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Mari (Volk)

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Datei:Finno-ugrian-map-de.svg
Siedlungsgebiet der Mari (historisch)

Die Mari (historisch: Tscheremissen) sind ein Volk in Russland, u. a. in der Republik Mari El. Sie gehören zu den Wolga-Finnen.

Verbreitung

Datei:Ареал расселения марийцев в Волго-Уральском регионе. По данным Всероссийской переписи населения 2010 года..png
Gebiete mit hohem Bevölkerungsanteil der Mari in Russland nach der Volkszählung 2010

In der Republik Mari El lebt etwa die Hälfte der 640.000 Angehörigen. Die übrigen Mari leben verstreut in vielen Gebieten und Republiken des Wolga-Ural-Gebiets. Auch ihre Sprache wird Mari genannt. Dazu gibt es zwei Schriftsprachen, die beide Amtssprachen von Mari El sind. Man unterscheidet nach ihren Siedlungsgebieten, Dialekten und kulturellen Besonderheiten vier Gruppen: die „Berg-Mari“, die am hohen südlichen Wolgaufer wohnen, die „Wald-Mari“ des Westens, die größere Gruppe der „Wiesen-Mari“ am nördlichen flachen Wolgaufer und die „Ost-Mari“, von denen viele in Baschkortostan wohnen.

Geschichte

Eine erste Erwähnung fanden die Mari im 6. Jahrhundert bei Jordanes als sremniscans, eine Bezeichnung, die der wolgabulgarischen Bezeichnung çеремçин (in der wörtlichen Übersetzung „Steppenbewohner“, daraus „Tscheremissen“) entlehnt ist. Die Vorfahren der Mari waren ab dem 8. Jahrhundert von den Reichen der Chasaren und Wolgabulgaren abhängig. Vom 13. bis ins 15. Jahrhundert gehörten sie zum Reich der Goldenen Horde und dem Khanat von Kasan. Mit der Eroberung des Khanats durch Iwan IV. 1552 kamen die Mari unter die Herrschaft Russlands, der sie sich bis ins 17. Jahrhundert hinein widersetzten. Am 4. Oktober 1920 entstand ein Autonomes Gebiet, mit der Verfassung von 1936 am 5. Dezember 1936 eine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Mari (ASSR der Mari), die 1990 ihre Souveränität erklärte. Heute gibt es verschiedene nationalistische Organisationen der Mari, darunter die Partei Marij Uschem.

Religion

Während andere von Iwan IV. unterworfene Völker vergleichsweise schnell von Nowgorod aus missioniert wurden, haben sich die Mari bis ins 19. Jahrhundert der Christianisierung widersetzt. Viele Angehörige der Mari, insbesondere viele Ost-Mari (Tschi-Mari, Reine Mari), pflegen bis heute eine traditionelle naturbezogene Religion, in der die Verehrung von Bäumen eine Rolle spielt, die allerdings auch christliche und islamische Einflüsse erfahren hat. In Mari El gibt es drei heidnische Gemeinschaften. Die meisten religiösen Mari gehören heute jedoch der Russisch-Orthodoxen Kirche an. Des Weiteren gibt es unter ihnen viele Protestanten verschiedener Denominationen.

Musik

Neben ihrer finno-ugrischen Kulturtradition haben die Mari in ihre Volksmusik viele Einflüsse von slawischen und turkischen Völkern aufgenommen, weshalb die Liedmelodien weitgehend monophon sind und sich von der polyphonen russischen Volksmusik unterscheiden. Traditionelle Volkslieder sind im Alltag präsent und werden bei Hochzeiten, Beerdigungen, bei der Begrüßung von Gästen und bei jahreszeitlichen Festen gesungen.

Zu den traditionellen Musikinstrumenten gehören die Trapezzither küsli (mit der russischen gusli verwandt) mit 20 bis 22 Saiten, die Sackpfeife schüvir, die kleine einfellige Röhrentrommel tümir, die dreisaitige Fiedel kovizh, die Flöte schialtisch und die Gefäßflöte schuschpik aus Ton und in Tierform. Ähnlich alt wie die Gefäßflöte durfte der mindestens bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verwendete Mundbogen kon-kon sein.<ref>Mark Slobin, Jarkko Niemi: Russian Federation. II. Traditional music. 2. Non-Russian peoples in European Russia. (iii) Maris (Cheremis). In: Grove Music Online, 2001</ref>

Bekannte Mari

Literatur

  • Eugen Helimski, Ulrike Kahrs, Monika Schötschel (Hrsg.): Mari und Mordwinen im heutigen Russland. Sprache, Kultur, Identität. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 3-447-05166-3

Weblinks

Commons: Mari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />