Datolith
| Datolith | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Dat<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | CaB[OH|SiO4] (oder auch CaB[4][OH|SiO4]<ref name="StrunzNickel" />) |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Inselsilikate (Nesosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/A’.12 VIII/B.29-010 9.AJ.20 54.02.01a.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P21/c (Nr. 14)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 4,836 Å; b = 7,61 Å; c = 9,64 Å β = 90,4°<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {100}, {001}, {110}, {111}, {011}, {012} und andere<ref name="Schröcke" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 5 bis 5,5 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,96 bis 3,00; berechnet: [3,00]<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | keine |
| Bruch; Tenazität | muschelig bis uneben |
| Farbe | farblos, weiß, grau, gelb, grün, rosa bis rot<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Glasglanz, schwacher Harzglanz auf Bruchflächen |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,626<ref name="Mindat" /> nβ 1,653 bis 1,654<ref name="Mindat" /> nγ 1,670<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,044<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 74°<ref name="Mindat" /> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | blaue Fluoreszenz unter kurzwelligem UV-Licht |
Datolith ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung CaB[OH|SiO4] und damit chemisch gesehen ein Calcium-Bor-Silikat, genauer ein Calciumboratosilikat<ref name="indra" /> mit Hydroxidionen als zusätzlichen Anionen.
Datolith kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt kurzsäulige oder dicktafelige Kristalle von bis zu 12 Zentimetern Länge,<ref name="Handbookofmineralogy" /> findet sich aber oft auch in Form traubiger bis kugeliger, körniger oder massiger Mineral-Aggregate. Unverletzte bzw. unverwitterte Kristallflächen weisen einen glasähnlichen Glanz auf, Bruchflächen schimmern dagegen eher schwach harzähnlich. In reiner Form ist Datolith farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine graue, gelbe, grüne oder rosa bis rote Farbe annehmen.
Etymologie und Geschichte
Der Name Datolith setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort δατέομαι [detéomai] für „teilen oder verteilen“ und λίθος [lítʰos] für „Stein“ und nimmt Bezug auf bereitwillige Teilbarkeit der oft vorkommenden, bröckeligen Mineral-Aggregate.<ref name="Lüschen" />
Erstmals entdeckt und beschrieben wurde das Mineral 1805 von Jens Esmark (1763–1839)<ref name="mineralogicalrecord" /> in der Grube „Nødebro“ bei Arendal in der norwegischen Fylke (Provinz) Aust-Agder.
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Datolith zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Neso-Subsilikate“, wo er gemeinsam mit Bakerit, Gadolinit und Homilit in der „Datolith-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/A’.12 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/B.29-010. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate mit tetraederfremden Anionen“, wo Datolith zusammen mit Bakerit, Calcybeborosilit-(Y), Gadolinit-(Ce), Gadolinit-(Nd), Gadolinit-(Y), Hingganit-(Ce), Hingganit-(Y), Hingganit-(Yb), Homilit und Minasgeraisit-(Y) die „Datolith-Gadolinit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/B.29 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Datolith in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Inselsilikate (Nesosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Inselsilikate mit BO3-Dreiecken und/oder B[4], Be[4]-Tetraedern, eckenteilend mit SiO4“ zu finden, wo es zusammen mit Calcybeborosilit-(Y), Gadolinit-(Ce), Gadolinit-(Nd), Gadolinit-(Y), Hingganit-(Ce), Hingganit-(Y), Hingganit-(Yb), Homilit, Melanocerit-(Ce) und Minasgeraisit-(Y) die „Datolithgruppe“ mit der Systemnummer 9.AJ.20 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Datolith die System- und Mineralnummer 54.02.01a.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Inselsilikate: Borosilikate und einige Beryllosilikate mit (BO3)“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Inselsilikate: Borosilikate und einige Beryllosilikate mit B in [4]-Koordination“ in der „Datolithgruppe (Datolith-Reihe)“, in der auch Hingganit-(Ce), Hingganit-(Y), Hingganit-(Yb) und Calcybeborosilit-(Y) eingeordnet sind.
Kristallstruktur
Datolith kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 4,836 Å, b = 7,61 Å, c = 9,64 Å und β = 90,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften
Vor dem Lötrohr schmilzt Datolith unter Aufschäumen zu einer klaren Perle und färbt die Flamme grün. In Salzsäure nimmt er eine gelatineartige Konsistenz an.<ref name="Klockmann" />
Unter kurzwelligem UV-Licht zeigen manche Datolithe eine blaue Fluoreszenz.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Modifikationen und Varietäten
Botryolith (auch Faserdatolith<ref name="indra" />) ist eine traubenförmige Varietät von Datolith.<ref name="GemRocks" />
Als Haytorit wird eine Pseudomorphose von Chalcedon nach Datolith bezeichnet.<ref name="indra" />
Bildung und Fundorte
Datolith bildet sich entweder in metamorphen Gesteinen oder durch hydrothermale Vorgänge, findet sich aber auch in vulkanischem Gestein, auf Erzgängen, in Pegmatiten oder auf Amethyst im Innern von Chalcedonkugeln. Als Begleitminerale treten unter anderem Axinit, Calcit, Danburit, Granate, Prehnit, Zeolithe auf.
Als eher selten vorkommende Mineralbildung kann Datolith an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bekannt sind bisher (Stand: 2012) rund 460 Fundorte.<ref name="Mindat-Anzahl" /> Gefunden wurde das Mineral unter anderem an folgenden Fundstätten: Tasmanien (Colebrook Hill) bei Australien; Hubei, Yunnan und Zhejiang in China; in vielen Regionen von Deutschland (unter anderem Sankt Andreasberg und Niederkirchen (Westpfalz)); Elsass und Lothringen in Frankreich; England und Schottland in Großbritannien; Italien; Hokkaidō, Kyūshū und Shikoku Japan; Kasachstan; Ontario (Hastings County) und Québec (Argenteuil County) in Kanada; Meknès-Tafilalet und Souss-Massa-Daraâ in Marokko; Guanajuato und San Luis Potosí in Mexiko; Namibia (Omaruru); Neuseeland (North Island); Nordkorea; unter anderem auf Magneterzlagern im Gneis bei Arendal in Norwegen; Salzburg (Hohe Tauern), Steiermark (Eibegggraben) und Tirol (Tauerntal, Theiß) in Österreich; Polen; einige Regionen in Russland; Schweden; Schweiz (Grischun und Wallis); Slowakei; Spanien; Südafrika; Tadschikistan; Ukraine; Ungarn; viele Regionen in den USA (unter anderem Connecticut und Bergen Hill); sowie in Böhmen und Mähren in Tschechien.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 208.
Weblinks
Vorlage:Wikidata-Registrierung
- Datolith. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- Datolite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF)
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Datolite. In: rruff.geo.arizona.edu.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Datolith beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 20. September 2021. </ref> <ref name="GemRocks"> R. V. Dietrich: Datolite. In: stoneplus.cst.cmich.edu. GemRocks, 20. Februar 2015, abgerufen am 20. September 2021. </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:Referrer am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="indra"> Indra Günther: Alte Mineralnamen und Synonyme. (PDF 2,78 MB) In: indra-g.at. 22. Mai 2008, abgerufen am 20. September 2021. </ref> <ref name="Klockmann"> Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 685 (Erstausgabe: 1891). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Lüschen"> Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 200. </ref> <ref name="Mindat"> Datolite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. September 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Datolite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 20. September 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="mineralogicalrecord"> Esmark (Esmarch), Jens (1763–1839). In: mineralogicalrecord.com. The Mineralogical Record, abgerufen am 20. September 2021. </ref> <ref name="Schröcke"> Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 701. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 562. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Datolite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 20. September 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>