Zensur in der DDR
Unter Zensur in der DDR, und zuvor in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), werden Maßnahmen zur Kontrolle von Medien, Meinungsäußerungen, Verhalten, Lerninhalten und künstlerischer Produktion bezeichnet. Offiziell gab es in der DDR keine Zensur. Die Wörter Zensur und Verbot waren Tabu und wurden ersetzt mit verharmlosenden Begriffen wie Parteimäßige Führungstätigkeit, Planung, Leitung, Lenkung, um ideologisch motivierte Steuerung und repressive Maßnahmen zu beschreiben.<ref>Ernest Wichner, Herbert Wiesner: Literaturentwicklungsprozesse – die Zensur der Literatur in der DDR. Suhrkamp, Frankfurt 1993.</ref> Abweichungen von der Parteilinie führten zu Aufführungs-, Ausstellungs-, Auftritts-, Berufs- und Publikationsverboten sowie zur Entlassung politischer und künstlerischer Amtsträger.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Geschichte der DDR. Im Zeichen von Reform und Modernisierung (1961 bis 1971).] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Methodisch setzte die Staatssicherheit dabei Observation, Einschüchterung, Inhaftierung sowie die sogenannte „Zersetzung“ als Mittel ein.<ref>Katrin Schoelkopf, Stefan Schulz: Erinnerung an den Terror der Stasi. In: Die Welt. 5. Dezember 2005. Abgerufen am 1. August 2016.</ref><ref>Susanne Leinemann: Stasi-Terror werktags von 9 bis 18 Uhr. In: Die Welt. 8. November 1999. Abgerufen am 1. August 2016.</ref> Die Ausbürgerung war eine der schwerwiegendsten Formen der systematischen Ausschließung von politisch unerwünschten Bürgern der DDR.
Alles, was als systemkritisch, unsozialistisch oder „westliche Dekadenz“ galt, hatte keine Chance auf Veröffentlichung. Die SED und ihre Zensoren stilisierten sich als Kulturförderer und Pädagogen, während Künstler als „nervige Teenager“ dargestellt wurden, die Anleitung benötigten.<ref>Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 12.</ref> Fast alle Zensurakten sind erhalten und belegen im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde eine Länge von 130 Regalmetern.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Druckgenehmigung Zensur in der DDR.] In: mediengeschichte.dnb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 29. Mai 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Laura Bradley zeigte in einer Untersuchung aus dem Jahr 2010, dass Zensur in der unmittelbaren Nachkriegszeit als Teil der Entnazifizierung durchaus Akzeptanz fand, nach der Verfassung von 1949 aber nur noch verklausuliert angesprochen werden durfte. Durch penibel eingehaltene Sprachregelungen (siehe Sprachgebrauch in der DDR) sei die sehr weitgehende Kontrolle als positive Förderung dargestellt worden.<ref>Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 13.</ref> Ergänzend hierzu war die gesamte Amtssprache durch Euphemismen, Parteijargon und ideologische Vorgaben geprägt.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Parteijargon (1985)(in: DDR Handbuch. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage, Köln 1985: S. 967).] In: www.kommunismusgeschichte.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 10. Februar 2026.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Quelle der euphemistischen Sprache war die Planwirtschaft<ref>Vgl. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 11.</ref> und die Amtssprache<ref>Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 12.</ref> der DDR. In der Bundesrepublik Deutschland (BRD) nannte man das spöttisch „Sowjetdeutsch“ oder „Parteichinesisch“.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Sprachliche Veränderungen des Deutschen nach der Wende (in: Grazer Linguistische Studien, Jahrgang (1992), Heft, Seiten 127-134).] In: https://unipub.uni-graz.at/. , S. 128, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 10. Februar 2026.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Das Zensur- und Überwachungssystem der DDR war ein komplexes Netz aus Tätern, Opfern, Mitläufern und Profiteuren, dessen Akteure in fließenden Rollen agierten und dessen allgegenwärtige Durchdringung der Gesellschaft maßgeblich von politischer Überzeugung, Angst, Druck, Opportunismus, Karrierechancen, finanziellen Vorteilen und patriotischer Pflicht<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Vertrauen und Verrat.] In: www.deutschlandfunkkultur.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 7. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> geprägt war. Sie war tief in allen Bereichen der Gesellschaft verwurzelt, weit über Medien und Kultur hinaus, und wurde von zentralen bürokratischen Institutionen und ihren Spitzenfunktionären maßgeblich geplant und umgesetzt. Diese Akteure, insbesondere die ideologischen Hardliner an der Spitze der Partei, sahen die Zensur als eine marxistisch-leninistische und dialektische Notwendigkeit (z. B. Schutz vor „negativen“ Einflüssen oder zur „Erziehung“ der Bürger) auf dem Weg zum Kommunismus. Für sie war sie kein Übel im herkömmlichen Sinne, sondern ein unverzichtbares Instrument zum Schutz und zur Stärkung des „realsozialistischen“ Staates.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Marxismus-Leninismus.] In: www.verfassungsschutz.bayern.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 17. Juli 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Sprachregelung
- Administrative Maßnahmen: Aufführungsverbote
- Druckgenehmigungsverfahren: Eine vorgeschaltete Zensur für Veröffentlichungen
- Geduldige Überzeugung, Hilfe, Unterstützung: Umschreibungen für ideologischen Druck, der zur Anpassung von Werken führte
- Lizenzierung: Kontrolle des Imports ausländischer Werke
- Selbstkritik, ideologische Klärungsprozesse: Aufforderungen an Künstler, ihre Werke an die Parteilinie anzupassen
- Spielplangestaltung: Kontrolle der Auswahl von Stücken im Theater und Film
- Schwerpunkttitel: Buchprojekte, die vom Kulturministerium überprüft und korrigiert wurden
Überblick
In der DDR war die Sprache ein zentrales Instrument der politischen Kontrolle. Als subtile Zensur wurden scheinbar neutrale Begriffe als Trojanische Pferde eingesetzt, um gezielt das Denken, die Wahrnehmung der Realität und den Sprachgebrauch der Menschen zu steuern. Dies schuf ein Klima des Misstrauens und zementierte die Diskrepanz zwischen der Propaganda und dem Alltag in der DDR. Viele Bürger lebten in einer Doppelmoral: Sie passten sich an, indem sie öffentlich die DDR-Parteisprache nutzten oder Verschwiegenheit pflegten, während sie privat abweichende Ansichten hegten.
Der Perspektivplan<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Perspektivplan bis 1970 (1966).] In: www.kommunismusgeschichte.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> in der DDR hatte aufgrund der totalitären Natur des Systems indirekte Zensurfolgen, besonders für die Bereiche Kultur, Bildung, Wissenschaft und Medien.
Die Wurzeln dieses Zensur-Systems reichten weit zurück. In der Sowjetischen Besatzungszone wurde am 9. Juni 1945 die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit Sitz in Berlin-Karlshorst installiert; sie übernahm die Regierungsgewalt und führte ein striktes System der Vorzensur ein. Ab 1949 versteckte die DDR ihre Kontrolle über Informationen sehr geschickt. Das Wort „Zensur“ wurde aus offiziellen Texten und den Medien gestrichen, obwohl die Verfassung freie Meinungsäußerung und Pressefreiheit versprach.
Kontrolle und Überwachung waren untrennbar in das Zensursystem eingebunden. Die Kontrollinstanzen waren anfangs nach Organisationen wie der SED, staatlichen Behörden oder dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegliedert; später kamen regionale Strukturen hinzu. Ergänzt wurde diese institutionelle Kontrolle durch das SED/MfS-Nomenklatursystem. Dieses fungierte als Instrument der Herrschaftssicherung durch psychologische und materielle Privilegienbindung – eine Abhängigkeitssicherung für sozialen Aufstieg und Exklusivität.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Nomenklatur-Kader. RÜCKGRAT DER SED-DIKTATUR.] In: www.uni-rostock.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 9. Januar 2026.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Die SED vermied es, offen Werke zu verbieten, um öffentliche Auseinandersetzungen zu verhindern. Stattdessen wurden Verzögerungen oder Vorwände wie „Papierknappheit“ genutzt. Künstler, deren Werke dem Staat gefielen, wurden mit Belohnungen und Privilegien wie Westreisen oder Auszeichnungen gefördert. Diese Art der Kontrolle passte sich stets aktuellen politischen Ereignissen an, wie dem Mauerbau oder den Interventionen in Ungarn und der Tschechoslowakei. Zudem wurden ausländische Inhalte strikt überprüft.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Männer machen Bücher.] In: www.cicero.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 27. Mai 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Darbietungen, die in der DDR unerwünscht waren, standen in der Systemkonkurrenz zur Bundesrepublik hoch im Kurs. Das MfS weitete diese Kontrolle sogar auf westdeutsche Verlage aus, um die Veröffentlichung kritischer DDR-Autoren im Westen zu verhindern.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die Beobachtung des westdeutschen Verlagswesens durch das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Das Beispiel des Suhrkamp-Verlags.] In: www.bpb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 12. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Als Michail Gorbatschow 1985 in der Sowjetunion eine Kursänderung unter den Vorzeichen von Glasnost und Perestroika einschlug und befreundeten Regierungen im Ostblock eine Abkehr von der Breschnew-Doktrin („Sinatra-Doktrin“) anbot, lehnte die SED-Führung diesen Weg strikt ab. Sie verhängte Zensur über sowjetische Medien und propagierte einen „Sozialismus in den Farben der DDR“.
Diese Strategie der Abgrenzung folgte einer langjährigen Tradition. Schon 1970 versuchte die SED unter Ulbricht, eine „sozialistische deutsche Nationalsprache“ zu konstruieren, um die DDR linguistisch und kulturell von Westdeutschland zu isolieren.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Erstarrte politische Sprache – absterbendes politisches System?] In: www.ev-akademie-boll.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 10. Februar 2026.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Doch dieser Versuch, die gemeinsame Sprache zu spalten, scheiterte ebenso wie die spätere Reformunfähigkeit an der Realität. Der wachsende Widerstand der Bevölkerung, der 1989 seinen Höhepunkt erreichte, führte schließlich zur Implosion des Staates 1989/1990.
Sowjetische Besatzungszone
In der Sowjetischen Besatzungszone übte von 1945 bis zur Gründung der DDR im Oktober 1949 die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Zensur aus. In den örtlichen Kommandanturen waren dafür Presseoffiziere eingesetzt, meist im Hauptmanns- oder Majorsrang mit in der Regel sehr guten Deutschkenntnissen. Während die Zeitungen der Sozialistischen Einheitspartei (SED) sich mit Selbstzensur an die vorgegebenen Sprachregelungen für die Berichterstattung („Parteilinie“) hielten, unterlagen die Blätter der so genannten Blockparteien CDU, LDPD und NDPD der Vorzensur. In der Praxis musste ein dafür bestimmter Redakteur vor Beginn des Druckprozesses die Seitenabzüge der nächsten Ausgabe in der Kommandantur vorlegen und sich das Imprimatur erteilen lassen.
Organisatorisch bestand die „Verwaltung für Propaganda und Zensur“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), uprawlenije propagandy), später „Verwaltung für Information“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), uprawlenije informazii) als Teil der SMAD. Leiter dieser Verwaltung war 1945 bis September 1949 Generalmajor Sergei Iwanowitsch Tjulpanow.<ref>Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber: SBZ-Handbuch; München: Oldenbourg, 1993², ISBN 3-486-55262-7, S. 53–54.</ref> Vergleichbare Abteilungen wurden auch bei den Landesverwaltungen des SMAD eingerichtet.
Mit der Gründung der DDR 1949 war die Gleichschaltung der Presse und die Verstaatlichung der Medien und Druckereien soweit abgeschlossen, dass die Vorzensur abgeschafft und durch subtilere Formen der Zensur abgelöst wurde.
Steuerung der Inhalte der Medien
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Gegenstände und Schwerpunkte der Berichterstattung der Medien wurden zentral durch das Politbüro der SED vorgegeben. Der ZK-Sekretär für Agitation und Propaganda leitete die Abteilung Agitation, die für die Organisation und Lenkung der Massenmedien verantwortlich war, einschließlich der Verbreitung von Desinformation im In- und Ausland, gab ihre Anweisungen weiter an den Allgemeiner Deutscher Nachrichtendienst und die Panorama DDR-Auslandspresseagentur. Diesem Zweck dienten tägliche Konferenzen in Berlin, Konferenzschaltungen zu den übrigen SED-Zeitungen und Presseanweisungen. Ein weiteres Instrument waren die Anleitungen des Presseamtes der DDR-Regierung.
Auf lokaler Ebene erfolgte dieser Prozess über die staatlichen „Ämter für Information“, die ebenfalls Anleitungen gemäß der Ost-Berliner Vorgaben erließen. Auch über die Parteizentralen wurde eine indirekte Zensur durch die Vorgabe von den Redaktionen täglich über Fernschreiber zugestellten Pflichtthemen, Kommentarargumenten, Schlagzeilenformulierungen und „Sollplänen“ ausgeübt. Unter Redakteuren der Provinzzeitungen herrschte deshalb das geflügelte Wort: „Meine Meinung kommt um zwei Uhr aus Berlin!“
Es war ein offenes Geheimnis, dass die SED-Führung und ausgewählte Funktionäre Zugang zu westlichen Medien (wie Zeitungen und Magazinen) hatten, obwohl diese der breiten Bevölkerung der DDR offiziell verboten waren. So informierten sie sich über die Entwicklungen beim „Klassenfeind“, um ihre eigene Propaganda und Politik besser ausrichten zu können.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Glasnost von unten. Drang nach Pressefreiheit.] In: www.bpb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 11. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Zensurakteure in Führungspositionen der DDR
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1. SED-Zentralkomitee (ZK): totalitäre Zensur, Festlegung der höchsten Zensurvorgaben
- Kurt Hager als ZK-Sekretär für Wissenschaft, Bildung und Kultur und Politbüromitglied, war der oberste Kulturideologe der SED, dessen Entscheidungen alle kulturellen Bereiche beeinflussten.
- Günter Mittag war ZK-Sekretär für Wirtschaft und spielte eine Schlüsselrolle bei der Steuerung der Wirtschaft und der damit verbundenen Informationskontrolle.
- Günter Schabowski war als Chefredakteur des Neues Deutschland und später Politbüromitglied ein wichtiger Akteur im Propagandasystem und damit in der direkten und indirekten Zensur.
2. Abteilung Agitation des ZK: systematische, präventive, ideologisch motivierte Zensur und gezielte Desinformation
- Leiter wie Joachim Herrmann, Horst Sindermann (erfand die Bezeichnung „Antifaschistischer Schutzwall“ für „die Mauer“), Werner Lamberz und Heinz Geggel waren maßgeblich beteiligt.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Agitation und Propaganda (1985).] In: www.kommunismusgeschichte.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
3. Ministerium für Kultur: Vorab- und Nachzensur, staatliche ideologische Zensur
- Wichtige Minister waren unter anderem Johannes R. Becher, Alexander Abusch, Klaus Gysi und Hans-Joachim Hoffmann. Als hochrangige Zensurbeauftragte im Kulturbereich galten auch die stellvertretenden Ministern und Staatssekretäre Fritz Apelt, Erich Wendt, Bruno Haid, Horst Brasch, Dieter Heinze, Hans Pischner, Günter Witt, Karl Hagemann, Kurt Löffler und Klaus Höpcke. Dieses Ministerium war direkt für die Genehmigung und Kontrolle von Publikationen, Kunst und Medien zuständig.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Kulturbereich, Überwachung des Kulturbereichs.] In: www.bundesarchiv.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
4. Ministerium der Justiz: Zensur durch Bestrafung und Abschreckung
- Hilde Benjamin prägte als Justizministerin (1953–1967) die ideologisch beeinflusste Sprache der Rechtsprechung und die Verfolgung „staatsfeindlicher“ Meinungen.
- Josef Streit war als Generalstaatsanwalt (1962–1986) maßgeblich für politische Prozesse und die Anwendung repressiver Gesetze verantwortlich.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Justiz im Dienste der Parteiherrschaft. Rechtspraxis und Staatssicherheit in der DDR (Ch. Links Verlag, Berlin).] In: www.bpb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
5. Ministerium für Volksbildung: Zensur von Wissen und Bildung
- Margot Honecker war als langjährige Ministerin für Volksbildung (1963–1989) entscheidend Verantwortlich für die ideologische Durchdringung des gesamten Bildungssystems und die Unterdrückung abweichender Ansichten.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Bildung im Sozialismus. Das Schulsystem der DDR.] In: www.mdr.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
6. Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen: Zensur von Wissen und Bildung
- Ernst-Joachim Gießmann kontrollierte als Minister für Hoch- und Fachschulwesen (1970–1989) auch die ideologische Ausrichtung der Universitäten und Forschung (Gesellschaftswissenschaftliches Grundstudium (DDR)).<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die Idee der Hochschule in der DDR.] In: www.hof.uni-halle.de. , S. 13-30, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
7. Staatliche Plankommission: Verheimlichen von Informationen, Zensur von Fakten und Realität
- Gerhard Schürer war als Vorsitzender der Staatlichen Plankommission (1965–1989) für die Manipulation und Geheimhaltung von Wirtschaftsdaten zuständig, um Probleme zu verschleiern; Die DDR-Statistik.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die DDR-Statistik:Probleme und Besonderheiten.] In: www.deutschland-in-daten.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 28. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Zensurlektoren und das MfS
In der DDR gab es keine offizielle Berufsbezeichnung „Zensur-Lektor“, doch waren Kontrolle, Überwachung und Zensur tief in allen gesellschaftlichen und künstlerischen Strukturen verankert. Alle Lektoren (Textprüfer) und Amtsträger in den staatlichen Organen übten, bewusst oder unbewusst, eine Zensurfunktion aus, indem sie Inhalte auf politische Konformität prüften.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Kulturpolitik und literarische Zensur in der DDR.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 6. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Nur wenige, wichtige und strategisch platzierte Akteure innerhalb des Literaturbetriebs (wie Angela Drescher, Aufbau Verlag) versuchten, Zensur zu umgehen oder zu mildern.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Zensur in der DDR. Zwischen Literatur-Gutachten und Genehmigungspraxis.] In: www.deutschlandfunk.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 15. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Die Tätigkeiten der Hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS waren vielseitig: „Gutachtertätigkeit“ intern und extern, Beeinflussung von Kulturinstitutionen und -funktionären, Einleitung und Durchführung repressiver Maßnahmen, Analyse der Informationen, Führung und Steuerung der Inoffiziellen Mitarbeiter, strategische Planung und Definition von „Feindbildern“ (wie „Feindlich-negative Person“). Abteilung XX. des MfS war speziell für die Überwachung von Kirchen, Jugendorganisationen, Sport und vor allem auch des Kulturbetriebs zuständig.
Eine entscheidende Rolle spielten dabei Inoffizielle Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) (wie Uwe Berger und Ralf-Rainer Wasse), die in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen tätig waren.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die ideologische Kontrolle der DDR durch das Ministerium für Staatssicherheit.] In: www.bpb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 6. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Darunter waren auch Literaturwissenschaftler, Verleger (wie Hans Marquardt und Klaus Gysi), Schriftsteller (wie Sascha Anderson), Schauspielern (wie Ernst-Georg Schwill), Lektoren und Gutachter in Verlagen sowie SED-Funktionäre. Weitere Beispiele sind unter anderem:
Das MfS kontrollierte nicht nur den eigenen Kulturbetrieb, sondern überwachte auch intensiv westdeutsche Verlage, besonders solche mit linker oder liberaler Ausrichtung (wie Suhrkamp, Luchterhand, Wagenbach). Ziel war es, die „Politisch-ideologische Diversion“ (PiD)<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Politisch-ideologische Diversion (PiD).] In: www.stasi-mediathek.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 7. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> abzuwehren und so viel wie möglich zu verhindern, dass „politisch zweifelhafte“ DDR-Autoren im Westen publizierten.
Ein Großteil der Akten der Hauptverwaltung A (HV A), dem Auslandsgeheimdienst des MfS, wurden von den Mitarbeitern der HV A zwischen Dezember 1989 und Juni 1990 vernichtet, um Spuren ihrer Spionageaktivitäten im Westen und ihrer Zusammenarbeit mit Ostblockstaaten zu verwischen, die Identität ihrer Mitarbeiter zu schützen um so Strafrechtiche konsequenzen zu umgehen und politischer Enthüllungen und Skandale zu verhindern.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Vernichtung von Stasi-Akten. Eine Untersuchung zu den Verlusten 1989/90.] In: www.bundesarchiv.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 1. Juli 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Präventive und operative Zensur und Kaderabsicherung an der Basis
Während das ZK die generelle Orientierung vorgab und das MfS für die operative Absicherung gegen „Feindlich-negative Kräfte“ (Repression/Zersetzung) zuständig war, sorgten die Betriebsparteiorganisationen (BPO),<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig FDGB-Lexikon, Berlin 2009 Betriebsparteiorganisation (der SED) (BPO).] In: library.fes.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 16. Oktober 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Abteilungsparteiorganisationen (APO)<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Abteilungsparteiorganisationen der SED (APO) (1979).] In: www.kommunismusgeschichte.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 16. Oktober 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und die kontrollierten Verbände (wie Freie Deutsche Jugend (FDJ), Kulturbund der DDR (KB), Verband der Journalisten der DDR (VdJ), Verband Bildender Künstler der DDR (VBK), Schriftstellerverband der DDR, Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD)), für die flächendeckende, präventive und operative Zensur. Diese wurde gemäß dem Produktions- und Territorialprinzip durch die Parteimäßige Führungstätigkeit und Kaderpolitik der BPOs implementiert, was zur politisch-ideologischen Durchdringung aller Lebensbereiche und zur Selbstzensur der Bürger – der sogenannten „Schere im Kopf“ – führte, um Repressionen zu vermeiden und die Parteilinie einzuhalten.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Rolle und Funktion der Parteiorganisationen in Betrieben / im Wohngebiet.] In: www.bpb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 16. Oktober 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Umgehungsversuche und Selbstzensur
Die Zensur führte zu Versuchen, eine (illegale) Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Neben einigen kleineren kirchlichen Blättern sind hier insbesondere die Samisdat, Friedens-, Umwelt- und Menschenrechtsgruppen veröffentlichten illegal Informationsschriften, und seit den 1980er Jahren zirkulierten im Freundeskreis der Künstler kleine, originalgrafische Zeitschriften außerhalb der Zensur.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Druckgenehmigung Zensur in der DDR.] In: mediengeschichte.dnb.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 29. Mai 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Eine mehr als lokale Wirkung konnten diese jedoch nicht erreichen. Manche Kirchen boten einen Schutzraum für freien Meinungsaustausch und wurden deswegen vom MfS überwacht.
DDR-Bürger übten aus Angst vor Repressalien und IMs auch im Alltag, besonders am Arbeitsplatz, Selbstzensur in ihrer Sprache. Die Angst vor Verbot führte bei vielen Autoren zur Selbstzensur („Schere im Kopf“), um ihre Werke veröffentlichen zu können. Doch einige nutzten die Zensur auch clever aus: Sie schrieben bewusst auffällige Sätze „weiße Elefanten“, um den Zensor von anderen, subtileren kritischen Stellen abzulenken.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Abschaffung der Druckgenehmigung. Wie die Literatur-Zensur in der DDR funktionierte.] In: www.mdr.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Durch die Zensur entwickelten Künstler feinsinnigeren Ausdrucksformen mit Metaphern und Andeutungen, die das Publikum zum „Zwischen-den-Zeilen-Lesen“ anregten.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Zwischen den Zeilen. Zur Rolle der Literatur in der DDR. In: Entfremdung - Neurose - Ideologie, Bund-Verlag, Köln 1990.] In: www.udo-leuschner.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 25. Mai 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Das heimliche Veröffentlichen von Inhalten (wie Flugblätter,<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig 1989. 25 Jahre friedliche Revolution. Von den Demos zur Grenzöffnung.] (PDF; 1.98 MB) In: hof-plauen-89.de. , S. 8, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 3. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Filmmaterial<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Aram Radomski.] In: jugendopposition.de/145500. Bundeszentrale für politische Bildung und Robert-Havemann-Gesellschaft e. V., letzte Änderung Dezember 2019, , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 3. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> und Büchern), auch im Ausland, war ein gefährlicher Akt des Widerstands gegen die DDR-Zensur. Es ermöglichte Autoren, freier zu schreiben und das System zu kritisieren, konnte aber empfindliche Strafen nach sich ziehen: von Überwachung und Zersetzung<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Zersetzung. Aus MFS-Lexikon.] In: www.bundesarchiv.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 30. Mai 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> durch die Stasi über Berufsverbot (z. B. nach Reiner Kunzes „Die wunderbaren Jahre“. 1976) bis hin zu Freiheitsentzug (wie bei Rudolf Bahro) und Zwangsausbürgerung. Leser (wie z. B. Baldur Haase), die sich inoffiziell Zugang zu „unbotmäßigen“ Inhalten verschafften und weitergaben, konnten mit Haftstrafen belegt werden.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Baldur Haase. Den Stumpfsinn ertragen lernen.] In: www.zeitzeugen-portal.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Zensur von Literatur, Theater und Film
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Anders als im Westen konnten sich die DDR-Literaten, Künstler und Musiker der Aufmerksamkeit höchster staatlicher Stellen sicher sein. Kultur spielte eine wichtige Rolle für das Aufbaukonzept der SED. Deutlich wird dies am Beispiel Schauspiel: „Politiker wollten, dass das Theater eine positive Rolle bei der Gestaltung der Identität des neuen Staates und seiner Bürger spielen sollte.“<ref>Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 2.</ref> Dabei entwickelten Staat und Partei durchaus widersprüchliche Interessen. Größen wie Bertolt Brecht waren einerseits willkommene Repräsentanten der frühen, diplomatisch isolierten DDR, andererseits standen Brecht und sein Berliner Ensemble im Dauerkonflikt mit den Prinzipien des Sozialistischen Realismus, einer Kunstkonzeption, die durch positive Beispiele und Helden die Entwicklung des Sozialismus fördern und dabei Kritik an Partei und Wirtschaft vermeiden sollte. Ein frühes Lehrstück zum Versuch staatlicher Stellen, Einfluss auf Inhalte Formen zu nehmen, zeigen die aufwendigen Verfilmungsversuche von Brechts Mutter Courage und ihre Kinder. Immer stärker wurde der Druck der Kultur- und Filmpolitik, in das Drehbuch zum Drama positive sozialistische Gründergestalten einzuführen und Bauern zu zeigen, die über die Soldateska triumphieren.
Wie die Literatur wurden Dramen zunächst vor der Drucklegung geprüft. Träger des Druckgenehmigungsverfahrens, des zentralen Verfahrens zur Zensur von DDR-Literatur, war ab 1956 die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel (HV) im Ministerium für Kultur in Nachfolge des Amtes für Literatur und Verlagswesen. Aufgrund der Verordnung über die Entwicklung fortschrittlicher Literatur war es die Aufgabe, den Druck von Büchern durch die Zuweisung von Papier zu gestatten oder zu untersagen.<ref>Verordnung über die Entwicklung fortschrittlicher Literatur vom 16. August 1951; GBl. Nr. 100, 27. August 1951, S. 785.</ref> Die HV hatte ein vollständiges Monopol über alle 78 Verlage der DDR. Neben der Zuweisung von Papier und Druckkapazitäten konnte die HV damit direkt auf Verlagsleiter und Lektoren zugreifen.<ref>Nils Kahlefendt: Abschied vom Leseland? Die ostdeutsche Buchhandels- und Verlagslandschaft zwischen Ab- und Aufbruch. In: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 13/2000)</ref>
Zudem durften Schriftsteller der DDR ihre Werke grundsätzlich nicht im westlichen Ausland veröffentlichen. Dies war seit 1966 nur mit Genehmigung des Büros für Urheberrechte erlaubt. Eine Erteilung konnte verweigert oder mit Auflagen versehen werden.<ref>Marcel Reich-Ranicki: Nur noch mit Genehmigung. Ein neuer Schlag gegen die Schriftsteller in der DDR. In: Die Zeit, Nr. 13/1966.</ref>
Mit der Druckgenehmigung war die staatliche Kontrolle besonders im Bereich des Theaters nicht abgeschlossen. Proben wurden beispielsweise von der regionalen Politik am Spielort, von der Parteiorganisation der Belegschaft des Theaters oder vom MfS beobachtet. Auch nach der Zulassung einer Aufführung wurde die Reaktion des Publikums analysiert. Zielvorstellung war, komplette Verbote von Stücken zu vermeiden und durch verschiedene Interventionen das Stück zu entschärfen oder Aufführungen aus technischen Gründen zu verschieben.<ref>Vgl. Laura Bradley: Cooperation and Conflict: GDR Theatre Censorship, 1961–1989 (Oxford UP, 2010), New York 2011, S. 2 f.</ref>
Laura Bradley hat konkrete Zensurmaßnahmen der DDR im historischen Kontext untersucht. Sie zeigt mit Kategorien des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, wie auf der Basis der umfangreichen staatlichen Kontroll- und Belohnungssystems ein soziales Feld entsteht, in dem die Akteure stetig reflektieren, welche Gewinne oder Verluste auf ihre Aktionen und Äußerungen folgen könnten. Gleichzeitig wurden die Spielräume für kulturelle Experimente immer neu ausgelotet.<ref>Vgl. Laura Bradley: Cooperation and Conflict, S. 4 f.</ref>
1990 wurde in Berlin die Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus gegründet, mit dem Ziel in der DDR verbotene Bücher aufzubewahren.
Zensur von Zeitungen und Zeitschriften
Die Herausgabe von Periodika unterlag als Lizenzzeitung der Lizenzierung. In der SBZ wurden bis auf wenige überparteiliche Zeitungen (z. B. die Abendpost in Erfurt oder die Tagespost in Potsdam) nur parteinahe Zeitungen zugelassen. Mit der Gleichschaltung der Parteien zu Blockparteien erlangte die SED die vollständige Kontrolle. Mit der Einstellung der letzten überparteilichen Zeitungen Anfang der 1950er-Jahre waren alle Tageszeitungen der DDR von Blockparteien und Massenorganisationen kontrolliert.
Der Postzeitungsvertrieb der DDR verfügte über ein Monopol des Verkaufs und der Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften. Der Postzeitungsvertrieb führte eine Liste der zu vertreibenden Zeitungen und Zeitschriften. Eine Nichtaufnahme oder Streichung von dieser Liste war faktisch einem Verbot gleichzusetzen. Im November 1988 wurde z. B. die sowjetische Zeitschrift Sputnik wegen mehrerer kritischer Artikel für ein Jahr von der Liste gestrichen.
Das Zentralkomitee (die „Auslese-Gruppe“ der Abteilung Agitation und Propaganda beim ZK der SED) und das Presseamt verfügten über Auswertungsabteilungen, die alle Veröffentlichungen auswerteten. Diese Auswertungen waren die Basis für die Entscheidungen über Sanktionen gegen Medien oder Journalisten.<ref>Günter Höhne: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prenzlauer Berg und Jammertal. Ab heute in der KulturBrauerei: Zeitzeugnisse der 80er Jahre über einen verhinderten Dialog zur Stadterneuerung. ( vom 22. Dezember 2009 im Internet Archive) Zuerst erschienen als Rezension in: Der Tagesspiegel, 1996.</ref>
Zensur von Hörfunk und Fernsehen
Die nach dem Krieg unter Kontrolle der sowjetischen Militärregierung gegründeten regionalen Hörfunksender (z. B. der Berliner Rundfunk, der Mitteldeutsche Rundfunk und die Landessender Dresden, Schwerin, Halle, Erfurt und Potsdam) standen unter Kontrolle des Berliner Rundfunks, der wiederum von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) gesteuert wurde.
Am 12. Oktober 1949 übernahm offiziell der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik die Kontrolle des Hörfunks. 1952 wurden die Sender zentralisiert und unter Aufsicht des Staatlichen Komitees für Rundfunk (StKfR) gestellt, das seine Anweisungen von der Abteilung Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der SED erhielt. „In Presseanweisungen wurden Themen und die Art, wie sie zu behandeln sind, zentral vorgegeben. Der einzelne Journalist setzte die Vorgaben um, ohne die Anweisung als gedruckte Quelle greifbar zu haben.“<ref>Patrick Conley: Der parteiliche Journalist. Metropol, Berlin 2012, ISBN 978-3-86331-050-9, S. 36.</ref>
Am 4. September 1968 wurde nach dem Vorbild des StKfR das Staatliche Komitee für Fernsehen gegründet<ref>Mitteldeutscher Rundfunk: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lexikon: Rundfunk der DDR ( vom 14. August 2006 im Internet Archive)</ref>, dessen langjähriger Leiter Heinz Adameck (1968–1989) wurde.
Die Wirkung der Zensur der elektronischen Medien blieb eingeschränkt, da die Menschen in der DDR in der Lage waren, die Hörfunk- und Fernsehprogramme aus dem Westen zu empfangen. Noch bevor das Westfernsehen eine wichtige Rolle bei der Information der Bevölkerung erhalten hatte, waren es Radiosender wie der RIAS, die das Informationsmonopol der DDR-Führung brachen. Es wurde versucht, den Empfang mit Störsendern zu verhindern. Gestört wurde allerdings nur der Mittelwellenempfang. Westdeutsche UKW-Hörfunk- und Fernsehprogramme wurden technisch nicht gestört, ein Empfang war in weiten Teilen der DDR problemlos möglich und bei der Bevölkerung auch üblich, wenn man vom „Tal der Ahnungslosen“ absieht. Der Empfang des Westfernsehens und westlicher Radioprogramme war in der DDR nie offiziell verboten, aber der Staat versuchte bereits in den frühen 1950er-Jahren, deren Nutzung einzuschränken.<ref>Claudia Dittmar: Feindliches Fernsehen. Das DDR-Fernsehen und seine Strategien im Umgang mit dem westdeutschen Fernsehen. Transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1434-3, S. 100.</ref> Dessen ungeachtet gab es in den 1980er-Jahren staatlich geduldete Initiativen zum Bau von Kabelnetzen, die überwiegend für einen besseren Empfang westdeutscher Programme errichtet wurden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />DDR – Mythos und Wirklichkeit – Medien ( vom 6. August 2020 im Internet Archive)</ref>
Zensur von bildenden Künstlern und Musikkultur
Die Kunst sollte vollständig im Dienst der staatlichen Ideologie stehen, und jegliche Abweichung wurde unterdrückt. Künstler, die sich nicht an die Vorgaben hielten und kein Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR (VBK) waren, riskierten unter anderem Ausstellungsverbote. Dies führte zu einer Selbstzensur, um Konfrontationen mit den Behörden oder dem MfS zu vermeiden. Trotz der umfassenden Kontrolle versuchten viele Künstler, die Grenzen des Systems auszuloten.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Chemnitz: Kunst zwischen Freiheit und Zensur.] In: www.sachsen-fernsehen.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 9. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> Die zentrale Berufsorganisation der bildenden Künstler war das staatliche Instrument, um die ideologische Linie der SED durchzusetzen. Die Aufnahme in den Verband konnte verweigert werden (zum Beispiel bei A.R. Penck), was einem Berufsverbot gleichkam.
In der DDR unterlagen auch die Musikkultur einer strengen staatlichen Kontrolle. Die Texte der Musikbands mussten der marxistisch-leninistischen Ideologie entsprechen. Kritische Äußerungen zu Themen wie der Wehrpflicht, der Parteielite oder der Entfremdung in der Arbeitswelt waren nicht erlaubt. Die sogenannten „Lektorate“ von Rundfunk und dem staatlichen Plattenlabel Amiga prüften wöchentlich neue Songs auf ihre „Konservierungs- und Sendewürdigkeit“, insbesondere für die Rockmusik in der DDR. Um dennoch Kritik äußern zu können, mussten Bands oft metaphorische oder chiffrierte Texte verwenden, wie es zum Beispiel Karat mit Albatros gelang. Für öffentliche Auftritte benötigten Musiker und Bands zudem eine staatliche Spielerlaubnis, umgangssprachlich „Pappe“<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Die „Pappe“ – staatliche Spielerlaubnis für Musiker.] In: www.ddr-museum.de. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 5. Juni 2025.Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref> genannt.
Rechtliche Grundlagen
Die Diskrepanz zwischen dem, was auf dem Papier stand, und der alltäglichen Repression war ein zentrales Merkmal des DDR-Systems das ihre eigene Verfassung widerlegte. Zudem war die Rechtsprechung in der DDR nicht unabhängig, sondern der Partei untergeordnet. Richter und Staatsanwälte setzten die politischen Vorgaben der SED durch, was die Verfolgung von Regimekritikern zur Normalität machte.
Verfassungsrecht und Verfassungswirklichkeit
Die Verfassung der DDR von 1949 garantierte Meinungs- und Pressefreiheit:
„Artikel 9
(1) Alle Bürger haben das Recht, innerhalb der Schranken der für alle geltenden Gesetze ihre Meinung frei und öffentlich zu äußern und sich zu diesem Zweck friedlich und unbewaffnet zu versammeln. Diese Freiheit wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt; niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.
(2) Eine Pressezensur findet nicht statt.“<ref>Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949 auf documentarchiv.de</ref>
In der Verfassung des Jahres 1968 kommt der Begriff Zensur nicht mehr vor.<ref>Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 6. April 1968 auf dokumentenarchiv.de</ref> Artikel 27 der Verfassung der DDR garantierte jedem Bürger das Recht, seine Meinung frei zu äußern sowie die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens.
„Artikel 27
(1) Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.
(2) Die Freiheit der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens ist gewährleistet.“<ref name="verfddr1968">zitiert nach: Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 6. April 1968 auf dokumentenarchiv.de</ref>
Der Begriff der Zensur war durch die klare Regelung in verschiedenen Versionen der DDR-Verfassung tabuisiert. Dennoch wurde ein umfangreicher, mehrgleisiger Zensurapparat etabliert, differenziert nach tragender Instanz, etwa Verwaltung, Partei oder MfS, nach Region und nach überwachten Sparten.
Eine rechtliche Grundlage findet sich im Artikel 18 der Verfassung von 1968:
„Artikel 18
(1) Die sozialistische Nationalkultur gehört zu den Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft. Die Deutsche Demokratische Republik fördert und schützt die sozialistische Kultur, die dem Frieden, dem Humanismus und der Entwicklung der sozialistischen Menschengemeinschaft dient. Sie bekämpft die imperialistische Unkultur, die der psychologischen Kriegführung und der Herabwürdigung des Menschen dient. Die sozialistische Gesellschaft fördert das kulturvolle Leben der Werktätigen, pflegt alle humanistischen Werte der nationalen Kulturerbes und der Weltkultur und entwickelt die sozialistische Nationalkultur als Sache des ganzen Volkes.
(2) Die Förderung der Künste, der künstlerischen Interessen und Fähigkeiten aller Werktätigen und die Verbreitung künstlerischer Werke und Leistungen sind Obliegenheiten des Staates und aller gesellschaftlichen Kräfte. Das künstlerische Schaffen beruht auf einer engen Verbindung der Kulturschaffenden mit dem Leben des Volkes.“<ref name="verfddr1968" />
Aus der Perspektive der SED waren die Entwicklung und die inhaltliche und formale Gestaltung der Kultur politische Aufgaben. Zensur erschien aus dieser Perspektive euphemistisch als Förderung.
Strafrecht
Das Strafgesetzbuch der DDR stellte eine Reihe von Rechtsnormen zur Verfügung, die zur Durchsetzung der Zensur Anwendung fanden:
- Der „Gummiparagraph“ 106 stellte „staatsfeindliche Hetze“ und damit die „Diskriminierung der gesellschaftlichen Verhältnisse“ unter Strafe.
- Mit dem § 219 „Ungesetzliche Verbindungsaufnahme“ konnte Besitz und Weitergabe westlicher Zeitungen und Zeitschriften bestraft werden.
- § 220 „Staatsverleumdung“ schützte staatliche Organe und ihre Mitarbeiter nicht nur vor Verleumdung, sondern auch vor „Verächtlichmachung“.
- §§ 245, 246 „Geheimnisverrat“ wurde genutzt, um die Weitergabe von Informationen über die Situation in der DDR an westliche Medien zu bestrafen.
Urheberrecht
Um zu verhindern, dass Schriftsteller der DDR zur Umgehung der Zensur ihre Werke im westlichen Ausland veröffentlichen, wurde die Anordnung über die Wahrung der Urheberrechte durch das Büro für Urheberrechte erlassen.<ref>Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik, Teil II, Nr. 21</ref>
Siehe auch
- DDR-Justiz
- Jugendkultur in der DDR
- Liste der auszusondernden Literatur in der DDR
- Liste von Oppositionellen in der DDR
- Ministerium für Kultur (DDR)
- 11. Plenum des ZK der SED
- Postgeheimnis #DDR
Literatur
- Die Tore weit. In: Der Spiegel, 15. Januar 1996.
- Simone Barck, Martina Langermann, Siegfried Lokatis: „Jedes Buch ein Abenteuer!“ Zensursystem und literarische Öffentlichkeiten in der DDR bis Ende der sechziger Jahre. Akademie-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-05-003118-2.
- Patricia F. Blume: "Die Geschichte der Leipziger Buchmesse in der DDR". Verlag: De Gruyter. Berlin/Boston, 2024. ISBN 978-3-11-131707-6.
- Laura Bradley: Cooperation and Conflict: GDR Theatre Censorship, 1961–1989. Oxford University Press, 2010, ISBN 0-19-958963-1 (englisch).
- Siegfried Bräuer, Clemens Vollnhals (Hrsg.): „In der DDR gibt es keine Zensur.“ Die Evangelische Verlagsanstalt und die Praxis der Druckgenehmigung. 1954–1989. Leipzig 1995, ISBN 3-374-01583-2.
- Günter de Bruyn: Vierzig Jahre: Ein Lebensbericht. Intellektuelle Auseinandersetzung mit den Herausforderungen im Umgang mit Zensur in der DDR – Selbstkritisch über Feigheiten und Versäumnisse. FISCHER Verlag. Frankfurt am Main. 1996. ISBN 3-10-009626-6
- Siegfried Lokatis: Verantwortliche Redaktion. Zensurwerkstätten der DDR. Dr. Ernst Hauswedell Verlag, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-7762-1319-5.
- Siegfried Lokatis, Martin Hochrein (Hrsg.): Die Argusaugen der Zensur. Begutachtungspraxis im Leseland DDR. Dr. Ernst Hauswedell Verlag, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-7762-2104-6.
- Siegfried Lokatis, Theresia Rost, Grit Steuer (Hrsg.) Vom Autor zur Zensurakte. Abenteuer im Leseland DDR. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2013, ISBN 978-3-95462-110-1.
- Heinz-Elmar Tenorth; Ulrich Wiegmann: Pädagogische Wissenschaft in der DDR. In: Bildungsgeschichte. Forschung – Akzente – Perspektiven. Bad Heilbrunn : Verlag Julius Klinkhardt. 2022. S. 627. ISBN 978-3-7815-5972-1
- Joachim Walther: Der fünfte Zensor: Unterdrückte Literatur in der DDR. In: Claudius Rosenthal (Hrsg.): Zensur. Konrad-Adenauer-Stiftung e. V., 2003, ISBN 3-933714-90-7, S. 77.
- Joachim Walther: Stasi. Liquidierte Bücher, www.bpb.de, 07-10-2016
- Falco Werkentin: Politische Strafjustiz in der Ära Ulbricht. Ch. Links, Berlin 1995, ISBN 3-86153-069-4.
- Ernest Wichner, Herbert Wiesner: Literaturentwicklungsprozesse, Zensur der Literatur in der DDR. Edition Suhrkamp 1782, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1993.
Weblinks
- Auswahlbibliographie zur Sprache in der DDR, Institut für deutsche Sprache und Linguistik, Humboldt-Universität zu Berlin
- Blick über die Mauer: Medien in der DDR, BpB
- Ein Zweifler an der SED-Bezirksparteischule. (12.06.2016), www.ndr.de
- Jedes Buch ein Abenteuer. Zensur-System und literarische Öffentlichkeiten in der DDR bis Ende der sechziger Jahre. Von Simone Barek, Martina Langermann, Siegfried Lokatis
- Videointerview (links unten): Historiker Siegfried Lokatis über Buchzensur in der DDR in der Virtuellen Ausstellung „Zeichen – Bücher – Netze“, Deutsches Buch- und Schriftmuseum
- Zeitungspropaganda Interview mit Knut Elstermann
Fernsehen
- Zeitenwende - DDR Medien zwischen Aufbruch und Untergang (9. September 2025), www.ardmediathek.de, über das Brechen des Informationsmonopols der SED-Medien
YouTube
- 006 Sprache als Herrschaftsinstrument, hubertus-knabe.de, 17. Oktober 2024
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Vorlagenfehler/Parameter:Datum
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Zensur (DDR)
- Staatssicherheit (DDR)
- Christliche Organisation (DDR)
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