Samtschrecke
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| Samtschrecke | ||||||||||||
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| Datei:Peruphasma schultei Conle & Hennemann, 2002 female.jpg
Weibchen der Samtschrecke (Peruphasma schultei) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Peruphasma schultei | ||||||||||||
| Conle & Hennemann, 2005 |
Die Samtschrecke, Samtstabschrecke oder Rotgeflügelte Samtschrecke (Peruphasma schultei) ist eine Art aus der Ordnung der Gespenstschrecken. Seltener findet man auch die Trivialnamen Peru-Stabschrecke, Schwarze Pfefferschrecke oder Peruanische Pfefferschrecke, die auf die Heimat und die Nahrungspflanzen der Tiere hinweisen.<ref name="Alexander Esch"/>
Vorkommen und Entdeckung
Die Samtschrecke wurde 2004 in der Cordillera del Condor im Norden von Peru entdeckt. Dort kommt sie natürlicherweise auf einer Fläche von nur fünf Hektar vor. Da es in diesem Gebiet noch weitere endemische Arten gibt, wurde es von der peruanischen Regierung unter Schutz gestellt. Unter Leitung des deutschen Biologen Rainer Schulte, auf dessen Namen sich der wissenschaftliche Artname bezieht, hat die INIBICO NGO (eine peruanische Naturschutzorganisation)<ref name="INIBICO"/> im Rahmen eines Benefiz-Projekts für die Bewohner des Cordillera del Condor Nationalparks unter anderem ein Zuchtprogramm für die Samtschrecke gestartet. Das bis Ende 2007 angesetzte Projekt hatte zum Ziel, jeweils die Hälfte der Nachzuchten auszuwildern beziehungsweise zu verkaufen.<ref name="Phasmatodea"/> Dank der Phasmiden-Liebhaber konnte diese Art vermutlich vor ihrem Aussterben gerettet werden und ist jetzt eine sehr begehrte und nicht seltene Art bei den Phasmidenzüchtern.
Als Holotypus wurde ein männliches Tier an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos in Lima hinterlegt.<ref name="Phasmida Species File Online"/>
Merkmale
Die Weibchen werden 55 bis 70 Millimeter und die Männchen 40 bis 50 Millimeter lang. Die gelben Augen, die gelb geringelten Antennen und die leuchtend rote Oberlippe bilden zum samtschwarzen Körper einen auffallenden Kontrast. Die Hinterflügel sind im hinteren Bereich kräftig rot. Im vorderen Viertel sind sie, genau wie die sehr kleinen, als Tegmina ausgebildeten Vorderflügel, schwarz mit einem auffälligen, weißen Netzmuster.
Verhalten
Die Tiere sind nachtaktiv. Tagsüber verstecken sie sich im dichten Blätterwerk ihrer Nahrungspflanzen, Vertretern der Pfefferbäume (Schinus) wie z. B. des Peruanischen Pfefferbaums (Schinus molle). Wenn die Tiere gestört werden stellen sie ihre bunten Hinterflügel auf, biegen das Abdomenende nach oben oder gar im Bogen in Richtung Abdomenbasis und laufen meist sehr schnell davon. Außerdem können sie ein Wehrsekret versprühen, welches einige Minuten in den Augen, an Schleimhäuten oder in Wunden brennt, jedoch keine bleibenden Schäden anrichtet. Es enthält fast ausschließlich das Dialdehyd Peruphasmal, ein Stereoisomer des Dolichodials.
Fortpflanzung
Erreichen die Tiere die Geschlechtsreife, kommt es zu häufigen, lange andauernden Paarungen, bei denen das Männchen auf dem Rücken des Weibchens herumgetragen wird. Teilweise verlässt das Männchen über Wochen nicht den Rücken des Weibchens. Adulte Weibchen legen über einen Zeitraum von ca. fünf Monaten etwa 125 Eier ab. Diese sind etwa drei bis vier Millimeter lang und zwei Millimeter breit. Nach vier bis sieben Monaten schlüpfen die 10 bis 15 Millimeter langen Nymphen. Diese besitzen zunächst eine bräunliche Färbung und an den beiden Fühlerspitzen jeweils einen breiten weißen Ring. Nach mehreren Häutungen entwickeln die Nymphen die kontrastreiche Färbung ihrer Eltern, bestehend aus roter Oberlippe, gelben Augen, gelb geringelten Fühlern und dem samtig schwarzen Körper. Lediglich die Flügel werden erst bei der Imaginalhäutung ausgebildet. Die Nymphen versammeln sich tagsüber häufig zu Schlafgesellschaften, bei denen mehrere Tiere aufeinander sitzend an der Unterseite von Blättern oder Zweigen hängen. Werden sie gestört, sind zu einer für Gespenstschrecken erstaunlich schnellen Flucht fähig. Sie benötigen je nach Temperatur vier bis sieben Monate, bis sie zur Imago herangewachsen sind.<ref name="Phasmids in Cyberspace"/><ref name="Grundwissen"/><ref name="Phasmatodea-Zuchtanleitung"/><ref name="DATZ"/><ref name="PSG Newsletter 149"/>
Terrarienhaltung
In Gefangenschaft können die Tiere problemlos mit Liguster, aber auch Forsythien oder Flieder, gefüttert werden. Das Terrarium sollte auf Grund der Größe der Tiere mindestens eine Größe von 30 × 30 Zentimeter haben und 50 Zentimeter hoch sein. Es können problemlos mehrere Tiere vergesellschaftet werden. Raumtemperatur, also 18–24 °C, ist für eine erfolgreiche Haltung ausreichend. Lediglich Staunässe muss vermieden werden, was am einfachsten durch die Nutzung gut belüfteter Terrarien (z. B. solcher, die einen mit Fliegengitter bespannten Deckel haben) erreicht wird. Die Luftfeuchtigkeit sollte durch regelmäßiges Sprühen (Blumensprüher) etwa zwischen 40 und 60 % liegen.<ref name="Phasmatodea-Zuchtanleitung"/>
Die Art wird von der Phasmid Study Group unter der PSG-Nummer 270 geführt<ref name="Phasmid Study Group Liste"/> und ist mittlerweile in einer Farbvariante bekannt, die rosa bis pink gefärbte Hinterflügel und eine gelbe Oberlippe hat und als „pink wing“ bezeichnet wird.<ref name="PSG Newsletter 142"/>
Bilder
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Blick auf die Körperunterseite
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Details der Flügel mit den roten Hinterflügel
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Weibchen
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Porträt eines Weibchens
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Eier
Weblinks
Einzelnachweise
<references> <ref name="Alexander Esch">Alexander Esch: Stabschrecken, Gespenstschrecken, Wandelnde Blätter: Erfolgreiche Haltung von Phasmiden. Natur und Tier-Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-86659-221-6, S. 95–96.</ref> <ref name="INIBICO">www.inibico.org - Seite der peruanischen Naturschutzorganisation INIBICO</ref> <ref name="Phasmatodea"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />www.phasmatodea.de ( des Vorlage:IconExternal vom 28. Mai 2008 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. - Phasmatodea-Seite von Oskar V. Conle und Frank H. Hennemann über Peruphasma schultei</ref> <ref name="Phasmida Species File Online">Paul D. Brock, Thies H. Büscher & Edward W. Baker: Phasmida Species File Online (abgerufen am 21. Juni 2024)</ref> <ref name="DATZ">Uwe Dost: Fantastisch: Samtschrecken, DATZ 61 (4/2008, S. 74), Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, ISSN 1616-3222</ref> <ref name="Phasmids in Cyberspace"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Taxonomie und Informationen (engl.) www.Phasmids in Cyberspace.com ( des Vorlage:IconExternal vom 28. September 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. - Peruphasma schultei-Seite (engl.)</ref> <ref name="Grundwissen">Oliver Zompro: Grundwissen Pasmiden – Biologie - Haltung - Zucht. Sungaya Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-943592-00-9, S. 65.</ref> <ref name="Phasmid Study Group Liste">Phasmid Study Group Culture List (engl.)</ref> <ref name="Phasmatodea-Zuchtanleitung">Zuchtnotizen zu Peruphasma schultei auf der Phasmatodea.com von Frank H. Hennemann, Oskar V. Conle, Bruno Kneubühler und Pablo Valero</ref> <ref name="PSG Newsletter 149">Geoff Garratt: Some Culture Results, The Phasmid Study Group Newsletter No. 149, December 2022, S. 19, ISSN 0268-3806</ref> <ref name="PSG Newsletter 142">Ed Baker: Pink winged Peruphasma schultei, The Phasmid Study Group Newsletter No. 142, June 2019, S. 16, ISSN 0268-3806</ref> </references>