Panoramio
Panoramio war ein Foto-Sharing-Dienst zur Veröffentlichung georeferenzierter Fotografien (Geo-Imaging) im Besitz des US-amerikanischen Unternehmens Google Inc. Neben der Veröffentlichung auf der eigentlichen Website wurden Fotos, die über einen Geo-Tag verfügen, in unregelmäßigen Abständen in das Programm Google Earth und weitere Online-Dienste wie 4UMaps<ref>Panoramio-Bilder in der freien Weltkarte OpenStreetMap: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />4UMaps ( vom 15. August 2016 im Internet Archive).</ref> integriert. Der Dienst wurde am 4. November 2016 eingestellt, jedoch war der Panoramio-Layer in Google Earth noch bis Januar 2018 verfügbar.
Geschichte
Panoramio wurde im Sommer 2005 von den spanischen Unternehmern Joaquín Cuenca Abela und Eduardo Manchón Aguilar gegründet. Das älteste verfügbare Bild wurde am 29. Juli 2005 veröffentlicht.<ref>Eduardo Manchón, in Panoramio, 29. Juli 2005: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Alcazar de Segovia ( vom 11. Oktober 2016 im Internet Archive). Siehe auch Kopie auf Wikimedia Commons.</ref> Die offizielle Markteinführung erfolgte zum 3. Oktober 2005.
Einige Wochen danach stellte Panoramio erste KML-Dateien zur Verfügung, die die Darstellung von Panoramio-Bildern mit Google Earth erlaubten.<ref>Joaquín Cuenca Abela, in Panoramio-Blog, 23. Oktober 2005: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panoramio + Google Earth ( vom 1. Januar 2006 im Internet Archive).</ref> Im Dezember 2006 wurde Panoramio – zusammen mit Wikipedia – als erster externer Anbieter in den sogenannten geographic web layer von Google Earth aufgenommen.<ref>Chikai Ohazama: Opening my eyes to a whole new world. In: The Official Google Blog, 9. Dezember 2006. Abgerufen am 21. Februar 2010.</ref><ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 11. Dezember 2006: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Wikipedia and Panoramio in Google Earth ( vom 7. Januar 2007 im Internet Archive).</ref> Ab 2006 stand auch eine deutschsprachige Benutzeroberfläche zur Verfügung.<ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 16. September 2006: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Willkommen bei Panoramio! Benvinguts a Panoramio! ( vom 22. Oktober 2006 im Internet Archive).</ref>
Panoramio gab am 19. März 2007 bekannt, dass eine Million Fotos zu Panoramio hochgeladen wurden.<ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 19. März 2007: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />One million geolocated photos at Panoramio ( vom 28. März 2007 im Internet Archive).</ref> Drei Monate später, am 27. Juni 2007, lud einer der über 600.000 angemeldeten Nutzer das zweimillionste Foto hoch.<ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 27. Juni 2007: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />2 million photos in Panoramio ( vom 1. Juli 2007 im Internet Archive).</ref>
Im Mai 2007 gab Google die Übernahme von Panoramio bekannt.<ref>John Hanke: A picture's worth a thousand clicks. In: The Official Google Blog, 30. Mai 2007. Abgerufen am 21. Februar 2010.</ref>
Im Oktober 2007 hatten eine Million Nutzer fünf Millionen Bilder hochgeladen.<ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 25. Oktober 2007: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />1 million registered users and 5 million photos uploaded ( vom 27. Oktober 2007 im Internet Archive).</ref> Ende Oktober 2016 überstieg die Nummerierung der hochgeladenen Bilddateien die Zahl 134 Millionen.<ref>Erhan Can: over 134 millions photos in Panoramio. In: Panoramio. 4. November 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 31. März 2017; abgerufen am 30. März 2017 (Anmerkung: die Archivierung ist unvollständig, es fehlt mindestens der Kommentarbereich, der Titeltext ist nicht mehr nachweisbar).</ref> Es ist jedoch nicht bekannt, wie viele georeferenzierte Bilder bei Panoramio tatsächlich abrufbar waren, da zahlreiche Bilder durch die Nutzer selbst oder durch Panoramio zwischenzeitlich wieder gelöscht wurden. Die Zahl der Panoramio-Fotos, die von der API abgefragt werden konnten, betrug zur selben Zeit etwa 72,5 Millionen.<ref>How to obtain the total number of photos in one area using the panoramio data API? Stack Overflow, 29. November 2013</ref>
Im September 2014 funktionierte Panoramio in 47 Sprachversionen.
Seit der Übernahme durch Google wurden georeferenzierte Bilder neben Google Earth auch zur Illustrierung von Google Maps, Google Search und Google Street View genutzt.<ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 14. Mai 2008: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panoramio in Google Maps ( vom 20. Mai 2008 im Internet Archive).</ref><ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 26. Februar 2009: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Explore more with User Photos in Street View ( vom 7. März 2009 im Internet Archive).</ref><ref>Eduardo Manchón, in Panoramio-Blog, 23. Juli 2009: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panoramio photos in Google Search ( vom 2. August 2009 im Internet Archive).</ref>
Entwicklung
Im Vorfeld der Photokina 2014 gab Google am 16. September 2014 bekannt, Panoramio in „absehbarer Zeit“ einzustellen und in den im Juli 2013 gestarteten Dienst Views im Rahmen von Google Maps zu migrieren.<ref>Björn Greif: Google stellt Foto-Sharing-Dienst Panoramio ein, in ZDNet, 17. September 2014</ref> Dabei sollten solche populären Panoramio-Funktionen wie Kommentare, Lieblingsfotografen und auch Gruppen verlorengehen.<ref>Brian McClendon: An update from Google on the future migration of Panoramio to Views, in Google Groups, 19. September 2014</ref> Am 23. September 2014 veröffentlichten die Gründer Joaquín Cuenca Abela, Jose Florido Conde und Eduardo Manchón Aguilar die an Google gerichtete Petition Google: Keep The Panoramio Community Alive<ref>Google: Keep The Panoramio Community Alive, Change.org</ref> gegen die Schließungspläne, die über 10.000 Unterschriften von Panoramiobenutzern und anderen Interessierten erzielte. Die Proteste und die Petition machten Schlagzeilen in diversen Internetmedien.<ref>Stephen Shankland: Panoramio founders try persuading Google not to kill site, in CNET, 24. September 2014</ref><ref>Björn Greif: Panoramio-Gründer wollen Schließung durch Google verhindern, in ZDNet, 25. September 2014</ref><ref>Francisco Álvarez: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), in El Mundo, 25. September 2014 (spanisch)</ref>
Am 2. Juni 2015 wurde bekannt, dass Google seine Planung zu Panoramio überarbeiten und vorläufig den Dienst unverändert weiterbetreiben werde, bis eine bessere Lösung entwickelt werde.<ref>James Therrien: Announcement – Panoramio, Views and Google Maps, in Google Groups, 2. Juni 2015. Abgerufen am 19. Juni 2015.</ref>
Im August 2015 wurde Views eingestellt und damit noch vor Panoramio. Die dort hochgeladenen Fotos wurden zu Google Fotos überführt.
Am 5. Oktober 2016 informierte Google die Panoramio-Nutzer über die Einstellung des Dienstes zum 4. November 2016. Die Nutzer konnten noch ein Jahr auf ihre Bilddateien zugreifen, jedoch keine neuen Bilder hochladen und keine Kommentare oder Likes veröffentlichen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panoramio no longer available after November 4, 2016 ( vom 14. Oktober 2016 im Internet Archive)</ref> Die Bilder derjenigen Nutzer, die ihr Panoramio-Konto freiwillig mit einem Google-Konto verknüpften, wurden zu Google Fotos bzw. dem Google Album Archive überführt und von dort aus einige Zeit später teilweise wieder bei Google Maps und Google Earth angezeigt. Hierfür war aber eine vorherige Verknüpfung der Fotos bei Panoramio mit einem Point of Interest (POI) notwendig. Die dort nicht verknüpften Fotos wurden zunächst als nichtöffentlich abgespeichert. Man konnte sie aber bei Google Fotos nachträglich mit einem POI verbinden. Etwa 2,3 Millionen Bilder, welche unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht wurden, sind mithilfe eines Bots in das Wikimedia-Commons-Projekt übertragen worden.<ref>Panoramio Upload Bot</ref> Viele weitere Bilder sind über die Wayback Machine oder Archive.today verfügbar, wenn die Originaladresse bekannt ist. Inzwischen gibt es Ansätze, die Koordinaten der archivierten Fotos auszulesen und in einer Kartenapplikation darzustellen.<ref>Rescuing Panoramio Memories: How to Restore Panoramio Photos</ref>
Funktionsweise
Akzeptierte Medien
Panoramio akzeptierte nur Fotos des jeweiligen Nutzers. Diese mussten „echte Fotos“ sein. Weiterhin sollten Fotos nicht akzeptiert werden, die<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panoramio photo policy ( vom 23. Oktober 2016 im Internet Archive)</ref>
- von anderen Personen als dem Nutzer aufgenommen wurden
- Werbung im Bild oder im Titel enthalten
- sexuell explizit, diskriminierend, fremdenfeindlich oder rassistisch sind
Jedes Foto durfte nicht größer als 25 Megabyte sein. Eine Akzeptanz für Panoramio führte nicht automatisch zur Übernahme in die Geoinformationssysteme. Mit einem monatlichen Wettbewerb und Sachpreisen belohnte der Betreiber bis September 2013 das Hochladen hochwertiger Fotografien.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Welcome to the Panoramio Geotagged Photo Contest. Winners of past contests ( vom 30. Dezember 2013 im Internet Archive).</ref>
Gruppen
Seit Ende 2011 war es möglich, einzelne Fotos einer oder mehreren Gruppen zuzuordnen. Hierbei handelte es sich um Vereinigungen verschiedener Interessen, Fototechniken oder auch Gegenden oder Länder. Fotografen nutzten die Funktion gern, um neuen Fotos schnell zu vielen Klicks zu verhelfen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Welcome to Panoramio Groups! ( vom 1. November 2016 im Internet Archive)</ref>
Georeferenzierung und Geoinformationssysteme
Die Georeferenzierung konnte manuell durch den Nutzer oder durch das Hochladen von vorab geokodierten Bildern erfolgen. Zur manuellen Georeferenzierung stand Kartenmaterial der Mutterfirma zur Verfügung; alternativ konnten schon bekannte Koordinaten eingegeben werden. Panoramio riet, den Standort des Fotografen und nicht den Ort des Fotomotivs zu kodieren. Der Anbieter räumte anderen Nutzern die Möglichkeit ein, Positionsänderungen für fehlplatzierte Bilder vorzuschlagen. Dies konnte nur einmal innerhalb des Lebenszyklus eines Bildes erfolgen. Später erkannte das System manchmal selbst Fehlplatzierungen und schlug eine passende Position vor, welche vom Benutzer noch bestätigt werden musste.
Panoramio gab an, die hochgeladenen Bilder zu prüfen und nur Bilder, die Orte, Landschaften oder Ähnliches zeigen, an Googles Geoinformationssysteme weiterzureichen. Bilder, die vornehmlich Menschen, Autos, Innen- oder Makroaufnahmen darstellen, sollten nicht in die Geoinformationssysteme aufgenommen werden; sie konnten jedoch auf der persönlichen Seite des Nutzers verbleiben. Nach Überprüfung wurden die Bilder entsprechend gekennzeichnet (z. B. Dieses Foto wurde für Google Earth ausgewählt).
Nur Fotos, die mit Geodaten versehen sind, konnten für Google Maps, Google Earth oder Look Around ausgewählt werden.
Weitere Funktionen
Neben der Geoinformation waren auch weitere Metadaten der Bilder einsehbar (z. B. Exif-Daten). Hochgeladene Bilder konnten mit Hilfe von Schlagwörtern (Tags) sortiert werden.
Kartenausschnitte neben den Einzelbildern boten die Möglichkeit, Bilder in der Nähe der ursprünglichen Aufnahme zu finden. Für vielfach fotografierte Orte stand eine Funktion zur Verfügung, mit der man Bilder aus verschiedenen Perspektiven oder Standorten betrachten konnte (look around).
Von 2009 bis 2012 stellte Panoramio eine iPhone-App bereit, mit der das Hochladen von Bildern von dem Smartphone möglich war.<ref>Fernando Delgado, in Panoramio-Blog, 20. Oktober 2009: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Upload photos to Panoramio straight from your iPhone! ( vom 27. Oktober 2009 im Internet Archive).</ref><ref>Chris Crum: „Google Shuts Down Panoramio iPhone App“</ref>
Lizenzen und Zugriffskontrolle
Panoramio gab an, dass die Bilder im Eigentum des Fotografen blieben, und bot den Nutzern verschiedene Lizenzen zur Auswahl (Vorbehalt aller Rechte oder gestaffelte Freigaben zur nicht-kommerziellen und kommerziellen Nutzung).
In den für Deutschland geltenden Nutzungsbedingungen räumte sich Google nur „die notwendigen, nicht-ausschließlichen und weltweiten, zeitlich unbegrenzten Rechte ein, diese Inhalte ausschließlich zum Zweck der Erbringung des jeweiligen Dienstes und lediglich in dem dafür nötigen Umfang zu nutzen.“ Diese Rechte endeten zu dem Zeitpunkt, zu dem der Nutzer ein Bild aus Panoramio entfernte.<ref>Google Inc., Nutzungsbedingungen kurz vor Einstellung von Panoramio (gültig seit 11. November 2013): <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Google Nutzungsbedingungen Deutschland ( vom 18. Oktober 2016 im Internet Archive).</ref> Andere deutschsprachige Nutzungsbedingungen räumten Google dagegen deutlich weitreichendere und unwiderrufliche Rechte an den Bildern ein.<ref>Google Inc., Nutzungsbedingungen kurz vor Einstellung von Panoramio (alle gültig seit 30. April 2014):
- Österreich: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Google Nutzungsbedingungen Österreich ( vom 17. Oktober 2016 im Internet Archive)
- Schweiz: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Google Nutzungsbedingungen Schweiz ( vom 29. Oktober 2016 im Internet Archive)
- Belgien: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Google Nutzungsbedingungen Belgien ( vom 17. Oktober 2016 im Internet Archive)</ref>
Forum
Panoramio stellte den Benutzern ein Forum in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Dort konnten sich Benutzer austauschen; insbesondere neue Benutzer fanden für aufkommende Fragen dort eine Anlaufstelle. Im englischsprachigen Forenbereich konnten Benutzer ihre Bilder nach Themen unterteilt anderen Forenmitgliedern vorstellen. Lesezugriff auf das Forum war für jeden frei; um Schreibberechtigung zu erlangen, war eine Anmeldung erforderlich. Zahlreiche Moderatoren achteten auf Einhaltung der Forenregeln.
Einzelnachweise
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Weblinks
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panoramio (letzte Momentaufnahme des Internet Archive) ( vom 3. November 2016 im Internet Archive)