Angelus Clarenus
Angelus Clarenus OFM (* um 1245 in Chiarino, Mittelitalien; † 15. Juni 1337 in S. Maria d'Aspro; ursprünglicher Name Pietro da Fossombrone)<ref name="LThK">Karl Suso Frank: Angelus Clarenus. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 1, Sp. 655.</ref> war ein Vertreter der Spiritualen, einer radikalen Strömung innerhalb des Franziskanerordens.
Leben
Angelus trat 1257/58 in den Franziskanerorden ein und schloss sich bald den Spiritualen an. Diese verfolgten im Armutsstreit innerhalb des Ordens eine rigorose Umsetzung des ursprünglichen franziskanischen Ideals der Armut. Seine innerkirchlichen Gegner erreichten, dass er 1280 zusammen mit anderen Spiritualen als Häretiker eingekerkert wurde. 1289 wurde er auf Betreiben des franziskanischen Generalministers Raymund Gaufredi wieder freigelassen und zur Vermeidung weiterer Konflikte als Missionar nach Armenien geschickt. Nach seiner Rückkehr von dort im Jahr 1293 erlaubte ihm Papst Coelestin V., eine eigene Mönchsgemeinschaft zu gründen, die Pauperes Heremitae Domini Coelestini (Arme Einsiedler des Herrn Coelestin), um den Problemen mit den Franziskanern zu entgehen. Der Papst schloss diese Gemeinschaft als selbständige Gruppe den Coelestinern an.<ref>Karl Suso Frank: Coelestiner. 2) Franziskaner-Spiritualen in den Marken. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994, Sp. 1249.</ref> Angelus nannte sich jetzt Clarenus nach der Einsiedelei S. Maria del Chiarino. Unter Papst Bonifatius VIII. verlor er jedoch das päpstliche Wohlwollen und musste bereits um 1295 mit seinen Brüdern nach Griechenland fliehen. 1305 kehrte er nach Italien zurück. 1311 verteidigte er seine Ideale auf dem Konzil von Vienne. Nachdem Papst Johannes XXII. die Spiritualen verurteilt hatte, hielt Angelus sich, um Schutz vor seinen Gegnern zu finden, in der bedeutenden Benediktinerabtei Subiaco auf. Auch dort wirkte er weiter für die Sache der Spiritualen. Im Zuge der Verschärfung des Konfliktes fühlte er sich in Subiaco nicht mehr sicher genug und floh 1334 zu einer süditalienischen Eremitengemeinschaft, wo er bis zu seinem Tod 1337 blieb.<ref name="LThK" />
Die Clarener
Eine nach seinen Idealen lebende Reformgruppe innerhalb der franziskanischen Observanzbewegung in Italien wurde nach ihm benannt. Die Kongregation (Fratres de societate seu congregatione fr. Angeli Chiarini; Societas pauperum heremitorum quondam Angeli Chiarini, „Eremiten des Angelus Clarenus“) ist seit dem Pontifikat von Papst Eugen IV. (1431–1447) sicher bezeugt und darf nicht mit den unmittelbaren Anhängern des Angelus verwechselt werden. Die Brüder lebten als Einsiedler vor allem in den Marken und in Umbrien und waren dem Ortsbischof unterstellt. 1473 schlossen sich Teile den unterschiedlichen Gruppierungen im Franziskanerorden an (Observanten, Konventualen). Papst Pius V. (1566–1572) gliederte die Kongregation der Clarener 1568 endgültig in den Franziskanerorden ein.<ref>Karl Suso Frank: Clarener. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994, Sp. 1211.</ref>
Literarische Werke
Angelus Clarenus verfasste Verteidigungsschriften für die Überzeugungen der Spiritualen. So legte er in der „Expositio regulae fratrum minorum“ die Ordensregel der Franziskaner im Sinne seines strengen Armutsideals aus und schrieb in der „Historia septem tribulationum“ einen kritischen Überblick über die Kirchengeschichte. Er wirkte auch als Übersetzer theologischer griechischer Schriften.
Literatur
Ausgaben
- Lydia von Auw (Hrsg.): Epistulae/Epistole. (Opera / Angelus <Clarenus>; 1) Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, Rom 1980.
- David Burr (Hrsg.): A chronicle or history of the seven tribulations of the order of brothers minor. Franciscan Inst. Publ., St. Bonaventura 2005, ISBN 1-57659-198-0.
- Giovanni Boccali (Hrsg.): Liber chronicarum, sive Tribulationum Ordinis Minorum. (Pubblicazioni della Biblioteca Francescana, Chiesa Nuova, Assisi; 8). Porziuncola, Santa Maria degli Angeli 1999, ISBN 88-270-0380-0.
Sekundärliteratur
- Karl Suso Frank: Angelus Clarenus. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp. 655.
- David Burr: The Spiritual Franciscans: From Protest to Persecution in the Century after Saint Francis. Pennsylvania State University Press, University Park 2001, ISBN 0-271-02128-4.
- Helmut Feld: Die Franziskaner. UTB, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8252-3011-1.
- Klaus-Gunther Wesseling: Petrus von Fossombrone. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 358–360.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Clarenus, Angelus |
| ALTERNATIVNAMEN | Pietro da Fossombrone |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Franziskaner, Vertreter der Spiritualen |
| GEBURTSDATUM | um 1250 |
| GEBURTSORT | Chiarino, Mittelitalien |
| STERBEDATUM | 1337 |
| STERBEORT | Süditalien |