Zum Inhalt springen

Ludwig Levy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 24. Oktober 2025 um 20:49 Uhr durch imported>08Linus (BKL ersetzt mit bkl-replace).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Schulz & Suck - Ludwig Levy (1886).tiff
Ludwig Levy (1886)
Datei:Schulz & Suck - Ludwig Levy und Max Hummel (1881).tiff
Ludwig Levy (rechts) und sein Kollege Max Hummel (1855–1910)

Ludwig Levy (* 18. April 1854 in Landau in der Pfalz; † 30. November 1907 zwischen Emmendingen und Offenburg) war ein deutscher Architekt und Hochschullehrer.

Leben

Ludwig Levy wurde als sechstes Kind des jüdischen Textilhändlers Jonas Levy und dessen Ehefrau Barbara, geborene Machhol, geboren. Die Eltern führten ein Bekleidungsgeschäft in der Kronstraße 7 in Landau.<ref name="Range1987-118">Helmut Range, 1987, S. 118.</ref>

Nach seiner Schulzeit in Landau studierte er ab 1870 am Polytechnikum Karlsruhe Mathematik und Ingenieurwesen. In den Ferien arbeitete er jeweils in verschiedenen Bausektionen der pfälzischen Eisenbahnen mit. Sein älterer Bruder Heinrich war hier als Ingenieur beschäftigt. Nach diesen ersten Erfahrungen änderte Ludwig Levy sein Studienfach und begann, Architektur zu studieren.<ref name="Range1987-118" /> Levy übernahm nach beendetem Studium ab 1876 verschiedene Stellen bei Architekten, unter anderem bei Rudolf Opfermann.<ref>Ludwig Levy. Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde – pfalzgeschichte.de.</ref> in Mainz und Mylius & Bluntschli in Frankfurt.<ref name="Range1987-119">Helmut Range, 1987, S. 119.</ref><ref>Vor 150 Jahren: Ludwig Levy, ein bedeutender Architekt aus Landau, wird geboren, 10. Januar 2004.</ref> 1881 unternahm er eine Studienreise nach Italien. Im Frühjahr 1882 arbeitete er im Architekturbüro von Paul Wallot in Frankfurt und war dort beteiligt am Entwurf des Reichstagsgebäudes.<ref name="Klemenz2003">Martin Klemenz: Architekten und Baumeister – Kurzbiografien. In: Kulturamt der Stadt Kaiserslautern (Hrsg.): Schriften des Theodor-Zink-Museums. Schlote, Villen, Gartenlaube. Historismus und Gründerjahre in Kaiserslautern, Nr. 5. Kaiserslautern 2003, ISBN 3-936036-04-7, S. 60.</ref> Im August 1882 erhielt Ludwig Levy den Auftrag für den Bau der Synagoge in Kaiserslautern und eröffnete er dort sein eigenes Architekturbüro. 1886 wurde er als Lehrer an die Baugewerkschule Karlsruhe berufen (Antritt am 1. November 1886), wo er am 24. März 1888 zum Professor ernannt wurde. Er lehrte in den Bereichen Bauformen, Kostenberechnung und Bauordnung.<ref name="Klemenz2003" /> Ab 1902 war er Bautechnischer Referent im Ministerium des Innern. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er 1902 durch das Badische Innenministerium zum Baurat berufen.<ref>stille-zeitzeugen.de: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stille Zeitzeugen - Architekten (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)</ref>

Ludwig Levy war seit dem 8. Oktober 1890<ref name="Böcher1992">Otto Böcher, 1992, S. 34.</ref> mit Flora Levinger (* 7. August 1869 in Karlsruhe) verheiratet. Aus der Ehe gingen die Kinder Marie Babette (* 5. August 1891) und Erwin Walter, Bauingenieur, (* 18. Juni 1896 in Karlsruhe; † 18. Juli 1919 in Karlsruhe) hervor.<ref name="Böcher1992" />

Levy starb an einem plötzlichen Herzversagen, erst 53-jährig, am 30. November 1907 auf der Rückfahrt von einer Dienstreise von Freiburg zurück nach Karlsruhe. Sein Grab auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe ist beseitigt worden, vielleicht noch vor 1945.<ref name="Böcher1992" />

Seine Witwe Flora wurde am 22. August 1942 über Stuttgart nach Theresienstadt deportiert.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Laura Kienzler und Saskia Sachweh, 11. Klasse Marksgrafen-Gymnasium: Levy, Flora. In: Gedenkbuch Karlsruhe. Stadt Karlsruhe, Stadtarchiv & Historische Museen, August 2012, abgerufen am 9. März 2024.</ref> Dort starb sie am 23. April 1943 im Alter von 74 Jahren. Ihre beiden Kinder waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben,<ref>Gedenkbuch der Stadt Karlsruhe (voriger Beleg): Sie schrieb 1939 einmal, dass ihre beiden Kinder „an den Folgen des Ersten Weltkriegs verstorben seien“.</ref> Enkelkinder gab es keine. Das beschlagnahmte Wohnhaus von Ludwig Levy in Karlsruhe wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, sein Nachlass blieb bis heute verschollen.

Bauten

Levys Wirken konzentrierte sich vor allem auf Baden, die Pfalz, aber auch das Elsass, wo er vor allem Synagogen, Wohnhäuser, aber auch Vereinsheime plante.

Ludwig Levys Werk weist ihn als Stilpluralisten aus und damit als typischen Vertreter des Historismus. Er griff auf Formen des Orients, der Romanik, Gotik, der italienischen und deutschen Renaissance und des Barock zurück. Nur ganz vereinzelt ließ er bei Bauten nach 1900 auch florale Stilelemente des Jugendstils einfließen.<ref>Katja Förster: Ludwig Levy. In: Stadtlexikon Karlsruhe. Stadt Karlsruhe, 2014, abgerufen am 9. März 2024.</ref> Er trug damit dem Zeitgeschmack und den Vorstellungen seiner Auftraggeber Rechnung.<ref name="Böcher1992" />

Profanbauten

Sakralbauten

Synagogen
Kirchen

sowie

Bauaufgaben im privaten Bereich

Im Geburtsort Landau

  • ab 1884 neun Privathäuser an der Straße An 44, unter anderem: Villa Ufer, das Drillingshaus Nr. 23–27 für den Schwiegervater Michael Levinger, die Villa des Postexpeditors Carl Heilmann (abgerissen)
  • Häuser in der Badstraße 1 und 4
  • 1887 das Haus Schlossstraße 8 für die Weinhandlung Leon Levy Söhne
  • 1891–1892 Villa Mahla, Marienring 8, für den Rechtsanwalt Norbert Mahla
  • 1893: Villa Streccius, Südring 20, für den Notar Heinrich Streccius, heute Sitz des Kunstvereins Landau
  • 1899 Wohnhaus Ludowicistraße 11 für seinen Bruder Heinrich Levy

In seinem Wirkungsort Kaiserslautern und in der Pfalz

  • um 1885: Villa Ritter in Kaiserslautern
  • 1886: Villa Böhm in Neustadt an der Haardt (heute Neustadt an der Weinstraße)
  • 1889: Levy-Tor in Kirchheimbolanden:
    Das sogenannte Levy-Tor ist ein schmiedeeisernes Tor, das sich an der Nordwestecke des Schlossgartens befindet. Das zweiflügelige, neobarocke Tor ließ der damalige Besitzer des Schlosses, Friedrich Brunck, nach einem Entwurf Levys in der Frankfurter Werkstatt des Kunstschmieds Franz Brechenmacher herstellen. Es ist aufwändig gestaltet mit Blumen und Früchten sowie Ranken und von zwei Sandsteinpfeilern mit bekrönenden Vasen getragen. 2009 wurde das Tor restauriert und mit einem Schutzanstrich versehen.
  • 1890: Villa Lieberich-Merkel in Neustadt an der Haardt
  • 1890: Burckshof in Gimmeldingen<ref>Hiltrud Funk: Von der Ziegelhütte zur "behaglichen" Villa - zur frühen Baugeschichte des Burckshofs in Neustadt-Gimmeldingen. In: Pfälzer Heimat. Band 73, 2022, S. 53–64.</ref>

In seinem späteren Wohnort Karlsruhe

Literatur

  • Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Otto Böcher: Der Architekt Ludwig Levy (1853–1907). In: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins, Neue Folge. Band 77, 1992, S. 33–46, doi:10.22029/jlupub-3722.
  • Christine Kohl-Langer: Ein Architekt, der Landaus vornehmes Stadtbild prägte. Ludwig Levy vor 140 Jahren geboren. In: Pfälzer Tageblatt, Nr. 89, vom 18. April 1994.
  • Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Helmut Range: Ludwig Levy – ein bedeutender Architekt des Historismus in Südwestdeutschland. In: Fachbereich Architektur/Raum- und Umweltplanung/Bauingenieurwesen der Universität Kaiserslautern (Hrsg.): Festschrift Martin Graßnick aus Anlaß der Vollendung seines 70. Geburtstages. Kaiserslautern 1987, S. 117–128.
  • Jean Daltroff: La synagogue du quai Kléber de Strasbourg (1898–1941). I. D. L’Édition, Bernardswiller 2012, S. 15–31, 89 (französisch).
  • Bernd Gölz: Auf dem Augustenberg: Der Laborbau und sein Architekt. In: Manfred Koch (Hrsg.): Blick in die Geschichte, Karlsruher stadthistorische Beiträge 2008–2013. S. 290–292.

Weblinks

Commons: Ludwig Levy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein