Qattara-Senke
Koordinaten: 29° 30′ N, 27° 30′ O
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Die Qattara-Senke (auch Kattarasenke; arabisch منخفض القطارة, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist eine Senke der Libyschen Wüste in Ägypten und in dessen nordwestlichem Gouvernement Matruh gelegen. Ihre Fläche ist mit etwa 18.000 Quadratkilometern so groß wie Sachsen. Die maximale Länge beträgt 120 und die maximale Breite 80 Kilometer. 133 Meter unter der Meereshöhe hat die Senke nach dem Assalsee in Dschibuti den zweittiefsten Grund Afrikas. Der Boden der Senke besteht vornehmlich aus einer Salzpfanne.
Umwelt
Die einzige ständig bewohnte Siedlung in der Qattara-Senke ist die Qara-Oase am westlichen Ende der Senke, mit einer Bevölkerung von rund 300 Menschen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />QARA. Beyond space and time ( vom 14. Februar 2020 im Internet Archive)</ref> Zudem ist die Senke von nomadisch lebenden Beduinen und ihren Herden bewohnt, wobei die größte Oase der Senke, die Moghra-Oase am östlichen Ende der Senke mit einem vier Quadratkilometer großen Brackwassersee und einem schilfbewachsenen Sumpf, in Zeiten der Wasserknappheit besonders wichtig ist.
Am nordwestlichen und nördlichen Klippenrand der Senke befinden sich Salzsümpfe. Auch treten Salzwiesen auf und bedecken eine Fläche von fast 300 km², obwohl in einigen Gebieten der Flugsand überhandnimmt. Etwa ein Viertel (26 %) des Gebietes ist eine Salztonebene, die aus einer harten Kruste und zähem Schlamm besteht und gelegentlich geflutet wird.
In sandigen Senken wachsende Akazienhaine repräsentieren die einzige permanente Vegetation. Die Akaziengehölze variieren stark in der Biodiversität und hängen zum Überleben vom Grundwasser und vom Niederschlag ab.
Die Senke ist ein wichtiges Biotop für Geparden, wobei die meisten Tiere im nördlichen, westlichen und nordwestlichen Teil der Depression gesehen wurden, wo die isolierten, wilden Oasen von Ain al-Qattara und Ain al-Ghazalat und viele Akazienhaine liegen.
Auch Gazellen (Gazella dorcas und Gazella leptoceros) bewohnen die Qattara-Senke, womit sie eine wichtige Nahrungsquelle für die Geparden darstellen. Die größte Gazellenpopulation existiert im südwestlichen Teil der Depression, in einem 900 km² großen Gebiet aus Feuchtland und feinem Sand, das die Oasen von Hatiyyat Tabaghbagh und Hatiyyat Umm Kitabain mit einschließt. Dieses Gebiet ist ein Mosaik von Seen, Salzwiesen, Buschland, wilden Palmenhainen und Grasland aus Desmostachya bipinnata.
Weitere hier anzutreffende Tiere sind der Kaphase (Lepus capensis), der Afrikanische Goldwolf (Canis lupaster), der Rüppellfuchs (Vulpes rueppelli) und, seltener, der Fennek (Vulpes zerda).
Auch der Mähnenspringer (Ammotragus lervia) war hier einst weit verbreitet, doch mittlerweile scheint er ausgestorben zu sein; die letzten Hörner wurden 1927 gefunden. Weitere hier ausgestorbene Spezies sind die Säbelantilope (Oryx dammah), die Mendesantilope (Addax nasomaculatus) und die Nordafrikanische Kuhantilope.
Reptilien werden unter anderem durch den Ägyptischen Mauergecko (Tarentola mindiae) repräsentiert.
Zweiter Weltkrieg
Im Afrikafeldzug (1941–1943) des Zweiten Weltkriegs galt die Qattara-Senke aufgrund ihrer Klippen, Salzseen und des weichen Sandbodens (Fech Fech) als undurchquerbar für schwere Militärfahrzeuge. Die Erste Schlacht von El Alamein (Juli 1942) und Zweite Schlacht von El Alamein (Oktober/November 1942) wurden durch die Qattara-Senke auf den dünnen Gebietsstreifen nördlich der Qattara-Senke konzentriert.<ref></ref> Dieser Gebietsstreifen, an seiner dünnsten Stelle etwa 40 Kilometer breit, eignete sich gut für die Abwehrstellungen der Alliierten, die durch die Qattara-Senke die Bewegungs- und Manöverfreiheit der Achsenmächte stark einschränken konnten.<ref name=":0"></ref> Im Juni 1942 gab Claude Auchinleck angesichts der Frühjahrsoffensive der Achsenmächte Befehl, sich in den Raum nördlich von Qattara zurückzuziehen.<ref></ref> Die alliierte Verteidigung war um die für die Schlachten namensgebende Ortschaft El-Alamein konzentriert, um die die Commonwealth-Soldaten die Alamein-Stellung ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) aufbauten.<ref name=":0" />
Der Film Eiskalt in Alexandrien – Feuersturm über Afrika von 1958 präsentiert die Situation in der Qattara-Senke während des Zweiten Weltkriegs.
Planungen eines Wasserkraftwerks
In dieser Senke einer Wüste wurde ein Wasserkraftwerk geplant, was wegen der weitgehenden Abwesenheit von Wasser zu erstaunen vermag. Im Jahr 1916 kam Albrecht Penck diese Idee, wobei es zunächst blieb.<ref name="Spiegel 1976">Hölle löschen. In: Der Spiegel. 6. Dezember 1976 (spiegel.de [abgerufen am 9. Januar 2014]).</ref> Erklärbar wird diese Idee nur dadurch, dass die tiefste Stelle der Senke 133 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, prinzipiell genug Gefälle also für ein Wasserkraftwerk. Das Gebiet hat einen tropfenförmigen Grundriss, dessen Spitze nach Osten weist und die tiefe Rundung nach Südwesten – nach Norden hin hatte die Senke einen relativ steilen Abbruch, in dem man einen idealen Platz für solch ein Kraftwerk gefunden zu haben glaubte. Das Konzept gründete darauf, über mehrere Dutzend Kilometer einen Wasserweg vom Mittelmeer zur nördlichen Abbruchkante der Senke zu schaffen. Genau dieser Wasserweg stellte für die Planungen aber das eigentliche Hindernis dar – schließlich liegt zwischen der Senke und dem Mittelmeer eine Hügellandschaft mit mehreren hundert Metern Höhenunterschied, fast durchgängig deutlich über dem Meeresspiegel. Jedenfalls war in der Idee vorgesehen, nur so viel Meereswasser durch den Wasserweg in die Senke einzulassen, dass die natürliche Verdunstung den Wasserspiegel in der Senke niedrig genug hält, wodurch genug Höhenunterschied zum Antrieb von Wasserturbinen bliebe. Im Jahr 1927 begann John Ball über die Qattara-Senke als Standort für ein Wasserkraftwerk und über Fortschritte ihrer Erkundung zu berichten.<ref></ref>
Da die Idee an sich immer wieder Faszination erzeugt, gibt es bis heute immer wieder neue Vorschläge, doch nun tatsächlich ein solches Projekt eines Wasserkraftwerkes in der Wüste zu realisieren. Der Aufwand ist enorm, daher bemüht man sich in neueren Vorschlägen, einen mehrfachen Nutzen aus dem Projekt zu ziehen. So wurde vorgeschlagen, das Wasserkraftwerk mit Wassergewinnung für Landbau zu verbinden. Dazu gehört u. a. der Vorschlag von 2009, anstatt Mittelmeerwassers das Wasser des Nildeltas durch einen Kanal und eine anschließende Pipeline in die Senke zu führen, um neben der Stromerzeugung auch Süßwasser für die Kultivierung der weiten Hänge der Senke zur Verfügung zu haben.<ref name="Nil-Qattara">Mohamed Mahmoud: The River Nile – Qattara Depression Pipeline. In: Web. privat, abgerufen am 15. Dezember 2014.</ref>
Fossillagerstätte
Die Qattara-Senke ist eine bedeutende Fossillagerstätte. Über die Region sind mehrere Lokalitäten verteilt. Im Südwesten befindet sich Minqar Tibaghbagh. Die dortigen Fossilaufschlüsse wurden im Jahr 2007 entdeckt und datieren in das Obere Eozän und Untere Oligozän mit Alterswerten zwischen 38 und 28 Millionen Jahren. Sie sind somit etwa gleichalt zu den Ablagerungen des Fayyum weiter im Osten. Die in Minqar Tibaghbagh anstehenden, stark gebänderten Sedimente sprechen für eine küstennahe Flusslandschaft. Die obereozänen Schichten lieferten Reste von Walen und Seekühen. Aus den unteroligozänen stammen neben Haien, Schildkröten und Krokodilen auch mehrere landbewohnende Säugetiere. Zu den bisher beschriebenen Formen gehören Phiomia als ein urtümlicher Vertreter der Rüsseltiere und Antilohyrax als Angehöriger der Schliefer, zudem auch Bothriogenys aus der Gruppe der Anthracotheriidae innerhalb der Paarhufer.<ref>Hendrik Jan van Vliet und Gebely Abu el-Kheir: A new Eocene marine mammal site in the Qattara depression (Egypt). Cainozoic Research 7 (1-2), 2010, S. 73–77</ref><ref>Hendrik Jan van Vliet, Anne S. Schulp, Gebely A. M. M. Abu el-Kheir, Theo M. Paijans, Mark Bosselaers und Charles J. Underwood: A new Oligocene site with terrestrial mammals and a selachian fauna from Minqar Tibaghbagh, the Western Desert of Egypt. Acta Palaeontologica Polonica 62 (3), 2017, S. 509–525</ref>
Von Bedeutung ist auch das Wadi Moghra im Osten des Gebietes. Das Material dort entstammt der Moghra-Formation, die im Unteren Miozän vor 20 bis 17 Millionen Jahren und somit etwa zeitgleich zu den gleichfalls fossilführenden Schichten der Oase Siwa weiter westlich der Qattara-Senke entstand. Ähnlich zu Minqar Tibaghbagh breitete sich die damalige Landschaft entlang einer Küste aus und wurde durch ein Flussdelta geprägt. Es überwogen tropische Regenwälder, die zum Landesinneren in Savannengebiete übergingen. Während Zähne von Haien auf die nahen Meeresgebiete hinweisen,<ref name="Cook et al. 2010">Todd D. Cook, Alison M. Murray, Elwyn L. Simons, Yousry S. Attia und Prithijit Chatrath: A Miocene selachian fauna from Moghra, Egypt. Historical Biology 22, 2010, S. 78–87, doi:10.1080/08912960903249329</ref> war das Festland von Reptilien, Vögeln und Säugetieren bewohnt. Unter den Reptilien sind unter anderem Schlangen und andere Schuppenkriechtiere wie Warane sowie Schildkröten belegt.<ref name="Georgalis et al. 2020">Georgios L. Georgalis, Mohamed K. Abdel Gawad, Safiya M. Hassan, Ahmed N. El-Barkooky und Mohamed A. Hamdan: Oldest co-occurrence of Varanus and Python from Africa—first record of squamates from the early Miocene of Moghra Formation, Western Desert, Egypt. PeerJ 8, 2020, S. e9092, doi:10.7717/peerj.9092</ref><ref name="Rollot et al. 2025">Yann Rollot, Mohamed K. Abdel Gawad, Mohamed A. Hamdan, Ahmed N. El‑Barkooky, Safiya M. Hassan und Walter G. Joyce: Trionychian turtles from the Early Miocene (Burdigalian) Moghra Formation, Egypt, including a new species of Carettochelyidae. Swiss Journal of Palaeontology 144, 2025, S. 30, doi:10.1186/s13358-025-00358-5</ref> Die Säugetiere setzten sich aus Paarhufern zussammen wie Nguruwe und Libycochoerus aus der Gruppe der Schweineartigen oder Diamantohyus aus den mit diesen verwandten, jedoch ausgestorbenen Sanitheriidae.<ref name="Pickford et al. 2010">Martin Pickford, Ellen R. Miller und Ahmed El−Barkooky: Suidae and Sanitheriidae from Wadi Moghra, early Miocene, Egypt. Acta Palaeontologica Polonica 55 (1), 2010, S. 1–11, doi:10.4202/app.2009.0015</ref><ref name="Pickford et al. 2021">Martin Pickford, Mohamed Abdel Gawad, Mohamed A. Hamdan und Mohammed Al Riaydh: New suoid fossils (Mammalia, Artiodactyla) from the Miocene of Moghara, Egypt, and Gebel Zelten, Libya: biochronological implications. Fossil Imprint 77 (1), 2021, S. 111–125, doi:10.37520/fi.2021.010</ref> Ebenso wurden Rüsseltiere dokumentiert, darunter Gomphotherium und Afrochoerodon als Vedrtreter der Gomphotheriidae sowie Zygolophodon als solcher der Mammutidae.<ref>William J. Sanders und Ellen R. Miller: New proboscideans from the Early Miocene of Wadi Moghara, Egypt. Journal of Vertebrate Paleontology 22 (2), 2002, S. 388–404</ref> Hinzu kommen einzelne Formen der Anthracotheriidae, so etwa Sivameryx und Afromeryx.<ref name="Miller et al. 2014">Ellen R. Miller, Gregg F. Gunnell, Mohamed Abdel Gawad, Mohamed Hamdan, Ahmed N. El-Barkooky, Mark T. Clementz und Safiya M. Hassan: Anthracotheres from Wadi Moghra, early Miocene, Egypt. Journal of Paleontology 88 (5), 2014, S. 967–981, doi:10.1666/13-122</ref> Des Weiteren waren Beutegreifer präsent, darunter Cynelos aus der Gruppe der Amphicyonidae innerhalb der Raubtiere sowie Megistotherium, Hyainailouros und Buhakia als Angehöriger der erloschenen Hyaenodonta.<ref name="Morlo et al. 2007">Michael Morlo, Ellen R. Miller und Ahmed El−Barkooky: Creodonta and Carnivora from Wadi Moghra, Egypt. Journal of Vertebrate Paleontology 27 (1), 2007, S. 145–159, [[doi:10.1671/0272-4634(2007)27[145:CACFWM]2.0.CO;2]]</ref><ref name="Morlo et al. 2019">Michael Morlo, Ellen R. Miller, Katharina Bast, Mohamed K. Abdel Gawad, Mohammed Hamdan, Ahmed El-Barkooky und Doris Nagel: New Amphicyonids (Mammalia, Carnivora) from Moghra, Early Miocene, Egypt. Geodiversitas 41 (21), 2019, S. 731–745, doi:10.5252/geodiversitas2019v41a21</ref> Bemerkenswert sind zudem Reste von Primaten. Hierzu zählt unter anderem Masripithecus, eine Form, die den Menschenaffen nahesteht. Ihr früher Nachweis in der Qattara-Senke könnte darauf hinweisen, dass die Entwicklung dieser Gruppe sich im nördlichen Afrika vollzog.<ref name="Al-Ashqar et al. 2026">Shorouq F. Al-Ashqar, Erik R. Seiffert, Sanaa El-Sayed, Belal S. Salem, Abdullah S. Gohar, Hossam El-Saka, Mohamed Amin und Hesham M. Sallam: An Early Miocene ape from the biogeographic crossroads of African and Eurasian Hominoidea. Science 391 (6792), 2026, S. 1383–1386, doi:10.1126/science.adz4102</ref>
Literatur
- Annotations. Central University Libraries at Southern Methodist University. Vol. VI, No. 1, Spring 2004.
- M. Manlius, A. Menardi-Noguera, A. Zboray: Decline of the Barbary sheep (Ammotragus lervia) in Egypt during the 20th century: literature review and recent observations. In: J. Zool. (London). Band 259, Nr. 4, 2003, S. 403–409.
- Nora Berrahmouni, Neil Burgess: Saharan halophytics (PA0905). World Wildlife Fund, 2001. (online)
- M. A. Saleh, I. Helmy, R. Giegengack: The Cheetah, Acinonyx jubatus (Schreber, 1776) in Egypt (Felidae, Acinonychinae). In: Mammalia. Band 65, Nr. 2, 2001, S. 177–194.
- Niklas Maak: Technophoria. Carl Hanser Verlag, München 2020, ISBN 978-3-446-26403-8.
Weblinks
Einzelnachweise
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