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Polycaprolactam

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 15. Dezember 2025 um 20:28 Uhr durch imported>Coronium (Ergänze Ref zu Carothers-Patent von 1935 und Geheimpatent von 1938 (zitiert Carothers-Patent)).
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Strukturformel
Strukturformelelement aus Polycaprolactam
Allgemeines
Name Polycaprolactam
Andere Namen
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
Monomer Caprolactam
Summenformel der Wiederholeinheit C6H11NO
Molare Masse der Wiederholeinheit 113,16 g·mol−1
PubChem 32775
Art des Polymers

Polyamid

Eigenschaften
Aggregatzustand

fest

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
keine Einstufung verfügbar<ref name="NV">Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.</ref>
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Polycaprolactam (Polyamid 6, Kurzzeichen PA6, bekannte Handelsmarke Perlon) ist ein Polymer aus der Gruppe der Polyamide. Polycaprolactam wurde erstmals 1938 von Paul Schlack (I.G. Farben) synthetisiert, um die Eigenschaften von Nylon 6,6 zu reproduzieren, ohne das geltende Produktionspatent<ref>Patent US2071253A: Linear condensation polymers. Angemeldet am 2. Januar 1935, veröffentlicht am 16. Februar 1937, Anmelder: E. I. du Pont de Nemours & Company, Erfinder: Wallace H. Carothers.</ref> zu verletzen.<ref>Helmut Ritter: Makromoleküle I: Von einfachen Chemierohstoffen zu Hochleistungspolymeren. Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-662-55956-7, S. 6.</ref> Das Syntheseverfahren wurde im Jahr 1938 patentiert,<ref>Patent DE748253C: Verfahren zur Herstellung verformbarer hochmolekularer Polyamide. Angemeldet am 10. Juni 1938, veröffentlicht am 30. Oktober 1944, Anmelder: Angabe unterbleibt (VO. vom 15.1.44 - RGBL II S.5).</ref> aber zunächst geheim gehalten.

Herstellung

Polyamid 6 entsteht durch ringöffnende Polymerisation von ε-Caprolactam.

Hydrolytische Kettenpolymerisation: Für die Startreaktion wird ε-Aminocapronsäure benötigt. Sie wird durch hydrolytische Ringöffnung aus ε-Caprolactam gewonnen. Dazu werden geringe Mengen an Wasser zugesetzt:

Ringöffnung des Caprolactams durch Wasser
Ringöffnung des Caprolactams durch Wasser

ε-Aminocapronsäure reagiert zusammen mit ε-Caprolactam unter Ausbildung von Amidbindungen zum Polycaprolactam:

Polymerisationsreaktion zu Polycaprolactam
Polymerisationsreaktion zu Polycaprolactam

Die Kettenpolymerisation erfolgt unter Ringöffnung an die Amino-Endgruppe der wachsenden Kette.<ref name="MakroChem">Bernd Tieke, Makromolekulare Chemie, 3. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim, 2014, S. 117.</ref> In kontinuierlichen (VK-Rohr-Verfahren) oder diskontinuierlichen Verfahren erfolgt die Reaktion im Bereich von 260 bis 280 °C (VK-Rohr-Verfahren: 240 °C). Die Reaktionszeit beträgt 8 bis 10 Stunden. Verbleibende Monomere werden aus der Schmelze des Produkts im Vakuum entgast oder aus dem Granulat mit Wasser extrahiert.<ref name="KunstChemIng">Wolfgang Kaiser, Kunststoffchemie für Ingenieure, 3. Auflage, Carl Hanser, München, 2011, S. 363.</ref>

Anionische Kettenpolymerisation: Diese Polymerisation verläuft vergleichsweise kompliziert.<ref>Bernd Tieke, Makromolekulare Chemie, 3. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim, 2014, S. 112f.</ref> Zur Initiierung wird ε-Caprolactam mit Alkoholaten, primären oder sekundären Aminen in ein Anion überführt.

Datei:Polyamid 6 anionisch Teil1.svg

Es entsteht nach Addition von Caprolactam ein N-acyliertes Caprolactam, das eigentliche aktive Kettenende der Kettenwachstumsreaktion. Die Wachstumsreaktion erfolgt nach:

Datei:Polyamid 6 anionisch Teil2.svg

Die langsam verlaufende Bildung von aktiven Kettenenden kann mit Carbonsäurechloriden, Anhydriden oder Isocyanaten beschleunigt werden:

Datei:Polyamid 6 anionisch Teil3.svg

Unter Stickstoffatmosphäre erfolgt die exotherme Kettenpolymerisation bei 120 bis 150 °C innerhalb weniger Minuten.<ref name="KunstChemIng"/>

Polykondensation: Die Synthese von Polyamid 6 ist auch über eine Polykondensation von ε-Aminocapronsäure möglich:

Datei:Polyamid 6 Polykondensation.svg

Verwendung

Polycaprolactam findet als Kunstfaser unter dem Namen Perlon Verwendung.<ref>Karl-Heinz Lautenschläger, Werner Schröter: Taschenbuch der Chemie, Harri Deutsch Verlag, 2007, ISBN 978-3-817-11761-1.</ref> Viele gegossene (PA6G) und extrudierte (PA6E) Bauteile werden aus Polycaprolactam hergestellt. Der Kunststoff wird auf Grund der Zähigkeit und Verschleißfestigkeit im Maschinenbau für gering belastete Zahnräder und Schrauben sowie wegen der guten Gleiteigenschaften für hoch belastete Gleitlager und -platten verwendet.<ref>EUROPA Tabellenbuch Metall.</ref>

In der Dünnschicht- und Säulenchromatographie wird es als Trägermaterial (stationäre Phase) verwendet.<ref></ref>

Einzelnachweise

<references />