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Sylvanit

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Sylvanit
Datei:Sylvanite (Romania).jpg
Sylvanit (Schrifterz) aus Rumänien. Ausgestellt im Carnegie Museum of Natural History
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Syv<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Aurotellurid
  • Aurum graphicum<ref name="Klaproth" />
  • Goldschmidtit
  • Schrifterz<ref name="Klaproth" />
  • Schriftglanz<ref name="Landesrohstoffgeologie" />
  • Tellursilberglanz (nach W. G. Kriwowitschew<ref name="Kriwowitschew" />)
  • Weißgolderz
Chemische Formel
  • AuAgTe4<ref name="StrunzNickel" /><ref name="IMA-Liste" />
  • (Au,Ag)2Te4<ref name="Lapis" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/C.04
II/D.16-020<ref name="Lapis" />

2.EA.05
02.12.13.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P2/c (Nr. 13)Vorlage:Raumgruppe/13
Gitterparameter a = 8,95 Å; b = 4,48 Å; c = 14,62 Å
β = 145,3°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung häufig als Kontakt-, Lamellar- oder Durchdringungszwillinge entlang {100} oder (101)
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1,5 bis 2 (VHN100 = 154 bis 172)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 8,16; berechnet: 8,161<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe stahlgrau bis silber- oder zinnweiß, gelegentlich nach messinggelb übergehend<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe stahlgrau bis silberweiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz starker Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten vor dem Lötrohr leicht schmelzend

Sylvanit (kurz Sylvan), bergmännisch auch als Schrifterz<ref name="Lüschen" /> bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung AuAgTe4<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein Gold-Silber-Tellurid, die chemisch mit den Sulfiden verwandt sind.

Sylvanit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt stahlgraue bis silber- oder zinnweiße, gelegentlich nach messinggelb übergehende Kristalle mit einem kurzprismatischen bis dicktafeligen Habitus und bis zu einem Zentimeter Größe. Die Oberflächen der vollkommen undurchsichtigen (opaken) Kristalle weisen einen starken metallischen Glanz auf. Auch dendritische, lamellenförmige oder körnige Mineral-Aggregate sind bekannt.

Etymologie und Geschichte

Datei:Romania Regions Transylvania.jpg
Karte Rumäniens mit Transsylvanien (deutsch Siebenbürgen)

Sylvanit wurde erstmals 1798 in Baia de Arieș gefunden, einer vor der Schließung im Jahr 2004<ref name="MindatBaiaDeAries" /> bedeutenden Gold-Tellur-Lagerstätte in Rumänien. Eine erste Analyse durch Martin Heinrich Klaproth ergab ein Verhältnis von Gold zu Silber zu Tellur von 30:10:60.<ref name="Kobell" /> Abraham Gottlob Werner nannte es „Schrifterz“, da die Anordnung der Kristalle teilweise an Zeichnungen erinnert. Der Name Sylvanit wurde dem Mineral von Louis Albert Necker gegeben, der es nach dem alten Namen Transsylvanien (deutsch Siebenbürgen) der Region benannte, in der Baia de Arieș liegt.<ref name="Phillips"/>

Da der Sylvanit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Sylvanit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Sylvanit lautet „Syv“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Sylvanit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit M : S < 1 : 1“, wo er zusammen mit Calaverit, Kostovit, Krennerit, Montbrayit und Nagyágit die Gruppe der „Gold-Silber-Telluride“ mit der Systemnummer II/C.04 bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/D.16-020. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Sulfide mit Metall : S,Se,Te < 1 : 1“, wo Sylvanit zusammen mit Calaverit, Honeait, Kostovit und Krennerit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/D.16 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Sylvanit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S ≤ 1 : 2“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis und den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 1 : 2; mit Cu, Ag, Au“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 2.EA.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Sylvanit die System- und Mineralnummer 02.12.13.03. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“. Hier ist er zusammen mit Calaverit, Kostovit und Krennerit in der „Krenneritgruppe“ mit der System-Nr. 02.12.13 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 1 : 2“ zu finden.

Chemismus

In der (theoretisch) idealen Zusammensetzung von Sylvanit (AuAgTe4) besteht das Mineral aus Gold (Au), Silber (Ag) und Tellur (Te) mit dem Stoffmengenverhältnis von 1 : 1 : 4. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 24,16 Gew.-% Au, 13,23 Gew.-% Ag und 62,61 Gew.-% Te.<ref name="MA" />

Bei natürlich vorkommenden Sylvaniten schwanken die Massenanteile der drei Metalle aufgrund ihrer chemischen Ähnlichkeit allerdings häufig. Allgemein ist ein Überschuss an Gold festzustellen, wobei dies vermutlich auf eine Bildung bei Temperaturen von über 200 °C zurückgeht.<ref name="Ramdohr-Erz" /> Zudem sorgen Fremdatome für weitere Abweichungen von der Idealformel. So wurde unter anderem bei Sylvanitproben aus Cripple Creek (Colorado), USA eine durchschnittliche Zusammensetzung von 25,45 Gew.-% Au, 13,94 Gew.-% Ag und 60,61 Gew.-% Te gemessen. Bei Sylvaniten aus Kalgoorlie-Boulder in Australien fanden sich neben den abweichenden Anteilen von 29,85 Gew.-% Au, 9,18 Gew.-% Ag und 60,45 Gew.-% Te zusätzlich 0,15 Gew.-% Kupfer (Cu) und 0,10 Gew.-% Nickel (Ni).<ref name="Handbookofmineralogy" />

Kristallstruktur

Sylvanit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P2/c (Raumgruppen-Nr. 13)Vorlage:Raumgruppe/13 mit den Gitterparametern a = 8,95 Å; b = 4,48 Å, c = 14,62 Å und β = 145,3° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Die lamellare Zwillingsbildung ist im Gefügeschliffbild bei positiver Ätzung meist sehr deutlich erkennbar. Als Besonderheit kann eingelagert im Inneren von Sylvanitkriställchen oft skelettförmig gewachsenes, gediegen Gold gefunden werden.<ref name="Ramdohr-Erz" />

Eigenschaften

Sylvanit ist eines der wenigen Minerale, in denen Gold natürlich in Form einer Verbindung vorkommt. Dies liegt daran, dass das Edelmetall Gold nur mit dem seltenen Halbmetall Tellur stabile Verbindungen bildet, während andere Goldverbindungen sich leicht unter Bildung elementaren Goldes zersetzen.<ref name="Holleman-Wiberg" />

Sylvanit schmilzt leicht vor dem Lötrohr. Dabei tritt weißer Rauch auf und es bilden sich zunächst grau-metallische Kügelchen. Nach längerer Zeit bildet sich schließlich eine glänzende und verformbare Perle.<ref name="Phillips" />

Das Mineral scheidet in Salpetersäure Gold und in Königswasser Silberchlorid (Chlorsilber) ab.<ref name="Klockmann" />

Bildung und Fundorte

Datei:Sylvanite-258224.jpg
Sylvanit und violetter Fluorit

Das Mineral bildet sich meist bei niedriger Temperatur unter hydrothermalen Bedingungen. Es zählt zu den letzten gebildeten Mineralen. Sylvanit ist vergesellschaftet mit Gold, Calaverit, Krennerit, Altait, Hessit, Petzit, Akanthit, Pyrit, Galenit, Sphalerit, Chalkopyrit, Quarz und Fluorit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Sylvanit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 400 Vorkommen dokumentiert.<ref name="Mindat-Anzahl" />

Sylvanit findet sich in kleineren Mengen in vielen Gold-Silber-Vorkommen, größere, wirtschaftlich abbaubare Vorkommen sind jedoch selten. Zu den Fundorten zählen unter anderem Baia de Arieș, Săcărâmb und Facebanya in Rumänien, Glava in Schweden, dem südlichen Ural in Russland, Porcupine in Kanada, verschiedenen Minen in den Vereinigten Staaten etwa in Cripple Creek oder Gold Hill, Sonora, Mexiko, Kalgoorlie in Australien, Negros Occidental auf den Philippinen, Guyana und die Fidschi-Inseln.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Größere Vorkommen an Sylvanit werden als Rohstoff für die Gewinnung von Gold und Tellur abgebaut.

Literatur

  • A. Schrauf: Ueber die Tellurerze Siebenbürgens. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band 2, 1878, S. 211–235 (rruff.info [PDF; 3,4 MB; abgerufen am 31. Dezember 2023]).

Weblinks

  • Sylvanit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung;
  • Sylvanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • David Barthelmy: Sylvanite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 31. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • IMA Database of Mineral Properties – Sylvanite. In: rruff.info. RRUFF Project; (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • Sylvanite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF); (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
  • American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Sylvanite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Sylvanit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 31. Dezember 2023. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Holleman-Wiberg"> A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1, S. 1466. </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – S. (PDF 315 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 31. Dezember 2023. </ref> <ref name="Klaproth"> </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Kobell"> Franz von Kobell: Geschichte der Mineralogie. In: Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Neuere Zeit. Band 2. J. G. Cotta’sche Buchhandlung, München 1864, S. 563 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="Kriwowitschew"> </ref> <ref name="Landesrohstoffgeologie"> Glossar für rohstoffgeologische Fachbegriffe. (PDF; 616 kB) Landesrohstoffgeologie (LGRB), Mai 2020, abgerufen am 6. Januar 2024. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> </ref> <ref name="MA"> Sylvanit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 31. Dezember 2023. </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Sylvanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 31. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatBaiaDeAries"> Typlokalität Baia de Arieş (Offenbánya), Alba, Romania. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. August 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Phillips"> </ref> <ref name="Ramdohr-Erz"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>