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Neulausitzisch

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Neulausitzisch

Gesprochen in

Sachsen
Linguistische
Klassifikation

Das Neulausitzische ist die deutsche Umgangssprache im sorbischen Siedlungsgebiet in der Lausitz. Sie unterscheidet sich von den lausitzischen Dialekten durch den Einfluss des Sorbischen.

Entstehung

Noch bis in die frühe Neuzeit wurden östlich von Saale und Elbe sowie im Hannoverschen Wendland polabische oder mit jenen eng verwandte sorbische Mundarten gesprochen, zeitgenössisch zusammenfassend als „Wendisch“ bezeichnet. Seit dem 18. Jahrhundert ist einzig in der Lausitz ein zusammenhängendes slawisches Sprachgebiet erhalten, wo Teile der Sorben bis heute ihre Sprachen sprechen: in der Oberlausitz um Bautzen die obersorbische und in der Niederlausitz um Cottbus und im Spreewald die niedersorbische.

Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen waren die Sorben ab dem 17. Jahrhundert gezwungen, auch das Deutsche zu erlernen. Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht sowie einer Wehrpflicht und der beginnenden Industrialisierung verstärkte sich dieser Druck im 19. Jahrhundert. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Übergang von sorbischer Einsprachigkeit hin zu sorbisch-deutscher Zweisprachigkeit in den meisten Gegenden der Lausitz abgeschlossen.<ref>Roland Marti: Zweisprachigkeit. In: Sorbisches Kulturlexikon. Hrsg. von Franz Schön und Dietrich Scholze, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 548–550.</ref> Das von ihnen gesprochene Deutsch ist im Wesentlichen die Umgangssprache von Dresden, Bautzen und Cottbus, allerdings mit slawischem Substrat. Dieses sorbisch beeinflusste Deutsch wird Neulausitzisch genannt.

Beispiele für slawisches Interferenzen waren im 19. Jahrhundert ich bidanke sich, wir fürchtin sich statt «mich», «uns» sowie ich hoabe seinin Stock verlorin, du hast seinin Stock verlorin statt «meinen», «deinen».<ref>Christian Wilhelm Bronisch: Grundzüge der deutschen Mundart, welche inmitten der sorbischen Bevölkerung und Sprache in der Niederlausitz und in den nördlichen Theilen der Oberlausitz gesprochen wird. In: Neues Lausitzisches Magazin. Band 39, 1862, S. 108–195, hier S. 136.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Erhard Agricola, Wolfgang Fleischer, Helmut Protze unter Mitwirkung von Wolfgang Ebert (Hrsg.): Die deutsche Sprache. Band 1. Bibliographisches Institut, Leipzig 1969, S. 331 ff. (Reihe: Kleine Enzyklopädie).
  • Christian Wilhelm Bronisch: Grundzüge der deutschen Mundart, welche inmitten der sorbischen Bevölkerung und Sprache in der Niederlausitz und in den nördlichen Theilen der Oberlausitz gesprochen wird. In: Neues Lausitzisches Magazin. Band 39, 1862, S. 108–195 (Digitalisat).

Einzelnachweise

<references />