2S4 Tjulpan
| 2S4 Tjulpan | |
|---|---|
| |
| Allgemeine Eigenschaften | |
| Besatzung | 5 (Kommandant, Fahrer, Richtschütze, zwei Ladeschützen) |
| Länge | 7,94 m |
| Breite | 3,25 m |
| Höhe | 3,20 m |
| Masse | 28,2 t |
| Panzerung und Bewaffnung | |
| Panzerung | max. 15 mm Panzerstahl |
| Hauptbewaffnung | 240-mm-Granatwerfer M-240 (GRAU-Index 2B8) |
| Sekundärbewaffnung | 7,62-mm-Maschinengewehr PK |
| Beweglichkeit | |
| Antrieb | W-59-V12-Mehrstoffmotor 520 PS (382 kW) |
| Federung | Torsionsstab |
| Geschwindigkeit | 62 km/h (Straße), 25 km/h (Gelände) |
| Leistung/Gewicht | 18,4 PS/t |
| Reichweite | 500 km (auf der Straße) |
Die 2S4 Tjulpan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); dt.: Tulpe) ist ein sowjetischer Mörser auf Selbstfahrlafette. Der NATO-Code lautet M1975. Er ist der derzeit weltweit größte im Einsatz befindliche Mörser.
Entwicklung
Ab 1950 wurde bei den sowjetischen Streitkräften der gezogene 240-mm-Mörser M-240 ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); GRAU-Index: 2B8 / 52M864) eingeführt. Der Entwurf dieses Mörsers basierte auf den Erfahrungen der Roten Armee während des Zweiten Weltkrieges.<ref name="MoArt">T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. 1996, S. 156–159.</ref> Das Hauptaufgabengebiet dieses gezogenen Mörsers lag in der Bekämpfung von befestigten Stellungen, Bunkern und Gebäuden im Belagerungskampf. Eine gute Mobilität und eine hohe Schusskadenz waren nebensächlich. So dauerte es 25 bis 30 Minuten bis zur Feuerbereitschaft und die Kadenz lag bei rund einem Schuss alle zwei Minuten.<ref name="MoArt" /> Im Zuge der zunehmenden Mechanisierung der Sowjetarmee entstand Bedarf an einer selbstfahrenden Ausführung dieses Mörsers. Diese sollte über Panzerschutz und ein Kettenlaufwerk verfügen, um die gepanzerten mechanisierten Formationen begleiten zu können. Die Entwicklungsarbeiten am Objekt 305 begannen 1966 in den Motowilichawerken (OKB-152) und beim Uralwagonsawod-Tochterunternehmen Uraltransmasch.<ref name="Karp">A. W. Karpenko: Waffen aus Russland. Moderne Selbstfahrlafetten. 2009, S. 22–26.</ref> Im Jahr 1969 waren die ersten drei Prototypen einsatzbereit und ab 1971 wurden die ersten Serienfahrzeuge an die sowjetischen Streitkräfte ausgeliefert.<ref name="hull">Andrew W. Hull: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present. 1999, S. 137–139.</ref> Vom Westen wurde der 2S4 erstmals im Jahr 1975 beobachtet und bekam daher den NATO-Code M1975. 2S4 wurden zunächst nur von der Sowjetunion verwendet. Die Produktion endete in den 1980er-Jahren.<ref name="Karp" /> Im Jahr 2017 wurde bekanntgegeben, dass bis 2020 alle Tjulpan-Mörser einer Überholung und Modernisierung unterzogen werden sollen.<ref>Russlands Militär baut wieder Atomkanonen. de.sputniknews.com, 12. November 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 8. Juli 2019.</ref>
Technik
Das Fahrzeug basiert auf dem kettengetriebenen GM-123 (GMZ)-Fahrgestell und wiegt 28,2 Tonnen. Das Fahrzeug wird von einem W-59-Dieselmotor mit 520 PS Leistung angetrieben.<ref name="MoArt" /> Auf der Straße wird eine maximale Fahrgeschwindigkeit von über 62 km/h erreicht und die maximale Reichweite beträgt 420 bis 500 km.<ref name="armyr">2S4 Tyulpan M-1975 self-propelled mortar carrier. armyrecognition.com, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. April 2019; abgerufen am 29. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die fünfköpfige Besatzung ist im vorderen Teil des Fahrzeugs in zwei Kabinen unter ABC-Schutz untergebracht. Zur Selbstverteidigung ist auf der Kommandantenkuppel ein 7,62-mm-Maschinengewehr vom Typ PKT mit einem Kampfsatz von 1500 Schuss montiert. Weiterhin gehören ein Nachtsichtgerät für den Fahrer sowie eine mobile Funkstelle vom Typ R-123M zur Ausrüstung. Im mittleren Bereich des Fahrzeuges sind zwei Trommelmagazine für die Mörsergranaten untergebracht. Jedes Magazin kann 20 Granaten aufnehmen.<ref name="hull" /> Am Fahrzeugheck ist der 2B8-Hinterlader-Mörser mit dem Rohrbodenstück, das den Verschluss trägt, untergebracht. Darunter befindet sich die zugehörige Bodenplatte, an der in einer Rohrwiege das Mörserrohr befestigt ist. Für die Fahrt wird das Mörserrohr auf das Fahrzeugdach abgesenkt und die Bodenplatte an das Fahrzeugheck hochgeklappt.
Um den Mörser feuerbereit zu machen und zu bedienen, muss die Besatzung das Fahrzeug verlassen. Dabei wird die Bodenplatte hydraulisch auf den Boden abgesenkt. In der Rohrwiege schwenkt nun das Rohr nach hinten und wird in die Waagerechte angehoben.<ref name="yout1">2S4 Tyulpan 240-mm Self-Propelled Mortar. In: Military-Today.com. youtube.com, 3. Dezember 2013, abgerufen am 29. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Rohr befindet sich jetzt auf der Höhe des Fahrzeugdachs. Aus einem der automatisch rotierenden Trommelmagazine wird nun eine Granate ausgegeben und mit einem Förderstempel auf dem Fahrzeugdach in das Mörserrohr geschoben.<ref name="yout1" /> Nach dem Schließen des Verschlusses wird das Rohr wieder abgesenkt, bis es die gewünschte Erhöhung einnimmt.<ref name="sna">Самоходный 240-мм миномет 2С4 „Тюльпан“. snariad.ru, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 12. Mai 2016; abgerufen am 29. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nun kann die Granate abgefeuert werden und ein neuer Ladevorgang erfolgen. Die maximale Feuergeschwindigkeit liegt bei einem Schuss alle 62 Sekunden. Bei großer Rohrelevation beträgt die Schussfolge einen Schuss alle 72 Sekunden.<ref name="Karp" /> Der Mörser hat einen vertikalen Richtbereich von +50° bis +80° sowie einen seitlichen Richtbereich von ±10°.<ref name="armyr" /> Für den Munitionsnachschub stehen separate Fahrzeuge zur Verfügung. Zum Aufmunitionieren und Nachladen verfügt der 2S4 über einen Ladekran auf dem Fahrzeugdach.<ref name="sna" />
Munition für den M240
| Name | Funktion/Typ | Länge | Gewicht | Sprengkopf/Ladung | Schussdistanz |
|---|---|---|---|---|---|
| 53-F-864 | Splittersprenggranate | 1,53 m | 130,7 kg | 31,9 kg Sprengstoff | 0,8–9,65 km |
| 3WF2 | Splittersprenggranate mit 3M15-Raketenantrieb | 2,35 m | 228 kg | 46,5 kg Sprengstoff | 19,7 km |
| 3O8 | Granate mit Raketenantrieb für Streumunition | unbek. | 230 kg | 14 O-10-Splitterbomblets zu je 3,9 kg | 19,3 km |
| 3WS5 „Сайда“ | Brandgranate mit Raketenantrieb | unbek. | unbek. | 42 kg weißer Phosphor | 19 km |
| 1K113 „Smeltschak“ | Präzisionsgelenkte Munition | 1,63 m | 134,2 kg | 32,5 kg, Splittergefechtskopf | 9,2 km |
| 3WB4 | Nukleargranate | unbek. | unbek. | Nukleargefechtskopf mit 2 kT TNT-Äquivalent | 9,5 km |
| 3WB11 | Nukleargranate mit Raketenantrieb | unbek. | unbek. | Nukleargefechtskopf RD14 (9N232) | 18 km |
| „Смола“ | Nukleargranate | unbek. | unbek. | Nukleargefechtskopf mit erhöhter Neutronenstrahlung | unbek. |
| „Фата“ | Nukleargranate mit Raketenantrieb | unbek. | unbek. | Nukleargefechtskopf mit erhöhter Neutronenstrahlung | unbek. |
<ref name="Karp" /><ref name="hull" /><ref name="off1">Sébastien Roblin: The largest-caliber mortar system in the world is shelling cities in Syria and Ukraine (1/2). offiziere.ch, 20. April 2016, abgerufen am 29. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="off2">Sébastien Roblin: The largest-caliber mortar system in the world is shelling cities in Syria and Ukraine (2/2). offiziere.ch, 25. April 2016, abgerufen am 29. April 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="ammo">Боеприпасы к 240-мм минометам М-240 и 2С4 (арт. часть 2Б8). soviet-ammo.ucoz.ru, abgerufen am 12. Mai 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Gefechtsgliederung
Eine 2S4-Batterie besteht aus vier 2S4-Selbstfahrlafetten sowie Unterstützungs- und Versorgungsfahrzeugen.<ref name="Karp" /> Der 2S4 Tjulpan kam innerhalb der Sowjetarmee wegen seiner Fähigkeit zum Einsatz von Nukleargranaten ausschließlich bei der schweren Artillerie auf Brigade- und Divisionsebene zum Einsatz.<ref name="hull" />
Kriegseinsätze
Afghanistan
Die Selbstfahrlafette 2S4 wurde erstmals während der sowjetischen Intervention in Afghanistan eingesetzt.<ref name="hull" /> Bei diesen Einsätzen kam auch erstmals die präzisionsgelenkte Munition „Smeltschak“ zum Einsatz.<ref name="off1" />
Tschetschenien
Die russische Armee setzte den Mörser im Tschetschenienkrieg ein, wo die große Explosionskraft im bebauten Gelände hohe Verluste unter der Zivilbevölkerung forderte.<ref name="off1" /><ref>Sonja Zekri: Assad greift zur mörderischen «Tulpe». In: tagesanzeiger.ch. 25. Februar 2012, abgerufen am 7. Juli 2015.</ref>
Syrien
Die syrischen Streitkräfte sollen den Mörser im Februar 2012 innerhalb von Wohngebieten zur Bekämpfung des Aufstands in Homs eingesetzt haben.<ref name="off2" /><ref>’Friends of Syria’: Push to End Indiscriminate Shelling. 24. Februar 2012.</ref> Ebenso kam der 2S4 vermutlich im Kampf um weitere Städte wie Damaskus zum Einsatz.<ref name="off2" />
Ukraine
Im Krieg in der Ukraine seit 2014 wurde die 2S4 Anfang Juli 2015 von Beobachtern der OSZE auf dem Gebiet der Volksrepublik Donezk gesichtet.<ref name="off2" /><ref>Latest from OSCE Special Monitoring Mission (SMM) to Ukraine based on information received as of 19:30 (Kyiv time), 5 July 2015. In: osce.org. OSCE, 6. Juli 2015, abgerufen am 7. Juli 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „Also in “DPR”-controlled areas, two MBTs were observed…as well as one 240mm mortar (Tyulpan) near Komsomolske (44km south-east of Donetsk).“</ref>
Im Zuge des russischen Überfalls auf die Ukraine 2022 wird der 2S4 ebenfalls eingesetzt. Bis Mitte März 2024 gelang es den ukrainischen Streitkräften, über 40 Mörser zu zerstören.<ref name="oryxspioenkop">Attack On Europe: Documenting Equipment Losses During The 2022 Russian Invasion Of Ukraine. In: oryxspioenkop.com. Abgerufen am 20. Juli 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Analysis: Ukrainian army destroys Russian 2S4 240mm mortar revealed by Russian journalist. Abgerufen am 24. Mai 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nutzerstaaten
Aktueller Nutzer
- Datei:Flag of Russia.svg Russland – Per Januar 2022 befinden sich 40 2S4 im Dienst und weitere 390 sind eingelagert.<ref name="MB2022" details="195"></ref>
Ehemalige Nutzer
- Datei:Flag of Libya.svg Libyen – unbekannte Anzahl
- Datei:Flag of Iraq.svg Irak – 10<ref name="MB1993">The International Institute for Strategic Studies (IISS): "The Military Balance 1993–1994." Routledge, 1993, ISBN 978-1-85753-038-4.</ref>
- Datei:Flag of Kazakhstan.svg Kasachstan – 4<ref name="MB1993" />
- Datei:Flag of the Soviet Union.svg Sowjetunion – auf die Nachfolgestaaten verteilt.
- Vorlage:SYR-1980 – 24<ref name="MB1993" />
- Datei:Flag of the Czech Republic.svg Tschechoslowakei – 8<ref name="MB1993" />
- Datei:Flag of Ukraine.svg Ukraine – unbekannte Anzahl<ref name="MB1993" />
Literatur
- A. W. Karpenko: Waffen aus Russland. Moderne Selbstfahrlafetten. Bastion Verlag, St. Petersburg 2009.
- Andrew W. Hull, David R. Markov, Steven Zaloga: Soviet/Russian Armor and Artillery Design Practices: 1945 to Present. Darlington Productions, Darlington 1999, ISBN 1-892848-01-5.
- T. J. O’Malley: Moderne Artilleriesysteme. Motorbuch, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-01758-X.
Weblinks
- Beschreibung auf GlobalSecurity (englisch)
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Navigationsleiste Artillerie der Sowjetunion und Russlands nach 1945