Rachida Dati
Rachida Dati (Aussprache: <templatestyles src="IPA/styles.css" />; * 27. November 1965 in Saint-Rémy, Département Saône-et-Loire) ist eine französische Politikerin (parteilos, bis 2024 UMP bzw. Les Républicains).
Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 war sie Sprecherin des Kandidaten Nicolas Sarkozy, von 2007 bis 2009 Justizministerin in der Regierung von François Fillon, von 2009 bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 2008 ist sie Bürgermeisterin des 7. Arrondissements von Paris. Von 2020 bis Anfang 2024 führte sie zudem die Opposition im Pariser Stadtrat. Von Januar 2024 bis Februar 2026<ref name="reuters_2026-02-25">French Culture Minister Dati quits to focus on run for Paris mayor. In: reuters.com. 25. Februar 2026, abgerufen am 26. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> war sie Frankreichs Ministerin für Kultur, zunächst im Kabinett Attal, seit September 2024 im Kabinett Barnier, seit Dezember 2024 im Kabinett Bayrou und seit September 2025 im Kabinett Lecornu I sowie seit Oktober 2025 im Kabinett Lecornu II.<ref>Frankreich: Bruno Le Maire wird Verteidigungsminister. 5. Oktober 2025, abgerufen am 5. Oktober 2025.</ref>
Leben
Herkunft und Ausbildung
Rachida Dati wuchs als zweitältestes von elf Kindern eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Mutter in einer Sozialbausiedlung von Chalon-sur-Saône auf, der größten Stadt des Départements Saône-et-Loire. Dort ging sie auf eine private, vom Karmelitenorden geführte katholische Schule. Um die Familie zu unterstützen, begleitete sie ihre Mutter als Reinigungskraft. Dann arbeitete sie nachts als Hilfsschwester, während sie sich auf das Baccalauréat (Abitur) vorbereitete.<ref>Elisabeth Raether: Porträt der Politikerin Rachida Dati: Eine angeblich klare Geschichte. In: Die Tageszeitung: taz. 22. Juni 2009, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 29. Januar 2024]).</ref> 1987 traf sie auf einem Empfang in der algerischen Botschaft den damaligen Justizminister Albin Chalandon. Er verschaffte ihr zur Finanzierung ihres wirtschaftswissenschaftlichen Studiums eine Stelle als Buchhalterin bei Elf Aquitaine, einem damaligen Staatskonzern, den er 1977–1983 als Generaldirektor geleitet hatte.<ref name="Instrument">Stefan Simons: Instrument der Macht. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2007 (online).</ref>
Berufliche Laufbahn
Nach dem Studium arbeitete Dati zunächst ab 1990 in der Revision beim Matra-Konzern, sodann 1993 ein Jahr lang in London bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), auch dort in der Revisionsabteilung. Ab 1994 war sie in einer betriebswirtschaftlichen Funktion innerhalb der Abteilung für städtische Entwicklung des französischen Wasserversorgers Lyonnaise des Eaux und als Beraterin der juristischen Abteilung im französischen Bildungsministerium tätig.<ref>Rachida Dati, Ministerin für Kultur. Abgerufen am 29. Januar 2024.</ref> Auf Anraten der Politikerin Simone Veil absolvierte Dati von 1997 bis 1999 eine Ausbildung an Frankreichs nationaler Hochschule für das Richteramt (École nationale de la magistrature) und arbeitete danach bei der Staatsanwaltschaft in Évry.
Politische Karriere
2002 wurde Rachida Dati Mitarbeiterin im Büro des damaligen Innenministers Nicolas Sarkozy, der sie zur Beraterin für Einwanderungsfragen machte. 2006 trat sie seiner Partei bei, der UMP. Als Sarkozy im Januar 2007 seine Präsidentschaftskandidatur bekannt gab, ernannte er sie zur Sprecherin seiner Wahlkampagne. Diese Ernennung geschah auch mit Unterstützung der damaligen Ehefrau Sarkozys, Cécilia Ciganer-Albéniz, die mit Dati befreundet war.<ref name="Instrument" />
Nach Sarkozys Wahlsieg wurde Dati Justizministerin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie fünf Jahre juristische Berufserfahrung als Untersuchungsrichterin und stellvertretende Staatsanwältin.<ref>Aschenputtel aus der Banlieue. In: Rheinischer Merkur, 6. Dezember 2007.</ref> Dati war damit in Frankreich die erste Person arabischer Herkunft, die einen Ministerposten einnahm<ref name="AEF">Frédéric Gerschel: Une beurette devient ministre de la Justice. Rachida Dati, une ministre très symbolique. Aujourd’hui en France, 19. Mai 2007.</ref> – und dies in einer konservativen Regierung:
„La gauche en rêvait, mais c’est la droite qui l’a fait!“
„Die Linke hat davon geträumt, aber die Rechte hats getan!“
Am 6. Juli 2007 trat Datis persönlicher Referent, Michel Dobkine, nach sieben Wochen Amtszeit zurück,<ref>Rückschlag für Sarkozy: Kabinettchef von Rachida Dati geht. In: Liechtensteiner Volksblatt, Onlineausgabe am 7. Juli 2007. Abgerufen am 6. November 2012</ref> vier Tage später verließen drei weitere Untergebene Datis Beraterstab. Insgesamt verließen in den ersten Monaten sieben Amtsträger ihren Stab. Dati wurde im Juni 2009 im Zuge einer Kabinettsumbildung aus der Regierung entlassen.<ref>Rachida Dati, des réformes et des critiques. Libération.fr, 23. Juni 2009.</ref>
Nach der Europawahl 2009 war Dati Europaabgeordnete in der Fraktion der Europäischen Volkspartei.<ref>About Parliament. Abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="EP">Rachida Dati in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments, abgerufen am 7. November 2012</ref> Sie war in der Legislaturperiode bis 2014 Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung sowie Delegierte für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Von 2009 bis 2011 gehörte sie dem Sonderausschuss zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise an. Nach ihrer Wiederwahl 2014 saß sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Europäischen Parlament 2019 im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres und war Delegierte für die Beziehungen zu den Maschrik-Ländern sowie in der Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum.<ref>Home | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 16. März 2026.</ref>
Dati ist seit 2008 Bürgermeisterin des 7. Arrondissements von Paris.<ref name="EP" /> Sie bewarb sich um die Kandidatur des bürgerlichen Lagers für das Amt der Pariser Bürgermeisterin 2014,<ref>Sophie de Ravinel: Hidalgo, Dati, Jouanno : des femmes à l'assaut de Paris. Le Figaro (online), 4. September 2012, abgerufen am 20. September 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> zog sich jedoch im April 2013 zugunsten ihrer Parteikollegin Nathalie Kosciusko-Morizet zurück. Diese sei „von den Medien und vom System“ bereits zur Kandidatin der UMP gekürt worden.<ref>Rachida Dati drops out of Paris mayor race. In: The Telegraph. 23. April 2013, abgerufen am 24. April 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bei den Bürgermeisterwahlen siegte Anne Hidalgo von der sozialistischen Partei. Bei der Kommunalwahl 2020 war Dati die Kandidatin von Les Républicains (LR, neuer Name der UMP) und verbündeter Mitte-Rechts-Parteien für das Bürgermeisteramt von Paris. Ihre Liste Engagés pour changer Paris (Engagiert um Paris zu verändern) kam auf 22,7 % im ersten und 34,3 % im zweiten Wahlgang und unterlag damit der Amtsinhaberin Hidalgo. Dati wurde aber als Bezirksbürgermeisterin des 7. Arrondissements bestätigt. Als Vorsitzende der Mitte-rechts-Fraktion Changer Paris (Républicains, Centristes et Indépendants) war sie zudem bis 2024 Oppositionsführerin im Conseil de Paris (Stadtrat).<ref>Marie-Anne Gairaud, Christine Henry: Conseil de Paris : qui sont les six nouveaux présidents de groupe. In: LeParisien.fr. 23. Juli 2020, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Am 11. Januar 2024 wurde sie als Nachfolgerin von Rima Abdul Malak als Kulturministerin im Kabinett Attal nominiert,<ref>Luc Chagnon, Fabien Jannic-Cherbonnel: DIRECT. Remaniement : Gabriel Attal promet "de l'action" et "des résultats" après la présentation des ministres de son gouvernement. In: Franceinfo. 11. Januar 2024, abgerufen am 11. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> woraufhin LR ihren Parteiausschluss ankündigte.<ref>Michaela Wiegel: Attal verkleinert Kabinett deutlich. In: FAZ.net. 11. Januar 2024, abgerufen am 11. Januar 2024.</ref> In dem nach den vorgezogenen Parlamentswahlen 2024 gebildeten Kabinett des neuen Premierministers Michel Barnier (LR) erhielt sie erneut das Kulturressort,<ref>Gouvernement de Michel Barnier : découvrez la liste complète des 39 ministres et secrétaires d’Etat. In: francetvinfo.fr. 21. September 2024, abgerufen am 21. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> welches unter der Regierung Bayrou im Dezember 2024 bestätigt wurde. Im Februar 2026 trat sie als Kulturministerin zurück, um sich auf ihre Kandidatur für das Amt der Bürgermeisterin von Paris bei der für März 2026 angesetzten Wahl zu konzentrieren.<ref name="reuters_2026-02-25" /> Sie unterlag im zweiten Wahlgang am 22. März 2026 mit 41,52 % gegen Emmanuel Grégoire, der 50,52 % erhalten hatte.<ref>Der erste Wahlgang der Kommunalwahlen in Frankreich am 15. März 2026 – Frankreich-Blog. 16. März 2026, abgerufen am 19. März 2026.</ref><ref>Paris-Wahl: Gregoire setzt sich gegen Dati durch. In: ORF.at. 22. März 2026, abgerufen am 23. März 2026.</ref><ref>Paris Presse. Abgerufen am 23. März 2026.</ref>
Kontroversen
Verbindungen zu Katar
2007 nahm Rachida Dati wegen ihres letztlich nicht verwirklichten Vorhabens zur Einrichtung eines Auslandscampus der École nationale de la magistrature (ENM) in Doha Kontakte zur Regierung von Katar auf.<ref>« Nos très chers émirs ». Georges Malbrunot et Christian Chesnot explorent les relations entre les élus et les monarchies du Golfe. Le Point, 19. Oktober 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> Dieser Plan wurde in den französischen Medien als Zeichen einer zu engen Verbindung der französischen Justizminsterin mit dem Generalstaatsanwalt von Katar, Ali Bin Fetais Al-Marri, kritisiert.<ref>Romain Rosso: Le Qatar, ami discret de Paris. L’Express, 27. Februar 2009 (zuletzt aufgerufen am 26. Juni 2025)</ref><ref>Christian Chesnot, Georges Malbrunot: Qatar Papers: So beeinflusst der Golfstaat den Islam in Europa. Seifert-Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-904123-38-9</ref> Als Bürgermeisterin des 7. Pariser Arrondissements plante Dati 2015 einen «Club des ambassadeurs» («Club der Botschafter») als Treffpunkt für die zahlreichen ausländischen Diplomaten, die im 7. Arrondissement leben. Um ihr Vorhaben zu finanzieren, soll sie den katarischen Botschafter in Frankreich, Meshaal al Thani, um 400.000 € gebeten haben, was dieser jedoch abgelehnt habe<ref>Quand l'argent du Qatar affole les politiques. Le Parisien, 21. Oktober 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025).</ref> Rachida Dati war jedoch weiterhin bestrebt, gute Beziehungen zu Katar aufzubauen und laut Medienberichten habe sie Nicolas Sarkozy deshalb gebeten, bei Al Thani für sie eine Einladung zum Doha Forum 2016 zu erwirken.<ref>Christian Chesnot: Nos très chers émirs. Sont-ils vraiment nos amis?. Éditions Michel Lafon, Neuilly-sur-Seine 2016. ISBN 978-2-7499-2487-8</ref><ref>Philippe Peyre: Qatar: Le Guen et Dati portent plainte. RTL, 21. Oktober 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> Recherchen des französischen online-Mediums Blast im Jahr 2024 sprechen dafür, dass Rachida Dati im Auftrag von Vertretern Katars tätig wurde, insbesondere für den Arbeitsminister Ali bin Samikh Al Marri, der im Katar-Korruptionsskandal im Europäischen Parlament eine wichtige Rolle spielte.<ref>Rachida Dati, la plume au service (secret) du Qatar. Blast (web TV), 7. Juni 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref>
Verbindungen zu Aserbaidschan
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Siehe auch“ ist nicht vorhanden. Auch wegen ihrer Nähe zur aserbaidschanischen Regierung wurde Dati in französischen Medien kritisiert. Sie gehörte dem Verwaltungsrat der Association des Amis de l'Azerbaïdjan (AAA) an, die als wichtiges Organ der „Kaviar-Diplomatie“ in Frankreich gilt.<ref>Laura Motet: « Diplomatie du caviar » Les échanges de bons procédés entre l’Azerbaïdjan et les élus français. Le Monde, 5. September 2017 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref><ref>Des élus français très zélés avec les pays autoritaires. L’Express, 14. Februar 2017 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> Zudem wurde über gute Kontakte Datis zur aserbaidschanischen Vizepräsidentin und Präsidentengattin Mehriban Aliyeva berichtet.<ref>Marie-Christine Morosi: Rachida Dati séduite par l'Azerbaïdjan. Le Point, 21. September 2011 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> Anlässlich seiner Wiederwahl 2013 und 2018 beglückwünschte Dati den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev,<ref>Mourad Papazian, Ara Toranian, Patrick Karam: Les troublants rapports de Rachida Dati avec l’Azerbaïdjan. 4. März 2020, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> obwohl die Wahlen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als undemokratisch eingeschätzt worden waren.<ref>Nailia Bagirova, Margarita Antidze: Azeri president's supporters heckle as observers declare election unfair. Reuters, 12. April 2018 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> Im September 2017 stimmte Dati gegen die Eröffnung einer parlamentarischen Untersuchung zu Bestechungsversuchen der aserbaidschanischen Regierung, insbesondere im Europarat<ref>« Caviargate »: Une enquête dénonce la corruption menée par l'Azerbaïdjan pour acheter des soutiens à l'étranger. 20 Minutes, 5. September 2017 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref>. Bei einem Interview im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender France 2 wies sie Fragen zu ihren Verbindungen zur aserbaidschanischen Regierung zurück<ref>VIDEO. Rachida Dati répond à Elise Lucet : "Je n'ai rien à cacher". 5. September 2015, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Französische Medien warfen Dati vor, sich bei ihren Aktivitäten als Europaabgeordnete für die Interessen Aserbaidschans einzusetzen, insbesondere um Investitionen in erneuerbare Energien zugunsten aserbaidschanischer Gasimporte zu behindern, weshalb andere Europaabgordnete ihr Lobbying für Aserbaidschan vorwarfen.<ref name="liberation250124">Laurent Léger: Liens encombrants avec l’Azerbaïdjan : Rachida Dati rattrapée par le caviar de Bakou, Libération, 25. Januar 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> Zwischen 2011 und 2017 reiste Dati fünfmal nach Aserbaidschan, wobei die Kosten teilweise von der aserbaidschanischen Regierung übernommen wurden. Die meldepflichtigen Reisen im April 2011 und im Oktober 2012 wurden dem Europaparlament nicht gemeldet.<ref name="liberation250124"/> Nach den Konflikten in Bergkarabach 2016 verteidigte Dati in einer Wortmeldung gegenüber dem französischen Staatspräsidenten die Position Aserbaidschans gegenüber Armenien<ref>Rachida Dati: « De l'importance du respect du droit international pour le Haut-Karabakh », HuffPost, 15. April 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref>. Als im Dezember 2020 die republikanische Fraktion in der Assemblée nationale eine Verurteilung der kriegerischen Handlungen in Bergkarabach zur Abstimmung bringen wollte, war Dati darum bemüht, die republikanischen Abgeordneten von einer Zustimmung abzubringen.<ref name="liberation250124"/> Im März 2024 bestätigte eine Recherche des Magazins Le Nouvel Observateur, dass Rachida Dati als Europaabgeordnete enge finanzielle Verbindungen zu Aserbaidschan unterhielt.<ref>L’affaire Rachida Dati : révélations sur le business caché de la ministre de la Culture. 13. März 2024, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Lobbyverdacht zugunsten von Privatunternehmen
Während ihres Mandats als Europaabgeordnete hat Rachida Dati mit mehreren großen Unternehmen zusammengearbeitet.
- zwischen 2009 und 2013 erhielt sie von der Renault Group 900.000 € für rechtliche Beratung der niederländischen Tochtergesellschaft RNBV.<ref>De Renault au contrat Orange : Rachida Dati, une ministre pas tirée d’affaires. In: Libération. (liberation.fr [abgerufen am 16. März 2026]).</ref><ref>Laurent Léger, Béatrice Mathieu: « Rachida Dati aurait touché 600 000 euros de Renault-Nissan ». L’Express, 4. Februar 2019 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref><ref>Politique. Abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- zwischen 2012 und 2014 erhielt Rachida Dati einer Veröffentlichung aus dem Jahr 2024 zufolge 300.000 € von AlphaOne Partners, einem britischen Beratungsunternehmen für private und institutionelle Investoren. Im Rahmen einer staatsanwaltlichen Untersuchung im Jahr 2019 wurde bekannt, dass dieses Unternehmen ebenso Geschäftsbeziehungen zu den Energieunternehmen Engie und Total unterhielt wie zur State Oil Company of Azerbaijan Republic (SOCAR), der staatlichen Erdöl- und Erdgasgesellschaft Aserbaidschans, und dass über die Beratungsfirma Lobbyaktivitäten im Europaparlament abgewickelt wurden.<ref>L’affaire Rachida Dati : révélations sur le business caché de la ministre de la Culture. 13. März 2024, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2013 nahm Dati im Europaparlament wiederholt Stellung zu Fragen der Energieversorgung. Während sie in einer Kolumne der Tageszeitung Les Échos ein Ende der Subventionen für erneuerbare Energien verlangt hatte, weil diese den Wettbewerb mit den fossilen Energien verzerren würden, sprach sie sich zugleich dafür aus, die Diskussion um die Förderung von Schiefergas wieder aufzunehmen. 2015 wurden in einer Ausgabe des Fernsehmagazins Cash Investigation Mutmaßungen über Verbindungen von Dati zum Energiversorger Engie angestellt.<ref>Émilie Paul: Élise Lucet répond à Rachida Dati : «J'attends des réponses». 7. September 2015, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Eine Recherche des Nouvel Obs und des Fernsehmagazins Complément d'enquête deckte 2025 auf, dass Dati während ihrer Zeit als Europaabgeordnete ungefähr 300.000 € von dem Unternehmen erhalten und in dieser Zeit zahlreiche wohlwollende Stellungnahmen zum Gassektor abgegeben hatte.<ref>La nouvelle affaire Rachida Dati : révélations sur l’argent caché de l’ex-députée européenne. 4. Juni 2025, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Franceinfo - Actualités en temps réel et info en direct. Abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- wie 2024 bekannt wurde, war Dati seit September 2010 als Rechtsanwältin für France Télécom tätig und erhielt dafür in 8 Jahren eine Vergütung von 800.000 €. Offiziell sei sie für Anwaltstätigkeiten bezahlt worden, habe aber Lobbyaktivitäten oder Geschäftsanbahnungen übernommen. Beides ist für Europaabgeordnete nicht zulässig.<ref>De Renault au contrat Orange : Rachida Dati, une ministre pas tirée d’affaires. In: Libération. (liberation.fr [abgerufen am 16. März 2026]).</ref>
Für die bisher bekannt gewordenen Lobbyaktivitäten soll Dati während ihrer Zeit im Europaparlament schätzungsweise etwa 2 Millionen Euro erhalten haben.<ref>Rachida Dati aurait touché près de 2 millions d’euros pour réaliser du lobbying au Parlement européen, selon le Nouvel Obs - L'Humanité. In: https://www.humanite.fr. 28. November 2024, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Ermittlungen der Justiz
Die französische Justiz ermittelte, ob und wenn ja, welche rechtsanwaltlichen Leistungen durch Dati während ihrer Zeit als Europaabgeordnete tatsächlich erbracht wurden. In einer 2009 mit Carlos Ghosn abgeschlossenen Honorarvereinbarung bewertete Dati ihre Leistungen mit 1.000 € pro Stunde bei einer Gesamtberatungsdauer von 300 Stunden pro Jahr (entsprechend zwei Monaten Vollzeittätigkeit). Gemäß dieser Vereinbarung sollte sie dafür «zur Festlegung der Geschäftspolitik zur Expansion besonders in den Ländern des Mittleren Ostens und des Maghreb beitragen.»<ref>Laurent Valdiguié: Affaire Renault : Rachida Dati se rapproche d'une mise en examen. 9. November 2020, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die neue Geschäftsleitung von Renault-Nissan, auf die die Ermittlungen der Justiz zurückgehen, gab dagegen an, dass «eine wirkliche Arbeitsleistung der Beraterin nicht nachweisbar» sei und sprach den Verdacht aus, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende Ghosn seine Position genutzt habe, um politisch ihm Nahestehende zu begünstigen.<ref>Frédéric Sergeur: « Renault-Nissan: les contrats de Rachida Dati et Alain Bauer ciblés par la justice ». Capital, 21. Mai 2019 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref><ref>Laurent Valdiguié: « Renault: Rachida Dati et Alain Bauer visés par une enquête ». Marianne, 5. Juni 2019 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref>
Nachdem Dati im Rahmen der Ermittlungen bereits 2020 zum „témoin assisté“<ref>französischer Begriff für den Rechtsstatus einer Person, die zwar vorrangig als Zeugin angesehen wird, gegen die sich aber auch Verdachtsmomente ergeben haben, ohne dass bisher Anklage erhoben wurde; s. Témoin assisté in der französischen Wikipedia. Ein vergleichbarer Begriff existiert in der deutschen Rechtsprechung nicht.</ref> erklärt worden war, wurde im Juli 2021 schließlich ein Ermittlungsverfahren gegen sie wegen Bestechlichkeit («corruption passive par personne investie d'un mandat électif public au sein d'une organisation internationale») und missbräuchlicher Einflussnahme («trafic d'influence passif» und «recel d'abus de pouvoir») eröffnet.<ref>« Rachida Dati mise en examen dans l'affaire Carlos Ghosn ». Le Monde, 27. Juli 2021 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref><ref>Affaire Carlos Ghosn : Rachida Dati mise en examen - ICI. 27. Juli 2021, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dati beklagte in der Öffentlichkeit Justizmissbrauch<ref>Simon Piel: « Mise en examen dans l'affaire Carlos Ghosn. Rachida Dati dénonce un «combat politique inavoué» ». Le Monde, 28. Juli 2021 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> und bestritt jegliche Unregelmäßigkeiten<ref>Affaire Carlos Ghosn : Rachida Dati mise en examen - ICI. 27. Juli 2021, abgerufen am 16. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Mehrfach legte sie Widerspruch wegen Verjährung ein,<ref>Laurent Valdiguié: « Mise en examen pour "corruption passive". Rachida Dati bientôt renvoyée en correctionnelle ? » Marianne, 12. Januar 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> was jedoch jeweils abgewiesen wurde,<ref>« Affaire Ghosn : la justice rejette un recours de Rachida Dati sur la prescription des faits » Le Monde, 2. Juli 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref><ref>Rémi Dupré: « Affaire Carlos Ghosn : Rachida Dati perd une manche judiciaire décisive ». Le Monde, 2. Juli 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref> in letzter Instanz durch die Cour de cassation im Oktober 2024.<ref>Rémi Dupré: « Affaire Carlos Ghosn : deux pourvois de Rachida Dati rejetés par la Cour de cassation ». Le Monde, 15. Oktober 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref>
Im November 2024 klagte der Parquet national financier Dati wegen Bestechlichkeit und missbräuchlicher Einflussnahme an.<ref>Rémi Dupré: « Affaire Ghosn : le PNF requiert un procès pour Rachida Dati et l'ex-PDG de Renault-Nissan ». Le Monde, 15. November 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)</ref><ref>Frankreich: Kulturministerin Rachida Dati droht Prozess wegen Korruption. 27. Juni 2025, abgerufen am 16. März 2026.</ref> Ende Juli 2025 klagte die Staatsanwaltschaft Paris sie aufgrund des Renault-Skandals wegen Verdachts der Korruption an.<ref>Rudolf Balmer: Korruptionsprozess in Frankreich: Schmiergeld-Vorwürfe gegen Kulturministerin Rachida Dati. In: Die Tageszeitung: taz. 23. Juli 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 16. März 2026]).</ref>
Persönliches
Am 2. Januar 2009 brachte Dati ihre Tochter zur Welt. Besonderes Aufsehen erregte, dass sie den Namen des Vaters nicht nennen wollte. „Mein Privatleben ist kompliziert“, sagte die seit 1992 geschiedene Dati dazu.<ref>Frankreich: Baby für Justizministerin Dati - Vater bleibt geheim. In: Der Spiegel. 2. Januar 2009, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 16. März 2026]).</ref> Weil sie als marokkanische Staatsangehörige eine uneheliche Tochter hat, eröffnete Adil Fathi, der stellvertretende Strafankläger von König Mohammed VI., im Jahr 2012 in Marokko ein Ermittlungsverfahren gegen sie. Für „unrechtmäßigen Geschlechtsverkehr zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht durch die Ehe vereint sind“ sieht das marokkanische Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu einem Jahr vor.<ref>Reiner Wandler: Marokko gegen französische Exministerin: Unrechtmäßiger Geschlechtsverkehr. In: Die Tageszeitung: taz. 3. Oktober 2012, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 16. März 2026]).</ref>
Ab Oktober 2012 wurde die Frage der Vaterschaft erneut in den Medien diskutiert.<ref>Gerd Niewerth: Rachida Dati - Geheimnis um ihr Baby ist gelüftet. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 4. Oktober 2012, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref><ref>Sex, Lügen und Politik. 18. Januar 2019, abgerufen am 16. März 2026.</ref> Im Dezember 2012 ordnete das Zivilgericht von Versailles auf Betreiben Datis einen Vaterschaftstest des Unternehmers und Kasinobesitzers Dominique Desseigne an.<ref>Rachida Dati zwingt Millionär zu Vaterschaftstest. Die Welt, 4. Dezember 2012, abgerufen am 1. Januar 2013.</ref> Er verweigerte ihn, worauf das Gericht ihn am 7. Oktober 2014 zur Zahlung von Alimenten für das Kind in Höhe von monatlich 2500 Euro verurteilte.<ref>Ex-Ministerin erstreitet sich Unterhaltszahlungen. 7. Oktober 2014, abgerufen am 16. März 2026.</ref>
Literatur
Werke
- Je vous fais juges. Entretien avec Claude Askolovitch. 2007, ISBN 978-2-246-73401-7.
- Fille de M'Barek et de Fatim Zohra, ministre de la justice. 2011, ISBN 978-2-84563-431-2.
Biografien
- Lionel Cottu: Rachida Dati: une ambition française. Biographie. 2007, ISBN 978-2-7540-0587-6.
- Jean-Claude Gawsewitch: Rachida Dati: Et si on parlait de vous. 2008, ISBN 978-2-35013-151-1.
- Michaël Darmon et Yves Derai: Belle-Amie. 2009, ISBN 2-35417-042-4.
- Jacqueline Rémy: Du rimmel et des larmes. 2009, ISBN 978-2-02-099303-6.
Filme
- Taly Jaoui, Antoine Vitkine: Rachida Dati, Aufstieg und Fall einer Ikone. TV (45’). 2009.
Weblinks
- Rachida Dati in der Abgeordnetendatenbank des Europäischen Parlaments
Einzelnachweise
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Dati, Rachida |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Politikerin, MdEP |
| GEBURTSDATUM | 27. November 1965 |
| GEBURTSORT | Saint-Rémy (Saône-et-Loire) |
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- Justizminister (Frankreich)
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- Politiker (21. Jahrhundert)
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- Franzose
- Geboren 1965
- Frau