Schweizer Reisekasse
| Schweizer Reisekasse (Reka)
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| Rechtsform | Genossenschaft | |||||
| Gründung | 1939 | |||||
| Sitz | Bern, Neuengasse 15 Welt-Icon
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| Leitung | Roland Ludwig (Direktor) Marcel Dietrich (VR-Präsident) | |||||
| Mitarbeiterzahl | 799 (2023) | |||||
| Umsatz | 117.5 Mio. CHF (2023) | |||||
| Branche | Tourismus | |||||
| Website | reka.ch | |||||
Die Schweizer Reisekasse (Reka) ist eine genossenschaftlich organisierte Non-Profit-Organisation mit Sitz in Bern, die im Bereich des Sozialtourismus in der Schweiz tätig ist. Sie gilt als führende Anbieterin von Ferienwohnungen für Familien und ist gemessen am Angebot die zweitgrösste Vermieterin von Ferienwohnungen, Resorts und Hotels in der Schweiz.
Geschichte
Gesellschaftliche Bedingungen
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich das Bedürfnis nach Ferien als Ruhepause und notwendige Erholung von der Arbeit auch in der Schweizer Bevölkerung immer stärker. Die Bewegung für Ferien in der Natur war Teil der Reformbewegungen, die um die Jahrhundertwende im deutschen Sprachraum entstanden: Freikörperkultur, Jugendstil, Naturheilkunde, Reformpädagogik, Vegetarismus und Volkshochschulen. Für die arbeitende Bevölkerung waren Ferien jedoch zu teuer. 1895 war in Wien der Touristenverein Die Naturfreunde gegründet worden, um auch Arbeitern Ferien zu ermöglichen.
Diese Idee führte im Jahr 1905 zur ersten schweizerischen Naturfreunde-Ortsgruppe in Zürich und verbreitete sich bald in der ganzen Schweiz. Der Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler begann mit seinem 1935 gegründeten Reisebüro Hotelplan erschwingliche Ferienreisen für die breite Bevölkerung anzubieten und damit gleichzeitig dem schweizerischen Fremdenverkehr aus der Krise zu helfen. Sozialpolitische Forderungen verhalfen dann dem neuen Ferienverständnis Mitte des 20. Jahrhunderts zum Durchbruch.
Gründung
Die Gewerkschaften gründeten am 22. Juni 1939<ref>Geschichte des Unternehmens auf der Homepage von www.reka.ch</ref> zusammen mit dem Fremdenverkehrsverband die Schweizer Reisekasse als nicht-gewinnorientierte Genossenschaft. Ihre Aufgabe sollte die Förderung des Sozialtourismus, die Ferienfinanzierung mittels sogenannten Reka-Checks, die Gründung und Entwicklung von eigenen Feriendörfern und die Vermittlung von günstigen Ferienwohnungen sein. Sie setzte sich zum Ziel, Schweizer Familien mit kleinem Einkommen und Alleinerziehende mit ihren Kindern günstige Ferien zu ermöglichen. Die Gewinne der Genossenschaft sollten für kostenlose oder vergünstigte Ferienhilfeprogramme eingesetzt werden.
Reka-Geld
Reka-Geld ist ein zweckgebundenes Zahlungsmittel, das von der Schweizer Reisekasse herausgegeben wird. Es ist im Verhältnis 1:1 an den Schweizer Franken gekoppelt, kann jedoch mit einem Rabatt von 3 bis 20 Prozent bezogen werden. Der Bezüger erhält dadurch ein Guthaben, dessen Nennwert über dem tatsächlich bezahlten Betrag liegt. Bis Ende 2025 war Reka-Geld auch als physisches Papiergeld erhältlich, seither wird es ausschliesslich digital ausgegeben.<ref>Reka-Checks auf Papier gibt es bald nicht mehr. Abgerufen am 11. April 2026.</ref>
Die Reisekasse bietet drei Zahlungsmittel an, die sich im Verwendungszweck unterscheiden: Reka-Pay ist im Bereich Reisen, Mobilität, Freizeit, Sport, Kultur, Beherbergung und Gastronomie einsetzbar. Reka-Rail gilt für den öffentlichen Verkehr, Reka-Lunch für die Verpflegung. Alle drei werden über eine digitale Karte (Reka-Card) oder über die Apps und Webshops der jeweiligen Akzeptanzstellen eingesetzt.<ref name=":0">Reka geht in eine neue Ära: Der Reka-Check wird endgültig abgelöst. In: Schweizer Reisekasse. 5. April 2025, abgerufen am 11. April 2026.</ref> Laut Reka-Angaben kann die Bezahlkarte an über 6000 Akzeptanzstellen verwendet werden.<ref name=":0" /> Beim Tanken kann Reka-Geld bei den Tankstellennetzen von Avia, BP und Coop eingesetzt werden. Die Stiftung für Konsumentenschutz kritisierte, dass die Reisekasse nicht allen Tankstellenbetreibern die Teilnahme am System ermögliche.<ref>Fabian Pöschl: Exklusiv-Deal: Tankstellenbetreiber sauer — Reka nur bei Avia, BP und Coop einlösbar. In: 20min.ch. 11. Juli 2022, abgerufen am 11. Juli 2022.</ref>
Reka-Geld wird häufig als Lohnnebenleistung eingesetzt. Unternehmen können ihren Mitarbeitenden vergünstigtes Reka-Pay im Umfang von bis zu 600 Franken jährlich abgeben, ohne dass dieser Betrag im Lohnausweis deklariert werden muss. Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer entrichten darauf Steuern oder Sozialabgaben – im Unterschied zu Bargeldprämien.<ref>Reka-Geld. (PDF; 974 kB) In: reka.ch. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 24. Oktober 2018; abgerufen am 24. Oktober 2018.</ref> Für die Mitarbeitendenverpflegung mittels Reka-Lunch sind bis zu 180 Franken monatlich abgabefrei. Derzeit bieten über 4500 Arbeitgeber, Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen ihren Mitarbeitenden und Mitgliedern Reka-Geld vergünstigt an.<ref name=":0" />
Tätigkeit und Ferienhilfe
Die Tätigkeiten der Genossenschaft sind in kommerzielle (Reka-Geld und Reka-Ferien) und soziale Bereiche aufgeteilt. Die soziale Tätigkeit umfasst verschiedene Ferienhilfeprogramme, die mit CHF 8 Millionen (Stand 2023) verbilligt werden:
- Mit 0,5 Millionen Franken wurden die Ferienhilfe-Angebote «Ferien für 200 Franken» und «Begleitete Ferien für Alleinerziehende» vergünstigt. Mehr als 790 einkommensschwache oder alleinerziehende Familien konnten davon profitieren.
- 6,8 Millionen Franken zahlt Reka für die Verbilligung von Reka-Geld.
- 0,7 Millionen Franken fliessen in den Fonds für Familienferien, um die Ferienanlagen den Familien günstiger anbieten zu können.
Per 1. Januar 2020 wurden die Ferienhilfe und die 1989 gegründete Jubiläumsstiftung in die Reka Stiftung Ferienhilfe zusammengeführt.<ref>Über uns – Zahlen und Fakten, auf reka-ferienhilfe.ch, abgerufen am 31. Dezember 2020</ref> Die Stiftung ermöglicht wirtschaftlich und sozial benachteiligten Familien Ferien in der Schweiz. Gleichzeitig unterstützt die Stiftung Ferienlager für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Im Jahr 2023 vergünstigte die Stiftung Ferien für 792 Familien mit 1740 Kindern und Ferienlager für 270 Kinder und Jugendliche mit einer Beeinträchtigung.
Feriendörfer
Reka hat an folgenden Orten eigene Reka-Feriendörfer:<ref>Reka-Feriendörfer. In: reka.ch. Abgerufen am 11. Juli 2022.</ref>
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- Wallis: Blatten-Belalp ⊙
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- Westschweiz: Montfaucon JU ⊙
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Im Jahr 2017 kaufte Reka das Parkhotel Brenscino in Brissago. Im Jahr 2019 übernahm Reka die Betriebsgesellschaft des Swiss Holiday Parks in Morschach.<ref>Reka übernimmt Betrieb vom Swiss Holiday Park. In: www.htr.ch hotelrevue. 7. Dezember 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. April 2021; abgerufen am 12. April 2021.</ref> Das im Jahr 1964 zum ersten Mal eröffnete Feriendorf in Lugano, wurde ab 2020 neu erbaut und 2022 mit 49 Wohnungen und zwei Hotelzimmer wiedereröffnet.<ref>Implenia stellt Reka-Feriendorf in Lugano fertig. In: www.immobilienbusiness.ch. 11. Juli 2022, abgerufen am 11. Juli 2022.</ref>
Ferienanlagen
Reka hat an folgenden Orten Reka-Ferienanlagen:<ref>Reka-Ferienanlagen. In: reka.ch. Abgerufen am 11. Juli 2022.</ref>
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Finanzierung
Die soziale Tätigkeit wird mit den Gewinnen aus den kommerziellen Bereichen des Unternehmens (Reka-Geld und Reka-Ferien) sowie privaten Spenden finanziert. Die Reka-Genossenschafter – Arbeitgeber, Arbeitnehmerverbände, Tourismus, Verkehrswirtschaft und weitere Kreise – verzichten auf eine Gewinnausschüttung und auf eine Verzinsung des Genossenschaftskapitals. Die Gewinne der Nonprofit-Organisation werden für die Reka-Ferienhilfe und für die Subventionierung der Reka-Feriendörfer eingesetzt.
Kennzahlen, Stand 2023:<ref>reka Geschäftsbericht 2020</ref>
- Verkauf Reka-Geld: 489,1 Mio. Franken
- Reka-Ferien: Konsolidierter Betriebsertrag 76,6 Mio. Franken, Übernachtungen 955'720
- Nettoerlös: 117,5 Mio. Franken
- Bruttogewinn: 83,2 Mio. Franken
- Betriebsergebnis: –0,1 Mio. Franken
- Jahresgewinn: 0,5 Mio. Franken
Publikationen
- Magazin Reka Saison (Herausgabe 2020 eingestellt)
Volkswirtschaftliche Bedeutung
Die Parahotellerie, zu der die Schweizer Reisekasse gehört, gilt als wichtiges Standbein im Schweizer Tourismus. Die Reka-Feriendörfer bringen langjährigen und nachhaltig wirksamen touristischen Umsatz für die lokale und regionale Wirtschaft in den Schweizer Bergregionen. Mit den rund 1200 Wohnungen erzielt die Reka jährlich mehr als 627'000 Logiernächte in der Schweiz.
Auszeichnungen
- Family Score der Stiftung Pro Familia Schweiz: Familienfreundliches Unternehmen (Gütesiegel 2021–2023, Gütesiegel 2024–2026)
- GemeinwohlAtlas für die Schweiz: Am 23. September 2019 hat das Center for Leadership and Values in Society der Universität St. Gallen den dritten GemeinwohlAtlas für die Schweiz veröffentlicht. Der Atlas bringt den Gemeinwohlbeitrag von 106 Schweizer Organisationen in eine Rangliste. Reka belegt den 9. Platz (2015 und 2017 jeweils 7. Platz).
- Solarpreis 2015: Anlässlich der Solarpreisverleihung vom 29. September 2015 im Palexpo Genf hat die Solar Agentur Schweiz (SAS) das Reka-Feriendorf Blatten-Belalp mit dem «Schweizer Solarpreis» ausgezeichnet.
- Der Reka-Direktor der Jahre 1998 bis 2011, Werner Bernet,<ref>Geschäftsleitung. In: www.reka.ch. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. Januar 2012; abgerufen am 11. August 2011.</ref> wurde im Jahr 2004 für sein Lebenswerk mit dem „Milestone“, der höchsten Auszeichnung im Schweizer Tourismus, geehrt. Die Auszeichnung galt auch als Anerkennung für das sozialtouristische Engagement der Reka.
Siehe auch
Literatur
- Schweizer Reisekasse (Hrsg.), Ferien für alle – Vacances pour tous. Ferienbuch der Schweizer Reisekasse. Ein Ferienberater zu Hause. Bern 1939.
- Schweizer Reisekasse (Hrsg.), Das Ferienbuch der Schweiz, Bern 1966 und 1977.
- Reka-Kinderbuch, Pipo, ist das wahr?
Weblinks
- Offizielle Website von Reka
- Magazin Reka Saison. (Herausgabe im Jahr 2020 eingestellt). In: reka.ch. Schweizer Reisekasse (Reka), ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 7. März 2023. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )
Einzelnachweise
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