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David Lama

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Vorlage:Infobox Sportkletterer

David Lama (* 4. August 1990 in Innsbruck; † 16. April 2019<ref>Fünfter Todestag von David Lama: Letzte Ruhestätte mit Ausblick. Abgerufen am 16. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im Banff-Nationalpark, Kanada) war ein österreichischer Sportkletterer und Alpinist. Er galt weltweit als Ausnahmetalent.

Leben

David Lamas Vater stammt aus dem Mount-Everest-Gebiet in Nepal, seine Mutter aus Innsbruck. Zum Klettern kam David Lama, nachdem er im Alter von fünf Jahren einen Kletterkurs bei Peter Habeler besucht hatte, welcher sein Talent erkannte.<ref>issuu.com</ref> Seit dem sechsten Lebensjahr kletterte David in der Sportklettergruppe des österreichischen Alpenvereins der Sektion Innsbruck. Sein erster Trainer war Reinhold Scherer, der damals eine kleine Gruppe von acht bis zehn Kletterkindern betreute. Aus dieser Zeit stammt auch sein Spitzname „Fuzzy“. Seinen ersten Wettkampf bestritt er im Alter von sieben Jahren als jüngster Teilnehmer beim Hohe-Munde-Cup in Telfs, wo er den zweiten Platz erreichte. Mit neun Jahren gewann er bereits den Juniorcup des Alpenvereins. Seine erste 8a-Route, „Kindergarden“ in Slowenien, kletterte Lama mit zehn Jahren. Er war zu dem Zeitpunkt der jüngste Kletterer, dem eine Begehung in diesem Schwierigkeitsgrad gelang.

2004 und 2005 gewann er jeweils die Gesamtwertung des Jugendeuropacups sowie die Jugendweltmeisterschaften in Edinburgh und Peking. Im Jahr 2006 war er der erste Kletterer, dem es gelang, in seiner ersten Saison im Weltcup sowohl einen Boulder-Weltcup als auch einen Vorstieg-Weltcup zu gewinnen. Zugleich wurde er damit der bis dahin jüngste Weltcupsieger der Geschichte.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ifsc.wavecdn.net (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ifsc.wavecdn.net</ref>

Nach weiteren Siegen bei Wettkämpfen galt seine Konzentration seit 2010 dem Alpinismus, wo ihm unter anderem mit Peter Ortner und Stephan Siegrist schwierige Erstbegehungen gelangen. Einer seiner größten Erfolge war die erste freie Begehung der Kompressor-Route am Cerro Torre mit Peter Ortner im Jahr 2012.<ref>bergsteigen.com</ref><ref name="Welt" /> Für dieses Projekt wurden die beiden beim Piolet d’Or 2013 mit einer Besonderen Auszeichnung geehrt.<ref>Auszeichnung für Cerro Torre-Besteigung "by fair means". In: alpenverein.at, abgerufen am 22. April 2019.</ref> Aus dem entstandenen Filmmaterial wurde die Dokumentation Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance produziert, die im August 2014 mit dem Publikumspreis beim Filmfest St. Anton ausgezeichnet wurde.

Sowohl 2015 als auch 2016 unternahm David Lama zusammen mit Conrad Anker den Versuch, den 6895 Meter hohen Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler erstmals zu besteigen. Beide Unternehmen scheiterten jedoch. Nachdem Conrad Anker beim zweiten Versuch während des Aufstiegs einen Herzinfarkt erlitten hatte und die beiden Kletterer das Unternehmen vorzeitig hatten abbrechen müssen, beschloss Lama drei Tage später den Aufstieg solo zu wagen, musste jedoch abermals knapp unter dem Gipfel umkehren.<ref name="NZZ" /> Am 25. Oktober 2018 gelang ihm die Erstbesteigung des Lunag Ri im Alleingang,<ref name="LaCrux" /> wofür er 2019 posthum mit einem Piolet d’Or ausgezeichnet wurde.<ref>Piolets d’Or für Lama und Auer. In: alpin.de. Bene Benedikt, 3. August 2019, abgerufen am 6. August 2019.</ref>

Wetterprognosen erhielt Lama jahrelang vom Innsbrucker Meteorologen Charly Gabl.<ref>David Lama: Patagonien 2011. In: david-lama.de. 4. März 2011, abgerufen am 6. Juli 2020.</ref>

David Lama wohnte zuletzt in Götzens bei Innsbruck.

Lawinenunglück in Kanada

David Lama starb zusammen mit Hansjörg Auer und Jess Roskelley bei einem Lawinenabgang an der Ostwand des Howse Peak im Banff-Nationalpark. Die Seilschaft galt seit dem 16. April 2019 als vermisst. Die kanadische Nationalparkbehörde ging nach Aufklärungsflügen per Helikopter schon frühzeitig davon aus, dass die Bergsteiger ums Leben gekommen waren.<ref>Stephanie Geiger: Keine Hoffnung mehr für vermisste Bergsteiger in Kanada in: Frankfurter Allgemeine Zeitung aktualisiert am 19. April 2019, abgerufen am 6. Mai 2019.</ref> Aufgrund der schlechten Witterung konnten die Leichen der drei Bergsteiger erst am 21. April 2019 geborgen werden.<ref>Tod von Lama, Auer und Roskelley bestätigt. In: orf.at. Abgerufen am 22. April 2019.</ref><ref>Howse Peak (Historical Incidents). In: avalanche.ca. Avalanche Canada, abgerufen am 1. Dezember 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Gruppe hatte den Gipfel auf einer neuen kombinierten Fels- und Eisroute im linken Wandabschnitt erreicht und befand sich im seilfreien Abstieg durch eine Schneerinne, als sie von der Lawine getroffen und mitgerissen wurde. Die Absturzhöhe betrug etwa 800 Meter. Als Ursache für den Lawinenabgang wird Wechtenbruch vermutet. Für diese Annahme spricht die Aussage eines Zeugen, der die Wand zufällig vom Highway aus observierte, sowie die dünne Schneeschicht (maximal 90 Zentimeter), welche die drei Körper bedeckte.<ref>Stephanie Geiger: Kontroverse nach der Tragödie am Howse Peak in: Neue Zürcher Zeitung vom 23. April 2019, abgerufen am 5. Mai 2019.</ref>

David Lamas Asche wurde gemäß buddhistischer Sherpa-Kultur in Kathmandu in Nepal beigesetzt.<ref>David Lama wird in Nepal beigesetzt. In: nachrichten.at. 29. April 2019, abgerufen am 30. April 2019.</ref>

Sportliche Erfolge

Datei:David-lama2.JPG
David Lama beim „1. Free Solo Masters“ in Lienz (September 2014)

Jugend

  • Jugendeuropacupgesamtsieger 2004 und 2005
  • Jugendweltmeister 2004 und 2005

Meisterschaften

  • Europameister 2006 im Vorstieg
  • Europameister 2007 im Bouldern
  • 3. Platz bei der Weltmeisterschaft 2009 Xining, China (Vorstieg)

Boulder-Weltcup

1. Rang beim

  • UIAA Climbing World Cup, Hall, 2006
  • UIAA Climbing World Cup, Fiera di Primiero, 2008
  • UIAA Climbing World Cup, Reunion, 2008

Vorstiegsweltcup

1. Rang<ref>David Lama. In: UKClimbing. Abgerufen am 16. April 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> beim

  • UIAA Climbing World Cup, Dresden, 2006
  • IFSC World Cup, Penne, 2006
  • IFSC World Cup, Kranj, 2006
  • IFSC World Cup, Imst, 2007
  • IFSC World Cup, Imst, 2008

Fels

On-Sight-Klettern:

  • 2004: Gorges du Loup (Frankreich). „Devers Satanique“ 10- (8a+)
  • 2006: Spanien. zahlreiche Routen bis 10+ (8b+)
  • 2006: Yosemite, USA. Route Alien (5.12b)
  • 2011: Große Zinne in Italien. Route Camillotto Pellissier (8a+)

Rotpunktbegehungen und Alpine Unternehmungen:

  • 2004: Gorges du Loup (Frankreich). „7pm JP Chaud“ 8c (10+/11-), seine erste Route in diesem Grad
  • 2007: Niederthai (Österreich). An einem einzigen Tag kletterte er „Gondor“ 11- (8c), „Mordor“ 11-/11 (8c+/9a) sowie „In Memo Reini“ 11- (8c)
  • 2008: Nordwand der Sagwandspitze im Zillertal. Lama und Jorg Verhoeven gelang die Erstbegehung der Route Desperation of the Northface (820 m, 7b, 17 Seillängen)
  • 2008: Cochamó-Tal in Chile. Mehrere Erstbegehungen an den talbegrenzenden Granitwänden mit Barbara Bacher, Katharina Saurwein, Hansjörg Auer, Heiko Wilhelm und Jorg Verhoeven
  • 2009: Pamir Altai (Kirgisistan). Erste freie Besteigung des Asan (4230 m) über die Nordwestwand, gemeinsam mit Nina Caprez, Giovanni Quirici, Stephan Siegrist und Rainer Eder<ref>Asan Expedition 2009. In: americanalpineclub.org. American Alpine Club, 24. März 2010, abgerufen am 18. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
  • 2010: Valle del Laghi (Italien). Lama und Jorg Verhoeven gelang die erste freie Begehung von „Brento Centro“ (8b, 28 Seillängen) am Monte Brento, anschließend kletterten sie die gesamte Route in einem Tag frei<ref>Brento Centro. In: bergsteigen.com. 10. Mai 2010, abgerufen am 28. April 2023.</ref>
  • 2010: Dolomiten (Italien). Lama wiederholte „Bellavista“ (11-) an der Westlichen Zinne nach einem Tag probieren<ref>planetmountain.com</ref>
  • 2011: Cerro Torre (Patagonien). Lama und Peter Ortner gelang die technische Besteigung des Cerro Torre über die „Kompressorroute“ IX+/X- (8a)
  • 2011: Eiger-Nordwand (Schweiz). Lama kletterte zusammen mit Peter Ortner die 24 Seillängen von „Paciencia“ (8a), eine der schwersten Alpinrouten in den Alpen
  • 2011: Kaschmir (Indien). Lama, Stephan Siegrist und Denis Burdet kletterten eine Erstbegehung, „Yoniverse“, am Cerro Kishtwar<ref>alpin.de</ref>
  • 2011: Lofer (Österreich). Lama wiederholte „Feuertaufe“ (8b) von Alexander Huber sowie „Stoamandl“ (8b), „Donnervogel“ (8b) und „Woher Kompass“ (8a+)
  • 2011: Rognon du Plan Inferier, Frankreich. Lama kletterte die Route American Beauty (8a+)
  • 2012: Cerro Torre (Patagonien). In 24 Stunden gelang David Lama und Peter Ortner die erste Begehung der „Kompressorroute“ (IX+/X-) an der Südostflanke des Cerro Torre ohne künstliche Hilfsmittel<ref>faz.net – David Lama</ref>
  • 2012: Lama und Ortner gelang die Besteigung des Trango Tower (6251 m) im Karakorum über die Route Eternal Flame (IX-; Albert/Güllich). Wenige Tage später erreichte das Duo den Gipfelgrat der Chogolisa (7665 m) am östlichen Ende des Baltoro Gletschers
  • 2013: Sagwand (Österreich). Erste Winterbegehung der Route „Schiefer Riss“ an der Sagwand im Valser Tal, zusammen mit Hansjörg Auer und Peter Ortner in knapp 24 Stunden vom Einstieg zum Gipfel
  • 2013: Moose’s Tooth, Alaska. Erstbegehung der zentralen Headwall an der 1500 m hohen Ostwand des Moose’s Tooth in Alaska mit Dani Arnold. Die beiden benötigten für die „Bird of Prey“ genannte Route (6a, M7+, 90°, A2) rund 48 Stunden<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />David Lama und Dani Arnold erstbegehen Route (Memento vom 6. Mai 2017 im Internet Archive)</ref>
  • 2015: Avataara (9a), Libanon. Erstbegehung in der Baatara Gorge
  • 2017: Berner Alpen (Schweiz). Mit dem Zillertaler Peter Habeler, seinem Entdecker und erstem Förderer, durchstieg Lama die klassische Heckmair-Führe durch die Eiger-Nordwand<ref>Klaus Molidor: Eine Frage der Ehre. In: sportaktiv.com. Top Times Medien, 8. Juli 2017, abgerufen am 5. Juli 2019.</ref>
  • 2017: Solu Khumbu (Nepal). Mit Hansjörg Auer und Alex Blümel erreichte Lama den Gipfel der Ama Dablam (6812 m) am 15. Oktober. Die Tour sollte der Akklimatisation für die zweite Expedition des Trios zum Südostpfeiler der Annapurna III (7555 m) dienen – die Expedition wurde jedoch abgesagt, da Auer und Blümel wegen Sicherheitsbedenken aus dem Projekt ausstiegen<ref>David Lama: An Unexpected Turn. In: david-lama.com. Red Bull Media House, 21. Dezember 2017, abgerufen am 8. Juni 2019.</ref>
  • 2018: Rolwaling Himal (Nepal). Erstbesteigung (Solo) des Lunag Ri in Nepal über den Westpfeiler, nach drei Versuchen (2015, sowie im November 2016, nachdem sein Partner Conrad Anker beim zweiten Versuch einen Herzinfarkt erlitten hatte und beide umkehren mussten)<ref name="NZZ" /><ref name="LaCrux" />
  • 2018: Solu Khumbu (Nepal). Lama und drei österreichische Freunde bestiegen den Cholatse (6501 m) über den Normalweg<ref>Martin Schauhuber: David Lama besteigt Lunag Ri. In: derstandard.at. Oscar Bronner, 27. November 2018, abgerufen am 18. Juni 2019.</ref>
  • 2019: Alberta (Kanada). Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley kletterten die Mixed-Route Andromeda Strain (M5, 700 m) am Mount Andromeda (3450 m)<ref>David Lama in the Rockies. In: gripped.com. GrippedPub, 10. April 2019, abgerufen am 18. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ehrung

2020 wurde eine neu beschriebene Art Schmetterling vom Entdecker Peter Huemer Lamas Nelken-Palpenfalter (Caryocolum lamai) benannt. Dieser wurde in den Alpen entdeckt und nur in einem kleinen Gebiet in den Westalpen Italiens und Frankreichs gefunden. Der Benenner wählte mit Lama und zwei weiteren außergewöhnlichen Alpinisten (Reinhold Messner und Peter Habeler) Namensgeber, die „auch einen besonderen Bezug zu Natur- und Artenschutz haben.“<ref>Schmetterlinge namens Messner, Habeler und Lama orf.at, 29. April 2020, abgerufen am 29. April 2020.</ref><ref>Peter Huemer: Integrative revision of the Caryocolum schleichi species group – a striking example of a temporally changing species concept (Lepidoptera, Gelechiidae) Alpine Entomology 4 (23. April 2020) S. 39–63, abgerufen am 29. April 2020. – doi:10.3897/alpento.4.50703</ref>

Buch

  • High. Genial unterwegs an Berg und Fels. Knaus Verlag, München 2010, ISBN 978-3-8135-0386-9.
  • Free. Der Cerro Torre, das Unmögliche und Ich. Knaus Verlag, München 2013, ISBN 978-3-8135-0390-6.

Filmografie

Weblinks

Commons: David Lama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="NZZ"> Sebastian Schulke: «Der Berg ist wie eine weisse Leinwand». Neue Zürcher Zeitung, 25. Dezember 2016, abgerufen am 29. Dezember 2016 </ref> <ref name="LaCrux"> David Lama gelingt Erstbesteigung des Lunag Ri. In: lacrux.com. 29. Oktober 2018, abgerufen am 29. Oktober 2018. </ref> <ref name="Welt"> Holger Kreitling: Oben, ohne. David Lamas Kampf am Cerro Torre. In: welt.de. Die Welt, 12. März 2014, abgerufen am 1. Oktober 2015. </ref> </references>

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