Franz Knapp (Politiker)
Franz-Wilhelm Knapp (* 21. Februar 1880 in Griesheim, heute Ortsteil von Offenburg; † 28. Juni 1973 in Konstanz<ref>Werner Breunig: Datenhandbuch Länderparlamentarier, 1945–1953, P. Lang 1985, Seite 111</ref>) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Politiker (Zentrum/BCSV/CDU). Er war von 1946 bis 1957 Oberbürgermeister von Konstanz.
Leben
Franz Knapp studierte nach seinem Abitur in Offenburg Rechtswissenschaften in Freiburg, München, Heidelberg und Straßburg. 1904 legte er die erste, 1908 die zweite Staatsprüfung ab. Er trat in den badischen Justizdienst ein.<ref>Bodensee-Hefte. Band 2, Ausgaben 1–4, 1951, S. 56: „Oberbürgermeister Knapp zum 70. Geburtstag“.</ref> Er war ab 1908 Amtsrichter und Staatsanwalt in Konstanz.<ref>Paul Feuchte: Quellen zur Entstehung der Verfassung des Landes Baden von 1947. Band 1. W. Kohlhammer, 1999, S. 61.</ref>
Er wurde am 13. Mai 1927, damals Erster Staatsanwalt, in Konstanz zum 1. Bürgermeister als Stellvertreter des Oberbürgermeisters Otto Moericke gewählt. Mit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 wurden Moericke, Knapp (Zentrum) und auch der 2. Bürgermeister Fritz Arnold in den Ruhestand geschickt. Seiner Widerberufung in den Stadtrat 1933 leistete er nur Folge unter der Bedingung, dass seine weltanschauliche Überzeugung nicht angetastet würde. Er war nie Mitglied der NSDAP.
Nachdem die SS in der Reichspogromnacht die Konstanzer Synagoge zerstört hatte, forderte er in seiner Funktion als Rechtsrat der Stadt die jüdische Gemeinde mit zivilen Mitteln zu Zahlungen für die Beseitigung der Trümmer auf.<ref>Tobias Engelsing: Franz Knapp: NS-Schreibtischtäter und Ehrenbürger. In: archiv.seemoz.de. 25. Juni 2015, abgerufen am 12. Dezember 2025.</ref><ref>Franz Knapp: NS-Schreibtischtäter und Ehrenbürger. In: lagopress-konstanz.de. Juni 2015, abgerufen am 11. Dezember 2025.</ref>
Im Rahmen seiner Funktion als städtischer Rechtsrat setzte sich Knapp zusammen mit dem damaligen Oberbürgermeister Mager für einen deutsch-französischen Gefangenenaustausch ein. So konnten 1941 ungefähr 23.000 Personen mit Visum in die Schweiz einreisen und damit aus zum Teil lebensbedrohlichen Situationen in Deutschland gerettet werden, darunter viele Frauen und Kinder.<ref>Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Band 4, S. 216.</ref>
Große Verdienste erwarb er sich zu Ende des Zweiten Weltkrieges, als es ihm mit anderen Amtsträgern gelang, die Stadt Konstanz durch mutiges und besonnenes Handel vor der Zerstörung durch die anrückenden französischen Alliierten zu retten.<ref>Peter Hölzle: Konstanz oder Constance sur mer: Fluch der Randlage, S. 205. In: Städte im Wiederaufbau, W. Kohlhammer Verlag, 2008, herausgegeben von Karl Moersch, Reinhold Weber</ref>
Am 12. Mai 1945 wurde die nationalsozialistische Stadtverwaltung ihren Ämtern enthoben. Zum Oberbürgermeister wurde Studienrat Josef Benz und zum Bürgermeister Rechtsrat Franz Knapp bestellt, dazu fünf Stadträte als Beratender Ausschuss. Franz Knapp wurde dabei von den Alliierten als „unbelastet“ eingestuft.<ref>Städte im Wiederaufbau, W. Kohlhammer Verlag, 2008, herausgegeben von Karl Moersch, Reinhold Weber </ref> 1945/1946 waren in Konstanz fünf verschiedene Oberbürgermeister (Josef Benz (SPD), Vinzenz Kerle (KPD), Hans Schneider, Fritz Arnold (SPD) und Franz Knapp) eingesetzt.<ref>Peter Hölzle: Konstanz oder Constance sur mer: Fluch der Randlage, S. 222. In: Städte im Wiederaufbau, W. Kohlhammer Verlag, 2008, herausgegeben von Karl Moersch, Reinhold Weber</ref> Der Beratende Ausschuss wählte Knapp am 2. Mai 1946 einstimmig zum Oberbürgermeister der Stadt. Am 9. Dezember 1948 erfolgte die Wiederwahl. Im Alter von 77 Jahren trat er am 10. Dezember 1957 von seinem Amt zurück.
1946/1947 war er für die Badische Christlich-Soziale Volkspartei (BCSV) Mitglied der Beratenden Landesversammlung des Landes Baden in Freiburg, die den Badischen Landtag konstituierte.<ref>Meinrad Schaab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.) u. a.: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 5: Wirtschafts- und Sozialgeschichte seit 1918, Übersichten und Materialien, Gesamtregister. Hrsg. im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Klett-Cotta, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-91371-2, S. 740.</ref> Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Konstanz.
Die Stadt Konstanz entzog ihm wegen seiner Nazivergangenheit die 1957 verliehene Ehrenbürgerwürde in einem symbolischen Akt durch die Sitzung des Stadtrates am 26. September 2019.<ref>Gemeinderat aktuell. In: konstanz.de. 27. September 2019, abgerufen am 3. Juli 2020.
Stefan Fuchs: Nazi-Vergangenheit: Konstanzer Gemeinderat erkennt Ehrenbürgertitel ab. In: schwaebische.de. 2. Oktober 2019, abgerufen am 3. Juli 2020.</ref><ref>…und warum ist Franz Knapp noch Ehrenbürger? In: archiv.seemoz.de. 19. Dezember 2012, abgerufen am 12. Dezember 2025.</ref>
Auszeichnungen
- 1928: Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Arminia Freiburg im Breisgau
- 1952: Großes Bundesverdienstkreuz
- 1955: Ehrendoktorwürde zum Dr. iur. h.c. der juristischen Fakultät der Universität Freiburg
- 1957: Ehrenbürgerwürde der Stadt Konstanz
- Ehemaliger Namensgeber der Franz-Knapp-Passage in Konstanz, für die 2020 eine Umbenennung diskutiert wurde<ref>Bürgeranhörung zu Straßenumbenennungen. Website der Stadt Konstanz, 23. Juni 2020.</ref> und die 2025 in Rathauspassage umbenannt wurde.<ref>Sabrina Morenz: Nach langer Debatte: Zwei Konstanzer Straßen werden umbenannt. Sechs Straßen sollen 2025 neue Namen bekommen, weil ihre bisherigen Namensgeber historisch umstritten sind. Zwei Schilder wurden nun montiert – doch gegen die anderen vier geplanten Änderungen gibt es Widerspruch. In: suedkurier.de. 19. März 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025: „Die Franz-Knapp-Passage am Rathaus heißt nun Rathauspassage und die Felix-Wankel-Straße im Industriegebiet wurde in Robert-Gerwig-Straße umbenannt. Die Mitarbeiter der Technischen Betriebe haben die beiden neuen Straßenschilder laut einer Pressemitteilung am Dienstag, 18. März, montiert.“</ref><ref>Sabrina Morenz: 100-jährige Konstanzerin empört Straßenumbenennung: „Ich habe Franz Knapp persönlich sehr geschätzt“. In: suedkurier.de. 4. Mai 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025: „Bis vor Kurzem trug die Passage neben dem Konstanzer Rathaus den Namen Franz Knapp – als Zeichen der Ehrung des ehemaligen Oberbürgermeisters. Doch bei einer Überprüfung stieß Stadtarchivar Jürgen Klöckler (rechts) auf belastende Aspekte in Knapps Vergangenheit. Nun hat die Passage einen neuen Namen.“</ref>
Schriften
- Margrit. Eine Heimatgeschichte. Oberbadische Verlags-Anstalt Merk, Konstanz, 1941. 2. Aufl. 1948.
Literatur
- Werner Häusler: Oberbürgermeister i. R. Dr. Franz Knapp 90 Jahre alt. In: Hegau. 27/28, 1970/71, S. 384–385.
- Werner Schenkendorf: Oberbürgermeister Franz Knapp. In: Konstanzer Almanach. Band I. Stadler, Konstanz 1955, S. 46–47.
Weblinks
- Literatur von und über Franz Knapp im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eintrag beim Landtag von Baden-Württemberg
- Chronik der Stadt Konstanz
- Entstehung und Geschichte der Stadt Konstanz.
- Bild von Franz Knapp
Einzelnachweise
<references />
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Knapp, Franz |
| ALTERNATIVNAMEN | Knapp, Franz-Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist, Politiker, Oberbürgermeister der Stadt Konstanz (1946–1957) |
| GEBURTSDATUM | 21. Februar 1880 |
| GEBURTSORT | Griesheim (Offenburg) |
| STERBEDATUM | 28. Juni 1973 |
| STERBEORT | Konstanz |
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- Staatsanwalt (Deutschland)
- Richter (Amtsgericht)
- Verwaltungsjurist
- Mitglied der Beratenden Landesversammlung (Baden 1946–1947)
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- Gestorben 1973
- Mann