Andrew Wakefield
Andrew Jeremy Wakefield (* 1956 oder 1957<ref>Zum Geburtsjahr liegen widersprüchliche Quellenangaben vor: Vladimir Marko: From Aspirin to Viagra: Stories of the Drugs that Changed the World. Springer Nature, 2020, ISBN 978-3-030-44286-6, S. 246; Profile: Dr Andrew Wakefield, BBC News, 27. Januar 2010; Rebecca Smith: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein., The Telegraph, 29. Januar 2010.</ref>) ist ein britischer ehemaliger Arzt. Er wurde in Großbritannien mit Berufsverbot belegt als Folge seiner betrügerischen Veröffentlichung in The Lancet, einer der ältesten und renommiertesten medizinischen Fachzeitschriften der Welt, mit der er Aufsehen sowohl in der Fachwelt als auch in der Öffentlichkeit erregte. Durch die investigative Arbeit des Journalisten Brian Deer der Sunday Times wurde der Fall Wakefield ins Rollen gebracht. Sein – inzwischen von der Zeitschrift zurückgezogener – impfkritischer Beitrag führte dazu, dass sich weniger Menschen impfen ließen.<ref>Paul A. Offit: Flawed research and its enduring repercussions. In: science.org. 2. Oktober 2020, S. 43, abgerufen am 17. Februar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Wakefield ist verheiratet und hat vier Kinder.
Veröffentlichung und Kritik
Ein von Andrew Wakefield verfasster Artikel mit dem Titel Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia, non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children<ref name="Wakefield98">Andrew Jeremy Wakefield u. a.: Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia, non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children. In: Lancet, 351(9103), 1998, S. 637–641, PMID 9500320</ref> (1998) stellte anhand von zwölf Fällen einen Zusammenhang zwischen der Impfung mit dem MMR-Kombinations-Impfstoff, der gegen Mumps, Masern und Röteln eingesetzt wird, und Autismus her. In der Folge fielen die Impfraten insbesondere in Großbritannien deutlich ab.
Nachdem alle unabhängigen Versuche, Wakefields Ergebnisse zu reproduzieren, gescheitert waren, wurde 2004 durch die Nachforschungen von Brian Deer bekannt, dass Wakefield vor der Veröffentlichung von Anwälten, die Eltern autistischer Kinder vertraten, 55.000 £ an Drittmitteln erhalten hatte.<ref>Brian Deer: Revealed: MMR Research Scandal. In: The Sunday Times, 22. Februar 2004.</ref> Diese suchten Verbindungen zwischen Autismus und der Impfung, um Hersteller des Impfstoffes zu verklagen. Die Geldzahlungen waren weder den Mitautoren noch der Zeitschrift bekannt. Daraufhin traten zehn der dreizehn Autoren des Artikels von diesem zurück.<ref>S. H. Murch u. a.: Retraction of an interpretation. In: Lancet, 2004, 363(9411), S. 750, PMID 15016483</ref> Darüber hinaus wurde durch Brian Deer 2006 bekannt, dass die Anwaltskanzlei zwei Jahre vor Veröffentlichung des Lancet-Papers 435.643 £ an Wakefield überwiesen hatte.<ref>Reiner Luyken: Impfungen: Panik vor dem Piks. In: Die Zeit. 19. April 2007, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 25. März 2018]).</ref> Im Januar 2010 entschied das General Medical Council, die britische Ärztekammer, dass Wakefield „unethische Forschungsmethoden“ angewandt habe und seine Ergebnisse in „unehrlicher“ und „unverantwortlicher“ Weise präsentiert worden seien. Seine Ergebnisse seien falsch und die Zeitschrift getäuscht worden. The Lancet zog daraufhin Wakefields Veröffentlichung vollständig zurück.<ref>Cinthia Briseño: Zurückgezogene Studie: Das offizielle Ende eines Impf-Skandals. Spiegel Online, 3. Februar 2010.</ref> In der Folge wurde im Mai 2010 ein Berufsverbot in Großbritannien gegen ihn ausgesprochen.<ref>Forschungsskandal: Britischer Autismus-Arzt erhält Berufsverbot. Spiegel Online, 24. Mai 2010.</ref> Wakefield kündigte dagegen Berufung an.
Wakefield gab 2001 seine Arbeitsstelle im Royal Free Hospital in London auf und wanderte in die USA aus.<ref>Raf Sanchez, David Rose: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr Andrew Wakefield struck off medical register. ( vom 1. Juni 2010 im Internet Archive) In: The Times, 25. Mai 2010.</ref> Dort eröffnete er 2005 eine Privatklinik, die er im Februar 2010, kurz nachdem seine Studie zurückgezogen wurde, verließ.<ref>John F. Burns: British Medical Council Bars Doctor Who Linked Vaccine With Autism. In: New York Times, 24. Mai 2010, abgerufen am 2. Juni 2010 (englisch).</ref>
2005 veröffentlichte Hideo Honda, ein japanischer Spezialist für Autismus am Yokohama Rehabilitation Center, eine Studie, die auf der Grundlage der Bevölkerung des Kohoku Ward (300.000 Einwohner im Jahr 2002), eines Bezirks von Yokohama (3,5 Millionen Einwohner), das Auftreten von Autismus bei Kindern bis zu 7 Jahren untersuchte. Das Besondere an dieser Population ist, dass der Gebrauch von MMR als Impfstoff für Einjährige im April 1989 begann und im April 1993 eingestellt wurde. Nach April 1992 geborene Kinder wurden also nicht mehr mit MMR geimpft. Dennoch nahm die Zahl der Autismus-Fälle nach 1993 nicht ab, sondern zu (geb. 1988: 2,0 ‰; 1989: 3,7 ‰; 1990: 5,2 ‰; 1991: 2,7 ‰; 1992: 3,0 ‰; 1993: 5,0 ‰; 1994: 8,7 ‰; 1995: 7,4 ‰; 1996: 8,1 ‰). Daraus schlussfolgerten Honda und Kollegen, dass eine eventuelle Einstellung von MMR-Impfungen in den USA oder Großbritannien keinen Beitrag zur Minderung von Autismus leisten werde.<ref>H. Honda, Y. Shimizu, M. Rutter: No effect of MMR withdrawal on the incidence of autism: a total population study. J Child Psychol Psychiatry. Juni 2005, 46(6), S. 572–579. PMID 15877763</ref>
2016 drehte Wakefield den als Dokumentation deklarierten Propagandafilm Vaxxed: From Cover-Up to Catastrophe, der zunächst beim Tribeca Film Festival aufgeführt werden sollte. Nach Kritik an dieser Entscheidung nahm die Festivalleitung um Robert De Niro, selbst Vater eines autistischen Sohnes,<ref>Nina Rehfeld: De Niro zieht Film zurück: Falsche Impfung. In: FAZ.NET. 4. April 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. März 2020]).</ref> den Film aus dem Programm.<ref>Tribeca Film Festival Pulls Controversial Anti-Vaccination Documentary bei variety.com, abgerufen am 28. März 2016.</ref>
Im August 2016 traf Wakefield auf Donald Trump, während dessen Wahlkampf um die US-Präsidentschaft. Trump gilt als Impfskeptiker. So verbreitete er 2014 über Twitter die auf Wakefields Thesen aufbauende Behauptung: „Healthy young child goes to doctor, gets pumped with massive shot of many vaccines, doesn’t feel good and changes – AUTISM, Many such cases!“<ref>Trump-Tweet, 28. März 2014.</ref><ref>Zack Kopplin: Trump met with prominent anti-vaccine activists during campaign. In: sciencemag.org. 8. Dezember 2016, abgerufen am 12. Januar 2017.</ref> Im September 2025 forderte Trump erneut, die MMR-Impfung über mehrere Jahre in Einzeldosen zu verabreichen und somit zeitlich zu strecken. Entschiedene Kritik kam von Gesundheitsexperten, da Kinder dadurch in einem hochsensiblen Zeitfenster ohne Schutz vor schwerwiegenden Erkrankungen seien. Zudem wiederholte Trump die unzutreffenden und längst widerlegten Behauptungen, dass Amische nicht geimpft würden und es bei ihnen auch keine Fälle von Autismus gebe.<ref>Lena H. Sun, Dan Diamond: „Gefährlichste Pressekonferenz der Geschichte“: Trump schockt mit Impf-Aussagen www.augsburger-allgemeine.de, 24. September 2025 (Übersetzung aus der Washington Post)</ref>
Dokumentarfilm
- Lise Barneoud, Marc Garmirian, Colette Camden, Flora Bagenal (Regie): Impfgegner – Wer profitiert von der Angst? arte, Dezember 2021 (über Andrew Wakefield als eine zentrale Figur der Anti-Corona-Bewegung)
Literatur
- Peter-Philipp Schmitt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kreuzzug gegen die Schulmedizin. ( vom 8. April 2020 im Internet Archive) In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16. März 2010.
- Brian Deer: The Doctor Who Fooled the World: Andrew Wakefield's war on vaccines. Scribe UK, London 2020, ISBN 978-1-911617-80-8.
Weblinks
- Vorlage:IMDb/1
- Profile: Dr. Andrew Wakefield. British Broadcasting Corporation, 27. Januar 2010
- Katrin Weigmann: Vor 20 Jahren – Andrew Wakefield und seine Studie. Spectrum.de SciLogs, 27. Februar 2018
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fitness to practise panel hearing: Dr Andrew Jeremy Wakefield. ( vom 16. Februar 2010 im Internet Archive) (PDF; 350 kB) General Medical Council, 28. Januar 2010, S. 4–55, GMC reference number: 2733564 (englisch)
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Dr Andrew Jeremy Wakefield: Determination on Serious Professional Misconduct and sanction. ( vom 20. März 2012 im Internet Archive) (PDF; 47 kB) General Medical Council, 24. Mai 2010 (englisch)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wakefield, Andrew |
| ALTERNATIVNAMEN | Wakefield, Andrew Jeremy |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Chirurg und Forscher |
| GEBURTSDATUM | 1956 oder 1957 |