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	<title>Zweite Marcellusflut - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-06-04T08:56:37Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Zweite_Marcellusflut&amp;diff=143168&amp;oldid=prev</id>
		<title>~2026-20930-29: /* Frühere Sturmfluten */ &quot;Infolgedessen&quot;? Keine WP:TF</title>
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		<updated>2026-04-04T16:51:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Frühere Sturmfluten: &lt;/span&gt; &amp;quot;Infolgedessen&amp;quot;? Keine WP:TF&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Nordfriesland um 1240.jpg|mini|Rekonstruierter Küstenverlauf um 1240 (vor der Sturmflut 1362) auf der 1649 herausgegebenen Nordfriesland-Karte von [[Johannes Mejer (Kartograf)|Johannes Mejer]]. Die roten Linien geben den heutigen Küstenverlauf an.]]&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;zweite Marcellusflut&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, auch: &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Mandrankels&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Grote Madetuen&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Grote Mandrenke&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; („große Manntränke, großes Ertrinken“), bezeichnet eine verheerende [[Sturmflut]] im 14. Jahrhundert an der [[Nordsee]]küste von [[Ostfriesland]] bis [[Nordfriesland]]. Laut späterer Überlieferung begann sie am 15. Januar 1362, erreichte am 16. Januar&amp;amp;nbsp;– dem Tag &amp;#039;&amp;#039;Marcelli Pontificis&amp;#039;&amp;#039;, das heißt des heiliggesprochenen Papstes [[Marcellus&amp;amp;nbsp;I.]], nach welchem sie den Namen Marcellusflut erhielt – ihren Höhepunkt und fiel erst am 17. Januar wieder ab. In dieser Flut sollen die nordfriesischen [[Uthlande]] zerrissen sein. Rund 100.000&amp;amp;nbsp;Hektar Land, darunter viel fruchtbares Kulturland, gingen verloren. Zwischen [[Elbe]] und [[Ribe|Ripen]] sollen der Überlieferung nach zehntausende Menschen ums Leben gekommen sein. [[Rungholt]], der damals größte Handelsort des Nordens, ging verloren.&amp;lt;ref&amp;gt;Faltblatt &amp;#039;&amp;#039;„Nordfriesland – früher und heute“&amp;#039;&amp;#039;, Ingenieurbüro Strunk-Husum, Druck Bogdan Gisevius, Berlin West (mit Karten von Nordfriesland um 1240 und 1634, die der Husumer Kartograph [[Johannes Mejer (Kartograf)|Johannes Mejer]] 1649 erstellt hatte, sowie von heute).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entstehung von [[Dollart]], [[Leybucht]] und [[Jadebusen]] wurde mit diesem Datum verbunden. Zeitgenössische Quellen in England, Holland und Bremen berichten ausschließlich über einen Sturm aus dem Westen, Südwesten und Süden, der die südliche Nordseeküste verschont haben wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Jan Buisman: &amp;#039;&amp;#039;Duizend jaar weer, wind en water in de Lage Landen&amp;#039;&amp;#039;, Dl. 2: 1300-1450, Franeker 1996, S. 207–213. Reimer Hansen: Beiträge zur Geschichte und Geographie Nordfrieslands im Mittelalter. In: &amp;#039;&amp;#039;Zeitschrift der Gesellschaft für schleswig-holsteinische Geschichte&amp;#039;&amp;#039; 24 (1894), S. 1–92, bes. S. 12–16, 31–44.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der deutschen Küstenforschung des 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts nahm die Sturmflut jedoch seit [[Carl Woebcken (Pastor)|Carl Woebcken]] eine Schlüsselstellung ein, wobei sie für einen großen Teil des spätmittelalterlichen Landverlusts verantwortlich gemacht wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Carl Woebcken: &amp;#039;&amp;#039;Deiche und Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste&amp;#039;&amp;#039;, Bremen/Wilhelmshaven 1924, Neudr. Leer 1973, S. 75–76. &amp;#039;&amp;#039;Die Entstehung des Dollart&amp;#039;&amp;#039;, Aurich 1928, S. 35–36.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die holländische Küstenforscherin Elisabeth Gottschalk war, jedenfalls für die Niederlande, {{&amp;quot;|äußerst skeptisch, [weil sie] keine einzige maßgebliche zeitgenössische Quelle}} vorfand, die für die massive Wirkung dieser Sturmflut den Beweis lieferte.&amp;lt;ref&amp;gt;M. K. Elisabeth Gottschalk: &amp;#039;&amp;#039;Stormvloeden en rivieroverstromingen in Nederland&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 1, 1977, S. 375&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellen und Datierung ==&lt;br /&gt;
Über die zweite Marcellusflut gab es zunächst nur mündliche Überlieferungen. Zwar hat sich keine andere Flut „so tief in das Gedächtnis der Menschen eingegraben“, trotzdem sind die chronikalischen Aufzeichnungen, die frühestens aus dem 15.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert stammen, „mit Vorsicht zu genießen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bernd Rieken: &amp;#039;&amp;#039;Nordsee ist Mordsee: Sturmfluten und ihre Bedeutung für die Mentalitätsgeschichte der Friesen&amp;#039;&amp;#039;, [[Nordfriisk Instituut]] Band 187. Münster 2005; S. 169–170.&amp;lt;/ref&amp;gt; So datierte [[Matthias Boetius]] in seiner Schrift &amp;#039;&amp;#039;De Cataclysmo Norstrandico&amp;#039;&amp;#039; (1615) den Untergang von [[Rungholt]] nach Berichten von Einheimischen auf das Jahr 1300 und die Marcellusflut selbst auf 1354. Der [[Husum]]er Stadtprediger [[Peter Bokelmann]] sprach in einer Festpredigt von 1564 über den &amp;#039;&amp;#039;Man-Drenkelß&amp;#039;&amp;#039; von 1354. Andere Chronisten wie [[Neocorus]] und [[Peter Sax]] setzten die Marcellusflut für 1300 an. Das Zerreißen der nordfriesischen [[Uthlande]] wurde durch Peter Sax und den [[Nordstrand]]er Chronisten [[Johannes Petreus]] auf 1338 datiert. Letzterer verhielt sich seinen Quellen gegenüber aber sehr kritisch. Der Volkskundler [[Bernd Rieken]] hält es daher für möglich, dass zwar der Tag korrekt überliefert wurde, weil ein zweites Mal nach [[Erste Marcellusflut|1219]] eine derart verheerende Sturmflut auf den Marcellustag fiel, das genaue Jahr sich in der mündlichen Überlieferung aber nicht erhielt.&amp;lt;ref&amp;gt;Rieken: &amp;#039;&amp;#039;Nordsee ist Mordsee&amp;#039;&amp;#039;, S. 207.&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch hat sich die Datierung auf den Marcellustag erst spät durchgesetzt. Andere Chroniken berichteten von [[Lätare]] (1362 den 27. März) oder [[Mariä Geburt]] (8. September). Der holländische Klimaforscher Jan Buisman, der fast alle zeitgenössischen Chroniken Nordwesteuropas ausgewertet hat, warnt deshalb vor übereilten Schlussfolgerungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Es ist nicht auszuschließen, dass sich an der norddeutschen Küste, sonderlich im Bereich der Jademündung, Unfälle ereignet haben, wie seit Jahrhunderten behauptet wird, doch fehlt es dafür an einwandfreien Beweisen. Vielleicht gab es einen lokalen Deichbruch an der Unterweser. Es ist möglich, dass weiter nördlich, auf den Inseln oder an der Küste Nordfrieslands, wo der Sturm vielleicht stärker aus dem Westen oder Nordwesten wehte, Überschwemmungen aufgetreten sind. Aber auch für diese Bereiche kommen wir ohne weitere Studien nicht weiter als Spekulationen. […] Es wird Zeit, dass den Ungewissheiten und Vermutungen, die bereits seit Jahrzehnten vorherrschen, ein Ende bereitet wird.|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Buisman: &amp;#039;&amp;#039;Duizend jaar weer, wind en water&amp;#039;&amp;#039;, Bd. 2, S. 210, 213.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In neuerer Zeit konnten anhand des Vergleichs von Daten Zusammenhänge mit Sturmflutereignissen z.&amp;amp;nbsp;B. an der britischen Küste hergestellt werden: Große Teile der Hafenstadt [[Dunwich (Suffolk)|Dunwich]] wurden demnach wahrscheinlich einen Tag vor Rungholt zerstört.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/791008 |wayback=20140202095709 |text=Atlantis der Nordsee (Terra X)}}.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Vorbedingungen ==&lt;br /&gt;
=== Deiche ===&lt;br /&gt;
Im 11. oder 12.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert hatten die Bewohner der [[Marschland|Marschen]] begonnen, sich mit [[Deich]]en vor den [[Gezeiten]] zu schützen. Meist waren es zwar nur niedrige Deiche, um die Äcker während der Vegetationsphase zu schützen, jedoch hat jeder Deichbau zur Folge, dass die eingedeichten Gebiete absacken, da die durch natürliche oder künstliche Entwässerung durch [[Siel]]e ausgespülte Erde nicht mehr durch [[Sediment]]ablagerungen bei regelmäßigen Überflutungen ausgeglichen werden. Gleichzeitig nimmt in abgedämmten [[Priel]]en der Tidenhub in der Regel zu, was zur Abspülung des Vorlandes und damit zum Druck auf die Deiche führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Landnutzung ===&lt;br /&gt;
Der [[Torf|Salztorfabbau]] zum Gewinn von Brennmaterial und Salz ließ das Land weiter absinken, oft unter Höhe des [[Meeresspiegel]]s, so dass nach einem Deichbruch das eingebrochene Wasser nicht mehr abfließen konnte. Gepflügter Boden bietet dem Wasser eine größere Angriffsfläche als durchgehender Pflanzenbewuchs. Überflutungen führen zu [[Erosion (Geologie)|Erosion]]. Zudem erfordert Ackerbau [[Entwässerung]], was wieder die Senkung des Bodens fördert. Die Insel [[Strand (Insel)|Strand]] bestand größtenteils aus urbargemachtem [[Hochmoor]], das allmählich versank und verzehrt wurde. Örtlich gab es noch bis in die frühe Neuzeit Hochmoorschichten mit einer Höhe von drei bis fünf Metern. Wenn diese vor den Deichen lagen, wurden sie vom Hochwasser emporgehoben und&amp;amp;nbsp;– soweit sie nicht zusammenbrachen&amp;amp;nbsp;– an andere Stellen versetzt. Dadurch konnte es bei einer einzigen Sturmflut zu einem großflächigen Verlust riesiger Areale kommen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Newig28&amp;quot;&amp;gt;Jürgen Newig: [http://databases.eucc-d.de/files/documents/00000339_AMK2004_Artikel_Newig.pdf &amp;#039;&amp;#039;Die Küstengestalt Nordfrieslands im Mittelalter nach historischen Quellen&amp;#039;&amp;#039;], in: G. Schernewski / T. Dolch (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Geographie der Meere und Küsten. Coastline Reports&amp;#039;&amp;#039; 1 (2004), ISSN 0928-2734, S. 23–36; S. 28 (PDF, 1,23 MB, abgerufen am 2. November 2020)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frühere Sturmfluten ===&lt;br /&gt;
Zwar fiel der Wasserspiegel der Nordsee zwischen 1000 und 1400 vermutlich um einige [[Meter#dm|Dezimeter]], doch führte gleichzeitig der zunehmende Deichbau ab dem 11. Jahrhundert zu einem „schleichenden Meeresspiegelanstieg“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Newig28&amp;quot;/&amp;gt; Zudem wurde die Nordseeküste im 13. und 14.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert von vielen schweren [[Liste der Sturmfluten an der Nordsee|Sturmfluten]], häufig mit großen Landverlusten, heimgesucht, so z.&amp;amp;nbsp;B. in den Jahren [[Luciaflut|1287]] und 1341. Dabei verursachten vor allem nachfolgende Fluten selbst bei geringerer Höhe schwere Schäden, wenn sie durch die (als Folge der bei den Sturmfluten entstandenen starken Strömungen) vertieften Priele auf noch nicht wiederhergestellte Deiche trafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Krise des 14. Jahrhunderts ===&lt;br /&gt;
Eine [[Klimaveränderung]], der Beginn der sogenannten [[Kleine Eiszeit|Kleinen Eiszeit]], hatte in den Jahrzehnten vor der Flut für schlechtere Ernten in den Küstengebieten gesorgt, so dass die Bewohner weniger vermögend waren als noch zu Anfang des 14.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts. Der „[[Schwarzer Tod|Schwarze Tod]]“, die große europäische Pandemie (meist als Pestepidemie bekannt), der sich auch an den Nordseeküsten ausbreitete, dezimierte die Bevölkerung zusätzlich. 1349/1350 hatte es eine verheerende Pestepidemie gegeben. Die so geschwächte Bevölkerung war nicht mehr in der Lage, die Deiche zu unterhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.scinexx.de/dossier-detail-395-9.html „Rungholt. Rätsel um das Atlantis der Nordsee“. Die Ursachen der Flut], scinexx, 25. April 2008&amp;lt;/ref&amp;gt; Nur zwanzig Jahre vor der Marcellusflut verwüstete das [[Magdalenenhochwasser 1342]], ein verheerendes Starkregenereignis, weite Teile Mitteleuropas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Flut in Nordfriesland ==&lt;br /&gt;
[[Datei:UthlandeRungholt.png|mini|Nordfriesische [[Uthlande]] vor der zweiten Marcellusflut 1362]]&lt;br /&gt;
Die Fluten durchstießen die [[Marschland|Marschen]] zum Teil bis zum [[Geest]]rand. Die alte Küstenlinie mit ihren schützenden [[Nehrung]]en wurde vollkommen zerstört, die [[Priel]]e, vorher nur flache, bei Ebbe trockenfallende Tiefs zwischen den nahe beieinander liegenden Marschinseln, vertieften sich zu Wattströmen, die mit jeder folgenden Flut das Wasser tiefer in das Land vordringen ließen. In Nordfriesland entstanden die ersten [[Hallig]]en. Wie viel Land bis zur Mitte des 15.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts verlorenging, lässt sich nicht genau rekonstruieren, da aus dieser Zeit keine exakten Karten existieren. Die Namen der untergegangenen Kirchen und Orte in Nordfriesland lassen sich aus dem in einer Handschrift von etwa 1300 erhaltenen [[Waldemar-Erdbuch]] und Kirchenregistern der Jahre 1305 und 1462 erschließen. Da die Bewohner in den Jahren nach der Flut nicht in der Lage waren, die Deiche wieder aufzubauen, ging in den Fluten der folgenden Jahrzehnte weiteres Land verloren, so dass&amp;amp;nbsp;– laut einem Bericht des Bischofs Nikolaus Brun&amp;amp;nbsp;– in Nordfriesland insgesamt 44 Kirchen und [[Kirchspiel]]e betroffen waren. Etwa 24 verlorene Kirchspiele befanden sich auf Strand und anderen Uthland-Inseln, die übrigen auf dem Festland. Ganz so weit nach Westen, wie es die Rekonstruktion von [[Johannes Mejer (Kartograf)|Johannes Mejer]] um 1650 darstellt, reichte das Land jedoch vermutlich nicht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Darstellungen in Jürgen Newig: [http://databases.eucc-d.de/files/documents/00000339_AMK2004_Artikel_Newig.pdf &amp;#039;&amp;#039;Die Küstengestalt Nordfrieslands im Mittelalter nach historischen Quellen&amp;#039;&amp;#039;], in: G. Schernewski / T. Dolch (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Geographie der Meere und Küsten. Coastline Reports&amp;#039;&amp;#039; 1 (2004), ISSN 0928-2734, S. 23–36 (PDF, 1,23 MB, abgerufen am 2. November 2020)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die älteste Quelle über die Sturmflut 1362 stammt aus einer Kopie des verlorengegangenen [[Schleswig]]er [[Stadtbuch]]s, wo sich der Eintrag findet:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Anno MCCCLXII, am XVI.&amp;amp;nbsp;Tage des Januars, da war eine große Wasserflut im Frieslande, darin auf dem [[Strand (Insel)|Strande]] 30 Kirchen und [[Kirchspiel]]e ertranken.|ref=&amp;lt;ref name=&amp;quot;NF&amp;quot;&amp;gt;Albert Panten: &amp;#039;&amp;#039;Die Nordfriesen im Mittelalter&amp;#039;&amp;#039;. In: [[Nordfriisk Instituut]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Geschichte Nordfrieslands&amp;#039;&amp;#039;. Heide Boyens &amp;amp; Co 1995. ISBN 3-8042-0759-6, S. 72&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
1666, drei Jahrhunderte nach der Flut, beschrieb der Chronist [[Anton Heimreich]] aus älteren Quellen, dass die stürmische Westsee vier [[Elle (Einheit)|Ellen]] (etwa 2,4 Meter) über die höchsten Deiche in [[Nordfriesland]] gegangen sei. Die Flut habe 21 Deichbrüche verursacht, der Ort Rungholt sei zusammen mit sieben anderen Kirchspielen in der [[Edomsharde]] untergegangen und 7600 Menschen seien umgekommen. Diese letzte Zahl findet sich bei [[Neocorus]]. Für die gesamte Westküste von der Elbe bis nach Ribe sprechen einige spätere Chroniken von 100.000 Toten, eine Zahl, die sicherlich sehr stark übertrieben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Johannes Petreus]] zitierte aus älteren Chroniken, Gott habe die Einwohner bestraft, weil sie ihn nicht anerkennen wollten. Viele Leute und Rinder seien weggestorben, und man hätte daraufhin die Deiche wegen des Mangels an Menschen und Brotkorn nicht wiederherstellen können. Der [[Heverstrom|Norderhever]] entstand als großer Priel im Watt, der nach der [[Burchardiflut]] von 1634 die Reste [[Strand (Insel)|Strands]] endgültig entzweiriss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bischof von Schleswig ließ kurz nach der Flut eine Liste über die verschwundenen Kirchen und Kirchspiele aufstellen&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Johan Adolph Cypraeus |Titel=Annales Episcoporum Slesvicensium |Seiten=338}}&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
!Harde&lt;br /&gt;
!Kirchen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Südergoesharde]]&lt;br /&gt;
|Wartinghusen, Ham&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Nordergoesharde]]&lt;br /&gt;
|Unckebüll&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Eiderstedt&lt;br /&gt;
|Yoenfleth, Königskapelle (Capella regis)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Edomsharde]]&lt;br /&gt;
|Ylegruft, Brunocke, Stundenbul, Halgenis, Nigendam, [[Rungholt]], Akenbol, Gunder-Marsloth, Uter-Marsloth, Fedderingman&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Pellwormharde&lt;br /&gt;
|Hooge, Walthusum, Heuerdam, Balim, Gotmersbol, Süderwisch, Norderwisch, Flendesbol, Sievertskapelle, Karstine Kerk, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Wiriksharde&lt;br /&gt;
|Juenbol, Südermarsch, Nordermarsch, Langenes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Beltringharde]]&lt;br /&gt;
|Redimetman Kapelle, Wolt, Hingstenesse, Habelde, Groden, Veder Hayens, Ockholm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Bökingharde]]&lt;br /&gt;
|Odmershusen, Spynkebol, Vendal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Wiedingharde|Horsbüllharde]]&lt;br /&gt;
|Vyppenbul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[[Sylt]]&lt;br /&gt;
|Stedum, List&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ostfriesland und Oldenburg ==&lt;br /&gt;
[[Datei:JadeWeser1362.png|mini|hochkant=1.4|Maade, Jade und Unterweser um 1362]]&lt;br /&gt;
In [[Ostfriesland]] wurden seit der zweiten Hälfte des 14.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts die [[Leybucht]] und die [[Harlebucht]] durch unterschiedliche Fluten vergrößert. Am [[Jadebusen]] bildete sich das [[Schwarzes Brack|Schwarze Brack]] zwischen [[Ellens]], [[Sande (Friesland)|Sande]] und [[Neustadtgödens]], [[Butjadingen]] und [[Stadland]] wurden zu Inseln. Bei [[Emden]] brach am Anfang des 15.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts auf der gegenüberliegenden Seite der [[Ems]]deich, was zum ersten [[Dollart]]einbruch und zum Untergang des Dorfes Janssum führte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nwz-grote-mandränke&amp;quot;&amp;gt;{{Webarchiv|url=http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Wilhelmshaven/Artikel/2780673/%26%23x201E%3BGrote-Mandr%E4nke%26%23x201C%3B-bringt-Tod-und-Elend.html |wayback=20120119201337 |text=&amp;#039;&amp;#039;„Grote Mandränke“ bringt Tod und Elend&amp;#039;&amp;#039; |archiv-bot=2023-02-20 14:49:49 InternetArchiveBot }}. Artikel in der &amp;#039;&amp;#039;[[Nordwest-Zeitung]]&amp;#039;&amp;#039; vom 16. Jänner 2012.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei der Harlebucht gingen das Kirchdorf [[Otzum]] und weitere Dörfer verloren. Vermutlich ist die Insel [[Juist]] um diese Zeit von [[Borkum]] getrennt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Marcellusflut hatte vermutlich daran kaum Schuld. Lediglich die &amp;#039;&amp;#039;Norder Annalen&amp;#039;&amp;#039; berichten, dass am Marcellustag 1361 viele solide Häuser und [[Kirchturm|Kirchtürme]], einschließlich des Turms des Dominikanerklosters von [[Norden (Ostfriesland)|Norden]], vom Winde umgeblasen wurden. Viele große Bäume wurden entwurzelt, und die Deiche der [[Westermarsch I|Westermarsch]] wurden vom Wasser geebnet, wodurch viele Menschen und Rinder in ihren Häusern ertranken. Das entspricht der Wirkung eines Sturmes aus dem Südwesten. Aus Butjadingen wurde nur berichtet, dass zwei Pfarrhäuser und dreißig Bauernhöfe im [[Banter Kirchspiel]] umgeblasen wurden. Fast alle Dörfer, die hier im 15.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert untergingen, waren um 1420 noch vorhanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Stollhammer Deich im Landkreis Wesermarsch, nahe der Nordostecke des [[Jadebusen]]s, wurden die Reste einer [[Warft|Dorfwurt]] aus dem 11. oder 12.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert entdeckt, die&amp;amp;nbsp;– wie angenommen wird&amp;amp;nbsp;– Opfer der zweiten Marcellusflut wurde. Die Funde, die unter einer 1,3&amp;amp;nbsp;Meter dicken Kleischicht gemacht wurden, bestehen aus Backstein- und Basaltbruchstücken (Mühlstein), Holz, Keramik, Leder, Metall- und Knochenobjekten, Schlacken und Stoff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Folgen ==&lt;br /&gt;
In der Flut waren große Flächen Kulturland verlorengegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Flut begannen erste [[Landgewinnung]]smaßnahmen in Nordfriesland, das heißt, die Menschen versuchten, dem Meer das verlorene Land durch organisierten Deichbau wieder abzuringen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nur niedrige [[Sommerdeich]]e gebaut worden, die das bebaute Land lediglich vor den meist niedrigeren Sturmfluten im Sommer schützten. Das Leben von Mensch und Vieh  wurde vor den Gewalten des Meeres in erster Linie durch die Errichtung von [[Warft]]en geschützt. Nach der verheerenden Flut lagerten sich auf den höher und geschützter gelegenen Flächen des untergegangenen Landes neue Sedimente ab und ließen neue Schichten fruchtbaren Marschbodens entstehen. Dieser „Anwachs“ wurde nach und nach eingedeicht und zu neuen [[Koog|Kögen]] gewonnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkung der Flut blieb als so verheerend in Erinnerung, dass die [[Burchardiflut]], die große Teile der übrig gebliebenen Insel [[Strand (Insel)|Alt-Nordstrand]] zerstörte, auch als &amp;#039;&amp;#039;Zweite Grote Mandränke&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet wurde. Die Geschichte [[Rungholt]]s wurde oft mythisch überhöht, am bekanntesten wohl durch [[Detlev von Liliencron]]s Gedicht &amp;#039;&amp;#039;[[Trutz, blanke Hans|Trutz, Blanke Hans]]&amp;#039;&amp;#039;. Erst als 1938 Reste des historischen Rungholt gefunden wurden, erkannte die Geschichtswissenschaft die reale ehemalige Existenz des Ortes an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Liste von Sturmfluten an der Nordsee]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Marcus Petersen, Hans Rohde: &amp;#039;&amp;#039;Sturmflut. Die großen Fluten an den Küsten Schleswig-Holsteins und in der Elbe&amp;#039;&amp;#039;, Neumünster 1977.&lt;br /&gt;
* [[Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege]]: &amp;#039;&amp;#039;Archäologie in Deutschland. &amp;#039;&amp;#039; 4/99, Seite 39–40.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://web.archive.org/web/20241202195557/https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Die-Grote-Mandraenke-Schicksalhafte-Flut-1634,grotemandraenke101.html Schicksalhafte Fluten: Die Grote Mandränke] als NDR-Bericht vom 16. Januar 2012&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Marcellusflut #2}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Orkan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schleswig-holsteinische Geschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochwasserereignis (Nordsee)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Naturkatastrophe (14. Jahrhundert)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geschichte Frieslands]]&lt;br /&gt;
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