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Teuerlinge

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Teuerlinge
Datei:2012-10-22 Cyathus striatus (Huds.) Willd 274333 crop.jpg

Gestreifter Teuerling (Cyathus striatus)

Systematik
Unterabteilung: Agaricomycotina
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Champignonverwandte (Agaricaceae)
Gattung: Teuerlinge
Wissenschaftlicher Name
Cyathus
Haller

Die Teuerlinge (Cyathus), auch Brotkorb- oder Vogelnestpilze genannt, sind eine Pilzgattung aus der Familie der Champignonverwandten. Früher wurden sie der mittlerweile nicht mehr gültigen Familie der Nestlingsverwandten (Nidulariaceae) zugeordnet.

Die Typusart ist der Gestreifte Teuerling (Cyathus striatus).

Merkmale

Datei:Cyathus striatus Buller.jpg
Gestreifter Teuerling (a) junger und alter Fruchtkörper im Längsschnitt, (b) einzelne Peridiole ganz, (c) und im Querschnitt
Datei:Peridiole cross section.svg
Querschnitt einer Peridiole: (a) Hülle, (b) Sporen, (c) Basidien, (d) Täschchen, (e) Myzelstrang (Funiculus), (f) „hapteron“ und (g) Mittelstück

Die jung eiförmigen und später becher- oder nestförmigen Fruchtkörper haben eine dreischichtige Wandung. Am Scheitel sind sie zunächst mit einem Häutchen (Epiphragma) verschlossen, das im Zuge der Reifung aufreißt. Im Inneren liegen mehrere Peridiolen. Diese Sporenpakete sind anfangs mit einem Myzelstrang (Funiculus) am Boden des Fruchtkörpers angeheftet. Schließlich wird der Funiculus an der Basis schleimig aufgelöst.

Zur Verbreitungsstrategie der Teuerlinge existieren mehrere Hypothesen. Weit verbreitet ist die „Spritzbecher-These“. Sie besagt, dass die Peridiolen durch Regentropfen aus dem Fruchtkörper geschleudert werden. Die klebrigen Funiculi wickeln sich zum Beispiel um Grashalme und Ästchen in der Umgebung. Die daran hängenden Sporenpakete reißen auf und können aus dieser erhöhten Position die Luftbewegungen besser zur Verbreitung der Sporen nutzen. Die Peridiolen von Arten auf Dung werden von Tieren über das Futter aufgenommen und passieren so den Darm.

Bei der „Samen-Mimikry-These“ spielen dagegen Kleinvögel die entscheidende Rolle. Die Sporenpakete ähneln Pflanzensamen und verleiten die Tiere dazu, diese aufzupicken und zu schlucken. Nach der Passage des Verdauungstrakts werden die Sporen schließlich mit dem Kot ausgeschieden. Auf diesem Weg können die Sporen Hindernisse wie große Gewässer und Gebirge überwinden. Für diese Theorie spricht der Nachweis von freien Sporen und Hyphen der Peridiolenwände in den Ausscheidungen von Kanarienvögeln. Auch der Faktor des „Peridiolenschleuderers“ wird erwogen: Auf Futtersuche scharren die Vögel am Boden und schleudern dabei die Sporenpakete von sich. Zusätzlich können Peridiolen an den Füßen haften bleiben, die dann als „Luftfracht“ an andere Standorte gelangen.<ref name="Reichholf2012" />

Gattungsabgrenzung

Ähnlich ist die nahe verwandte Gattung der Tiegelteuerlinge (Crucibulum). Die Fruchtkörper haben jedoch eine 1-schichtige Wandung, einfacher aufgebaute Myzelstränge und gelbe, deckelartige Epiphragma.

Ökologie

Die Teuerlinge sind Saprobionten, die auf Holz und Pflanzenresten wachsen.

Arten

In Mitteleuropa kommen 5 Arten vor bzw. sind dort zu erwarten:<ref name="Strittmatter2008" />

Teuerlinge (Cyathus) in Europa
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Cyathus berkeleyanus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Tulasne & C. Tulasne 1844) Lloyd 1906
Topf-Teuerling Cyathus olla <templatestyles src="Person/styles.css" />(Batsch 1783 : Persoon 1801) Persoon 1801
Cyathus pygmaeus <templatestyles src="Person/styles.css" />Lloyd 1906
Dung-Teuerling Cyathus stercoreus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schweinitz 1832) De Toni 1888
Gestreifter oder Striegeliger Teuerling Cyathus striatus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hudson 1778 : Persoon 1801) Willdenow 1787

Bedeutung

Der deutsche Name der Gattung wird darauf zurückgeführt, dass Bauern die Peridolen als Geldstücke deuteten und in nassen Jahren, bei häufigem Auftreten dieser Pilze, Teuerungen befürchteten. Der englische Name „bird's nest fungus“ bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Fruchtkörper mit Vogelnestern und weist auch auf die Herkunft des lateinischen Gattungsnamens von griechisch kyathos (‚Becher‘)<ref>Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 2 Bände, Heidelberg 1960/1972, Band 2, S. 36.</ref> hin.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="Reichholf2012"> Josef H. Reichholf, Till R. Lohmeyer: Regentropfen oder Samen-Mimikry? Evolutionsbiologische Gedanken über Verbreitungsstrategien der Teuerlinge. In: Mycologia Bavarica. Band 13, 2012, S. 1–7. </ref> <ref name="Strittmatter2008"> Eric Strittmatter: Die Gattung Cyathus. In: fungiworld.com. Pilz-Taxa-Datenbank. 13. Juni 2008, abgerufen am 1. Dezember 2012 (inklusive Update Nr. 49). </ref> </references>

Weblinks

Commons: Teuerlinge (Cyathus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien