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Rafah

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Rafah
رفح
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Datei:Emblem of the Palestinian Rafah Municipal.png
Wappen
Verwaltung: PalastinaDatei:Flag of Palestine.svg Palästinensische Autonomiegebiete
Gebiet: Gazastreifen
Gouvernement: Rafah
Koordinaten: 31° 17′ N, 34° 15′ OKoordinaten: 31° 17′ 19″ N, 34° 15′ 7″ O
 {{#coordinates:31,288611111111|34,251944444444|primary
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Einwohner: 171.889 (Stand: 2017)
Zeitzone: UTC+2
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Ahmad al-Sufi
Rafah (Palästinensische Autonomiegebiete)
Rafah (Palästinensische Autonomiegebiete)

Rafah (arabisch رفح, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist eine palästinensische Stadt im südlichen Gazastreifen. Es war die Hauptstadt des Gouvernements Rafah und liegt 30 Kilometer südwestlich von Gaza-Stadt. Rafah-Stadt hatte 2017 laut dem Palästinensischen Zentralamt für Statistik 171.889 Einwohner.<ref name="PrelimCensus2017">Preliminary Results of the Population, Housing and Establishments Census, 2017. In: Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS). State of Palestine, 1. Februar 2018, S. 64–82, abgerufen am 30. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In Rafah befindet sich der Grenzübergang Rafah, der einzige Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen.

Rafah war bis 1967 unter ägyptischer Besatzung, von 1967 bis 2005 unter israelischer Besatzung. Bei der Rafah-Offensive 2024 im Verlauf des Kriegs in Israel und Gaza wurde die Stadt Rafah praktisch vollständig zerstört.

Demografie

Laut dem Palästinensischen Zentralamt für Statistik hatte Rafah-Stadt 2017 171.889 Einwohner.<ref name="PrelimCensus2017"/>

Bei der Volkszählung von 1997 betrug die Geschlechterverteilung in Rafah 50,5 % Männer und 49,5 % Frauen.<ref>Palestinian Population by Locality, Sex and Age Groups in Years. Palestinian Central Bureau of Statistics, 1997, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2008; abgerufen am 22. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Geografie und Klima

Rafah befindet sich in einer mediterranen Klimazone und war sehr dicht besiedelt. Das Klima entspricht dem von anderen Städten am Levantischen Meer, es gibt jedoch mehr Niederschlag. Die Sommer sind heiß und trocken, die Winter mild und regnerisch. Die Temperaturen betragen im Sommer tagsüber etwa 30 Grad Celsius und überschreiten aufgrund der Lage am Meer selten 35 Grad Celsius. An Wintertagen ist es tagsüber meist mild bis kühl, wobei es nachts auch mal kalt wird und die Temperaturen häufig auf unter 6 Grad Celsius fallen. Der Niederschlag besteht meist aus Regen mit gelegentlichem Hagel und Schneeregen. Schneefall kommt selten vor.

Das Köppen-Geiger-Klimaklassifizierungssystem klassifiziert Rafahs Klima als heiß semiarid (BSh).<ref>Gaza, PS Climate Zone, Monthly Weather Averages and Historical Data. Abgerufen am 11. Januar 2024.</ref><ref>Climate: Rafah – Climate graph, Temperature graph, Climate table. 23. Februar 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Februar 2014; abgerufen am 22. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Rafah
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Mittl. Tagesmax. (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 24,5
Mittl. Tagesmin. (°C) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format 19,4
Niederschlag (mm) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Σ Vorlage:Klimatabelle/Format
Regentage (d) Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Vorlage:Klimatabelle/Format Σ Vorlage:Klimatabelle/Format

Geschichte

Raphia der Bronzezeit bis zur Hellenistischen und Römischen Zeit

Die erste Erwähnung Rafahs findet sich in einer Inschrift von Pharao Sethos I., die auf das Jahr 1303 v. Chr. datiert wird. Beim Kriegszug des Scheschonq I. in die Levante 925 v. Chr. war Rafah die erste Station. Gut 200 Jahre später, im Jahr 720 v. Chr., siegte hier Šarrum-ken II. über Ägypten. Außerdem war Rafah Schauplatz der Schlacht von Raphia zwischen Ptolemaios IV. und Antiochos III. 217 v. Chr.<ref>Polybios Historien V.79–86; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Raphia (Memento vom 21. Februar 2012 im Internet Archive) bei Franciscan Cyberspot</ref>

Die Stadt wurde vom hasmonäischen König Alexander Jannäus erobert und wurde Teil des Hasmonäerreiches. Bei der Eroberung wurde die Stadt erheblich zerstört, sodass sie erst zur Zeit der römischen Feldherrn Pompeius und Gabinius wieder aufgebaut wurde. Letzterer scheint die eigentlichen Restaurierungsarbeiten durchgeführt zu haben, da die Neugründung der Stadt auf das Jahr 57 v. Chr. datiert. Rafah wird in Strabons Geographika (16, 2, 31) erwähnt und ist auf der Karte von Madaba abgebildet.<ref>E02524: The so-called Madaba Mosaic Map shows a number of labelled places of cult of saints in the Holy Land (mainly monasteries). Found in Madaba (Roman province of Arabia/Jordan). Probably mid-6th c. 8. März 2017, abgerufen am 10. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Byzantinische Zeit

In der Folge stieg die Bedeutung der Stadt und sie war bis in die frühe arabische Periode eine wichtige Handelsstadt nahe der Grenze der Provinz Syria zu Ägypten. Während der byzantinischen Ära war Rafah eine Diözese. Aus dieser Zeit wurden byzantinische Keramik und Münzen gefunden.<ref>Gaza's archaeological treasures at risk from war and neglect. In: BBC News. 27. Dezember 2012 (bbc.com [abgerufen am 10. Januar 2024]).</ref> 431 n. Chr. war Rafah beim Konzil von Ephesus vertreten, blieb aber bis heute ein Titularsitz der römisch-katholischen Kirche.

Frühe muslimische bis mamlukische Zeit

Rafah war eine der Städte, die 635 n. Chr. vom Rashidun-Kalifat unter General Amr ibn al-ʿĀs erobert wurde, und war anschließend eine wichtige Handelsstadt während der frühen muslimischen Zeit.<ref>Vgl. al-Balāḏurī: Kitāb Futūḥ al-Buldān. Ed. Michael Jan de Goeje. Brill, Leiden, 1866. S. 138. – Deutsche Übers. Oskar Rescher. S. 141.</ref> Unter den Umayyaden und Abbasiden war Rafah die südlichste Grenze von Jund Filastin („Bezirk Palästinas“). Laut dem arabischen Geographen Al-Ya'qubi war es die letzte Stadt in der Provinz Syrien an der Straße von Ramla nach Ägypten.<ref name=":2">G. (Guy) Le Strange: Palestine under the Moslems; a description of Syria and the Holy Land from A.D. 650 to 1500. Translated from the works of the mediaeval Arab geographers. London A.P. Watt, 1890 (archive.org [abgerufen am 10. Januar 2024]).</ref>

Im 10. Jahrhundert und erneut im 12. Jahrhundert siedelte sich eine jüdische Gemeinde in der Stadt an, die im 11. Jahrhundert jedoch einen Niedergang erlebte und 1080 nach Aschkelon auswanderte. In dieser Zeit lebte dort auch eine Samaritanergemeinschaft. Wie die meisten Städte im Süden Palästinas hatte das antike Rafah einen Landeplatz an der Küste (heute Tell Rafah), während die Hauptstadt im Landesinneren lag.<ref name=":3">Brandon Marlon: Rafah: A Brief History. In: timesofisrael. 1. Dezember 2023, abgerufen am 10. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Jahr 1226 schreibt der arabische Geograph Yaqut al-Hamawi über Rafahs frühere Bedeutung in der frühen arabischen Zeit und sagt, es sei „einst eine blühende Stadt mit einem Markt, einer Moschee und Gasthäusern“ gewesen. Er fährt jedoch fort, dass Rafah in seinem jetzigen Zustand in Trümmern liege und nur eine ayyubidische Poststation auf dem Weg nach Ägypten nach dem nahegelegenen Deir al-Balah sei.<ref name=":2" />

Osmanische Herrschaft und Britische Eroberung im Ersten Weltkrieg

Datei:Firing line at the Battle of Rafa 1917.jpg
Schlacht von Rafah, 1917

Rafah erschien in den osmanischen Steuerregistern von 1596 als Teil des Sanjak von Gazza. Es gab eine Bevölkerung von 15 Haushalten, allesamt Muslime, die Steuern auf Weizen, Gerste, Sommerfrüchte, Gelegenheitseinkünfte, Ziegen und Bienenstöcke zahlten.<ref>Hütteroth und Abdulfattah 1977, S. 150</ref>

Im Jahr 1799 zog die von Napoleon Bonaparte kommandierte Revolutionsarmee Frankreichs während der Invasion in Ägypten und Syrien durch Rafah.<ref name=":3" /> 1917 eroberte die britische Armee Rafah und nutzte es als Basis für ihren Angriff in der ersten Schlacht um Gaza. Die Präsenz der Militärstützpunkte war ein wirtschaftlicher Anziehungspunkt, der die Menschen zurück in die Stadt brachte.

Bei der Volkszählung von 1922 in Palästina, die von den britischen Mandatsbehörden durchgeführt wurde, hatte Rafah eine Bevölkerung von 599 Einwohnern, alle Muslime<ref>Palestine Census ( 1922). (archive.org [abgerufen am 10. Januar 2024]).</ref> und stieg bei der Volkszählung von 1931 auf 1.423 an, weiterhin waren alle Einwohner Muslime und lebten in 228 Häusern.<ref>1931 Census of Palestine – Population of Villages, Towns and Administrative Areas. Abgerufen am 10. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

In den Statistiken von 1945 hatte Rafah laut einer offiziellen Land- und Bevölkerungsumfrage 40.579 Dunam Land und eine Bevölkerung von 2.220.<ref>Village statistics, April, 1945 | Palestine (1917-1948). Department of Statistics | | The National Library of Israel. Abgerufen am 10. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

In den 1940er Jahren wurde in Rafah ein Internierungslager betrieben. Dieses Lager erhielt im Rahmen der Operation Agatha besondere Bedeutung und wurde deshalb als Deckname des Hagana-Schiffs Athena gewählt.

Ägyptische Besatzung ab 1948

Nach dem Palästinakrieg von 1948 herrschte ägyptische Besatzung über das Gebiet und es wurden Flüchtlingslager errichtet. Im Suezkrieg zwischen Israel, Großbritannien, Frankreich und Ägypten im Jahr 1956 wurden am 12. November während des Rafah-Massakers 110 Menschen, darunter 103 Flüchtlinge, von der israelischen Armee im palästinensischen Flüchtlingslager Rafah getötet.<ref>A Thin Black Line. In: Haaretz. (haaretz.com [abgerufen am 11. Januar 2024]).</ref>

Israelische Besatzung ab 1967

Datei:Occupied Rafah 1985.jpeg
Rafah unter israelischer Besatzung, 1985

Während des Sechstagekrieges 1967 eroberten die israelischen Streitkräfte Rafah, die Sinai-Halbinsel und den Gazastreifen. Die Bevölkerung betrug etwa 55.000, von denen nur 11.000 in Rafah selbst lebten. Am Freitag, dem 9. Juni 1967, zerstörte und sprengte die israelische Armee 144 Häuser im Flüchtlingslager Rafah und tötete 23 Bewohner.<ref>Henry Cattan: Palestine, the Arabs and Israel: The Search for Justice. Longmans, 1969, ISBN 978-0-582-78000-2, S. 111 (google.de [abgerufen am 11. Januar 2024]).</ref>

In den ersten Monaten der Ersten Intifada am 25. April 1989 wurde der 22-jährige Rafah-Bewohner Khaled Musa Armilat in Khan Yunis von israelischen Soldaten erschossen. In einem Brief an ein Mitglied der Knesset vom März 1990 erklärte Verteidigungsminister Yitzhak Rabin, dass der Bruder des Toten verhört worden sei und dass er von der israelischen Grenzpolizei ermordet worden sei.<ref>Talmor, Ronny: the-use-of-firearms-by-the-security-forces-in-the-occupied-territories-july-1990-88-pp. B'Tselem, abgerufen am 11. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dreieinhalb Wochen nach Armilats Ermordung, am 19. Mai, wurden in Rafah fünf Zivilisten, darunter eine 50-jährige Frau und ein 13-jähriger Junge, von israelischen Soldaten mit Plastikgeschossen getötet. Zwei der zwölf weiteren Opfer starben später an ihren Verletzungen.<ref>information-sheet-update-june-1-1989-12-pp. B'Tselem, 1989, abgerufen am 11. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Mai 2004 genehmigte die israelische Regierung unter dem damaligen Premierminister Ariel Scharon eine weitere Massenzerstörung von Häusern in Rafah.<ref>Razing Rafah: Mass Home Demolitions in the Gaza Strip: Map 2: Rafah Features. In: HRW. Human Rights Watch, 2004, abgerufen am 11. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Abkoppelung 2005

Im September 2005 zog sich Israel aus dem Gazastreifen zurück, doch Rafah blieb geteilt, wobei ein Teil davon auf der ägyptischen Seite der Grenze unter ägyptischer Herrschaft stand. Es wurde berichtet, dass Tunnel unter der Grenze gebaut wurden, die die beiden Teile der Stadt verbanden und den illegalen Schmuggel von Gütern und Personen ermöglichten.<ref>n-tv Nachrichten: Hunderte Schmuggel-Tunnel. Abgerufen am 11. Januar 2024.</ref>

Bürgerkrieg 2007

Datei:Border between Israel and Egypt visible from space.jpg
Die Stadt Rafah ist durch die Grenze zwischen Ägypten (links) und Gaza und Israel (rechts) in einen ägyptischen und einen palästinensischen Teil getrennt, aufgenommen von der Internationalen Raumstation, Januar 2013

Spannungen zwischen Fatah und Hamas begannen 2005 nach dem Tod von Jassir Arafat im November 2004 zuzunehmen. Nach den Parlamentswahlen am 25. Januar 2006, die mit einem Sieg der Hamas endeten, waren die Beziehungen von sporadischen Fraktionskämpfen geprägt. Diese wurden intensiver, nachdem es den beiden Parteien wiederholt nicht gelungen war, eine Einigung über die Aufteilung der Regierungsmacht zu erzielen. Im Juni 2007 eskalierte die Lage und führte zum Bürgerkrieg in Gaza und zur Machtübernahme durch die Hamas. Ein Hauptproblem war die Kontrolle der Grenzübergänge, insbesondere des Grenzübergangs in Rafah.<ref name=PBS_(2007a)>Fatah vs. Hamas. Public Broadcasting Service (PBS), 14. August 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 20. Dezember 2014; abgerufen am 30. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „In June 2007, Hamas seized control of the Gaza Strip following days of deadly infighting (..)“</ref>

Die palästinensische unabhängige Kommission für Bürgerrechte hat festgestellt, dass bei den Kämpfen zwischen Januar 2006 und Mai 2007 über 600 Palästinenser getötet wurden. Im Zuge des Konflikts wurden in den folgenden Jahren Dutzende weitere Menschen getötet oder hingerichtet. Der Versöhnungsprozess und die Vereinigung der Regierungen von Hamas und Fatah sind noch nicht abgeschlossen und die Situation gilt als eingefrorener Konflikt.<ref name="ynetnews_(2007)">Over 600 Palestinians killed in internal clashes since 2006. Yedioth Internet, 6. Juni 2007, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Juli 2011; abgerufen am 30. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „An estimated 616 Palestinians have been killed in factional fighting since Hamas defeated Fatah in elections in January 2006, a leading Palestinian rights group said on Wednesday.“</ref>

Nach dem Kampf um Gaza im Juni 2007 zwischen Milizen der verfeindeten palästinensischen Hamas und Fatah sowie weiteren militanten palästinensischen Gruppen endete die Regierung der nationalen Einheit, bei der Hamas und Fatah eine Art große Koalition gebildet hatten. Viele Fatah-Kämpfer flohen im Verlauf der Kämpfe nach Ägypten oder in das mehrheitlich von der Fatah kontrollierte Westjordanland. Die ägyptische Regierung befürchtete 2007, dass sich Gaza zu einem iranischen Vorposten in der Region entwickele und dass die Führung des Gazastreifens durch Hamas zu einem Erstarken der ihr nahestehenden Muslimbruderschaft führe, welche damals die stärkste Oppositionskraft in Ägypten bildete.<ref>Associated Press via Haaretz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Mubarak calls Hamas' takeover of the Gaza Strip a 'coup'“ (Memento vom 1. Oktober 2007 im Internet Archive), 22. Juni 2007</ref>

Hannibal-Direktive im Gazakrieg 2014

Im Gazakrieg 2014 sollte eine geplante 72-stündige Waffenruhe am 1. August die Kämpfe im Gazastreifen unterbrechen. Als IDF-Soldaten daran gingen, im Niemandsland bei Rafah einen Tunnel zu zerstören, griffen aus diesem mehrere Hamas-Kämpfer an, wobei sich einer selbst in die Luft sprengte. Zwei israelische Soldaten wurden dabei getötet, der IDF-Leutnant Hadar Goldin galt als vermisst. Israel ging davon aus, dass er als Gefangener nach Rafah verbracht werden sollte, und kündigte daraufhin die Waffenruhe auf, um ihn befreien zu können. Die Hamas bezichtigte Israel, dass die Entführung nur ein Vorwand sei, um die Waffenruhe zu brechen. Infolgedessen griff Israel auf die Hannibal-Direktive zurück, die darauf abzielt, Kameraden vor der Gefangennahme zu schützen, auch wenn dies das Risiko für den Tod des betroffenen Soldaten erhöht. Bei den nun anschließenden Gefechten im Entführungsgebiet Rafah starben mindestens 50 Palästinenser, hunderte Menschen wurden verletzt und die eigentlich geplante Waffenruhe scheiterte. Der stellvertretende Chef des Hamas-Politbüros, Mussa Abu Marsuk, behauptete, der Hamas-Angriff habe „vor Beginn der Waffenruhe“ stattgefunden. Amnesty International beschuldigte Israel schwerer Kriegsverbrechen und prangerte die massive Feuerkraft und Bombardierung von Rafah an. Laut Amnesty International-Bericht starben mindestens 135 palästinensische Zivilisten.<ref>Bettina Marx: Gazakrieg – Das blutige Ende einer Waffenruhe. In: deutschlandfunk.de. deutschlandfunk, 1. August 2015, abgerufen am 11. Januar 2024.</ref>

Rafah-Offensive 2024

Während der Militäroperation „Eiserne Schwerter“ seit dem 7. Oktober 2023, flohen Palästinenser aus dem Norden und der Mitte Gazas in den Süden. Das Gouvernement Rafaha im Süden des Gazastreifens, an der Grenze zu Ägypten, galt zwar als eine Hochburg der Terrororganisation Hamas, blieb zuerst jedoch weitgehend von Kampfhandlungen verschont.<ref>"Intensive Gefechte in Chan Yunis – Fluchtaufruf für Zivilisten. In: tagesschau. 28. Januar 2024, abgerufen am 3. Februar 2024.</ref>

Anfang Februar 2024 kündigte der israelische Verteidigungsminister Joaw Galant das Ausweiten der Bodenoffensive auf die unmittelbar an der ägyptischen Grenze gelegene Stadt Rafah an, weil dort vier der sechs verbliebenen Bataillone der Hamas, Waffen, Hauptquartiere der Hamas-Führung und eine nicht näher genannte Zahl an Geiseln vermutet wurden. Die israelische Führung vermutete auch, dass Tunnel unter der Grenze zwischen Ägypten und Gaza dem Schmuggel von Menschen, Gütern und Waffen für die Hamas dienen. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich im Gouvernement Rafah mehr als eine Million Einwohner des Gazastreifens auf.<ref>tagesschau.de: Israel will Offensive bis nach Rafah ausweiten. Abgerufen am 3. Februar 2024.</ref>

Im Zuge der Rafah-Offensive vom 6. Mai 2024 flohen nach Angaben der Vereinten Nationen innerhalb weniger Tage 80.000 Palästinenser aus Rafah.<ref>Uno spricht von 80.000 Geflüchteten aus Rafah. In: Der Spiegel. 9. Mai 2024, abgerufen am 9. Mai 2024.</ref>

Stadt

Datei:Rafah-11252.jpg
Luftaufnahme von Rafah, 30. Juni 2012

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Rafah durch die Operation Regenbogen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) im Mai des Jahres 2004 bekannt. Der Ort wurde wegen seiner Nähe zur ägyptischen Grenze für den Waffenschmuggel genutzt. Aufgrund der Isolierung des Gazastreifens durch Israel wurde die Grenze zu Israel an vielen Stellen untertunnelt. Die Tunnel wurden nicht nur für den Waffenschmuggel, sondern auch für den Transfer andere Güter in den Gazastreifen genutzt. Im Rahmen der israelischen Militäroperation „Regenbogen“ wurde eine große Zahl Wohnhäuser zerstört, was mit der Tunnelsuche begründet wurde. Auf Seiten der Palästinenser kam es zu Verlusten. Tausende palästinensische Familien waren ohne Unterkunft. Der UN-Sicherheitsrat missbilligte die Aktion, wobei sich die Vereinigten Staaten ihrer Stimme enthielten. Während der Gaza-Kriege, die in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und im frühen 21. Jahrhundert stattfanden, erlebte Rafah intensive Kämpfe und erhebliche Zerstörung. Der erste Gaza-Krieg im Jahr 2008-2009, auch als Operation Gegossenes Blei bekannt, führte zu erheblichen Schäden in der Stadt. Israel führte diese Militäroperation als Reaktion auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen durch. Rafah war besonders betroffen, da es an der Grenze zu Ägypten liegt und eine wichtige Schmuggelroute für Waffen und Güter war.

Der zweite Gaza-Krieg im Jahr 2012 und der dritte Gaza-Krieg im Jahr 2014, führten zu weiteren Zerstörungen in Rafah. Die Zivilbevölkerung litt unter den Auswirkungen der Kämpfe und viele Infrastruktureinrichtungen wurden schwer beschädigt oder zerstört.

Zerstörung der Stadt im Jahr 2025

Während des Kriegs in Israel und Gaza zerstörte Israel Gebäude entlang der Grenze zu Ägypten und begründete dies damit, Versorgungsrouten der Hamas zu unterbrechen.<ref>Samuel Granados, Aric Toler, Aaron Boxerman: Gazans Once Escaped To Rafah. Now Israel Is Razing It. In: The New York Times. 15. Mai 2025, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 15. Juli 2025]).</ref> Nach dem Ende einer Waffenruhe rückten israelische Bodentruppen am 3. April 2025 in Rafah ein, während große Teile der Zivilbevölkerung die Stadt verließen.<ref>Nidal Al-Mughrabi, Mahmoud Issa, Nidal Al-Mughrabi: Hundreds of thousands flee as Israel seizes Rafah in new Gaza 'security zone'. In: Reuters. 3. April 2025 (reuters.com [abgerufen am 15. Juli 2025]).</ref> In der Folge zerstörte die Armee erhebliche Teile der Stadt. Laut einem Bericht der New York Times vom Mai 2025, der auf Satellitenbildern und Videoaufnahmen basierte, seien zahlreiche Wohnhäuser und öffentliche Gebäude gezielt durch Bulldozer oder kontrollierte Sprengungen zerstört worden.<ref>Samuel Granados, Aric Toler, Aaron Boxerman: Gazans Once Escaped To Rafah. Now Israel Is Razing It. In: The New York Times. 15. Mai 2025, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 15. Juli 2025]).</ref> Satellitenbilder dokumentieren unter anderem die weitreichende Zerstörung des Stadtteils Shaboura zwischen Anfang 2025 und dem 3. Mai 2025; ähnliche Zerstörungen seien auch in weiten Teilen der übrigen Stadt sichtbar.<ref>Samuel Granados, Aric Toler, Aaron Boxerman: Gazans Once Escaped To Rafah. Now Israel Is Razing It. In: The New York Times. 15. Mai 2025, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 15. Juli 2025]).</ref>

Pläne für ein Internierungslager

Der Verteidigungsminister Israel Katz erklärte Anfang Juli 2025, auf den Ruinen der Stadt werde ein Lager eingerichtet, in welchem alle Bewohner Gazas untergebracht werden sollten.<ref name=":4">Emma Graham-Harrison: Israeli plan for forced transfer of Gaza’s population ‘a blueprint for crimes against humanity’. In: The Guardian. 7. Juli 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 15. Juli 2025]).</ref> Israelische Streitkräfte würden das Gelände absichern und zunächst 600.000 Palästinenser in das Gebiet „umsiedeln“ – überwiegend Menschen, die derzeit in der Region al-Mawasi vertrieben seien. Die Palästinenser würden vor dem Betreten einer „Sicherheitskontrolle“ unterzogen und dürften das Gelände anschließend nicht mehr verlassen, erklärte Katz bei einer Pressekonferenz für israelische Journalisten im Juli 2025.<ref name=":4" /> Katz betonte auch sein Bestreben, Palästinenser zur „freiwilligen Auswanderung“ aus dem Gazastreifen in andere Länder zu ermutigen, und erklärte, dieser Plan „sollte umgesetzt werden“.<ref>Emanuel Fabian: Katz calls for confining all Gazans in ‘humanitarian city’ built over Rafah’s ruins. Abgerufen am 15. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Rechtsexperten und Wissenschaftler bezeichneten die Pläne als Blaupause für Verbrechen gegen die Menschlichkeit.<ref name=":4" /> Die Pläne wurde in Israel und international verurteilt.<ref>Outrage builds over plan to force all Gazans to southern city. 11. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>The collapse of Gaza and failure of the international community - Vatican News. 14. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Oppositionsführer und ehemalige Ministerpräsident Jair Lapid bezeichnete den Plan als „verrückt – selbst für die Verhältnisse dieser Regierung.“<ref>Ariela Karmel, ToI Staff: Lapid leads opposition pushback to ‘crazy’ plan for ‘humanitarian city’ in Gaza. Abgerufen am 15. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete die Zwangsumsiedlung von Menschen in Lager als ethnische Säuberung; es handle sich bei den Plänen um ein Konzentrationslager.<ref>Emma Graham-Harrison: ‘Humanitarian city’ would be concentration camp for Palestinians, says former Israeli PM. In: The Guardian. 13. Juli 2025, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 15. Juli 2025]).</ref>

Laut einem Bericht von Channel 12 lehnte Eyal Zamir, der Stabschef der israelischen Streitkräfte, den Plan entschieden ab. Zamir solle bei dem Treffen erklärt haben, dass der Plan nicht umsetzbar sei und die Weiterverfolgung der Pläne die Wahrscheinlichkeit verringern würde, dass die Hamas einem Abkommen zur Freilassung der verbleibenden Geiseln zustimme. Er sagte zwar, dass die IDF den Plan auf Anweisung der politischen Führung umsetzen würde, rate jedoch dringend davon ab.<ref>ToI Staff: IDF chief said to call Gaza humanitarian city plan ‘unworkable’ at security meeting. Abgerufen am 15. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Premierminister Benjamin Netanjahu verwarf laut Berichten israelischer Medien aufgrund des Widerstands der Streitkräfte den Plan und forderte die IDF während einer Kabinettssitzung am 13. Juli 2025 auf, alternative Pläne vorzulegen.<ref>Benjamin Netanyahu seeks alternatives to Gaza humanitarian city plan | The Jerusalem Post. 14. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Flüchtlingslager Rafah und Tall as-Sultan

Datei:Gaza Strip Rafah Access and closure Jul 2018.png
Stadt und Gouvernement Rafah, die Stadt befindet sich im Süden des Gazastreifens

Das Rafah-Flüchtlingslager (arabisch مخيم رفح) ist eines von acht Flüchtlingslagern im Gazastreifen und liegt direkt an der ägyptischen Grenze. Bei seiner Gründung 1949 war es das größte Flüchtlingslager im Gazastreifen. Die Bewohner stammten aus arabischen Orten der Negev-Wüste und der Küstenebene.

Zwischen 1949 und 1967, als der Gazastreifen unter ägyptischer Verwaltung stand, wurde die Integration der Flüchtlinge in die Bevölkerung unterbunden. Als im Verlauf des Sechstagekriegs (5.–10. Juni 1967) Rafah unter israelische Kontrolle kam, zählte das Flüchtlingslager rund 55.000 Einwohner, während die Stadt selbst nur 11.000 zählte. Seit damals wurde das Flüchtlingslager zu einer Stadt ausgebaut.

1971 wurden unter dem Kommando von General Ariel Scharon, damals Befehlshaber des Südkommandos, für den Bau und die Verbreiterung von Patrouillenstraßen etwa 500 Häuser im Flüchtlingslager zerstört. Den rund 4000 betroffenen Bewohnern wurden südlich von Rafah Ersatzwohnungen zur Verfügung gestellt. Nach der Rückgabe der Sinai-Halbinsel an Ägypten wurden diese Menschen gemäß dem Camp-David-Abkommen in das Flüchtlingslager Tall as-Sultan, das nordwestlich von Rafah im Gazastreifen liegt, umgesiedelt. Durch die neue Grenzziehung wurde Rafah geteilt, wobei der südliche Teil unter ägyptische Staatshoheit kam.

Das Flüchtlingslager grenzt inzwischen direkt an die Stadt. Durch den Bau des Tall as-Sultan-Flüchtlingslagers nahm die Zahl der Bewohner ab, was aber durch die Aufnahme von Umsiedlern aus dem Kanada-Flüchtlingslager ausgeglichen wurde. Laut Auskunft des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) lebten 95.187 Bewohner 2005 im Flüchtlingslager.<ref name="UNRWA">Rafah Camp UNRWA</ref> Diese Zahl steht im Widerspruch zur Zahl des Palästinensischen Amts für Statistik, das für dasselbe Jahr eine durchschnittliche Zahl von 58.000 Bewohnern angibt.<ref>Palästinensisches Zentralbüro für Statistik: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Projected Mid -Year Population for Rafah Governorate by Locality 2004–2006 (Memento vom 7. Februar 2012 im Internet Archive)</ref> Laut ABS-News leben 133.326 (2023) Menschen in den zwei Flüchtlingslagern.<ref name=":0">There are eight refugee camps in Gaza – five have reportedly been struck since war with Israel began. In: ABC News. 8. November 2023 (net.au [abgerufen am 10. Januar 2024]).</ref><ref name=":1">A ‘forest of tents’ in Rafah. In: al-Ahram. 9. Januar 2024, abgerufen am 10. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die UNRWA betreibt im Flüchtlingslager 31 Schulen (20 der Primar- und 11 der Sekundarstufe).<ref name="UNRWA" />

Rafiah Yam

Rafiah Yam (Hebräisch: רָפִיחַ יָם) war eine israelische Siedlung im Gazastreifen bis 2005. Sie wurde ursprünglich 1984 als säkulare Gemeinde am südlichen Ende des Siedlungsblocks Gush Katif gegründet, direkt angrenzend an die palästinensischen Stadt Rafah. Die Bewohner der Siedlung arbeiteten hauptsächlich in der Landwirtschaft. Die 30 Familien, darunter mindestens 150 Personen, aus Rafiah Yam wurden im August 2005 im Rahmen des einseitigen Rückzugsplans Israels von den israelischen Verteidigungsstreitkräften und der israelischen Polizei gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. Ihre Häuser und andere Gebäude wurden zerstört und das Gebiet verlassen. Heute gehört es zu Rafah.

Grenzübergang

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Wachturm in Rafah unter Kontrolle der Hamas, Grenze zu Ägypten, April 2009

In Rafah befindet sich der einzige Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen. Er wurde 1979 nach der Unterzeichnung des israelisch-ägyptischen Friedensvertrags, der Israels Rückzug von der Sinai-Halbinsel vorsah, errichtet. Auf israelischer Seite war die Israel Airports Authority für den Grenzübergang verantwortlich. Im Februar 2026 soll eine Freigabe für den Personenverkehr erfolgen.


Infrastruktur

Internationaler Flughafen Gaza

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Satellitenfoto des International Gaza Airport (2008)

Im Süden von Rafah befand sich der Internationale Flughafen Jassir Arafat. Der Flughafen war der einzige für Verkehrsflugzeuge in den palästinensischen Autonomiegebieten. Die Einrichtung wurde am 24. November 1998 eröffnet und der Flughafen wurde von der Palästinensischen Zivilluftfahrtbehörde unter Aufsicht der israelischen Regierung betrieben. Es konnten 700.000 Passagiere pro Jahr abgefertigt werden und seine Gesamtfläche betrug 450 Hektar. Der Flugplatz diente als Basis der Palästinensischen Fluggesellschaft.

Alle Passagierflüge wurden im Februar 2001 während der Zweiten Intifada eingestellt. Israel bombardierte am 4. Dezember 2001 die Radarstation und den Kontrollturm und am 10. Januar 2002 schnitten Bulldozer die Landebahn ab, wodurch der Flughafen funktionsunfähig wurde.

Eisenbahn

Rafah war bis 1916 die nördliche Endstation der Sinai-Bahn und lag dann an der über Lod verlängerten Eisenbahnstrecke (Ostbahn), die 1920 Haifa und dann 1942 Beirut und Tripoli erreichte. 1948–1967 war die Verbindung Richtung Israel gekappt, seither jene Richtung Kairo. Die Britischen Militärbahnen in Palästina errichteten ab 1917 von Rafah aus eine 59,5 km lange Militärbahn in den Negev, wobei sie im Zuge des Vortriebs ab südlich von Abu ʿIrqaiyiq die Strecke der osmanischen Militärbahn Masʿūdiyya–Sinai nutzten und auf Normalspur umspurten und so am 3. Mai 1918 Beʾer Scheva erreichten.<ref>Walter Rothschild: Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways: 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, zugl. King’s College London Diss., 2009, Fußnote 611, S. 146. OCLC 495751217</ref> Die Strecke wurde nach Ende der Kampfhandlungen auch für zivilen Fracht- und Passagierverkehr genutzt, mangels Wirtschaftlichkeit aber 1928 eingestellt.<ref>Walter Rothschild: Arthur Kirby and the last years of Palestine Railways: 1945–1948, Berlin: Selbstverlag, 2009, zugl. King's College London Diss., 2009, Fußnote 78, S. 27. OCLC 495751217</ref> Heute sind die Gleise der Eisenbahn im Gazastreifen größtenteils abgebaut.

Söhne und Töchter der Stadt

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Rafah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Rafah – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />

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