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Tomas Venclova

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Datei:20070320 Tomas Venclova by Kubik 02.JPG
Tomas Venclova, Warschau 2007

Tomas Venclova (* 11. September 1937 in Memel, Litauen) ist ein litauischer Dichter, Schriftsteller und Übersetzer. Er ist der Sohn des Politikers und Schriftstellers Antanas Venclova.

Leben

Tomas Venclova wuchs in einer Familie auf, die durch den Status seines Vaters als ranghoher kommunistischer Literaturfunktionär privilegiert war.<ref>Tomas Venclova: Der magnetische Norden. Suhrkamp, Berlin 2017, S. 27 ff. und S. 154 ff.</ref><ref name="Reinhard Veser">Reinhard Veser: Freiheitskampf. Der litauische Dichter Tomas Venclova wird achtzig. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. September 2017, S. 14.</ref> Er besuchte das Gymnasium in Vilnius und studierte von 1954 bis 1960 Lituanistik an der Universität Vilnius. Von 1961 bis 1965 lebte er in Moskau. Begegnungen mit Boris Pasternak und mit Anna Achmatowa prägten seine Anfänge als Lyriker.<ref>Tomas Venclova: Der magnetische Norden. Suhrkamp, Berlin 2017, S. 231 ff. (zu Boris Pasternak).</ref><ref>Der magnetische Norden. Tomas Venclova erinnert sich an Czesław Miłosz, Joseph Brodsky und Anna Achmatowa. In: Schreibheft, Heft 81, 2013, S. 53–96 (zu Anna Achmatowa).</ref> Seit 1966 unterrichtete Venclova an der Universität Vilnius.

In den 1970er Jahren schloss sich Venclova der litauischen Bürgerrechtsbewegung an. Er war Gründungsmitglied der litauischen Helsinki-Gruppe.<ref>Venclova became a honorary citizen of Vilnius, Pressemeldung vom 3. April 2013 auf der Webseite der European Foundation of Human Rights (EFHR), abgerufen am 6. September 2016.</ref> Sie forderte von der Besatzungsmacht, der Sowjetunion, die Verpflichtungen aus dem Kapitel VII („Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, einschließlich der Gedanken-, Gewissens-, Religions- oder Überzeugungsfreiheit“) der im Jahre 1975 unterzeichneten Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einzuhalten. Deshalb musste er 1977 emigrieren. Nach der Wiedergewinnung der litauischen Unabhängigkeit mahnte er sein Volk, sich der Mitverantwortung und Mittäterschaft beim Holocaust in Litauen zu stellen.<ref>Tomas Venclova: Jews and Lithuanians. In: Ders.: Forms of hope. Essays. Sheep Meadow Press, Riverdale-on-Hudson 1999, ISBN 1-878818-70-8, S. 43–51.</ref>

Einige seiner Gedichte wurden von zwei Literaturnobelpreisträgern übersetzt, von Czesław Miłosz und von Joseph Brodsky. Umgekehrt übersetzte Venclova Gedichte der beiden ins Litauische. Brodsky widmete Venclova sein Gedicht Lithuanian Nocturne.<ref>Tomas Venclova: He tended to ascribe his own traits to other poets. In: Valentina Polukhina (Hg.): Brodsky Through the Eyes of His Contemporaries. Academic Studies Press, Boston 2008, ISBN 978-1-934843-15-4, Bd. 1, S. 177–188, hier S. 179.</ref> Milosz nannte das Zusammenwirken der drei ein „poetisches Triumvirat“.<ref name="Reinhard Veser" />

Venclova lehrte bis zu seiner Emeritierung an der Yale University, USA, russische und osteuropäische Literatur. Im Sommersemester 2010 hatte Tomas Venclova die Samuel-Fischer-Gastprofessur für Literatur an der Freien Universität Berlin inne.<ref>Veranstaltungsforum Holtzbrinck Publishing Group</ref> Heute lebt er wieder in Vilnius.

Werke

Tomas Venclova schreibt in litauischer und russischer Sprache. In deutscher Übersetzung sind erschienen:

  • Vor der Tür das Ende der Welt. Gedichte. Übertragen von Rolf Fieguth, Interlinearübersetzung von Claudia Sinnig-Lucas. Mit einem Essay von Joseph Brodsky. ROSPO-Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-930325-32-2.
  • Vilnius. Stadtführer. Paknio, Vilnius 2002, ISBN 9986-830-64-8.
  • Vilnius. Eine Stadt in Europa. Übersetzt von Claudia Sinnig. Suhrkamp (= Edition Suhrkamp, 2473), Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-12473-0.
  • Gespräch im Winter. Gedichte. Übersetzt von Claudia Sinnig und Durs Grünbein. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-41913-7.
  • Der magnetische Norden. Tomas Venclova erinnert sich an Czesław Miłosz, Joseph Brodsky und Anna Achmatowa. Aus dem Englischen und mit einer Nachbemerkung von Claudia Sinnig. In: Schreibheft, Heft 81, 2013, S. 53–96.
  • Der magnetische Norden. Gespräche mit Ellen Hinsey. Erinnerungen. Suhrkamp, Berlin 2017. ISBN 978-3518-42633-3<ref>Nico Bleutge: Ticktack hinter der Wand. Rezension, in: Süddeutsche Zeitung, 21. März 2017, S. V2 7</ref>
  • Variation über das Thema Erwachen. Aus dem Litauischen von Cornelius Hell. Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München 2022, ISBN 978-3446272989.

Literatur

  • Robert Bird (Hrsg.): Sankirtos. Studies in Russian and eastern European literature, society and culture. In honor of Tomas Venclova. Peter Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 3-631-56931-9.
  • Marko Martin: „Wenn selbst die Fremden keine Fremden sind“ – Tomas Venclova. In: ders.: Dissidentisches Denken. Reisen zu den Zeugen eines Zeitalters. Die Andere Bibliothek, Berlin 2019, ISBN 978-3-8477-0415-7, S. 242–273.

Auszeichnungen

Ehrungen

Weblinks

Commons: Tomas Venclova – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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