Andreas Urschlechter
Andreas Urschlechter (* 2. März 1919 in Nürnberg; † 19. April 2011 ebenda<ref>Siegfried Zelnhefer: Symbolfigur des Wiederaufbaus: Zum Tod von Altoberbürgermeister und Ehrenbürger Andreas Urschlechter. In: Nürnberg Heute. Nr. 90, 2011, ZDB-ID 552237-7, S. 31 (nuernberg.de [PDF; 170 kB; abgerufen am 25. Dezember 2025]).</ref>) war ein deutscher Politiker (SPD, später parteilos). Er war von 1957 bis 1987 Oberbürgermeister von Nürnberg.
Leben und Beruf
Nach dem Abitur am Melanchthon-Gymnasium Nürnberg nahm Urschlechter ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften sowie der Volks- und Betriebswirtschaft an der Universität Erlangen auf, das er mit dem Ersten und dem Zweiten juristischen Staatsexamen sowie mit der Promotion zum Dr. jur. beendete. Er trat am 1. Januar 1944 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 9.670.835)<ref>Karsten Neumann: NürnBErg- kulturpolitik, kongresshalle und der rechtsextremismus – Ein offener brief aus Bethang. In: International Public Summer School 2021. Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, abgerufen am 9. Oktober 2024.</ref>, war 1944/45 Teilnehmer des Zweiten Weltkrieges, arbeitete nach dem Kriegsende zunächst als Rechtsanwalt und wurde 1946 stellvertretender Leiter des Wiederaufbaureferates der Stadt Nürnberg. Später erhielt er seine Ernennungen zum Rechtsrat bzw. Oberrechtsrat. Urschlechter war zunächst Mitglied der SPD, aus der er im Juli 1982 – während seiner letzten Amtszeit als Oberbürgermeister, welche 1981 begonnen hatte – austrat. Auch während seiner Zeit als SPD-Mitglied galt Urschlechter als Angehöriger des rechten Parteiflügels und galt als Freund von Franz Josef Strauß. 1987 empfahl er gar die Wahl des CSU-Kandidaten Günther Beckstein zum Nürnberger Oberbürgermeister.<ref>30 Jahre lang hatte sein Wort Gewicht. In: Nordbayern.de. Verlag Nürnberger Presse, 28. Februar 2009, abgerufen am 21. Dezember 2025.</ref>
Abgeordneter
Urschlechter war seit 1955 berufsmäßiges Ratsmitglied der Stadt Nürnberg, gehörte von 1958 bis 1982 dem Bezirkstag von Mittelfranken an, war von 1959 bis 1962 dessen Präsident und amtierte von 1962 bis 1978 als Vizepräsident<ref>Niederschriften über die konstituierenden Sitzungen des Bezirkstages von Mittelfranken 1958–1978, Archiv des Bezirkstags von Mittelfranken.</ref>. Außerdem war er von 1968 bis 1985 Mitglied des Bayerischen Senates.
Öffentliche Ämter
Urschlechter amtierte von 1957 bis 1987 als Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und war von 1972 bis 1975 Vorsitzender des Bayerischen Städteverbandes. 1957 war er das jüngste Stadtoberhaupt Deutschlands, gegen Ende seiner Amtszeit war er dienstältester Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. In seine Amtszeit fällt unter anderem der Beschluss zum Bau der U-Bahn Nürnberg – damals verbunden mit einem Beschluss zur Stilllegung der Straßenbahn, welche jedoch letztlich nicht erfolgte. Außerdem wurde die Messe Nürnberg an ihren heutigen Standort im Südosten der Stadt verlegt. Auch wurde nach Stilllegung des Ludwig-Donau-Main-Kanals Nürnberg in seiner Amtszeit erneut Hafenstadt, diesmal am Main-Donau-Kanal, als dessen Befürworter Urschlechter galt. Die Gebietsreform in Bayern während seiner Amtszeit vergrößerte Nürnberg um über viereinhalb tausend Hektar, wobei die Bevölkerung dadurch erstmals die Halbmillionenmarke überschritt. Zwischenzeitlich sank die Einwohnerzahl jedoch wieder, sodass am Ende seiner Amtszeit wieder weniger als eine halbe Millionen Menschen in Nürnberg lebten. Generell war – ignoriert man die Zugewinne durch Eingemeindung – der Trend bei der Einwohnerzahl Nürnbergs über seine Amtszeit hinweg rückläufig, was mit der allgemeinen Suburbanisierung jener Zeit zusammen hängt. Auch bei der S-Bahn Nürnberg galt Urschlechter als Förderer und Treiber der Entwicklung, letztlich wurde sie aber erst gegen Ende seiner Amtszeit eröffnet und hat bis heute im Verkehr innerhalb der Stadt nicht die Ausmaße erreicht, die noch in den 1970er Jahren angedacht waren.
Ehrungen
- Ehrensenator der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 1967
- Ehrenbürgerschaft der Stadt Nürnberg, 1987
- Ehrenmitgliedschaft der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg
- Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1974
- Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland
- Bayerischer Verdienstorden
- Bayerischer Bierorden
Die Bremer B. Dettmer Reederei benannte 1970 ein Binnenschiff nach Urschlechter. Die Andreas Urschlechter war das 124. Schiff der Flotte der Dettmer Reederei; Dettmer begründete die Namensgebung damit, dass Urschlechter „für den Gedanken einer Rhein-Main-Donau-Verbindung von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer“ eintrete.<ref>Walter Schatz: 25. August 1970: „Urschlechter“ geriet ins Schwimmen. In: Nordbayern.de. Verlag Nürnberger Presse, 25. August 2020, abgerufen am 26. August 2020.</ref> 1986 wurde das Tankschiff in Dettmer Tank 5 umbenannt.<ref>Claudius: Andreas Urschlechter - TMS - 07000895. In: www.binnenschifferforum.de. 9. Dezember 2008, abgerufen am 26. August 2020.</ref>
Schriften
- Das Baurecht der Stadt Nürnberg: Eine rechtsgeschichtliche Betrachtung des Nürnberger Baurechts von den ersten Anfängen bis in die neueste Zeit. Buchdruckerei Junge und Sohn, 1940, ZDB-ID 571328822 (Jur. Diss.).
Literatur
- Lutz Backes: Andreas Urschlechter. In: Elfriede Antonia Backes-Würl (Hrsg.): Fränkische Köpfe: von Albrecht Dürer bis Markus Söder. PH. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 2022, ISBN 978-3-87707-256-1, S. 240 f.
Weblinks
- Andreas Urschlechter in der Parlamentsdatenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte in der Bavariathek.
Einzelnachweise
<references />
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Michael Poeschke | Bezirkstagspräsident von Mittelfranken 1959–1962 | Hans Küßwetter |
Karl Heinrich von Lang |
Karl Ludwig von Leonrod |
Graf von Pückler |
Wilhelm Daniel Joseph Koch |
Ludwig von Buirette-Oehlefeld |
Eduard Joseph Schmidtlein |
Carl Johann Jakob Kelber |
Eduard Joseph Schmidtlein |
Carl Johann Jakob Kelber |
Otto Stromer von Reichenbach |
Friedrich von Langhans |
Karl Theodor von Eheberg |
Georg von Schuh |
Karl Theodor von Eheberg |
Georg von Schuh |
Martin Treu |
Christian Behringer |
Wilhelm Liebel
Ernst Körner (Präsident des vorläufigen Bezirksverbandsbeirates) | Michael Poeschke | Andreas Urschlechter | Hans Küßwetter | Ignaz Greiner | Georg Holzbauer | Gerd Lohwasser | Richard Bartsch | Armin Kroder | Peter Daniel Forster
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Christian Gottfried Lorsch (1818–1821) | Jakob Friedrich Binder (1821–1853) | Maximilian von Wächter (1854–1867) | Otto Stromer von Reichenbach (1867–1891) | Georg Ritter von Schuh (1892–1913) | Otto Geßler (1913–1919) | Hermann Luppe (1920–1933) | Willy Liebel (1933–1945) | Julius Rühm (1945) | Martin Treu (1945) | Hans Ziegler (1945–1948) | Otto Ziebill (1948–1951) | Otto Bärnreuther (1952–1957) | Andreas Urschlechter (1957–1987) | Peter Schönlein (1987–1996) | Ludwig Scholz (1996–2002) | Ulrich Maly (2002–2020) | Marcus König (seit 2020) Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden.
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1. Karl Josef Graf von Drechsel (1819) | 2. Gottfried Freudel (1819) | 3. Karl Theodor Graf zu Pappenheim (1823) | 4. Karl Ludwig Freiherr von Kesling (1823) | 5. Daniel von Bezold (1825) | 6. Arnold Freiherr von Mieg (1828) | 7. Wilhelm Cramer (1828) | 8. Friedrich Wilhelm von Hoven (1830) | 9. Ludwig Fürst von Oettingen-Wallerstein (1833) | 10. Peter Freiherr von Lamotte (1837) | 11. Heinrich Theodorf von Kohlhagen (1843) | 12. Karl Ludwig Roth (1843) | 13. Wilhelm Bernhard Mönnich (1845) | 14. Gottfried Eisenmann (1848) | 15. Georg Simon Ohm (1850) | 16. Carl von Seuffert (1857) | 17. Lothar Freiherr von Faber (1861) | 18. August von Kreling (1869) | 19. Friedrich Wilhelm Walther von Walderstötten (1871) | 20. Heinrich Heerwagen (1878) | 21. Friedrich Wanderer (1888) | 22. Carl Crämer (1888) | 23. August von Essenwein (1891) | 24. Christoph von Seiler (1893) | 25. Julius Stief (1894) | 26. Christian Schwemmer (1898) | 27. Friedrich Krafft Graf von Crailsheim (1900) | 28. Ludwig von Gerngros (1901) | 29. Heinrich Berolzheimer (1905) | 30. Gottlieb von Merkel (1905) | 31. Ferdinand von Jäger (1910) | 32. Georg Ritter von Schuh (1913) | 33. Ernst Mummenhoff (1928) | 34. Oskar von Petri (1930) | 35. Paul von Hindenburg (1932) | 36. Martin Treu (1948) | 37. August Meier (1965) | 38. Joseph E. Drexel (1976) | 39. Käte Strobel (1980) | 40. Max Hintermayr (1980) | 41. Hermann Kesten (1980) | 42. Andreas Urschlechter (1987) | 43. Willy Prölß (1997) | 44. Oscar Schneider (1997) | 45. Karl Diehl (1997) | 46. Theo Schöller (1997) | 47. Heinz Sebiger (1997) | 48. Günther Beckstein (2014) | 49. Renate Schmidt (2014) | 50. Bruno Schnell (2014) | 51. Dani Karavan (2018)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Urschlechter, Andreas |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Politiker (SPD, parteilos) |
| GEBURTSDATUM | 2. März 1919 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |
| STERBEDATUM | 19. April 2011 |
| STERBEORT | Nürnberg |
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