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Martin Bormann junior

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Adolf Martin Bormann (* 14. April 1930 in Grünwald; † 11. März 2013 in Herdecke<ref>Traueranzeige auf waz.trauer.de, 19. März 2013</ref>) war ein deutscher römisch-katholischer Geistlicher. Er war der älteste Sohn von Adolf Hitlers Sekretär Martin Bormann.

Leben

Datei:Querleitenbauer Weißbach.jpg
Querleitenbauer in Hintertal (Weißbach bei Lofer), Aufenthaltsort von Bormann ab 1945

Martin Bormann war das älteste von zehn Kindern von Martin Bormann und seiner Frau Gerda und der erste Patensohn von Adolf Hitler, nach dem er auch benannt wurde. Als Kind wurde er „Krönzi“ (Verballhornung von Kronprinz) genannt. Die ganze Familie lebte weitgehend isoliert im Führersperrgebiet Obersalzberg bei Berchtesgaden, bis er 1940 auf die Reichsschule der NSDAP in Feldafing am Starnberger See kam.

Am 15. April 1945 befand sich der Bormann mit anderen Schülern in Matrei in Osttirol. Dort forderte man sie auf, sich zu ihren Eltern zu begeben. Er ging nach München, wo ihm ein Parteifunktionär namens Hummel riet, seine Mutter im noch immer von den Deutschen besetzten Gröden (Val Gardena) in der Nähe von Wolkenstein im italienischen Südtirol zu erreichen. Er kam nur bis Salzburg. Dort besorgte ihm der örtliche Gauleiter falsche Ausweispapiere. Im Land Salzburg gewährte Bormann der Bergbauer Nikolaus Hohenwarter im entlegenen Querleitnerhof bei Weißbach bei Lofer Gastfreundschaft. Der Querleitenbauer hatte ihn wie einen Sohn aufgenommen. Dabei blieb es auch, als Bormann ihm bei der Bekanntgabe des Todesurteils für seinen Vater im Oktober 1946 seine Identität preisgab. Statt ihn anzuzeigen, wandte sich Hohenwarter an den örtlichen Pfarrer, woraufhin ihn der Pater der Wallfahrtskirche Maria Kirchental in sein Haus aufnahm.<ref>Norbert und Stephan Lebert: Denn Du trägst meinen Namen. Das schwere Erbe der prominenten Nazi-Kinder. Blessing, München 2002, ISBN 3-442-15188-0, S. 83–96.</ref> Nach dieser Erfahrung praktizierter christlicher Nächstenliebe absolvierte er dort römisch-katholischen Religionsunterricht und ließ sich 1947 römisch-katholisch taufen. Im selben Jahr wurde er enttarnt und vom amerikanischen Geheimdienst kurz inhaftiert, um zum Verbleib seines Vaters vergeblich verhört zu werden. Danach besuchte er das Privatgymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Liefering und erhielt 1958 die Priesterweihe.<ref name="MSC book 1963">MSC (Missionnaires du Sacré-Coeur de Jésus). 1963. Album Societatis Missionariorum Sacratissimi Cordis Jesu a Consilio Generali Societatis ad modum manuscripti pro Sociis editum. MSC, Roma, p. 255</ref> In einem Interview berichtete er, dass er damals panische Angst hatte, was sein Vater, der zu dieser Zeit noch als verschollen galt, ihm antun würde, wenn dieser von seinem Schritt erführe.

Bormann trat dem Orden der Herz-Jesu-Missionare bei und war 1957 bis 1960 als Frater Martin Erzieher in einem Donauwörther Internat, das im Kloster Heilig Kreuz untergebracht ist. Er arbeitete jahrelang im Kongo, wo er mehrmals von Simbarebellen als Geisel verschleppt wurde.

Im Jahr 1969 hatte er einen schweren Autounfall und wurde von einer Ordensschwester gepflegt. Anschließend ließen sich beide von ihren Gelübden entbinden und heirateten 1971. Bormann arbeitete in Hagen als Lehrer für Religion, Deutsch, Philosophie und Theologie. 1992 ging er in den Ruhestand.

Laut Recherchen des Lieferinger Paters Aninger war Bormann im fraglichen Zeitraum nicht mehr in Salzburg-Liefering im Dienst gewesen, sondern unterrichtete in Klagenfurt. Im Juni 2012 sprach die unabhängige Opferschutzkommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic dem Opfer eine fünfstellige Entschädigungssumme und Therapiestunden zu, bezahlt von der katholischen Kirche.<ref>Klasnic-Kommission entschädigt Missbrauchsopfer, auf orf.at, 11. Juni 2012</ref> Damit war jedoch keine Schuldfeststellung Bormanns verbunden.

Haltung zum Nationalsozialismus

Als ein prägendes Erlebnis seiner Kindheit schilderte Martin Bormann einen Besuch im Haus von Heinrich Himmler, bei dem dessen Geliebte Hedwig Potthast ihm und seiner Schwester Himmlers „besondere Sammlung“ gezeigt habe: Tische und Stühle, die aus menschlichen Knochen gefertigt worden seien, sowie eine Ausgabe von Hitlers Mein Kampf, die in Menschenhaut gebunden gewesen sein soll.<ref>Guido Knopp: Hitlers Helfer. 1996, S. 183.</ref>

1987 traf er den israelischen Psychologen Dan Bar-On von der Ben-Gurion-Universität im Negev, der Sohn eines Holocaustüberlebenden war. Er wurde Mitglied von Bar-Ons Gesprächskreis TRT (To Reflect and Trust) zwischen Täter- und Opferkindern und traf sich in Israel mit Überlebenden des Holocaust. Außerdem sprach er in Schulklassen in Deutschland und Österreich über seine Biografie.

Wenn er über seinen Vater sprach, unterschied Bormann zwischen dem strengen, aber geliebten Vater, den er persönlich erlebte, und der politischen Person, deren Taten er verurteilte.

2002 wurde Bormann mit dem Alfred-Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur ausgezeichnet.

Schriften

  • Leben gegen Schatten. Bonifatius, Paderborn 1996, ISBN 3-89710-266-8.

Literatur

  • Dan Bar-On: Die Last des Schweigens. Gespräche mit Kindern von NS-Tätern. Ed. Körber-Stiftung, Hamburg 2003, ISBN 3-89684-038-X.

Norbert und Stephan Lebert: Denn Du trägst meinen Namen. Das schwere Erbe der prominenten Nazi-Kinder. Blessing, München 2002, ISBN 3-442-15188-0

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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