Chamosit
| Chamosit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Chm<ref name="Warr" /> |
| Andere Namen |
Chamoisonit<ref name="Mindat-Chamoisonite" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Silikate und Germanate – Schichtsilikate (Phyllosilikate) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VIII/E.09d VIII/H.23-030 9.EC.55 71.04.01.07 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | C2/m (Nr. 12)<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Gitterparameter | a = 5,373 Å; b = 9,306 Å; c = 14,222 Å β = 97° 53'<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 3 |
| Dichte (g/cm3) | 3,0 bis 3,4 |
| Spaltbarkeit | gut nach {001} |
| Bruch; Tenazität | uneben |
| Farbe | graugrün, braun, schwarz |
| Strichfarbe | grünlichgrau |
| Transparenz | durchscheinend bis undurchsichtig |
| Glanz | Glasglanz, matt |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,600<ref name="Mindat" /> nβ 1,600<ref name="Mindat" /> nγ 1,670<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,070<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Pleochroismus | schwach:<ref name="Mindat" /> X = gelbgrün bis hellbräunlichgrün Y = Z = grün bis dunkelgrün |
Chamosit (IMA-Symbol Chm<ref name="Warr" />) ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (Fe2+,Mg,Al,Fe3+)6(Si,Al)4O10(OH,O)8<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Eisen-Magnesium-Alumosilikat mit zusätzlichen Sauerstoff- und/oder Hydroxidionen.
Chamosit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt überwiegend schuppige, oolithische oder massige Mineral-Aggregate von grauer, graugrüner, brauner oder schwarzer Farbe.
Etymologie und Geschichte
Erstmals beschrieben wurde Chamosit 1820 durch Pierre Berthier, der das Mineral nach seiner Typlokalität Chamoson (Gemeinde des Bezirks Conthey im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis, Schweiz) benannte.
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Chamosit zur Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ und dort zur Abteilung der „Schichtsilikate (Phyllosilikate)“, wo er zusammen mit den inzwischen als Varietäten diskreditierten Mineralen Delessit und Thuringit sowie im Anhang mit Gonyerit und Pennantit die „Reihe der Ferro-Ferri-Chlorite (Leptochlorite)“ mit der System-Nr. VIII/E.09d bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/H.23-30. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Schichtsilikate“, wo Chamosit zusammen mit Baileychlor, Borocookeit, Cookeit, Donbassit, Franklinfurnaceit, Gonyerit, Jadarit, Klinochlor, Manandonit, Nimit, Pennantit und Sudoit die „Chloritgruppe“ bildet.<ref name="Lapis" />
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Chamosit in die Abteilung der „Schichtsilikate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatschichten, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Schichtsilikate (Phyllosilikate) mit Glimmertafeln, zusammengesetzt aus tetraedrischen und oktaedrischen Netzen“ zu finden ist, wo es zusammen mit Baileychlor, Borocookeit, Cookeit, Donbassit, Franklinfurnaceit, Glagolevit, Gonyerit, Klinochlor, Nimit, Odinit, Orthochamosit (diskreditiert), Pennantit und Sudoit die „Chloritgruppe“ mit der System-Nr. 9.EC.55 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Chamosit ebenfalls in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Schichtsilikatminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Baileychlor, Borocookeit, Cookeit, Donbassit, Klinochlor, Nimit, Orthochamosit, Pennantit und Sudoit in der „Chloritgruppe (Tri-Dioktaedrisch)“ mit der System-Nr. 71.04.01 innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Schichten von sechsgliedrigen Ringen, abwechselnd 1:1, 2:1 und oktaedrisch“ zu finden.
Bildung und Fundorte
Chamosit bildet sich durch Metamorphose oder hydrothermale Vorgänge in eisenreichen Sedimenten und ist dann oft in Begleitung anderer eisenhaltiger Sedimentminerale wie Goethit, Hämatit, Magnetit und Siderit<ref name="Okrusch-Matthes" />, aber auch Calcit, Kaolinit, Olivin, Plagioklas, Pyrit, Pyroxen und/oder Quarz<ref name="Handbookofmineralogy" /> zu finden.
Bisher wurde Chamosit an 265 Fundorten entdeckt (Stand: 2009), so unter anderem in Bahariyya (Ägypten); Provinz Constantine (Algerien); Biggenden Shire/Queensland, Yancowinna County/New South Wales und Queenstown/Tasmanien (Australien); den Provinzen Lüttich und Luxemburg in Belgien; Departamento La Paz und Departamento Potosí in Bolivien; Minas Gerais und Pará in Brasilien; Bulgarien; Hebei, Hunan und Jiangxi in China; Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern, Sachsen, Thüringen und anderen Regionen in Deutschland; Pays de la Loire in Frankreich; auf Kreta (Griechenland); England und Wales in Großbritannien; einigen Regionen in Italien; Honshū und Shikoku in Japan; New Brunswick, Ontario und Québec (Mont St.-Hilaire) in Kanada; Córdoba in Kolumbien; Telemark und Vestfold in Norwegen; Hohe Tauern (Kärnten und Salzburg) in Österreich; mehreren Regionen in Russland und der Slowakei; Bern, Obwalden, Uri und Wallis in der Schweiz; einigen Regionen Spaniens; Mpumalanga und Nordkap in Südafrika; Böhmen und Mähren in Tschechien; sowie vielen Regionen in den USA.
Auch auf dem Meeresboden des Mittelatlantischen Rückens, genauer der „Markov-Tiefe“ der Sierra-Leone-Bruchzone wurden schon Proben von Chamosit aufgenommen.<ref name="Fundorte" />
Chamosit gehört neben einigen anderen zu den auf dem Mars entdeckten Mineralen.<ref name="Cloutis-et-al" />
Kristallstruktur
Chamosit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 5,373 Å; b = 9,306 Å, c = 14,222 Å und β = 97°53' sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Chamosit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 21. Oktober 2022.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Cloutis-et-al"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Chamosit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. Oktober 2022. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Chamosite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mindat-Chamoisonite"> Chamoisonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Okrusch-Matthes"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Chamosite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 21. Oktober 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>