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Gleimenhain

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Gleimenhain
Stadt Kirtorf
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(193)&title=Gleimenhain 50° 49′ N, 9° 7′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(193) 50° 49′ 26″ N, 9° 7′ 1″ O
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Höhe: 384 m ü. NHN
Fläche: 4,96 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 193<ref name="ST">Stadtteil Gleimenhain. In: Webauftritt. Stadt Kirtorf, abgerufen am 30. Juli 2025.</ref>
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36320
Vorwahl: 06692

Gleimenhain ist ein Stadtteil von Kirtorf im Norden des mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Ortsgeschichte

Mittelalter

Gleimenhain wurde als Gliminhain 1279 urkundlich erwähnt.<ref>Eckhardt G. Franz: Kloster Haina. Regesten und Urkunden Band 1–2. Marburg 1962–1970. Band 1. Nr. 682, S. 355.</ref> Zu dieser Zeit war der Ort fuldisches Lehen der Grafen von Ziegenhain. 1278 wurde der Ort von Graf Ludwig II. an das Kloster Haina verschenkt (Beleg fehlt).

Die ältesten bekannten Erwähnungen betreffen die ortsadligen Ritter von „Glimenhagen“: Der Ritter Ditmar (Thetmarius) bezeugte am 13. Juni 1262 die Übertragung des Patronatsrechts der „in superiori Grincenbach“ an die Kirche in Cappel.<ref>Eduard Erwin Becker: Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Band 2, Regest, Nr. 3.</ref> Im gleichen Jahr bezeugte der selbige Ritter Ditmar am 24. September, dass eine Leibeigene durch Graf Ludwig II. von Ziegenhain verkauft wurde.<ref>Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Band 1. Leipzig 1879–1899. Nr. 187, S. 144. StAM, Urk. 37, 227.</ref>

1293 wurde ein Vertreter der Herren von Gleimenhain, genannt von dem Forste, mit einem Burgsitz erwähnt: „Ludewicus de Glimenhain“.

Die Familie war eine Bruderlinie der Herren von Wahlen. Bei dem Burgsitz handelte es sich möglicherweise um die Nellenburg, die zwischen Gleimenhain und Neustadt/Hessen liegt, die auch von den Herren von Wahlen als „unser eygin Hus“, die Nellenburg, bezeichnet wurde. 1345 wurde ein „Dytmar fon Glyminhen der alde“, ebenfalls dem Ortsadel zugehörig, urkundlich erfasst.<ref>Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 2. Nr. 789, S. 542.</ref> „Rusticos in Glimenhan“ (Bauern in Gleimenhain) sind 1297 schriftlich nachgewiesen.<ref>Valentin Ferdinand Gudenus: Codex diplomaticus 1–5. Göttingen, Ffm, Leipzig 1743–1768. Band 1. S. 987.</ref>

Der Ortsname wird auf den Personennamen Glimo zurückgeführt.<ref>Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 138.</ref>

Das Dorf wurde im Spätmittelalter zur Wüstung. 1461 erwarb der spätere hessische Hofmeister Hans von Dörnberg die Wüstung und baute sie wieder auf, allerdings an einem neuen, dem heutigen Standort. Über die Gebrüder Steuber, die Gleimenhain klageweise von den Dörnberg erkämpften, kam der Ort über die Familie von Weiters im Wege der Lehnsauftragung an den hessischen Landgrafen, der ihn aber nicht dem Eußergericht unterstellte, sondern zu dem ihm allein gehörenden Kirtorfer Stadtgericht zog. Von da an ging Gleimenhain den gleichen Weg wie die anderen Dörfer der Gegend.<ref name="ST" />

Neuzeit

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Gleimenhain:

„Gleimenhain (L. Bez. Kirtorf) evangel. Filialdorf; liegt 112 St. von Kirtorf, hat 39 Häuser und 242 evangelische Einwohner, so wie 1 Mühle. Gleimenhain – (Glimenhan) gehörte zur Kirche in Neustadt, ein Churhessischer Ort, und wurde 1278 von dem Grafen Ludwig von Ziegenhain, der von Fuld damit belehnt war, an das Kloster Haina geschenkt. Zwischen Gleimenhain und dem Schmitthof lag Folkershain.“<ref name="GW">Vorlage:BibOCLC</ref>

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Gleimenhain im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Kirtorf eingegliedert.<ref>Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Alsfeld und Lauterbach (GVBl. II 330-12) vom 1. August 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 215, § 1 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,2 MB]).</ref><ref></ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Gleimenhain angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Gerichtszugehörigkeit seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Gleimenhain das „Amt Romrod“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übertragen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg an der Ohm, das für Gleimenhain zuständig war.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Homberg an der Ohm“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<ref>Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 17,8 MB]).</ref> Am 15. Juni 1943 wurde das Gericht zur Zweigstelle des Amtsgerichtes Alsfeld,<ref>Rundverfügung des Reichsministers der Justiz vom 20. Mai 1943 — 3200/7 — Ia9 995 — Betrifft: Vereinfachung der Gerichtsorganisation.</ref> aber bereits wieder mit Wirkung vom 1. Juni 1948 in ein Vollgericht umgewandelt.<ref>Erlass des Hessischen Ministers der Justiz vom 24. Mai 1948 — 3210/1 — Ia 1961 — Betrifft: Umwandlung des Zweigstellen-Amtsgerichts Homberg (Oberhessen). (Gesetz über Maßnahmen auf dem Gebiete der Gerichtsorganisation und Gerichtsverfassung vom 17. November 1953. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1953 Nr. 30, S. 189–191, Anlagen 1. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 1,3 MB]).)</ref> Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Homberg und Gleimenhain wurde dem Bereich des Amtsgerichts Kirchhain zugeteilt.<ref>Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 2 B) und Artikel 2, Abs. ( C) (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 298 kB]).</ref>

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gleimenhain 165 Einwohner. Darunter waren 4 (2,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 15 Einwohner unter 18 Jahren, 75 zwischen 18 und 49, 45 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 66 Haushalten. Davon waren 21 Singlehaushalte, 15 Paare ohne Kinder und 27 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 12 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 15 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung

• 1791: 176 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD" />
• 1800: 182 Einwohner<ref name="Adr-LG-HD-1800" />
• 1806: 199 Einwohner, 32 Häuser<ref name="Adr-LG-HD-1806" />
• 1829: 242 Einwohner, 39 Häuser<ref name="GW" />
• 1867: 228 Einwohner, 38 Häuser<ref name="WP">Vorlage:BibOCLC</ref>
Gleimenhain: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
176
1800
  
182
1806
  
199
1829
  
242
1834
  
232
1840
  
242
1846
  
246
1852
  
228
1858
  
209
1864
  
217
1871
  
208
1875
  
210
1885
  
197
1895
  
213
1905
  
204
1910
  
194
1925
  
197
1939
  
187
1946
  
248
1950
  
285
1956
  
221
1961
  
200
1967
  
180
1970
  
156
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
165
2015
  
171
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; Stadt Kirdorf: Stadtteile im Webarchiv; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />

Historische Religionszugehörigkeit

• 1829: 242 evangelische (= 100 %) Einwohner<ref name="GW" />
• 1961: 193 evangelische (= 96,50 %), 7 katholische (= 3,50 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Ortsbeirat

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Datei:Kirtorf-Gleimenhain, ev. Kirche 02.JPG
Evangelische Kirche in Gleimenhain

Bauwerke

Sehenswert sind hier unter anderem:

  • Die Mühlen im Otterbachtal
  • Die Nellenburg in der Feldgemarkung zwischen Neustadt und Gleimenhain
  • Die heute barocke Dorfkirche die auf romanischen Grundmauern errichtet wurde mit einem gotischen Chor aus dem 13. Jahrhundert

Siehe auch

Infrastruktur

Sonstiges

Am 29. November 2007 wurde Gleimenhain in der Hessenschau des hr-fernsehens als Dolles Dorf gezogen. Der Beitrag wurde am 1. Dezember 2007 im hr ausgestrahlt. Am 6. Juni 2008 trat Gleimenhain auf dem Hessentag in Homberg (Efze) im Finale gegen vier weitere Dörfer an und belegte zusammen mit Todenhausen den vierten Platz.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="Adr-LG-HD"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 181 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1800"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 191 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="Adr-LG-HD-1806"> Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 232 (Vorlage:HathiTrust Buch). </ref> <ref name="lagis"> Gleimenhain, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 21. Februar 2023). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. – Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 422 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="PR"> Vorlage:BibOCLC </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 143 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,0 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 38 und 87, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;. </ref> </references>

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