Hannebachit
| Hannebachit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1983-056<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Hbc<ref name="Warr" /> |
| Chemische Formel |
|
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Oxide und Hydroxide – Sulfite, Selenite, Tellurite |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
IV/K.05-010<ref name="Lapis" /> 4.JE.10 34.02.05.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m |
| Raumgruppe | Pbna (Nr. 60, Stellung 5)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 6,47 Å; b = 9,78 Å; c = 10,65 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 8<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | ≈ 3,5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 2,52; berechnet: 2,54<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {110}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | farblos, an der Luft milchweiß anlaufend<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Strichfarbe | weiß<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Transparenz | durchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Glanz | Glasglanz<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,596<ref name="Mindat" /> nβ 1,600<ref name="Mindat" /> nγ 1,634<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,038<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig positiv |
| Achsenwinkel | 2V = 38° (gemessen); 40° (berechnet)<ref name="Mindat" /> |
Hannebachit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca2(SO3)2·H2O <ref name="Lapis" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Calciumsulfit. Als enge Verwandte der Oxide werden die Sulfite in dieselbe Klasse eingeordnet.
Hannebachit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt farblose bis weiße, dünntafelige Kristalle von ein bis zwei Millimetern Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Hannebachit im ehemaligen Steinbruch „Hannebacher Ley“ in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Spessart. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Gerhard Hentschel, Ekkehart Tillmanns (1941–2020)<ref name="Effenberger" /><ref name="UniWien" /> und W. Hofmeister, die das Mineral nach dessen Typlokalität benannten.
Hentschel, Tillmanns und Hofmeister sandten ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1983 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1983-056), die den Hannebachit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde 1985 im Fachmagazin Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte veröffentlicht. Die ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hannebachit lautet „Hbc“.<ref name="Warr" />
Das Typmaterial des Minerals wird im Naturhistorischen Museum in Mainz unter der Sammlungsnummer M1990/3093 (HT/CT) aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />
Klassifikation
Da der Hannebachit erst 1983 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der seit 1977 veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/K.05-010. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Sulfite, Selenite und Tellurite“, wo Hannebachit zusammen mit Albertiniit, Allochalkoselit, Burnsit, Chloromenit, Georgbokiit, Gravegliait, Ilinskit, Nicksobolevit, Orschallit, Parageorgbokiit, Prewittit und Sophiit die unbenannte Gruppe IV/K.05 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hannebachit in die erweiterte Abteilung der „Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite; Iodate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der konkreten Art der Verbindung, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung der „Sulfite“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 4.JE.10 bildet.
Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Hannebachit im Gegensatz zu den Strunz’schen Systematiken in die Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort in die Abteilung der „Selenite, Tellurite und Sulfite“ ein. Hier ist er zusammen mit Gravegliait in der unbenannten Gruppe 34.02.05 innerhalb der Unterabteilung „Selenite – Tellurite – Sulfite mit A2+XO3 × x(H2O)“ zu finden.
Kristallstruktur
Hannebachit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Pbna (Raumgruppen-Nr. 60, Stellung 5) mit den Gitterparametern a = 6,47 Å, b = 9,78 Å und c = 10,65 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Bildung und Fundorte
Hannebachit bildet sich in Hohlräumen von vulkanischen Melilith-Nephelin-Leucititen, wo er unter anderem vergesellschaftet mit Calcit, Aragonit, Gips, Baryt, Coelestin, Thaumasit, Chabasit, Phillipsit, Gismondin, Whewellit und Perowskit auftritt.
Als seltene Mineralbildung konnte Hannebachit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden. Weltweit sind bisher etwa 15 Vorkommen dokumentiert.<ref name="Fundorte" /> Außer an seiner Typlokalität im Hannebacher Ley in der Gemeinde Spessart (Brohltal) fand sich das Mineral in Rheinland-Pfalz noch am Vulkan Kalem bei Birresborn und im Steinbruch Stolz (auch Graulai oder Graulay) bei Hillesheim im Landkreis Vulkaneifel. Weitere bekannte Fundorte in Deutschland sind die Schlackenhalden „An der Seilbahn“ der „Hüstener Gewerkschaft“ bei Hüsten (Arnsberg), der Zinkhütte Birkengang (auch Zinkhütte Friedrich-Wilhelm) und der ehemaligen Concordiahütte (siehe auch Eschweiler Bergbau) bei Eschweiler und des Kupferhofs Binsfeldhammer in Nordrhein-Westfalen sowie die Absetzerhalde Lichtenberg und das ehemalige Bergwerk Paitzdorf nahe Ronneburg (Landkreis Greiz) in Thüringen.
In Österreich kennt man Hannebachit bisher nur von einer alten Schlackenfundstelle nahe Pfarrkirche Maria Waitschach und der Ortschaft Waitschach in Kärnten sowie vom Stradner Kogel bei Wilhelmsdorf (ehemalige Gemeinde Merkendorf) in der Steiermark. Der Stradner Kogel gilt zudem als bekannter Fundort für herausragende Hannebachitkristalle.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Frankreich, Kanada, Polen, Ungarn und Russland.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Hannebachit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Hannebachite. In: rruff.info. RRUFF Project (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Hannebachite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Hannebachite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- David Barthelmy: Hannebachite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 26. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Effenberger"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Hannebachit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 25. Oktober 2023. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 26. Oktober 2023 (NHM, Mainz = Naturhistorisches Museum Mainz). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – H. (PDF 217 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 26. Oktober 2023 (Falschschreibung des Museumskürzels NMM-Mainz). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Hannebachite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 25. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="UniWien"> News & Views: In memoriam Ekkehart Tillmanns (1941–2020). Universität Wien, 7. Januar 2021, abgerufen am 14. Mai 2025. </ref> <ref name="Warr"> </ref> </references>