Zum Inhalt springen

Wasserturm am Steeler Berg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. Oktober 2025 um 08:55 Uhr durch imported>Wiki05 (akt. nach Quelle).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:WasserturmSteelerStrasse.JPG
Wasserturm am Steeler Berg, 2006
Datei:Wasserturm Steeler Berg.jpg
Ansicht in den 1920er Jahren

Der Wasserturm am Steeler Berg steht am Diether-Krebs-Platz (bis 2011 Ostpark) im Südostviertel der Stadt Essen. 1985 wurde er in die Denkmalliste der Stadt Essen aufgenommen. Seine Funktion als Wasserturm besitzt er bis heute.

Geschichte

Bau und Charakter

Seit 1866 gab es ein Wasserbassin auf dem Steeler Berg.<ref>Steeler Berg wird die Erhebung oberhalb der ansteigenden Steeler Straße, von der Innenstadt nach Steele führend, genannt.</ref> Der Wasserturm wurde von 1883 bis 1884 nach Plänen des Aachener Ingenieurs Otto Intze im Stil des Historismus an der Steeler Chaussee, der heutigen Steeler Straße, errichtet, um die Trinkwasserversorgung der in der Zeit der Industrialisierung schnell wachsenden Stadt sicherzustellen. Der damals größere, angrenzende Ostpark war zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Austragungsort von Konzerten. Im Unterbau des Wasserturms befand sich bis etwa zur Mitte des Zweiten Weltkriegs ein Restaurant.<ref name="Chronik">Wasserturm sichert Versorgung in Essen; In: Chronik des Ruhrgebiets. Ein WAZ-Buch.; Hrsg. Bodo Harenberg, Chronik-Verlag, Dortmund, 1987</ref>

Nach erheblichen Kriegsschäden wurde der Wasserturm nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich schlichter wiederaufgebaut. Dabei verzichtete man auf die Wiedererrichtung der beiden je etwa 33,5 Meter hohen Ecktürme und auf die steinerne Einfassung des Wasserbehälters, so dass dieser heute frei sichtbar ist. Dieser schmiedeeiserne Behälter misst 18 Meter im Durchmesser. Ohne diesen hat der Backsteinbau eine Höhe von 26 Metern.<ref name="Chronik" />

Ruhraufstand

Während des Ruhraufstands kämpften hier am 19. März 1920 Angehörige der Reichswehr und der Freikorps gegen Trupps der Roten Ruhrarmee.

Datei:Wasserturm Steeler Berg Gedenkstein.JPG
Gedenkstein im angrenzenden Park

Die Rote Ruhrarmee hatte sich als Antwort auf den Kapp-Lüttwitz-Putsch gebildet, der die Demokratie der Weimarer Republik beseitigen wollte. Sie bildete sich aus bewaffneten Arbeitern, die die sozialen und demokratischen Errungenschaften nach dem Ersten Weltkrieg gegen das putschende Militär verteidigen wollten. In Essen erhielt der Polizeipräsident der Sicherheitspolizei (Sipo), Kurt Melcher, am 18. März 1920 vom Wehrkreiskommandanten Generalleutnant Freiherr von Watter den Befehl, die Stadt vor den heranrückenden Arbeiterschaften zu verteidigen. Die Arbeitereinheiten marschierten von Gelsenkirchen und Wattenscheid nach Katernberg und Stoppenberg ein und hatten bereits am 19. März die Essener Innenstadt besetzt. Wegen dieser Übermacht gab die Sicherheitspolizei ihren sinnlos gewordenen Kampf auf.

Nur die Besatzung des Wasserturms, bestehend aus 24 Mann der Einwohnerwehr und 22 Mann Sicherheitspolizei hielten ihre Stellung gegen die Arbeiter. Am Misstrauen dieser Turmbesatzung scheiterte der telefonische Versuch des Polizeirates Exner, sie zur Aufgabe zu bewegen. Gegen 17 Uhr jedoch zeigten die Besatzer des Erdgeschosses die weiße Fahne, was diejenigen im Obergeschoss aber nicht mitbekamen. Die herannahenden Arbeiter deuteten die weiße Fahne als Kapitulation und bestiegen die Freitreppe des Wasserturms. Daraufhin wurden sie von den Besatzern des Obergeschosses beschossen und mit Handgranaten beworfen. Dennoch gelang den erbitterten Arbeitern nach zwei Versuchen die Erstürmung des Turms. Elf Verteidiger des Wasserturms starben teilweise bei diesen Kämpfen und teilweise danach.<ref>Ernst Schmidt: Der Kapp-Putsch 1920 und die Ereignisse am Essener Wasserturm. In: Jahrbuch Essen 1988, S. 65–73, hier S. 71.</ref> Zeugenaussagen zufolge sollen die gefangenen Besatzer in Einzelfällen von Arbeitern vor Gewalttaten geschützt worden sein.

Bei einem Prozess vor dem Schwurgericht Essen, vom 10. Februar bis 11. März 1921, wurden 15 Angeklagte der ehemaligen Ruhrarmee-Angehörigen freigesprochen. So bezeichnete der damalige Essener Oberbürgermeister Hans Luther die Vorfälle am Wasserturm als tragisches Missverständnis.<ref name="Gedenktafel">Gedenktafel vor Ort</ref>

Im angrenzenden Ostpark wurde während der Zeit der Weimarer Republik ein Gedenkstein aufgestellt. Er führt alle 40 im März 1920 in Essen getöteten Sicherheitspolizisten und Anhänger der Einwohnerwehr auf, so auch die elf Toten vom Wasserturm. Hingegen blieben die Zahl und die Namen der bei den Kämpfen umgekommenen Arbeiter bis heute unbekannt. Damit hatte dieser Gedenkstein auch das politische und moralische Ziel, die Arbeiterschaft zu diskreditieren und die Errungenschaft der Reichswehrtruppen nach Rückeroberung des Ruhrgebietes im April 1920 hervorzuheben.

Heutiger Zustand

Nach Wiederaufbau nach dem Krieg und Wiederinbetriebnahme im Jahr 1949 wird er bis heute, als einer von acht Wasserbehälteranlagen der Stadtwerke Essen, zur Trinkwasserversorgung genutzt.<ref>Essen gestern und heute. Homepage der Stadt Essen, Oktober 2005, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 18. Januar 2010; abgerufen am 6. März 2009.</ref> Das schmiedeeiserne Hochreservoir mit 2000 Kubikmetern Volumen befindet sich auf einem 20 Meter hohen Unterbau, und wird für Verbrauchsspitzen morgens und mittags genutzt. Nachts wird der Behälter über einen Zulauf wieder gefüllt. Der Wasserbehälter ist ein von Otto Intze zusammen mit der Firma F. A. Neumann aus Eschweiler konzipierter Hängebodenbehälter, der speziell gegen Bergschäden geschützt ist und dessen Zuleitungen federnd gelagert sind.

2012 wurde der Wasserturm durch die Stadtwerke Essen saniert, wobei er vorübergehend außer Betrieb genommen worden war. Vor allem die Fassade der bis zu drei Meter dicken Mauern wurde instand gesetzt.

Der Wasserturm ist Bestandteil der Themenroute 28 – Wasser: Werke, Türme und Turbinen der Route der Industriekultur.

Sitz der Essener Tafel

Bis September 2025 hatte der Verein Essener Tafel seinen Sitz im Wasserturm. Diese am 4. Januar 1995 in Essen gegründete Tafel sammelt nicht mehr verkäufliche, aber noch gute und verwertbare Lebensmittel und verteilt sie an Bedürftige. Zum Oktober 2025 ist sie in eine Halle im Essener Westviertel umgezogen.<ref>essener tafel.de, abgerufen am 6. Oktober 2025.</ref>

Im März 2018 wurde die Essener Tafel bundesweit bekannt, nachdem sie das Verhalten junger männlicher Flüchtlinge beklagt hatte, die sich vorgedrängelt hatten, mangelnden Respekt gegenüber Frauen gezeigt, Helfer beschimpft und bewirkt hatten, dass ältere Frauen, alleinerziehende Mütter und deren Kinder fernblieben.<ref>berliner-zeitung.de: Wer Helfer „Rassisten“ nennt, leidet an Realitätsverlust (Kommentar)</ref><ref>Markus Bär: Chef der Essener Tafel ist noch heute stocksauer auf Politiker wegen Skandal von 2018 In: augsburger-allgemeine.de, 22. September 2019, abgerufen am 14. April 2024.</ref> Am Wasserturm wurden zahlreiche Reportagen gedreht.

Siehe auch

Weblinks

Commons: Wasserturm am Steeler Berg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

<references />

<templatestyles src="BoxenVerschmelzen/styles.css" />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Besucherzentrum und Ankerpunkte (von West nach Ost): | Zechenpark Friedrich Heinrich | Museum der Deutschen Binnenschifffahrt | Innenhafen Duisburg | LVR-Industriemuseum Oberhausen | Landschaftspark Duisburg-Nord | Gasometer Oberhausen | Aquarius-Wassermuseum | St.-Antony-Hütte | Villa Hügel | Nordsternpark | Welterbe Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein | Zeche Ewald | Chemiepark Marl | Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen | Henrichshütte | Jahrhunderthalle Bochum | Umspannwerk Recklinghausen | Deutsches Bergbau-Museum | Zeche Nachtigall | Schiffshebewerk Henrichenburg | DASA | Kokerei Hansa | Zeche Zollern II/IV | Hohenhof | Freilichtmuseum Hagen | Lindenbrauerei Unna | Maximilianpark Hamm

Themenrouten (aufsteigend nach Nummern): 1. Duisburg: Stadt und Hafen | 2. Industrielle Kulturlandschaft Zollverein | 3. Duisburg: Industriekultur am Rhein | 4. Oberhausen: Industrie macht Stadt | 5. Krupp und die Stadt Essen | 6. Dortmund: Dreiklang Kohle, Stahl und Bier | 7. Industriekultur an der Lippe | 8. Erzbahn-Emscherbruch | 9. Industriekultur an Volme und Ennepe | 10. Sole, Dampf und Kohle | 11. Frühe Industrialisierung | 12. Geschichte und Gegenwart der Ruhr | 13. Auf dem Weg zur blauen Emscher | 14. Kanäle und Schifffahrt | 15. Bahnen im Revier | 16. Westfälische Bergbauroute | 17. Rheinische Bergbauroute | 18. Chemie, Glas und Energie | 19. Arbeitersiedlungen | 20. Unternehmervillen | 21. Brot, Korn und Bier | 22. Mythos Ruhrgebiet | 23. Parks und Gärten | 24. Industrienatur | 25. Panoramen und Landmarken | 26. Sakralbauten | 27. Eisen & Stahl | 28. Wasser: Werke, Türme und Turbinen | 29. Bochum – Industriekultur im Herzen des Reviers | 30. Gelsenkirchen | 31. Route Industriekultur und Bauhaus | per Rad

Vorlage:Klappleiste/EndeVorlage:Klappleiste/Anfang

Altes Wasserwerk Wesel | Wasserwerk Bockum | Wasserwerk Duisburg-Mündelheim | Wasserwerk Mülheim Styrum/Ost | Wasserwerk Mülheim-Dohne | Wasserwerk Essen-Kettwig | Wasserwerk Wolfsbachtal Essen | Wasserwerk Bochum-Stiepel | Verbund-Wasserwerk Witten | Wasserwerk Dorsten-Holsterhausen | Wasserwerk Haltern | Rohrmeisterei Schwerte | Vinner Wasserturm | Wasserturm Wesel | Wasserturm Rheinhausen-Bergheim | Wasserturm der Niederrheinischen Gas- und Wasserwerke | Aquarius Wassermuseum Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | RWW-Hauptverwaltung | Wasserturm Mülheim-Fulerum | Wasserturm Essen-Bedingrade | Wasserturm Steeler Berg | Wasserturm Essen-Steele | Wasserturm Essen-Byfang | Wasserturm Essen-Bredeney | Wasserturm Frillendorfer Höhe | Wassersaal Bochum-Stiepel | Wasserturm Bochum-Weitmar | Doppelwassertürme Herten | Wassertürme am Hellweg | Wasserturm Lanstroper Ei | Wasserturm Bommerholz | Wasserturm Volmarstein-Loh | Wasserturm Hagen-Hohenlimburg | Blauer Wasserturm Ahlen | Wasserturm der Zeche Pattberg | Doppelkühlwerk im Landschaftspark Duisburg-Nord Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Kühltürme der Zeche Zollverein XII Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | RWW-Wasserturm | Kaiser-Wilhelm-Turm | Wasserspeicher an der Jahrhunderthalle Bochum Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Wasserturm der Firma Luhn & Pulvermacher / Dittmann & Neuhaus | Wasserhochbehälter der Henrichshütte Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Kühltürme der Kokerei Hansa Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Wasserturm Rheinhausen-Friemersheim | Wassertürme Bahnbetriebswerk und Rangierbahnhof Duisburg-Wedau | Wasserturm Hochfeld | Wasserturm am Hauptbahnhof Oberhausen | Ringlokschuppen und Camera Obscura | Wasserturm im Eisenbahnmuseum Bochum | Wasserturm Dortmund Südbahnhof | Wasserturm am Dortmund Betriebsbahnhof | Heilenbecker Talsperre | Ennepetalsperre | Glörtalsperre | Hasper Talsperre | Rückpumpwerk Kahlenberg | Klärwerk Emschermündung | Pumpwerk Alte Emscher | Pumpwerk Schwelgern | Pumpwerk Schmidthorst | Emscher Klärpark | Läppkes Mühlenbach | BernePark | Kläranlage Bottrop | Pumpwerk Gelsenkirchen-Horst | Emscherbruch | Pumpwerk Nettebach | Kläranlage Dortmund-Deusen | Emscherpumpwerk Huckarde | Pumpwerk Evinger Bach | Emscherbrücke Lindberghstraße | Kläranlage Kaßlerfeld | Historische Kläranlage Essen-Rellinghausen | Laufwasserkraftwerk Kahlenberg | Wasserkraftwerk Raffelberg | Wasserkraftwerk Baldeney | Wasserkraftwerk Hohenstein | Kraftwerk Harkort | Pumpspeicherkraftwerk Koepchenwerk | Laufwasserkraftwerk Schwitten | Laufwasserkraftwerk Wickede | Friedrichsbad Schwelm | Kurpark Königsborn | Kurpark Hamm | Solbad Raffelberg | Museum der Deutschen Binnenschifffahrt Datei:RouteIndustriekultur Ankerpunkt Symbol.svg | Ebertbad | Friedrichsbad Essen | Freizeitstätte Haus Wittringen | Parkbad Süd | Freibad Volkspark | Haus Ruhrnatur

Vorlage:Klappleiste/Ende

Koordinaten: 51° 27′ 5″ N, 7° 1′ 49″ O

 {{#coordinates:51,451388888889|7,0302777777778|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-NW
   |type=landmark
  }}