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Freieslebenit

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Freieslebenit
Datei:Freislebenita. Hiendelaencina (Guadalajara) Col. Esc. Minas Foto J. Callén.jpg
Freislebenitkristall (1,5 cm) aus Hiendelaencina, Guadalajara, Spanien
(Sammlung der Escuela de Minas de Madrid)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Flb<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Baritomglanz oder Basitomglanz<ref name="HaditschMaus" />
  • Donacargyrit
  • Dunkles Weißgültigerz
  • Schilfglaserz
Chemische Formel AgPbSbS3<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.05c
II/E.17-020<ref name="Lapis" />

2.JB.15
03.04.06.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21/a (Nr. 14, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/14.3<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 7,53 Å; b = 12,79 Å; c = 5,88 Å
β = 92,2°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {011}, {021}, {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Zwillingsbildung nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 6,20 bis 6,23; berechnet: 6,22<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit unvollkommen nach {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität schwach muschelig bis uneben<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe bleigrau bis stahlgrau, silberweiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe bleigrau bis stahlgrau, silberweiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />

Freieslebenit, auch als Baritomglanz oder Basitomglanz, Donacargyrit, Dunkles Weißgültigerz oder Schilfglaserz bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der chemischen Zusammensetzung AgPbSbS3<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Silber-Blei-Antimon-Sulfid. Aufgrund seiner komplexen Struktur zählt Freieslebenit allerdings zu den Sulfosalzen.

Freieslebenit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt prismatische, schilfartige und krummflächige Kristalle mit einem metallischen Glanz auf den Oberflächen. Typisch für dieses Mineral sind dessen parallel zur c-Achse gestreiften Kristallflächen. Die Kristalle sind vollkommen undurchsichtig (opak) und deren Farbe und Strichfarbe kann von bleigrau über stahlgrau bis silberweiß reichen.

Etymologie und Geschichte

Datei:Johann Carl Freiesleben 1774-1846 (01).JPG
Johann Carl Freiesleben (1774–1846)

Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1783 durch Jean-Baptiste Louis Romé de L’Isle, der es als Mine d’antimoine grise tenant argent bezeichnete. Bei seiner Beschreibung der Mineralproben aus der Grube Himmelsfürst bei Brand-Erbisdorf im sächsischen Erzgebirge konzentrierte sich L’Isle fast ausschließlich auf die Morphologie der Kristalle und deren auffällige Längsstreifung.<ref name="Witzke" />

Da Johann Carl Freiesleben die Publikation von L’Isle anscheinend nicht bekannt war,<ref name="Witzke" /> beschrieb er das Mineral 1817 ein zweites Mal, ging dabei vorrangig auf dessen Eigenschaften ein und gab ihm den Namen Schilfglaserz.<ref name="Freiesleben" />

Seinen bis heute gültigen Namen Freieslebenit nach dem sächsischen Bergbeamten und Verfasser zahlreicher mineralogischer Arbeiten, Johann Carl Freiesleben, erhielt das Mineral 1845 von Haidinger.<ref name="Haidinger" /><ref name="Witzke" />

Da der Freieslebenit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Freieslebenit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.<ref name="IMA-Liste" /> Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Freieslebenit lautet „Flb“.<ref name="Warr" />

Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.<ref name="IMA-Typmineralkatalog" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Freieslebenit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er als Namensgeber die „Freieslebenit-Reihe“ mit der Systemnummer II/D.05c und dem weiteren Mitglied Marrit bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/E.17-020. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Sulfosalze (S :As,Sb,Bi = x)“, wo Freieslebenit zusammen mit Diaphorit, Marrit, Owyheeit und Zoubekit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.17 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Freieslebenit dagegen in die neu definierte Abteilung der „Sulfosalze mit PbS als Vorbild. (As,Sb,Bi)S6-Oktaeder“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Struktur oder der Art der PbS-Derivate, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Galenit-Derivate mit Blei (Pb)“ mit der Systemnummer 2.JB.15 zu finden ist, wo es ebenfalls namensgebend zusammen mit Marrit die „Freieslebenitgruppe“ bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat MineralName die System- und Mineralnummer 03.04.06.02. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfosalze“ ein. Hier ist er zusammen mit Marrit in der unbenannten Gruppe 03.04.06 innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 3 > z/y und der Zusammensetzung (A+)i(A2+)j[ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ zu finden.

Kristallstruktur

Freieslebenit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/a (Raumgruppen-Nr. 14, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/14.3 mit den Gitterparametern a = 7,53 Å; b = 12,79 Å, c = 5,88 Å und β = 92,2 ° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Datei:Freieslebenite-189267.jpg
Freieslebenitstufe aus der Typlokalität Grube Himmelsfürst (Größe: 6,5 cm × 3,1 cm × 2,2 cm)
Datei:Freieslebenit Baryt aus Hierdelaenzina, Spanien.jpg
Freieslebenit mit Baryt aus Hiendelaencina, Spanien

Freieslebenit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in Silbererz-Gängen.<ref name="Klockmann" /> Als Begleitminerale können unter anderem Andorit, Akanthit, Galenit, Pyrargyrit, Siderit und gediegen Silber auftreten.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Als seltene Mineralbildung konnte Freieslebenit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 120 Vorkommen<ref name="Mindat-Anzahl" /> dokumentiert sind (Stand 2023). Außer an seiner Typlokalität, der Grube Himmelsfürst, fand sich das Mineral in Sachsen noch in den Gruben Beschert Glück und Segen Gottes Herzog August bei Freiberg, Alte Hoffnung Gottes bei Kleinvoigtsberg, Gesegnete Bergmannshoffnung bei Obergruna, Neue Hoffnung Gottes bei Bräunsdorf (Oberschöna) sowie in einigen Schächten bei Lauta. Weitere bisher bekannte Fundorte in Deutschland sind unter anderem St. Ulrich im Schwarzwald und Flammeck (Gemeinde Glottertal) in Baden-Württemberg sowie die Graf Jost-Christian-Zeche bei Wolfsberg (Sangerhausen) und eine Antimon-Vererzung bei Dietersdorf (Südharz) in Sachsen-Anhalt.<ref name="Fundorte" />

In Österreich fand sich das Mineral bisher nur im alten Bergbau Arzberg bei Steinhaus am Semmering und im Bezirk Roßeck (auch Saurau oder Saurauwald) nahe Sankt Blasen in der Steiermark.

In der Schweiz konnte Freieslebenit bisher nur in der ehemaligen Mine de la Lapine Rousse bei Ayer und der Mine de Baicolliou bei Grimentz im Val d’Anniviers des Kantons Wallis entdeckt werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Armenien, Australien, Bolivien, Bulgarien, Chile, China, Ecuador, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kosovo, Mexiko, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Serbien, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn, Usbekistan und den Vereinigten Staaten von Amerika.<ref name="Fundorte" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Freiesleben"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Freieslebenit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 6. Januar 2024. </ref> <ref name="HaditschMaus"> J. G. Haditsch, H. Maus: Alte Mineralnamen im deutschen Schrifttum. Sonderband 3 des Archives für Lagerstättenforschung in den Ostalpen. Hrsg.: O. M. Friedrich. Institut für Mineralogie und Gesteinskunde der Montanistischen Hochschule, Leoben 1974, S. 15, 16 (opac.geologie.ac.at [PDF; abgerufen am 6. Januar 2024]). </ref> <ref name="Haidinger"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – F. (PDF 633 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 4. März 2022. </ref> <ref name="Klockmann"> </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Freieslebenite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 6. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 145. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Witzke"> Thomas Witzke: Entdeckung von Freieslebenit. In: www.strahlen.org/tw/. Abgerufen am 2. März 2022. </ref> </references>