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Wavellit

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Wavellit
Datei:Wavellit-Quarz-Limonit, Ansicht 2.jpg
Radialstrahliger, grünlicher Wavellit auf Quarz und Limonit aus Garland County, Arkansas, USA
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1971 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Wav<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Al3(PO4)2(OH)3(H2O)5<ref name="IMA-Liste" />
  • Al3[(OH)3|(PO4)2]·5H2O<ref name="StrunzNickel" />
  • Al3[(OH,F)3|(PO4)2]·5H2O<ref name="Lapis" />
  • Al3(PO4)2(OH,F)3·5H2O<ref name="Handbookofmineralogy" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/D.06
VII/D.13-010<ref name="Lapis" />

8.DC.50
42.10.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe Pcmn (Nr. 62, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/62.4<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 9,62 Å; b = 17,36 Å; c = 6,99 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 3,5 bis 4<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,36; berechnet: 2,37<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {110}, gut nach {101}, deutlich nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos, weiß, grünlichweiß bis grün, gelb bis gelblichbraun, türkisblau, braun bis braunschwarz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz bis Harzglanz, Perlglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,518 bis 1,535<ref name="Mindat" />
nβ 1,524 bis 1,543<ref name="Mindat" />
nγ 1,544 bis 1,561<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,026<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 60 bis 72° (gemessen); 60 bis 70° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Wavellit, synonym auch als Fischerit und Lasionit bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Al3[(OH)3|(PO4)2]·5H2O<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Aluminium-Phosphat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Wavellit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten größere, prismatisch-isometrische bis langgestreckte Kristalle. Meist findet er sich in Form halbkugeliger bis kugeliger sowie traubiger und radialstrahliger Mineral-Aggregate mit bis zu vier Zentimetern Durchmesser. Er kommt aber auch in Form krustiger Überzüge vor. In reiner Form ist Wavellit farblos und durchsichtig.<ref name="Mindat-Bild1" /> Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung erscheint er jedoch meist durchscheinend weiß oder nimmt je nach Fremdbeimengung eine grünlichweiße bis grüne, gelbe bis gelblichbraune, türkisblaue oder braune bis braunschwarze Farbe an. Auch zonare Färbungen ähnlich wie bei einigen Mineralen der Turmalingruppe sind möglich. Die durchsichtigen bis durchscheinenden Kristalle und Aggregate zeigen auf den Oberflächen einen harz- bis glasähnlichen oder perlmuttähnlichen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Wavellit vom britischen Physiker William Wavell (1750–1829<ref name="Mindat" />) im Steinbruch High Down bei Filleigh in North Devon, England. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral von Humphry Davy, der seine Erstbeschreibung 1805 veröffentlichte. Seiner Beschreibung nach hatte William Babington vorgeschlagen, das Mineral nach dessen Entdecker zu benennen, wobei Davy den Namen des Entdeckers mit nur einem ‚l‘ schrieb. Davy schlug auch eine alternative Benennung vor. Falls ein Name, basierend auf dessen chemischer Zusammensetzung, bevorzugt würde, könne es auch Hydrargillit heißen, nach den altgriechischen Worten ὕδωρ [hydōr] für Wasser und ἄργιλλος [árgillos] für Ton.<ref name="Davy" /> In der Fachwelt setzte sich allerdings Babingtons Vorschlag Wavellit durch. Hydrargillit wurde später zum Synonym für Gibbsit.

Da der Wavellit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Wavellit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Wavellit lautet „Wav“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Wavellit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Kingit und Souzalith in der „Souzalith-Wavellit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/D.06 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/D.13-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, mit fremden Anionen“, wo Wavellit zusammen mit Allanpringit, Fluorwavellit und Kingit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/D.13 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Wavellit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; mit H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 1 : 1 und < 2 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Allanpringit die „Wavellitgruppe“ mit der Systemnummer 8.DC.50 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Wavellit die System- und Mineralnummer 42.10.02.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)3(XO4)2Zq × x(H2O)“ in der „Wavellitgruppe“, in der auch Allanpringit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Wavellit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Pcmn (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/62.4 mit den Gitterparametern a = 9,62 Å, b = 17,36 Å und c = 6,99 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Wavellit ist vor der Lötlampe unschmelzbar und löslich in Salzsäure.

Varietäten

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde bei Nischne Tagilsk im Ural eine neue Varietät von Wavellit gefunden, die man zunächst für ein eigenständiges Mineral hielt und nach Gotthelf Fischer von Waldheim (1771–1853) als Fischerit bezeichnete. Der einzigen Beschreibung von R. Hermann nach bestand der Fischerit aus durchsichtigen, kristallinen Rinden und kurzen, prismatischen Kriställchen von grasgrüner bis olivgrüner und spangrüner Farbe, die auf Klüften von Sandstein und Toneisenstein gefunden wurden. Bei späteren Analysen stellte sich jedoch heraus, dass Fischerit mit Wavellit identisch ist. Nach Slavik wurde der Fischerit auch als Uhligit bezeichnet.<ref name="Fischer" />

Bildung und Fundorte

Datei:Wavellite-209772.jpg
Seltene, weiße Wavellit-Kristallstufe aus Montgomery County, Arkansas
Datei:Wavellite - USGS Mineral Specimens 1184.jpg
Röhrenförmiges Wavellit-Aggregat aus der Siglo Veinte Mine (auch Llallagua Mine), Potosí , Bolivien

Wavellit bildet sich als Sekundärmineral in metamorphen Gesteinen und Phosphathaltigen Lagerstätten, seltener durch hydrothermale Vorgänge. Eine metamorphe Bildung ist jedoch ebenfalls möglich. Wavellit findet sich überwiegend auf Klüften, insbesondere von Sandstein, Ton- und Kieselschiefer, aber auch von Eisensteinen, Granit, Glimmerschiefer. Als Begleitminerale können unter anderem Crandallit und Variscit auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als relativ seltene Mineralbildung kann Wavellit an verschiedenen Orten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen für Wavellit dokumentiert (Stand 2025).<ref name="Mindat-Anzahl" /> Außer an seiner Typlokalität im Steinbruch High Down sowie im nahe gelegenen Steinbruch Downrew in North Devon trat das Mineral in England noch in vielen Steinbrüchen und Gruben in Cornwall und in einer Kobaltgrube bei Above Derwent im ehemaligen Distrikt Allerdale in Cumbria auf. Daneben fand sich Wavellit noch an drei Fundstellen im Gebiet um Swansea in Südwales.<ref name="Fundorte" />

In Deutschland fand sich Wavellit bisher vor allem in Bayern (Oberfranken, Oberpfalz), Hessen (Biebertal, Lahn-Dill-Kreis, Landkreis Limburg-Weilburg), Nordrhein-Westfalen (Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis), Rheinland-Pfalz (Mudershausen, Wildsachsen), Sachsen-Anhalt (Harzgerode-Neudorf, Großer Auerberg), Sachsen (Erzgebirgskreis, Vogtlandkreis) und Thüringen (Kauern, Ronneburg).

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Burundi, China, Finnland, Frankreich, Guinea, Irland, Italien, Japan, Kasachstan, Kolumbien, der Republik Kongo, in Liberia, Madagaskar, Mali, Mexiko, Neuseeland, Norwegen, Peru, auf den Philippinen, in Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Ruanda, Schweden, im Senegal, der Slowakei, Spanien, Sri Lanka, Südafrika, im Sudan, in Tschechien, Uganda, Ungarn, Usbekistan und den Vereinigten Staaten.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Monografien
Kompendien

Weblinks

Wiktionary: Wavellit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references> <ref name="Davy"> </ref> <ref name="Fischer"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Wavellit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 7. Dezember 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – W. (PDF 126 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 10. Dezember 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Wavellite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Wavellite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Bild1"> Bildbeispiel von farblosen Wavellitkristallen. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 10. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Wavellite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 7. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>