Zum Inhalt springen

Gelnhaar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 7. Februar 2026 um 14:47 Uhr durch imported>Wivoelke (Ref. fix).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Gelnhaar
Stadt Ortenberg
Das Ortswappen bitte nur als Dateipfad angeben!
Koordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(981)&title=Gelnhaar 50° 22′ N, 9° 9′ OKoordinaten: Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city(981) 50° 21′ 48″ N, 9° 8′ 50″ O
 {{#coordinates:50,3634572|9,1473588|primary
dim=10000 globe= name=Gelnhaar region=DE-Vorlage:Deutsches Bundesland/Code type=city
  }}
Höhe: 296 m ü. NHN
Fläche: 6 km²<ref name="lagis" />
Einwohner: 981 (2022)<ref name="EW2022">Wetteraukreis: Bevölkerung: Einwohner/-innen nach Ortschaften. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. August 2023; abgerufen im Mai 2024.</ref>
Bevölkerungsdichte: 164 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 63683
Vorwahl: 06049

Gelnhaar ist ein Stadtteil von Ortenberg im südhessischen Wetteraukreis.

Geografische Lage

Gelnhaar liegt auf einer Höhe von 295 m über NN, 11,5 km südöstlich von Nidda und 6,5 km östlich des Zentrums von Ortenberg im Tal des Bleichenbachs am Fuße des Vogelsbergs. Nachbarorte sind Hirzenhain, Wenings, Bindsachsen, Bergheim und Usenborn. Die Gemarkung hat eine Fläche von etwa 4 km².<ref name="ortenberg.net"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Homepage der Gemeinde Ortenberg: Allgemeine Angaben über Ortenberg (Memento des Vorlage:IconExternal vom 16. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ortenberg.net</ref>

Geschichte

Mittelalter

Die älteste erhaltene Erwähnung von Gelnhaar befindet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1187 als Geldenhore, die Graf Berthold II. von Nidda zugunsten der Johanniterkommende ausgestellt hat.<ref>Karl Christian Eigenbrodt, Urkunden. in: AHG 2, Darmstadt 1841, S. 117–139, Nr. 32.</ref>

Eine Besiedlung lässt sich aber schon 500 Jahre vorher nachweisen. Gelnhaar gehörte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zum Amt Ortenberg, einem Kondominat, das von drei Landesherren aus dem Kreis der Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins gebildet wurde. Zu den Einzelheiten siehe: hier.

Teilung

1601 kam es zu einer Realteilung des Kondominats. Dabei wurde das Dorf Gelnhaar geteilt, der Bleichenbach, der das Dorf durchfließt, wurde zur Grenze. Die Hälfte des Dorfes auf der rechten Bachseite gehörte nun zum Amt Ortenberg und der Grafschaft Hanau-Münzenberg, ab 1642: Grafschaft Hanau. Die Hälfte auf der linken Bachseite gehörte zum Gericht Floßbach-Wenings und der Grafschaft Isenburg. Diese Teilung spiegelt sich heute im Ortswappen wider, das 2002 geschaffen wurde. Im Dreißigjährigen Krieg fiel das Dorf vorübergehend wüst. Das ausgestorbene Dorf wurde erst langsam wieder besiedelt.

1662 kam es im Hanauer Amt Ortenberg zu einer massiven Hexenverfolgung. Eine zentrale Rolle bei der Verfolgung der „Hexen“ spielte wahrscheinlich der Hanauer Amtmann Ludwig Geis.<ref>Gbiorczyk: Zauberglaube, S. 286f.</ref> Auch zwei Frauen aus Gelnhaar, wurden als Hexen hingerichtet und mit dem Schwert geköpft.<ref>Gbiorczyk: Zauberglaube, S. 288.</ref>

Die evangelische Pfarrkirche St. Michaelis stammt aus der Regierungszeit des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. 1728/29. Sie wurde wie eine Anzahl anderer Kirchen in der Grafschaft in dieser Zeit als lutherische Kirche errichtet. Baumeister war vermutlich Christian Ludwig Hermann.<ref>Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler – Hessen II. Regierungsbezirk Darmstadt. (Bearb.: Folkhard Cremer u. a.), 3. Aufl., München 2008, S. 349.
Caroline Grottker: Lutherische Kirchen in der Grafschaft Hanau-Münzenberg unter Graf Johann Reinhard III. (1712–1736) (unveröffentlichte Magisterarbeit am Fachbereich Philologie und Kunstwissenschaften der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main). Frankfurt 1984, S. 52–56</ref>

Die Hanauer Hälfte des Dorfes fiel zusammen mit der Grafschaft Hanau beim Tod des letzten Hanauer Grafen 1736 aufgrund eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel.

Der in Offenbach residierende Fürst Wolfgang Ernst II. von Isenburg-Birstein, dem die Hälfte auf der linken Bachseite gehörte, wollte diesen Teil gegen das zu Hanau gehörende Dorf und Gebiet von Fechenheim in sein Fürstentum einverleiben. 1801 reiste deshalb der spätere Isenburger Chef-Minister Wolfgang Christian von Goldner mit Erbprinz Carl Friedrich nach Paris zu Verhandlungen mit Napoleon über den beabsichtigten Gebietstausch: Isenburg wollte seinen Anteil, die linke Bachseite des Dorfes Gelnhaar gegen das auf der rechten Mainseite – Offenbach direkt gegenüberliegende – Fechenheim tauschen. Die diplomatische Mission hatte jedoch keinen Erfolg.

Das Hanauer, später hessische „Amt Ortenberg“ bildete ab 1810 einen Teil des großherzoglich-hessischen Amtes Ortenberg. 1816 fiel auch der Isenburger Anteil auf Grund eines Territorial-Ausgleichsvertrags<ref>Convention Territorial entre le Grand Duc de Hesse et Electeur de Hesse. – Signèe à Francfort sur Mein, le 29 Juin, 1816. British and Foreign State Papers 1815–1816, Band 3, Compiled by the Librarian and Keeper of the Papers, Foreign Office, James Ridgway and Sons, Piccadilly, London 1838, S. 812–819; (größtenteils in deutscher Sprache) books.google.de; auch abgedruckt in Grindaha 26, Geschichtsverein Gründau e. V., Gründau 2016 ISSN 2194-8631 S. 4–12 mit Anmerkung von Norbert Breunig</ref> mit dem Kurfürstentum Hessen an das Großherzogtum.

Neuzeit

Die wirtschaftliche Not in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ viele Bewohner an die Wolga, nach Ungarn, Brasilien und Nordamerika auswandern. Viele gingen auch in die aufstrebenden Industriemetropolen im Ruhrgebiet und in das Rhein-Main-Gebiet.

1821 bildete das Großherzogtum den Landratsbezirk Nidda, in den auch alle Teile des ehemaligen Amtes Ortenberg verschmolzen wurden und der ab 1832 Kreis Nidda hieß. Mit der Revolution von 1848 wurde kurzzeitig der Regierungsbezirk Nidda gebildet, 1852 aber der Kreis Nidda wiederbelebt. Erst 1868 wurde Gelnhaar auch formal wieder vereinigt, nachdem in den Vorjahren schon die schulische und kirchliche Zusammenlegung erfolgt war. 1874 kamen die Gebiete des ehemaligen Amtes Ortenberg zum Landkreis Büdingen, der mit der Gebietsreform in Hessen 1972 im Wetteraukreis aufging.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Die bis dahin selbständige Gemeinde Gelnhaar wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum 1. April 1972 auf freiwilliger Basis als Stadtteil in die 1971 erweiterte Stadt Ortenberg eingemeindet.<ref></ref> Für Gelnhaar wurde, wie für die übrigen Stadtteile von Ortenberg, ein Ortsbezirk gebildet.<ref name="HS">Hauptsatzung. (PDF; 119 kB) § 5. In: Webauftritt. Stadt Ortenberg, abgerufen im Dezember 2020.</ref>

Verwaltungsgeschichte im Überblick

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,<ref group="Anm.">Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.</ref> denen Gelnhaar angehört(e):<ref name="lagis" /><ref>Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref><ref>Vorlage:BibOCLC</ref>

Links des Bleichenbachs
Rechts des Bleichenbachs
Gesamter Ort

Bevölkerung

Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gelnhaar 978 Einwohner. Darunter waren 21 (2,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 138 Einwohner unter 18 Jahren, 417 zwischen 18 und 49, 243 zwischen 50 und 64 und 180 Einwohner waren älter.<ref name="Z2011E" /> Die Einwohner lebten in 405 Haushalten. Davon waren 105 Singlehaushalte, 132 Paare ohne Kinder und 126 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 78 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 264 Haushaltungen lebten keine Senioren.<ref name="Z2011E" />

Einwohnerentwicklung
Gelnhaar: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2022
Jahr  Einwohner
1834
  
791
1840
  
815
1846
  
854
1852
  
847
1858
  
856
1864
  
593
1871
  
557
1875
  
559
1885
  
548
1895
  
581
1905
  
513
1910
  
586
1925
  
666
1939
  
703
1946
  
941
1950
  
904
1956
  
849
1961
  
862
1967
  
938
1970
  
972
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2008
  
1.040
2010
  
1.036
2011
  
978
2014
  
1.045
2018
  
1.054
2022
  
981
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: <ref name="lagis" />; Stadt Ortenberg:<ref name="EW14" /><ref name="DF" />; Zensus 2011<ref name="Z2011E" />; 2022<ref name="EW2022" />
Historische Religionszugehörigkeit
• 1961: 763 evangelische (= 88,52 %), 96 katholische (= 11,14 %) Einwohner<ref name="lagis" />

Politik

Für Gelnhaar besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Gelnhaar) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.<ref name="HS" /> Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 50,66 %. Alle Kandidaten gehörten der „Bürgerliste Gelnhaar“ an.<ref>Ortsbeiratswahl Gelnhaar. In: Votemanager. Stadt Ortenberg, abgerufen im Mai 2024.</ref> Der Ortsbeirat wählte Martin Hansche zum Ortsvorsteher.<ref>Ortsbeirat Gelnhaar. In: Ratsinfosystem. Stadt Ortenberg, abgerufen im Mai 2024.</ref>

Kulturdenkmäler

Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Gelnhaar

Wirtschaft und Infrastruktur

Öffentliche Einrichtungen

Verkehr

Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3183 und 3184. Die Buslinie FB-20 des Rhein-Main-Verkehrsverbundes verbindet den Bahnhof Glauburg-Stockheim über Gelnhaar mit Wenings.

Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten

  • Katharina (genannt Craingen) Gumpel, die Tochter eines Schäferehepaares in Gelnhaar heiratete am 16. November 1554 Graf Anton von Isenburg-Büdingen zu Ronneburg. Er hatte sie zuvor mit einer üppigen Morgengabe in Wächtersbach ausgestattet<ref>Jürgen Ackermann: „Graf Anton zu Ysenburg-Kelsterbach Mißheurath hat seiner Gräflichen Familie vilen Unlust verursachet“, Samml. Gesch. Wächtersbach, 41. L. Januar 2003, Nr. 265, ISSN 0931-2641, S. 6</ref>. Aus dieser Verbindung gingen vier Kinder hervor. Drei von ihnen erreichten das Erwachsenenalter<ref>Jürgen Ackermann: „Graf Anton zu Ysenburg-Kelsterbach Mißheurath hat seiner Gräflichen Familie vilen Unlust verursachet“, Samml. Gesch. Wächtersbach, 41. L. Januar 2003, Nr. 265, ISSN 0931-2641, S. 7–11</ref>.
  • Sandra Minnert (* 1973), Fußballerin und Nationalspielerin
  • Karlhans Frank (1937–2007), Schriftsteller
  • Fred Kromm (* 1953), ehemaliger Fußball-Profi

Literatur

  • Jürgen Ackermann: „Graf Anton zu Ysenburg-Kelsterbach Mißheurath hat seiner Gräflichen Familie vilen Unlust verursachet“, Samml. Gesch. Wächtersbach, 41. L. Januar 2003, Nr. 265, ISSN 0931-2641
  • Siegfried R.C.T. Enders: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Abteilung: Baudenkmale in Hessen. Wetteraukreis I. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1982, ISBN 3-528-06231-2, S. 401.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehemaligen Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 95.
  • Vorlage:HessBib

Weblinks

Commons: Gelnhaar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

Anmerkungen <references group="Anm." />

Einzelnachweise <references> <ref name="lagis"> Gelnhaar, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). </ref> <ref name="NLVK"> Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 421, 422 (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="STH-Oberhessen"> Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 181 ff. (online bei Google BooksSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). </ref> <ref name="RB1937"> Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler (Hrsg.): Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Vorlage:HessAmtsBL/LinkText [PDF; 11,2 MB]). </ref> <ref name="EW14">Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Stadt Ortenberg, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2019; abgerufen im Dezember 2020. </ref> <ref name="DF">Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Stadt Ortenberg, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. April 2020; abgerufen im Dezember 2020. </ref> <ref name="Z2011E">Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 54 und 108, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. Juli 2021;. </ref> </references>

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende Vorlage:Hinweisbaustein