Eingestelltes Jagen
Eingestelltes Jagen, je nach betriebenem Aufwand auch als Hauptjagd, Prunkjagd oder Festinjagen und aufgrund seiner ehemals großen Beliebtheit im deutschsprachigen Raum als deutsches Jagen bezeichnet, ist eine historische Schießveranstaltung zur Unterhaltung des Adels und versammelten Hofstaates.<ref name="Hiller">Hubertus Hiller: Jäger und Jagd: zur Entwicklung des Jagdwesens in Deutschland zwischen 1848 und 1914. Waxmann, Münster 2003, ISBN 3-8309-1196-3, S. 168 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref name="Spessartprojekt">Eingestellte Jagd. In: Archäologisches Spessartprojekt. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 6. Oktober 2019; abgerufen am 6. Oktober 2019.</ref>
Durchführung
Das Wild wurde dafür zuvor in großer Zahl „eingestellt“, d. h. in einer beispielsweise mit aufgestellten Leintüchern abgegrenzten Kammer (Gebiet) zusammengetrieben und bis zu Beginn der Veranstaltung gefangen gehalten. Es wurde dann in die angrenzende Kammer, den sogenannten Lauf, entlassen, um von den dort in Schießständen platzierten Gästen, getötet zu werden.<ref name="Hiller" /><ref name="Spessartprojekt" /><ref>Joachim Kresin: Jagdvergnügen und Schlossgeschichten. In: Rüdiger Thomsen-Fürst (Hrsg.): »Es ist nur ein Dorf« – Schwetzingen mit den Augen Leopold Mozarts (= Schriften zur Südwestdeutschen Hofmusik. Nr. 3). Heidelberg University Publishing, 2020, ISBN 978-3-947732-76-0, ISSN 2569-2747, S. 45–69, doi:10.17885/heiup.566 (archive.org [PDF]).</ref>
Bei den im Vergleich zu normalen Hauptjagden relativ selten abgehaltenen, kostspieligen Prunk- oder Festinjagen wurde das Wild zum Teil bereits mehrere Tage oder Wochen zuvor mit viel Aufwand aus entlegenen Revieren herantransportiert.<ref name="Hiller" /> Solche höfischen Spektakel waren nur hohen gesellschaftlichen Schichten vorbehalten und wurden oftmals in Gemälden festgehalten.<ref name="Spessartprojekt" /> Neben weiterem Prunk und Zierden gehörte das Blasen von Fanfaren bei Erlegung jedes Stückes zum Rahmen einer solchen Veranstaltung.
Deutschland
Im deutschsprachigen Raum verschwand das eingestellte Jagen mit der deutschen Revolution von 1848/1849 und der damit einhergehenden Bindung des Jagdrechts an das Grundeigentum weitgehend, bevor es mit den Umwälzungen am Ende des Ersten Weltkriegs schließlich vollständig aufhörte.<ref name="Hiller" />
Literatur
- Hans Wilhelm Eckardt: Herrschaftliche Jagd, bäuerliche Not und bürgerliche Kritik. Göttingen 1976, ISBN 3-525-35358-8.
- Wilhelm Dietrich Rentsch: Zum Jagdwesen an südwestdeutschen Fürstenhöfen im Barockzeitalter. In: Barock in Baden-Württemberg. Band 2. Karlsruhe 1981, S. 293–310.
Einzelnachweise
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