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Erich Steinfurth

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Datei:Erich Steinfurth 1932.jpg
Erich Steinfurth ca. 1932

Erich Steinfurth (* 10. August 1896 in Mittenwalde; † 1. Februar 1934 in Berlin-Wannsee) war ein deutscher Politiker, von 1929 bis 1933 preußischer Landtagsabgeordneter für die KPD und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Ihm ist, unter anderem mit John Schehr, das Gedicht John Schehr und Genossen von Erich Weinert gewidmet.

Leben

Erich Steinfurth absolvierte nach dem Besuch der Schule eine Lehre als Schlosser.<ref name="Gedenkstätten">Hans Maur: Gedenkstätten der Arbeiterbewegung in Berlin-Friedrichshain, hrsg. von der Bezirksleitung der SED, Bezirkskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung in Zusammenarbeit mit der Kreiskommission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung Berlin-Friedrichshain der SED. 1981, S. 49</ref> Er wurde mit Beginn des Ersten Weltkriegs zum Militär einberufen, 1916 vor Verdun schwer verwundet und alsbald wieder an die Front geschickt. Nach Kriegsende fand er Beschäftigung bei der Preußischen Staatseisenbahn, dann bei der Deutschen Reichsbahn. Er arbeitete im Berliner Reichsbahn-Ausbesserungswerk (RAW) in der Nähe des ehemaligen Güterbahnhofs Berlin-Grunewald zunächst als Schlosser, später auch als Lokomotivheizer.<ref>Alfred Gottwald: Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933–1945. Marix, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-86539-204-6, S. 104.</ref>

Bereits 1918 trat Steinfurth der USPD bei. 1920 schloss er sich mit deren linken Flügel der KPD an. In seinem Werk wurde er zum Mitglied des Betriebsrates gewählt. 1923 wurde er dort von seinen Vorgesetzten gemaßregelt. Inwiefern dies in Zusammenhang mit seinem politischen Engagement stand, ist allerdings nicht bekannt.<ref>Alfred Gottwald: Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933–1945. Marix, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-86539-204-6, S. 104 f.</ref> Die KPD schickte Steinfurth im Zusammenhang mit den Plänen zu einem „Deutschen Oktober“ 1923 nach München, um unter den dortigen Eisenbahnern Abwehraktionen gegen die extreme Rechte zu organisieren. Dort wurde er im Herbst 1923 festgenommen und Anfang 1924 zu einer Strafe von zwei Jahren Zuchthaus verurteilt.<ref>Alfred Gottwald: Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933–1945. Marix, Wiesbaden 2009, S. 105.</ref>

Da ihm nach seiner Haftstrafe der Weg zurück zur Reichsbahn versperrt war, wurde Steinfurth nach seiner Freilassung 1925 hauptamtlicher Mitarbeiter der Roten Hilfe Deutschlands (RHD), einer Hilfsorganisation für politische Gefangene. Er war ab November 1925 Vorsitzender im Bezirk Berlin-Brandenburg und kam 1927 in den RHD-Zentralvorstand.

Im Oktober 1929 zog Steinfurth als Nachrücker in den Preußischen Landtag ein. 1932 wurde er direkt als Abgeordneter gewählt und gehörte dem Preußischen Landtag bis zu seiner Verhaftung am 25. März 1933 an.<ref>Alfred Gottwald: Eisenbahner gegen Hitler. Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933–1945. Marix, Wiesbaden 2009, S. 106.</ref> In dieser Eigenschaft setzte er sich für die Unterstützung politischer Gefangener und deren Familien ein.<ref name="Gedenkstätten" />

Steinfurth wohnte in dieser Zeit in der Friedlander Straße 129 in Berlin-Adlershof.

Ermordung

Am 25. März 1933 wurde er verhaftet und in das Gefängnis in Berlin-Plötzensee gebracht. Nach schweren Misshandlungen wurde er anschließend in das KZ Sonnenburg verlegt, von wo ihm auf illegalem Wege die Übermittlung von Informationen an die KPD-Leitung über die menschenunwürdigen Zustände in dieser Hafteinrichtung gelang.<ref name="Gedenkstätten" />

In der Nacht vom 1. auf 2. Februar 1934 wurde er zusammen mit Eugen Schönhaar, Rudolf Schwarz und dem amtierenden KPD-Vorsitzenden John Schehr von der Gestapo am Berliner Schäferberg „auf der Flucht erschossen“,<ref>Politische Uebersicht. In: Pilsner Tagblatt, 4. Februar 1934, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/pit</ref> nachdem der Gestapospitzel Alfred Kattner am 1. Februar im Auftrag der KPD erschossen worden war.<ref>Ronald Sassning: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Thälmann, Wehner, Kattner, Mielke. Schwierige Wahrheiten. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. September 2005 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rosalux.de (PDF; 109 kB) In: Utopie kreativ, Heft 114, April 2000, S. 362–375</ref> Für die Ausführung des Mordes war der Polizeikommissar Bruno Sattler verantwortlich.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />John Schehr und Genossen. Ein Mord, ein Mythos und die Folgen. (Memento vom 4. März 2013 im Internet Archive) Feature auf MDR Figaro, 2. März 2013</ref>

Ehrungen

Datei:Gedenktafel Friedlander Str 139 (Adlh) Erich Steinfurth.JPG
Gedenktafel am Haus Friedlander Straße 139, in Berlin-Adlershof

Gedicht Weinerts

Datei:Gedenkstein Königstr (Wann) Schehr Schwarz Schönhaar Steinfurth.jpg
Gedenkstein, Königstraße, Berlin-Wannsee

Noch im Jahr 1934 gedachte der Schriftsteller Erich Weinert mit seinem Gedicht „John Schehr und Genossen“ des Meuchelmordes der Gestapo. Eine Strophe des Gedichtes lautet: <poem style="margin-left: 2em; font-style: italic;"> Und schleppen sie in den dunklen Wald. Und zwölfmal knallt es und widerhallt. Da liegen sie mit erloschenem Blick, jeder drei Nahschüsse im Genick, John Schehr und Genossen.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.mdr.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2024. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref> </poem>

Ehrengrab

Datei:Berlin Friedrichsfelde Zentralfriedhof, Gedenkstätte der Sozialisten (Urnenwand) - Steinfurth.jpg
Grabstätte

1954 wurden die sterblichen Überreste von John Scheer, Rudolf Schwarz, Erich Steinfurth und Eugen Schönhaar auf den Zentralfriedhof Friedrichsfelde überführt. Scheer erhielt ein Ehrengrab im Mittelrondell der Gedenkstätte der Sozialisten, die Urnen von Schwarz, Steinfurth und Schönhaar wurden wenige Meter daneben in der Ringmauer der Gedenkstätte eingemauert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sozialistenfriedhof (Memento des Vorlage:IconExternal vom 22. November 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sozialistenfriedhof.de</ref>

Gedenkstein

Am Kilometerberg existiert ein Gedenkstein für die vier ermordeten Widerstandskämpfer.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Denkmal am Kilometerberg (Memento vom 5. Februar 2009 im Internet Archive)</ref> Seit 1954 finden dort Gedenkveranstaltungen für die vier Widerstandskämpfer statt.<ref>Neues Deutschland, 2. Februar 1954</ref>

Benennungen

Literatur

  • Steinfurth, Erich. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarb. und stark erw. Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6.
  • Siegfried Mielke, Stefan Heinz: Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat. Verfolgung – Widerstand – Emigration (1933–1945). Metropol-Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86331-353-1, S. 293, 361, 683 (Kurzbiographie), 715.

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein