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Wimper-Perlgras

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Wimper-Perlgras
Datei:Melica ciliata 010707.jpg

Wimper-Perlgras (Melica ciliata)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Perlgräser (Melica)
Art: Wimper-Perlgras
Wissenschaftlicher Name
Melica ciliata
L.

Das Wimper-Perlgras (Melica ciliata) ist eine Art aus der Gattung der Perlgräser (Melica) in der Familie der Süßgras (Poaceae), das bevorzugt an wärmebegünstigten Orten wächst. Es kennzeichnet trockene Heiden und vor allem die Steppen des südosteuropäischen Raumes. Ein auffälliges Merkmal dieses Grases sind die zur Blütezeit deutlich sichtbar aus den Ährchen heraushängenden Wimpern der Deckspelzen. Aufgrund seiner attraktiven Blütenstände wird dieses Gras häufig in Gärten kultiviert.

Beschreibung

Datei:Melica ciliata.jpg
Blütenstand
Datei:Melica ciliata subsp. ciliata sl11.jpg
Stängel mit Laubblatt und Blatthäutchen. Die Blattscheiden der Grundblätter sind kahl.
Datei:Melica ciliata subsp. ciliata sl17.jpg
Der Blütenstand ist eine „Ährenrispe“: die Ährchen sitzen an verzweigten Stielen.
Datei:Melica ciliata subsp. ciliata sl19.jpg
Ährchen mit Hüllspelzen (Glu) und fertiler Blüte mit Deck- (Lem) und Vorspelze (Pal). Die Deckspelze ist dicht seidig behaart.

Vegetative Merkmale

Das Wimper-Perlgras ist eine ausdauernde und sommergrüne Pflanze, die dichte und reich beblätterte Horste bildet. Der Hemikryptophyt erreicht Wuchshöhen zwischen 30 und 60 Zentimetern. Die oberwärts unter den Blütenständen rauen Halme wachsen steif aufrecht. Die Laubblätter sind graugrün. Die starren Blattspreiten werden bis zu 25 Zentimeter lang und zwischen 3 und 4 Millimeter breit. Sie sind meist flach ausgebreitet, bei Trockenheit oft borstlich eingerollt. Die Blattscheiden sind kahl und tragen keine Öhrchen. Die Blatthäutchen messen zwischen 2 und 3 Millimeter Länge. Sie sind stumpf und meist zerschlitzt.

Generative Merkmale

Der Blütenstand ist eine aufrechte und undeutlich einseitswendige Ährenrispe. Die an der Blütenachse anliegenden oder etwas abspreizenden Rispenäste sind kurz. Die 6 bis 7 Millimeter langen Ährchen sind zweiblütig. Eines von diesen ist meist steril und verkümmert zu einem kolbenförmigen Rest. Die nach der Blüte weißlichen Hüllspelzen sind etwa gleich lang, rau und unbegrannt. Die ebenfalls zur Fruchtzeit weißlichen, sieben- bis neunnervigen Deckspelzen der unfruchtbaren Blüten sind kahl. Jene der fruchtbaren Blüten sind dagegen lang zottig bewimpert, worauf sowohl der wissenschaftliche als auch der deutsche Name Bezug nehmen. Die Wimpern hängen zur Blütezeit aus den Ährchen heraus. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis Juli.

Für alle Unterarten wurde die Chromosomenzahl 2n = 18 nachgewiesen.<ref name="Hempel" />

Ökologie

Das Wimper-Perlgras ist ein Hemikryptophyt. Durch die langhaarigen Deckspelzen werden die Scheinfrüchte als Schirmchenflieger ausgebreitet.<ref name="Düll" />

Verbreitung und Standort

Das Wimper-Perlgras ist in ganz Europa mit Ausnahme des Nordens mit Schwerpunkten in Wärmegebieten und in Nordafrika verbreitet. Sein Areal reicht im Osten über die Türkei und den Kaukasus bis nach Kasachstan und sogar bis ins nordwestliche China, wo es vor allem in den Steppen beheimatet ist. Außerdem kommt es vom Mittelmeerraum bis zum Iran und auf Madeira vor.<ref name="WCSP" /> In Mitteleuropa erreicht es seine Nordwestgrenze im Rheintal. In Deutschland ist es recht selten. Es besiedelt offene, lückige und immer sehr sonnige Steinschutt- und Felsfluren auf trockenen, basenreichen und meist kalkhaltigen Böden an Hängen und in Trockenrasen. Sie steigt im Kanton Wallis bis 1600 Meter Meereshöhe auf.<ref name="Conert1992" />

Nach Ellenberg ist es eine Lichtpflanze, ein Wärmezeiger, subozeanisch verbreitet, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger und eine Verbandscharakterart der Bleichschwingel-Felsbandfluren (Festucion pallentis).<ref name="Ellenberg" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+w (trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik

Das Wimper-Perlgras wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Tomus 1, S. 66 erstveröffentlicht.<ref name="SpPl" /> Synonyme sind Melica nebrodensis <templatestyles src="Person/styles.css" />Parl., Melica ciliata subsp. nebrodensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Parl.) Husn. und Melica ciliata var. nebrodensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Parl.) Coss. & Durieu.<ref name="Euro+Med" />

Datei:Melica ciliata subsp. ciliata sl21.jpg
Melica ciliata subsp. ciliata bei Wien

Es wird in vier Unterarten gegliedert, die sich ihrerseits weiter in Varietäten gliedern lassen:<ref name="Hempel" />

  • Melica ciliata subsp. ciliata: Der Halm hängt im Fruchtzustand leicht über. Die Ährenrispe ist unverzweigt. Die untere Hüllspelze ist deutlich kürzer als die untere Deckspelze, welche wie beide Hüllspelzen im Nervenraum kräftig violett sind oder voll vergilben. Diese südosteuropäische Unterart reicht von Mähren und Österreich (Steiermark, Kärnten, Niederösterreich, Burgenland) bis Makedonien und Bulgarien, Moldawien und in die westliche Ukraine. Reliktische Vorkommen gibt es außerdem an der Ostseeküste Südschwedens, Südfinnlands und Estlands, in der Schweiz (Kantone St. Gallen, Graubünden und Glarus), in Norditalien und im Loire-Tal. Sie fehlt in Deutschland.<ref name="Hempel" />
  • Melica ciliata subsp. glauca <templatestyles src="Person/styles.css" />(F.W. Schultz) Richter: Der Halm hängt im Fruchtzustand nicht bis kaum über. Die Ährenrispe ist unverzweigt. Die untere Hüllspelze ist etwa so lang wie die untere Deckspelze, welche wie beide Hüllspelzen im Nervenraum nur schwach oder gar nicht violett sind. Diese Unterart reicht in Mitteleuropa von Zentralfrankreich bis Thüringen; im Mittelmeergebiet ist sie auf die Gebirge bis in eine Höhe von 1700 m beschränkt. Sie ist in Deutschland und der Schweiz die verbreitete Sippe, in Österreich kommt sie in Vorarlberg, Tirol und Salzburg vor.<ref name="Hempel" />
  • Melica ciliata subsp. magnolii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Gren. & Godr.) Richter: Der Halm ist steif aufrecht. Die Ährenrispe ist bis 25 cm lang, mit bis über 100 Ährchen und meist verzweigt. Die untere Hüllspelze ist etwa so lang wie die untere Deckspelze, welche wie beide Hüllspelzen im Nervenraum nur schwach violett sind. Diese Unterart ist im westlichen Mittelmeergebiet und in der Ägäisregion verbreitet und reicht an der Atlantikküste bis zur Loiremündung.<ref name="Hempel" />
  • Melica ciliata subsp. taurica <templatestyles src="Person/styles.css" />(K.Koch) Tzvelev: Die Ährchen sind mit bis 6 mm Länge deutlich kürzer als bei den anderen Unterarten. Der Halm hängt im Fruchtzustand etwas über. Die untere Hüllspelze ist deutlich kürzer als die untere Deckspelze, welche wie beide Hüllspelzen im Nervenraum violett sind oder voll vergilben. Diese Unterart kommt auf der südlichen Balkanhalbinsel, im Schwarzmeerraum, in der Türkei, in Kaukasien bis zum Iran in Tieflagen vor.<ref name="Hempel" />

Nicht mehr als Unterart, sondern als eigene Art wird angesehen:

  • Melica ciliata subsp. transilvanica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Schur) Celak. => Melica transsilvanica <templatestyles src="Person/styles.css" />Schur.

Verwendung

Das Wimper-Perlgras kann in Heidegärten als Ziergras verwendet werden.

Literatur

  • Jürke Grau, Bruno P. Kremer, Bodo M. Möseler, Gerhard Rambold, Dagmar Triebel: Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsengewächse und grasähnliche Familien Europas (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe Auflage. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10702-9.
  • Siegfried Schlosser, Lutz Reichhoff, Peter Hanelt: Wildpflanzen Mitteleuropas. Nutzung und Schutz. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1991, ISBN 3-331-00301-8.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Ellenberg"></ref> <ref name="Düll"></ref> <ref name="SpPl">Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 66, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D1%26issue%3D%26spage%3D66%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D</ref> <ref name="Hempel">Werner Hempel: Revision und Phylogenie der Arten der Gattung Melica L. (Poaceae) in Eurasien und Nordafrika. In: Feddes Repertorium. Band 122, Nr. 1–2, S. 1–253, DOI:10.1002/fedr.201100029</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="Conert1992">Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, Seite 466–468. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1992, ISBN 3-489-52020-3.</ref> <ref name="InfoFlora"> Melica ciliata L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Euro+Med"> B.Valdés & H.Scholz; with contributions from E. von Raab-Straube & G.Parolly (2009+): Poaceae (pro parte majore). Datenblatt Melica ciliata In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Melica ciliata – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder: