2007 mit dem Kauf der C.P.M. ContractPharma GmbH hinzu. 2008 übernahm Temmler die SwissCo AG in Sisseln (CH), einen der führenden Hersteller von Brausetabletten.

Im Oktober 2012 übernahm Aenova, welche im August 2012 vom Finanzinvestor BC Partners gekauft wurde, den Lohnhersteller sowie im Oktober 2013 Haupt Pharma.

Temmler-Kalender

Ein für Ärzte als Werbegeschenk gedachter Kalender, der seit den 1920er Jahren jährlich erschien, erlangte wegen seiner teils unmoralischen Witze und humorvollen Inhalte große Beliebtheit auch außerhalb des Kundenkreises der Firma.<ref>Ärzte Brevier. Auszüge aus 22 Jahrgängen des Ärzte-Kalenders der Temmler-Werke</ref><ref>Reiner Foerst: Wie der Lachreiz entsteht: Witz und Komik als Auslöser für neuronale Aktivität. Verlag Books on Demand; Auflage: 1 (26. Juli 2006), Seite 218. ISBN 978-3-8334-5169-0</ref><ref>Siegfried Schödel: Kaiserschnitt am Wolf. Eine Auseinandersetzung um ein Rotkäppchen-Bild als rezeptionsästhetisches Exempel (PDF; 775 kB). Aus goethezeitportal.de</ref>

Geschäftstätigkeit

Die Temmler-Gruppe ist mit sieben Produktionsstandorten einer der größten pharmazeutischen Auftragshersteller in Europa. Temmler arbeitet an der Entwicklung, Zulassung, Produktion und Vermarktung pharmazeutischer Erzeugnisse (Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel) im Auftrag für Dritte und für das eigene Portfolio. Im Bereich ZNS werden neben Generika vor allem Präparate für seltene neurologische Erkrankungen, wie Chorea Huntington und Myasthenia gravis vertrieben.

Das Unternehmen erzielt zwei Drittel seines Umsatzes mit Auftragsarbeiten für Dritte.

Zu den bekannteren eigenen Produkten gehören Kalymin (Pyridostigminbromid), Nitoman (Tetrabenazin), Acetocaustin (Monochloressigsäure), Faustan (Diazepam) und Regenon (Amfepramon).

Produktionsstandorte befinden sich neben Marburg (Temmler Pharma GmbH & Co. KG) auch in Killorglin (Irland) (Temmler Ireland), Carugate (Italien) (Temmler Italia) und Sisseln (Schweiz) (SwissCo AG). Die Standorte in München (Temmler Werke München) und Bruckmühl (C.P.M. ContractPharma GmbH & Co. KG) wurden aufgegeben und deren Produktionen auf die übrigen Standorte der Aenova aufgeteilt.<ref>Renate Winkler-Schlang: Unter Dach und Fach. In: sueddeutsche.de. 4. Januar 2016, abgerufen am 19. August 2017.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />