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Gruppe Ralf Forster

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Die Gruppe Ralf Forster (auch DKP-Militärorganisation oder DKP-MO oder Gruppe Aktion genannt) war eine geheime Militärorganisation<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Gruppe „Ralf Forster“ (Memento vom 9. März 2010 im Internet Archive)</ref> in der Bundesrepublik Deutschland, die aus Mitgliedern der DKP bestand. Sie sollten in Krisenfällen (in „Zeiten sich zuspitzender Klassenkämpfe“)<ref name="Spiegel">Schüsse am Scharmützelsee. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1990, S. 65–70 (online1. Januar 1990).</ref> Sabotageakte<ref name="deutschlandarchiv.info">Udo Baron: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Gruppe Ralf Forster“. Die geheime Militärorganisation von DKP und SED in der Bundesrepublik (Memento vom 18. März 2013 im Internet Archive), in: Deutschland Archiv 38 (2005), Heft 6, S. 1009–1016</ref> und Terroranschläge verüben und Gefangene befreien.<ref name="Spiegel"/> Diese Gruppe wurde von der DDR mit Geld, Waffen und Sprengstoff versorgt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die geheime Kampftruppe der DKP (Memento vom 1. August 2009 im Internet Archive)</ref> Die Durchführung lag bei der Abteilung AGM/S des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi).<ref name="spiegel.de">DDR bildete DKP-Kampfgruppen aus</ref> Die theoretische Ausbildung fand in Ost-Berlin statt. Am Springsee in Brandenburg erfolgte die praktische Ausbildung der Kämpfer durch Offiziere der NVA zu den Themen: „Umgang mit Waffen und Sprengmitteln, die Taktik von Kleinkampfgruppen, Tarnung, Spurenverwischung und das lautlose Töten von Menschen.“<ref>DDR bildete militärischen Arm der DKP aus, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Mai 2004</ref> Die Militärorganisation existierte von 1969 bis zum Frühjahr 1989.<ref name="deutschlandarchiv.info"/> Die Gründung ging auf eine Absprache von Walter Ulbricht und Max Reimann zurück.<ref>SED warb DKP-Leute für Anschläge in Tagesspiegel vom 19. Mai 2004</ref>

Geschichte

Die konspirative DKP-Militärorganisation wurde 1969 auf Weisung der SED-Parteiführung gegründet und bestand bis zum Zerfall der DDR 1989. Mindestens seit 1953 existierten im Ministerium für Staatssicherheit Diensteinheiten, die eine solche Partisanentätigkeit vorbereiten sollten.<ref>https://web.archive.org/web/20141103161343/http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publikationen/Publikationen/E_fingerle-gieseke_partisanen.pdf?__blob=publicationFile</ref> Die von der SED als „Gruppe Ralf Forster“ geführte Organisation wurde mit sechsstelligen Summen finanziert. Bis 1989 erhielt die Gruppe so insgesamt mehrere Millionen DM.<ref>Die Partisanen der DKP</ref> Hinter dem Pseudonym Ralf Forster verbarg sich der 1919 in Halle geborene Harry Schmitt, der langjährige Leiter der Gruppe.

Die Aufgabe der Gruppe Ralf Forster bestand darin, unter strengster Konspiration zuverlässige DKP-Genossen auszuwählen, die in der DDR für militärische Aufgaben und Aktionen in der Bundesrepublik Deutschland geschult und ausgebildet wurden. Diese DKP-Genossen bildeten die Militärorganisation der DKP. Ein eigens dafür gegründeter Militärrat, bestehend aus hochrangigen DKP-Funktionären und „Ralf Forster“ alias Harry Schmitt, traf sich regelmäßig zu Beratungen in der DDR. Die Räumlichkeiten für diese Treffen stellte die Abteilung Verkehr beim ZK der SED zur Verfügung. In einem abgeschirmten Ausbildungscamp zwischen Scharmützelsee und Springsee fanden sechs Ausbildungsgänge pro Jahr mit bis zu elf Kämpfern<ref>Harald Stutte: Als die DDR mal Partisanen für den Westen ausbildete. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Abschnitt "Leben", 29. September 2019, S. 12 </ref> statt, bei denen konspirativ in die DDR geschleuste DKP-Mitglieder im Schießen, Sprengen, Tarnen und Täuschen angeleitet wurden. Geübt wurden etwa die „Zerstörung einer Fernmeldeeinrichtung bei Solingen“ oder „das Legen eines Hinterhaltes mit anschließender Gefangenenbefreiung“. Auch das gezielte Töten von Personen wurde trainiert.<ref name="spiegel.de"/>

Im Zeitraum von 1969 bis 1989 erhielten etwa 200 DKP-Mitglieder in der DDR eine geheime paramilitärische Ausbildung. Sie sollten im Falle eines Konflikts zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und denen der NATO in der Bundesrepublik Deutschland Sabotageakte und terroristische Anschläge verüben. Unklar ist, ob tatsächlich Anschläge durchgeführt wurden. Teile der Akten wurden von der Staatssicherheit gezielt vernichtet.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />DKP-Paramilitärs von der Stasi ausgebildet (Memento vom 9. April 2014 im Internet Archive), Sächsische Zeitung vom 18. April 2004</ref>

Für die Ausbildung von DKP-Mitgliedern in der DDR wurden gesonderte Lehrpläne erstellt. Aus ihnen wird ersichtlich, dass der Umgang mit Handfeuerwaffen, Handgranaten und Panzerfäusten, der Umgang und der Einsatz von Brand- und Sprengmitteln sowie das lautlose Beseitigen von Gegnern geübt wurden. Als Ausbilder fungierten hochrangige NVA-Offiziere. Die Ausbildung fand sowohl in der Zentralen Pionierausbildungsbasis am Springsee als auch auf dem Truppenübungsplatz Streganz statt. Die für diese Übungszwecke notwendigen Materialien (Waffen, Munitionen, Sprengstoff und Chemikalien) stellte das Ministerium für Staatssicherheit zur Verfügung. Die Hauptverantwortung für die Ausbildung lag jedoch in den Händen des Ministeriums für Nationale Verteidigung.

Die Existenz der Militärorganisation der DKP wurde erst Ende 1989 durch den Aussteiger Willi Herrmann und darauf folgende Berichte im Spiegel bekannt.<ref name="Spiegel"/><ref name=":0">Was Feines. In: Der Spiegel. Nr. 4, 1990, S. 89–90 (online22. Januar 1990).</ref><ref name=":1">Herber Schlag. In: Der Spiegel. Nr. 11, 1990, S. 105–109 (online12. März 1990).</ref> Sie wird bis heute von der Führung der DKP vehement abgestritten. Im Jahr 2004 bestätigte sich die Existenz dieser Gruppe durch Aktenfunde der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik und es wurden weitere Details bekannt.<ref>Schläfer des Kalten Krieges, Süddeutschen Zeitung vom 28. Oktober 2009</ref> In Kaiserslautern (unweit der US-Air-Base Ramstein) soll eine Gruppe existiert haben.


Bekannte Mitglieder der Gruppe:

  • Harry Schmitt, Deckname: Ralf Forster, langjähriger Leiter der Gruppe
  • Willi Herrmann<ref name="Spiegel" /><ref name=":0" />
  • Rudolf Fey, Deckname: Alex, Mitglied des DKP-Militärrats<ref name="Spiegel" />
  • Uwe Eichholz, ehemaliges Mitglied des Parteivorstand und hauptamtlicher Mitarbeiter der DKP<ref name="Spiegel" /><ref name=":1" /><ref name=":2" />
  • Uve Merz<ref name="Spiegel" />
  • Horst Krämer, Deckname: Henry Rehbein<ref name="Spiegel" />

Aufarbeitung

Einige Mitglieder der Gruppe wurden wegen ihrer Mitgliedschaft nach der Wiedervereinigung vor deutschen Gerichten angeklagt. Das Verfahren gegen 14 Angehörige der Militärorganisation wegen „Vorbereitung von Sabotagehandlungen“ und „Agententätigkeit zu Sabotagezwecken“ vor dem Landgericht Frankfurt am Main ging für alle Beschuldigten straffrei aus und wurde auch gegen die letzten vier Angeklagten im November 1995 gegen Zahlung von Geldbußen zwischen 1500 und 5000 Mark eingestellt.<ref name=":2">Fiktiver Angriff, Der Spiegel, 13. November 1995; andere Quellen sprechen fälschlicherweise von einer "Verurteilung zu Geldbußen" oder einer Einstellung des Gerichtsverfahrens.</ref>

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />