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Lactit

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Strukturformel
Datei:Lactitol.svg
Allgemeines
Freiname Lactitol
Andere Namen
  • Lactobiosit
  • Lactositol
  • Laktit
  • (2S,3R,4R,5R)-4-[(2S,3R,4S,5R,6R)-3,4,5-Trihydroxy-6-hydroxymethyltetrahydropyran-2-yloxy]hexan-1,2,3,5,6-pentaol (IUPAC)
  • 4-O-β-D-Galactopyranosyl-D-glucitol (CAS, WHO)
  • Vorlage:E-Nummer
  • Vorlage:INCI
Summenformel C12H24O11
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 209-566-5
ECHA-InfoCard 100.008.698
PubChem 157355
ChemSpider 138481
DrugBank DB12942
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

A06AD12

Wirkstoffklasse

Laxantien

Wirkmechanismus

Osmotisch wirkendes Laxans

Eigenschaften
Molare Masse 344,31 g·mol−1
Schmelzpunkt
  • 146 °C (Lactitol)<ref name="MERCK Index" />
  • 94–97 °C, auch 120 °C angegeben (Lactitol-Monohydrat)<ref name="MERCK Index" />
  • 75 °C (Lactitol·Dihydrat) <ref name="MERCK Index">The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals. 14. Auflage. (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station NJ 2006, ISBN 0-911910-00-X.</ref>
Löslichkeit

0,75 g in 100 ml Ethanol<ref>Hubert Schiweck, Albert Bär, Roland Vogel, Eugen Schwarz, Markwart Kunz, Cécile Dusautois, Alexandre Clement, Caterine Lefranc, Bernd Lüssem, Matthias Moser, Siegfried Peters: Sugar Alcohols. In: Ullmann’s Encyclopedia of Industrial Chemistry. 2012, ISBN 978-3-527-30385-4.</ref>

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>

Lactitol-Monohydrat

keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze
Toxikologische Daten

> 30.000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral, Lactitol·Monohydrat)<ref name="Ph. Eur.">Eintrag Vorlage:Linktext-Check beim Europäisches Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Lactit (Lebensmittelzusatzstoff E 966), auch Lactitol (INN), ist ein synthetischer Zuckeraustauschstoff, der in der Natur nicht vorkommt.<ref name="AS">L. O’Brien Nabors (Hrsg.): Alternative Sweeteners. 3. erw. Auflage. Marcel Dekker, 2001, ISBN 0-8247-0437-1, S. 297–299.</ref> Lactit wird durch katalytische Hydrierung von Milchzucker unter Druck gewonnen.<ref name="RÖMPP Online">Eintrag zu Lactitol. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref> Dabei wird der Glucoseteil der Lactose zu Sorbit (Glucitol) reduziert, die glycosidische Bindung jedoch nicht aufgebrochen. Lactit wird daher chemisch als 4-O-β-D-Galaktopyranosyl-D-glucitol bezeichnet.

Synthese

Die Synthese von Lactit wurde als erstes von Jean Baptiste Senderens im Jahr 1920 beschrieben. Zur katalytischen Hydrierung von Lactose zu Lactit wird Wasserstoff verwendet. Als Katalysatoren können Nickel und Ruthenium verwendet werden. Kupfer und Palladium katalysieren ebenfalls allerdings mit einer geringeren Selektivität und einem kleineren Umsatz. Als Promotoren können beispielsweise Eisen und Chrom für Nickelkatalysatoren und Kohlenstoff für Rutheniumkatalysatoren eingesetzt werden. Die Temperatur und der Druck bei der Reaktionsführung sind abhängig von dem Katalysator und anderen Einflüssen. Die Hydrierung ist eine Oberflächenreaktion, bei der die adsorbierte Lactose mit dem dissoziativ adsorbierten Wasserstoff reagiert. Die Kinetik lässt sich mit der Langmuir-Hinshelwood-Haugen-Watson-Kinetik beschreiben. Mögliche Nebenprodukte sind Sorbit, Galactose, Lactulose und Milchsäure.<ref>Shouyun Cheng, Sergio I. Martínez-Monteagudo: Hydrogenation of lactose for the production of lactitol. In: Asia-Pacific Journal of Chemical Engineering. 14. Auflage. Nr. 1, 2019.</ref>

Verwendung

Süßstoff

Lactit wird als Süßstoff für Nahrungsmittel verwendet, vor allem für Diabetiker (Handelsname Lacty). Jedoch beträgt die Süßkraft nur etwa 30–40 % der von Saccharose, so dass die Verbreitung als Süßstoff limitiert ist.<ref name="RÖMPP Online" />

Lactit greift die Zähne nur wenig an, besitzt aber einen relativ starken abführenden Effekt und wird daher auch zu diesem Zweck eingesetzt.<ref name="RÖMPP Online" /> Lange und intensive Studien haben gezeigt, dass Lactit keine toxikologisch wichtigen Nebenwirkungen aufweist.<ref>Alfred Larry Branen, P. Michael Davidson, Larry Branen: Food Additives. 2. Auflage. Marcel Dekker, 2001; ISBN 0-8247-9343-9; S. 466–467.</ref>

Therapeutisch

Therapeutisch wird Lactit zur symptomatischen Behandlung der Verstopfung, die durch andere Maßnahmen nicht gebessert werden kann, und zur symptomatischen Behandlung einer hepatischen Enzephalopathie eingesetzt.

Die Wirkung beruht auf der Umwandlung von Lactit in kurzkettige organische Säuren, die den osmotischen Druck im Colon und infolgedessen den Flüssigkeitseinstrom steigern, welcher für den abführenden Effekt verantwortlich ist (Handelsname Importal).

Einzelnachweise

<references />

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