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Prehnit

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Prehnit
Datei:Prehnite-Quartz-117742.jpg
Blättriger Prehnit (bläulichgelb) auf Quarz (farblos) aus Imilchil im Atlasgebirge, Marokko (Größe: 10 × 6,1 × 4,1 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Prh<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Ca2Al[(OH)2|AlSi3O10]<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D*.03
VIII/G.07-030

9.DP.20
72.01.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-pyramidal; mm2<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe P2cm (Nr. 28, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/28.4<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 4,65 Å; b = 5,48 Å; c = 18,49 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung feinlamellar
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6,0 bis 6,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,80 bis 2,95; berechnet: [2,90]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit gut nach {001}; undeutlich nach {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, weiß, grau, gelblich, rosa, hell- bis dunkelgrün
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, schwacher Perlmuttglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,611 bis 1,632<ref name="Mindat" />
nβ 1,615 bis 1,642<ref name="Mindat" />
nγ 1,632 bis 1,665<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,021 bis 0,033<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 64 bis 70° (gemessen); 58 bis 68° (berechnet)<ref name="Mindat" />

Prehnit, veraltet auch als Aedelit, Chiltonit, Coupholit und Edelit<ref name="Mineralienatlas" /> oder unter den Handelsbezeichnungen Kap-Chrysolith und Kap-Smaragd<ref name="EPI" /> bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca2Al[(OH)2|AlSi3O10]<ref name="StrunzNickel" />. Prehnit ist damit chemisch gesehen ein Calcium-Aluminium-Silikat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Das Mineral kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist tafelige bis prismatische Kristalle, kommt aber auch in Form blättriger, fächerförmiger oder traubiger bis kugeliger Mineral-Aggregate vor. In reiner Form ist Prehnit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graue oder gelbliche bis grünliche Farbe annehmen. Auch Prehnit-Katzenaugen sind bekannt.<ref name="Schumann" />

Etymologie und Geschichte

Datei:Prehnite-Xonotlite-171841.jpg
Rötliche Prehnitnadeln auf Xonotlit aus der „N'Chwaning II Mine“ bei Kuruman, Südafrika

Prehnit ist das erste bekannte Mineral, das nach einer Person benannt ist.<ref name="Witzke" /> Der holländische Baron und Colonel Hendrik von Prehn (1733–1785)<ref name="Handbookofmineralogy" /> brachte 1783 einige Proben aus der Kapprovinz (Kap der guten Hoffnung) mit und ließ sie durch Abraham Gottlob Werner analysieren. Dieser erkannte das Material als neue Mineralart und benannte es nach seinem Finder.<ref name="Chester" />

Als genaue Typlokalität gilt heute die Dolerit-Lagerstätte von Karoo bei Cradock in der Provinz Ostkap von Südafrika.<ref name="MindatTyplokalität" />

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Prehnit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Übergangsstrukturen zu Schichtsilikaten (Phyllosilikaten)“, wo er gemeinsam mit Ferrokarpholith, Karpholith und Lorenzenit sowie im Anhang mit Joesmithit in der „Karpholith-Ramsayit-Gruppe“ mit der Systemnummer VIII/D*.03 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/G.07-030. Dies entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Übergangsstrukturen von Ketten- zu Schichtsilikaten“, wo Prehnit zusammen mit Alflarsenit, Amstallit, Bavenit, Bohseit, Chiavennit, Ferrochiavennit, Rudenkoit und Tvedalit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/G.07 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Prehnit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Übergangsstrukturen Ketten- und Bandsilikate – Schichtsilikate“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 9.DP.20 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Prehnit die System- und Mineralnummer 72.01.03.01. Das entspricht der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Schichtsilikate: Zweidimensionale unbegrenzte Lagen mit anderen als sechsgliedrigen Ringen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Schichtsilikate: Zweidimensionale unbegrenzte Lagen mit anderen als sechsgliedrigen Ringen: 4-gliedrige Ringe“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 72.01.03.

Kristallstruktur

Datei:Prehnite-4jg16c.jpg
Wasserklarer, ideal orthorhombisch-pyramidal gewachsener Prehnit mit perlmuttglänzender Oberfläche

Prehnit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P2cm (Raumgruppen-Nr. 28, Stellung 4)Vorlage:Raumgruppe/28.4 mit den Gitterparametern a = 4,65 Å; b = 5,48 Å und c = 18,49 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Eigenschaften

Prehnitzwillinge nach (100) sind pyroelektrisch in Richtung der a-Achse. Vor dem Lötrohr schmilzt Prehnit leicht und blättert bzw. bläht sich dabei auf. Erst bei hoher Temperatur bildet sich auch Wasser.<ref name="Klockmann" />

Prehnit ist zwar relativ unempfindlich gegen Säuren und wird von ihnen erst nach dem Glühen vollständig zerstört<ref name="Klockmann" />, reagiert aber sehr empfindlich schon auf geringen Wärmeeinfluss.<ref name="beyars.com" />

Gelegentlich zeigt Prehnit bei kurzwelligem UV-Licht blauweiße oder pfirsichfarbene und bei langwelligem UV-Licht gelbe Fluoreszenz.<ref name="Webmineral" />

Bildung und Fundorte

Datei:Epidote-Prehnite-d05-88a.jpg
Kugeliger Prehnit auf Epidot

Prehnit entsteht entweder sekundär aus anderen Mineralen oder durch hydrothermale Vorgänge in Klüften, Gängen und Geoden innerhalb von magmatischen oder metamorphen Gesteinen (z. B. Gabbro, Diabas, Melaphyr, kristallinem Schiefer). Prehnit findet sich oft in Paragenese mit Apophyllit, Calcit, Datolith, Epidot, gediegen Kupfer, Pektolith und verschiedenen Zeolithen. Außerdem bildet er unter anderem Pseudomorphosen nach Analcim, Laumontit und Natrolith.<ref name="Klockmann" />

Als häufige Mineralbildung ist Prehnit an vielen Fundorten anzutreffen. Weltweit gelten bisher rund 1400 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> (Stand: 2011) als bekannt. In Deutschland konnte das Mineral vor allem in Bayern, genauer im Schwarzwald, Fichtelgebirge, Spessart, Bayerischen Wald, in Schwaben und der Oberpfalz; im hessischen Lahn-Dill-Kreis und Odenwald; im Harz (Niedersachsen, Sachsen-Anhalt); im Sauerland (Nordrhein-Westfalen); im rheinland-pfälzischen Hunsrück, Niederkirchen und Wolfstein; im Erzgebirge und der Oberlausitz in Sachsen; bei Elmshorn und Lübeck in Schleswig-Holstein sowie im Thüringer Wald und bei Wurzbach gefunden werden.

In Österreich fand sich Prehnit in vielen Regionen von Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark, Tirol, Oberösterreich und im Vorarlberg. In der Schweiz wurde Prehnit in mehreren Regionen der Kantone Graubünden, Tessin, Uri und Wallis gefunden.

Weitere Fundorte sind Ägypten, Antarktis, Argentinien, viele Regionen in Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Ecuador, Finnland, mehrere Regionen in Frankreich, Griechenland, Grönland, Indien, Indonesien, Irland, Island, Israel, viele Regionen in Italien, Japan, mehrere Regionen von Kanada, den Kanalinseln, Kasachstan, Kenia, Kolumbien, Kroatien, Madagaskar, Mali, Marokko, Mexiko, Mongolei, Namibia, Neuseeland, Nordkorea, viele Regionen in Norwegen, Oman, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Réunion, einige Regionen in Russland, mehrere Regionen in Schweden, Slowakei, einige Regionen in Spanien, mehrere Regionen in Südafrika, Südkorea, Tansania, Trinidad und Tobago, mehrere böhmische und mährische Regionen in Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, auf den United States Virgin Islands (Amerikanische Jungferninseln), viele Regionen des Vereinigten Königreichs (Großbritannien) und sehr viele Regionen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />

Auch in Gesteinsprobem des Mittelatlantischen Rückens, genauer der „Markov-Tiefe“ innerhalb der Sierra-Leone-Bruchzone, sowie des Indischen Ozeans, genauer des zentralindischen Rückens, konnte Prehnit nachgewiesen werden.<ref name="Fundorte" />

Verwendung als Schmuckstein

Datei:Prehnite-pf-0002.jpg
Prehnit im sogenannten „Smaragd-Schliff“

Bisher wird Prehnit ausschließlich, wenn auch nicht sehr häufig, zu Schmucksteinen verarbeitet und je nach Qualität in verschiedenen Schliffarten und -formen angeboten. Aufgrund farblicher Ähnlichkeit besteht Verwechslungsgefahr unter anderem mit Apatit, Brasilianit, Chrysopras, Jade, Peridot, Periklas und Serpentin.<ref name="Schumann" />

Siehe auch

Literatur

  • Mineralsystem des Herrn Inspektor Werners mit dessen Erlaubnis. In: Alexander Willhelm Köhler, C. A. S. Hoffmann (Hrsg.): Bergmannisches Journal. Crazische Buchhandlung, Freiberg 1789, S. 369–398 (rruff.info [PDF; 1,9 MB; abgerufen am 28. Juli 2017]).
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 248.

Weblinks

Commons: Prehnite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="beyars.com">Edelstein-Knigge von Prof. Leopold Rössler: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Prehnit (Memento des Vorlage:IconExternal vom 17. Februar 2010 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.beyars.com</ref> <ref name="Chester"> Albert Huntington Chester: A dictionary of the names of minerals including their history and etymology. 1. Auflage. John Wiley & Sons, New York 1896, S. 217 (online verfügbar bei archive.org – Internet Archive). </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> Prehnite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (handbookofmineralogy.org [PDF; 69 kB]). </ref> <ref name="EPI"> Namenssuche. Handelsnamen und was sie bedeuten. EPI – Institut für Edelsteinprüfung, abgerufen am 4. April 2018 (Eingabe von Kap-Chrysolith bzw. Kap-Smaragd nötig). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Prehnit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Klockmann"> Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 737–738 (Erstausgabe: 1891). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat – Prehnite (englisch) </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat – Anzahl der Fundorte für Prehnit </ref> <ref name="MindatTyplokalität"> Mindat – Mineralliste der Localität Karoo dolerites, Cradock District, Eastern Cape Province, South Africa </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Mineralienatlas:Prehnit </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16. überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 204. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 654. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Prehnite (englisch) </ref> <ref name="Witzke"> Thomas Witzke: Benennung der Minerale, nach Personen bei www.strahlen.org </ref> </references>