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Georg Klemperer

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Datei:Sophie Koner - Painting of Georg David Klemperer, 1904.jpg
Georg Klemperer 1904, gemalt von Sophie Koner
Datei:Gedenktafel Turmstr 21 (Moab) Jüdische Ärzte.jpg
Berliner Gedenktafel am Haus Turmstraße 21 in Berlin-Moabit

Georg David Klemperer (geboren am 10. Mai 1865 in Landsberg/Warthe<ref name=":0">Hessisches Staatsarchiv, Standesamt Wiesbaden, Heiratsnebenregister 1895, S. 238</ref>; gestorben am 25. Dezember 1946 in Boston) war ein deutscher Internist.

Leben

Georg Klemperer war der zweite Sohn des Reformrabbiners Wilhelm Klemperer und hatte acht Geschwister, vier Schwestern und vier Brüder. Sein älterer Bruder, erstes Kind seiner Eltern, Berthold (1864–1868), starb im Alter von 4 Jahren an „Scharlachfieber“.<ref>GSta PK; X, HA, Rep.4 B Nr. 427 (Jahre 1862–1873) S. 187</ref> Seine jüngeren Brüder waren der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Victor Klemperer, der Mediziner Felix Klemperer und der Rechtsanwalt und Notar Emanuel Berthold Klemperer (1871–1931). Der Dirigent Otto Klemperer (1885–1973) war sein Cousin ersten Grades. Der Mediziner David Klemperer (* 1953) ist sein Großneffe, der Beachvolleyballer David Klemperer (* 1980) ein Urgroßneffe. Zur entfernten Verwandtschaft zählten der Pathologe Paul Klemperer (1887–1964, Cousin dritten Grades) sowie der Historiker Klemens von Klemperer (1916–2012, Cousin siebenten Grades).

Bereits mit 17 Jahren, 1882, begann Georg Klemperer in Breslau mit dem Medizinstudium, das er in Halle bis zum Physikum und ab 1884 an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute:Humboldt-Universität) fortsetzte.<ref> Abrufbar unter Titelbilder, Titelthemen und Heftinhalte. Ärztekammer Berlin; (siehe Heft „Mrz 2007“).</ref> Von 1887 bis 1896 war er Assistent bei Ernst Viktor von Leyden, er habilitierte sich 1889 an der I. Medizinischen Klinik der Charité und wurde 1906 Chefarzt im Krankenhaus Moabit. Er war maßgeblich am überregionalen Ruf dieses Krankenhauses beteiligt. 1922 und 1923 wurde er von der sowjetischen Regierung mehrfach nach Moskau gerufen, um Lenin zu behandeln.<ref>Victor Klemperer: „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten.“ Band 1: Tagebücher 1933–1945. Aufbau-Verlag Berlin 1995, ISBN 3-351-02340-5. S. 733, Anm. zu S. 266.</ref><ref>Robert Service: Lenin. A Biography. Harvard University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-674-00330-6. S. 443.</ref> Er wies auf die große Bedeutung einer adäquaten Ernährung bei der Behandlung von Krankheiten hin und beschäftigte sich auch mit Hypnose und Naturheilkunde. Sein Lehrbuch Grundriss der Klinischen Diagnostik erschien bis 1931 in 26 Auflagen. Zusammen mit seinem Bruder Felix gab er das mehrbändige Werk Neue deutsche Klinik: Handwörterbuch der praktischen Medizin mit besonderer Berücksichtigung der inneren Medizin, der Kinderheilkunde und ihrer Grenzgebiete heraus. Über Jahrzehnte prägte er die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, der er zum 50. Gründungstag eine umfangreiche geschichtliche Abhandlung widmete.<ref>Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933–1970, Berlin 2018, S. 199–202.</ref> Klemperer gehörte zu den ersten Mitgliedern der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.<ref>Müller-Oerlinghausen, Bruno: Die Arzneimittel-Kommission der deutschen Ärzteschaft; Im Spannungsfeld der Interessen von Ärzteschaft und Pharmazeutischer Industrie – eine Geschichte von Erfolgen und Niederlagen 1911–2010. (PDF) In: Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Abgerufen am 22. August 2020.(Siehe auch Anke Schlicht: Literatur)</ref>

Im März 1895 schlossen Georg Klemperer und Maria Umber, Schwester des Mediziners Friedrich Umber, in Wiesbaden die Ehe.<ref name=":0" /> Das Paar hatte fünf Söhne und eine Tochter. Der erstgeborene Sohn und die einzige Tochter verstarben im Kindesalter.<ref>Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister Sterberegister; Laufendenummer: 52</ref><ref>BS Overlijden met Marie Henriette Wilhelmine Klemperer. Abgerufen am 6. Juli 2023.</ref>

Am 4. Mai 1933 wurde Georg Klemperer aufgrund seiner jüdischen Abstammung entlassen. Von 1934 bis 1936 lebten er und seine Frau in Freiburg/Breisgau.<ref>Universitätsbibliothek Freiburg: Adressbücher der Stadt Freiburg. In: Freiburger historische Bestände – digital. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, abgerufen am 6. Juli 2023.</ref><ref>Klemperer Online, edited by Walter Nowojski and Christian Löser. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2019: 27 Januar. Abgerufen am 23. Juli 2024.</ref> 1936 floh das Paar zu den Söhnen in die USA.<ref>Klemperer Online, edited by Walter Nowojski and Christian Löser. Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg: 10. Oktober 36, Sonnabend. Abgerufen am 23. Juli 2024.</ref> Im Herbst 1937 verstarb Maria Klemperer mit 63 Jahren während eines Aufenthalts in Meran.<ref>United States of America, District of Massachusetts, Boston, Declaration of Intention Nr. 276298 vom 28. Mai 1938</ref>

Würdigung

Die Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie der Charité führte zu Ehren des Mediziners 2007 eine Georg Klemperer-Ehrenvorlesung ein<ref>Die 1. Georg Klemperer-Ehrenvorlesung auf der edi-Tagung 2007. Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Charité Campus Mitte, 23. Februar 2007, abgerufen am 10. September 2024.</ref><ref>Pressemitteilungs-Archiv 03/2007. 20. Januar 2016, abgerufen am 10. September 2024.</ref>, die seitdem im Allgemeinen zweijährlich stattfindet, seit 2016 organisiert durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

Die Ärztekammer Berlin vergibt seit 2007 die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille an Persönlichkeiten, die sich um die Patientenversorgung in Berlin und das Ansehen der Ärzteschaft verdient gemacht haben.<ref>Die Georg-Klemperer-Ehrenmedaille. In: Ärztekammer Berlin. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 9. Juli 2017; abgerufen am 14. November 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aerztekammer-berlin.de</ref>

Schriften (Auswahl)

  • Grundriss der Klinischen Diagnostik. August Hirschwald, Berlin 1890
  • Über den Stoffwechsel und das Coma der Krebskranken. Mit Bemerkungen über das Coma diabeticum. Berliner klinische Wochenschrift, 1889, No 40 (Digitalisat)
  • Justus von Liebig und die Medicin. Vortrag gehalten am 22. September 1899. Verlag August Hirschwald, Berlin 1900.
  • Lehrbuch der Inneren Medizin für Ärzte und Studierende. Band I. August Hirschwald, Berlin 1905 (Digitalisat)
  • Der jetzige Stand der Krebsforschung. August Hirschwald, Berlin 1912 (Digitalisat)
  • Grundriss der klinischen Therapie innerer Krankheiten. Urban & Schwarzenberg, Berlin 1922
    • 1. Aufl. 1922 [georg-klemperer.-grundriss-der-klinischen-therapie-innerer-krankheiten.-1.-aufl. (Digitalisat)]
    • 2. Aufl. 1924 [georg-klemperer.-grundriss-der-klinischen-therapie-innerer-krankheiten.-2.-aufl. (Digitalisat)]
  • als Hrsg. mit Felix Klemperer: Neue Deutsche Klinik, Handwörterbuch. 10 Bände. Urban und Schwarzenberg, Berlin/Wien 1928–1935.
  • mit Eugen Rost: Handbuch der allgemeinen und speziellen Arzneiverordnungslehre für Ärzte. Springer, 1929.
  • 50 Jahre Kongreß für Innere Medizin, 1882–1932. München 1932.

Literatur

Weblinks

Commons: Georg Klemperer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Verwandtschaftsbeziehungen der Familie Klemperer

Einzelnachweise

<references />

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