Wilhelm Ferdinand Kalle
Wilhelm Jakob Ferdinand Kalle (* 19. Februar 1870 in Biebrich am Rhein; † 7. September 1954 in Wiesbaden) war ein deutscher Chemiker, Unternehmer und Politiker (DVP). Er war langjähriger Generaldirektor der Chemischen Fabrik Kalle sowie Parlamentarier im preußischen Landftag und im Reichstag.
Leben
<imagemap> Datei:IGFarbenGoetterrat.jpg|mini|Verwaltungsrat der I.G. Farben mit dem Vorstandsvorsitzenden Carl Bosch (links vorne) auf einem Gemälde von Hermann Groeber (1926), genau in Bildmitte Wilhelm Ferdinand Kalle circle 972 565 250 Arthur von Weinberg (Cassella) circle 1317 437 221 Carl Müller (BASF) circle 2598 459 280 Edmund ter Meer (WEILER-ter MEER) circle 3103 326 225 Adolf Haeuser (HOECHST) circle 3337 570 221 Franz Oppenheim (AGFA) circle 236 1007 252 Theodor Plieninger (GRIESHEIM-ELEKTRON) circle 546 937 239 Ernst von Simson (AGFA) circle 882 1252 255 Carl Bosch, Vorstandsvorsitzender (BASF) circle 1189 928 227 Walther vom Rath (HOECHST) circle 1862 934 213 Wilhelm Ferdinand Kalle (KALLE) circle 2476 926 210 Carl von Weinberg (CASELLA) circle 2764 1279 412 Carl Duisberg, Aufsichtsratsvorsitzender (BAYER) desc bottom-right </imagemap>
Kalle wurde als Sohn des Chemiefabrikanten Wilhelm Kalle geboren.<ref>Walter Habel: Wer ist wer? Das Deutsche Who’s Who. Berlin 1928.</ref><ref>Grete Ronge: Kalle, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 11. Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).</ref> Sein Cousin war der Offizier und Politiker Arnold Kalle.<ref>Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. Band 7, Stuttgart 1984, S. 182.</ref> Nach dem Besuch der Realschule in Biebrich und des Gymnasiums in Wiesbaden studierte er an der Universität Genf und der Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg, wo er Mitglied des Corps Rhenania wurde.<ref>Kösener Corpslisten 1960, 100/134.</ref> Als Inaktiver studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und der Technischen Hochschule Dresden Chemie. Nach seinen Promotionen in den Fächern Naturwissenschaften<ref>Über die Umwandlung von Naphtalinderivaten in o-Oxy-o-Toluylsäure und in p-Oxy-o-Toluylsäure und über einige Derivate dieser Säuren. (Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1894) Aug. Vollrath, Erlangen 1895. (28 Seiten)</ref> und Ingenieurwissenschaften wurde er 1897 Teilhaber der Chemischen Fabrik Kalle & Co. in Biebrich. Mit der Umwandlung des Familienunternehmens in eine Aktiengesellschaft wurde Kalle 1904 Generaldirektor. Nach der Eingliederung in die I.G. Farben wechselte er zum 1. Januar 1926 in den Verwaltungsrat der I.G. Farben und übernahm gleichzeitig den Vorsitz im Aufsichtsrat von Kalle.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit war Kalle auch politisch engagiert. Nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die von Gustav Stresemann gegründete Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Ab 1919 gehörte er für diese dem preußischen Landtag an. Anschließend saß er von 1924 bis 1932 im Reichstag. Er war Chef des sogenannten Kalle-Kreises, dem 1922 oder 1923 gegründeten informellen Lobby-Verein der I.G. Farben zur Parteienfinanzierung in der Weimarer Republik.
Während des Zweiten Weltkriegs verriet er Zyklon-B-Entwicklungen innerhalb der I.G. Farben über Erwin Respondek an die USA. Er wurde daher im I.G.-Farben-Prozess nicht angeklagt.<ref>ARTE-Dokumentation über Erwin Respondek, 31-33 und 41-50 min.</ref> Im Jahr 1951 zog er aus seinem bisherigen Wohnort Tutzing nach Wiesbaden, wo er auch starb.
Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Stadtarchiv Wiesbaden, im Bestand WA 3 – Werksarchiv Kalle-Albert.
Ehrungen
- 1913: Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Dresden (als Dr.-Ing. E. h.)
- 1923: Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule München (als Dr.-Ing. E. h.)<ref>Personal- und Hochschulnachrichten, in: Angewandte Chemie 36/340 (1923).</ref>
- Ehrenmitglied des Corps Rhenania Straßburg
- 1953: Ehrenbürgerwürde der Stadt Wiesbaden
Siehe auch
- Liste der Ehrenbürger von Wiesbaden
- Liste der korporierten Reichstagsabgeordneten (Weimarer Republik)#Kösener
Literatur
- Kalle, Wilhelm Ferdinand. In: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Band 1 (A–K), Berlin 1930, S. 876.
Weblinks
- Literatur von und über Wilhelm Ferdinand Kalle im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Wilhelm Ferdinand Kalle in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Nachlass Bundesarchiv N 1771
- Wilhelm Ferdinand Kalle in der Online-Version der Edition Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik
- Kalle, Wilhelm Jakob Ferdinand. Hessische Biografie. (Stand: 11. Januar 2023). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kalle, Wilhelm Ferdinand |
| ALTERNATIVNAMEN | Kalle, Wilhelm Jakob Ferdinand (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Chemiker, Unternehmer und Politiker (DVP), MdR |
| GEBURTSDATUM | 19. Februar 1870 |
| GEBURTSORT | Biebrich am Rhein |
| STERBEDATUM | 7. September 1954 |
| STERBEORT | Tutzing |
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- Chemiker (20. Jahrhundert)
- Unternehmer (Hessen)
- Unternehmer (19. Jahrhundert)
- Unternehmer (20. Jahrhundert)
- Mitglied des Preußischen Landtags (Freistaat Preußen)
- Reichstagsabgeordneter (Weimarer Republik)
- DVP-Mitglied
- Person (I.G. Farben)
- Corpsstudent (19. Jahrhundert)
- Ehrenmitglied eines Corps
- Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden
- Ehrendoktor der Technischen Universität München
- Ehrenbürger von Wiesbaden
- Deutscher
- Geboren 1870
- Gestorben 1954
- Mann