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	<title>Zensur - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Zensur&amp;diff=900943&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Wagenlenker: Vorzensur (historisches Phänomen im Unterschied zur juristischen Kategorie)</title>
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		<updated>2026-04-20T09:14:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Vorzensur (historisches Phänomen im Unterschied zur juristischen Kategorie)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis}}&lt;br /&gt;
[[Datei:VAE Websitesperre.png|mini|300px|Einige Regierungen von Staaten wie Saudi-Arabien, Nordkorea, Kuba, Iran, Venezuela und der Volksrepublik China verbieten den Menschen in ihren Ländern den Zugriff auf bestimmte Internetinhalte aus ideologischen, politischen und/oder religiösen Gründen, wenn diese Ihren Kriterien zuwiderlaufen.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Natgeo censorship.jpg|mini|Ein von den iranischen Behörden im Februar 2006 zensiertes Exemplar des Magazins &amp;#039;&amp;#039;[[National Geographic Society|National Geographic]]&amp;#039;&amp;#039;. Das vom weißen Aufkleber verdeckte Titelfoto zeigt ein sich umarmendes Paar.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Titelkupfer Index librorum prohibitorum.jpg|mini|[[Bücherverbrennung|Brennende Bücher]] auf dem Titelblatt des katholischen [[Index Librorum Prohibitorum|Index]] – der göttliche [[Heiliger Geist|Heilige Geist]] ist als Taube dargestellt.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Bagaria 12 Zensur 2.png|mini|Karikatur von [[Luis Bagaría]] auf die [[Spanien|spanische]] Zensur unter Diktator [[Miguel Primo de Rivera|Primo de Rivera]]: „Zusammenarbeit – der Karikaturist: Herr Zensor: Bekanntlich ist ihr Stift besser als meiner. Also bitte ich Sie, mir die Karikatur anzufertigen. Wenn Sie wollen, mache ich Ihnen einen Vorschlag: Könnten Sie einen stämmigen und optimistischen Spanier zeichnen, der sagt: ‚Nie ging es mir besser als heute.‘?“]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Censura Roque Santeiro p4 6.jpg|mini|Zensureintrag im Drehbuch der Telenovela &amp;#039;&amp;#039;Roque Santeiro&amp;#039;&amp;#039;, 1985, während der Militärdiktatur in Brasilien. {{ptS|corte}} = Schneiden.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Die Gleichheit Jg. 25 H. 12 1915 zensiert.jpg|mini|Kriegszensur: Wegen der Berichterstattung zur &amp;#039;&amp;#039;Internationalen Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg&amp;#039;&amp;#039; wurde die Zeitschrift &amp;#039;&amp;#039;[[Die Gleichheit]]&amp;#039;&amp;#039; im März 1915 extrem zensiert.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Demokratie in Weimar.jpg|mini|Ein Plakat des [[Haus der Weimarer Republik]] 2023 beschreibt den Grenzbereich zwischen Zensur und [[Meinungsfreiheit]].]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Zensur&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{laS|censura}}) ist der Versuch der Kontrolle menschlicher Äußerungen. Sie führt bei Bedarf zu rechtskonformen oder außerrechtlichen [[Sanktion]]en, etwa zur Behinderung, Verfälschung oder Unterdrückung von Äußerungen &amp;#039;&amp;#039;vor&amp;#039;&amp;#039; (Vorzensur: präventiv) oder &amp;#039;&amp;#039;nach&amp;#039;&amp;#039; (Nachzensur: repressiv, z.&amp;amp;nbsp;B. durch Beschlagnahme)&amp;lt;ref&amp;gt;https://www.inst.at/trans/7Nr/sanford7_2.htm. Abgerufen am 7. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; ihrer [[Publizierung]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Hrsg=Michael Kienzle, Dirk Mende |Titel=Zensur in des Bundesrepublik Deutschland |Band=Neu bearbeitete, ergänzte Taschenbuchausgabe |Verlag=Wilhelm Heyne Verlag |Ort=München |Datum=1981 |ISBN=3-453-01508-8 |Seiten=284}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch restriktive Verfahren –&amp;amp;nbsp;ausgeübt vor allem durch staatliche Stellen&amp;amp;nbsp;– soll die frei zugängliche Information durch [[Massenmedien]] oder durch persönlichen Informationsverkehr eingeschränkt oder unterbunden werden, um den [[Diskurs]] zu kontrollieren, den freien Wettbewerb von Ideen zu unterbinden und die Verbreitung unerwünschter oder gesetzeswidriger Inhalte zu unterdrücken oder zu verhindern.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.duden.de/rechtschreibung/Zensur |titel=Duden {{!}} Zensur |hrsg=[[Duden]] |abruf=2011-10-23}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;bpb&amp;quot;&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Klaus Schubert, Martina Klein |url=https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/18495/zensur |titel=Das Politiklexikon. 4. Auflage |hrsg=Dietz, Bonn |datum=2006 |abruf=2011-10-23}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
Der Begriff „Zensur“ ist abgeleitet vom [[lateinisch]]en Wort &amp;#039;&amp;#039;censura&amp;#039;&amp;#039;, das eine strenge Prüfung bzw. Beurteilung und zugleich das Amt eines Sittenrichters ([[Censor]]s) im [[Römische Republik|römischen Staat]] bezeichnete.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=http://www.ruhr-uni-bochum.de/komparatistik/basislexikon/texte/zensur/ktext.html |titel=Zensur |werk=ruhr-uni-bochum.de |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20131218100638/http://www.ruhr-uni-bochum.de/komparatistik/basislexikon/texte/zensur/ktext.html |archiv-datum=2013-12-18 |abruf=2023-05-18}} (Archiv)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Wort &amp;#039;&amp;#039;Zins&amp;#039;&amp;#039; ist der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Zensur&amp;#039;&amp;#039; (mit der auch die Bewertung von Schülern bezeichnet wird) ebenfalls verwandt, und zwar über die gemeinsame lateinische Wurzel &amp;#039;&amp;#039;censere&amp;#039;&amp;#039;, die eigentlich „schätzen“ bedeutet. Zum Verb &amp;#039;&amp;#039;censere&amp;#039;&amp;#039; wurde das Substantiv &amp;#039;&amp;#039;censura&amp;#039;&amp;#039; gebildet, das „Prüfung, Begutachtung, Kritik“ bedeutet und im 15. oder 16.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert ins Deutsche übernommen wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Webarchiv |url=http://www.wissen.de/wortherkunft/i-zensur-0 |text=wissen.de: Wortherkunft Zensur |wayback=20130519040120}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ziele und Begründungen von Zensur ==&lt;br /&gt;
Vor allem Nachrichten, künstlerische Äußerungen und Meinungsäußerungen sind Gegenstände der Zensur. Die Zensur dient dem Ziel, das Geistesleben in religiöser, sittlicher oder politischer Hinsicht zu kontrollieren. Diese Kontrolle wird damit begründet, man wolle oder müsse schutzbedürftige Gesellschaftsgruppen vor der schädlichen Wirkung solcher Inhalte bewahren.&lt;br /&gt;
* So begründete die katholische Kirche ihr Verbot [[Häresie|häretischer]] Schriften (siehe auch [[Index Librorum Prohibitorum]]) mit dem Schutz des Glaubens (schon früh wurde auch [[Sittlichkeit]] als Argument herangezogen).&lt;br /&gt;
* Sittlich begründet wird eine Zensur z.&amp;amp;nbsp;B. mit dem Schutz Minderjähriger vor Inhalten und Darstellungen, die deren seelische Entwicklung gefährden (zum Beispiel Gewaltdarstellungen oder menschenverachtende Formen der Sexualität), siehe hierzu auch [[Jugendschutz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Seiten der von Zensur Betroffenen und auch in wissenschaftlichen Untersuchungen wurde und wird der Vorwurf erhoben, der wahre Beweggrund der Zensur seien der Schutz und der Machterhalt der sie ausübenden Eliten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ulla Otto: &amp;#039;&amp;#039;Die Zensur als Problem der Soziologie der Politik.&amp;#039;&amp;#039; 1969, S. 107–114, 130–146; [[Vilfredo Pareto]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur&amp;#039;&amp;#039; (entnommen aus Otto).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Maßnahmen zur Kontrolle ==&lt;br /&gt;
Zur Kontrolle werden, je nach Staat und Gesetzeslage, folgende Maßnahmen angewendet:&amp;lt;ref name=&amp;quot;HeiPürer59&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Heinz Pürer, Johannes Raabe |Titel=Presse in Deutschland |Auflage=3. |Verlag=UVK |Ort=Konstanz |Datum=2007 |ISBN=978-3-8252-8334-6 |Seiten=59 |Online={{Google Buch |BuchID=4OnyjgKRt8QC |Seite=59}}}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;WeFaulstich491&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Michael Schaffrath |Hrsg=[[Werner Faulstich]] |Titel=Zeitung |Sammelwerk=Grundwissen Medien |Auflage=5. |Verlag=UVK |Ort=Konstanz |Datum=2004 |ISBN=3-8252-8169-8 |Seiten=491 |Online={{Google Buch |BuchID=jXYJkKoK2asC |Seite=491}}}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Schaffung von Zensurkommissionen bzw. -behörden,&lt;br /&gt;
* Verbot von Medien,&lt;br /&gt;
* Verzeichnisse verbotener Medien ([[Schwarze Liste]]),&lt;br /&gt;
* Verbot des Besitzes von periodisch erscheinenden Medien (Indices),&lt;br /&gt;
* Beförderungs-, Verkaufs- und Erwerbsverbot von Medien,&lt;br /&gt;
* Vorzensur (Maßnahmen zur Prüfung von Schriften vor der Drucklegung; seit der [[Weimarer Republik]] in Deutschland abgeschafft&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Hannes Hofbauer |Titel=Zensur. Publikationsverbote im Spiegel der Geschichte |Auflage=1. |Ort=Wien |Datum=2022 |Seiten=65}}&amp;lt;/ref&amp;gt;),&lt;br /&gt;
* [[#Zensur als juristischer Vorgang|Nachzensur]] (Kontrolle von bereits gedruckten und im Handel zugänglichen Druckwerken),&lt;br /&gt;
* Untersagung bestimmter Inhalte und Aussageformen,&lt;br /&gt;
* [[Impressumspflicht]] zur Identifikation von Urhebern,&lt;br /&gt;
* Bindung der Herausgeber von Medien an Konzessionen und Privilegien, die auch wieder entzogen werden können,&lt;br /&gt;
* [[Kautionszwang]], d. h. die Verpflichtung, Geld bei der Zensurbehörde zu hinterlegen,&lt;br /&gt;
* Zeitungssteuern (die sogenannte [[Stempelsteuer]]),&lt;br /&gt;
* Beschränkungen von Berufszulassungen für Drucker,&lt;br /&gt;
* Berufsverbote für Drucker und Entzug von Druckkonzessionen,&lt;br /&gt;
* Geldbußen, Gefängnisstrafen sowie schließlich Landesverweis,&lt;br /&gt;
* Einziehen einzelner Ausgaben von Medien,&lt;br /&gt;
* Beschränkung der [[Aktualität|Erscheinungshäufigkeit]] periodischer Medien,&lt;br /&gt;
* erhöhte [[Entgelt|Beförderungsgebühren]] für Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pressezensur umfasst das Verbot der Verbreitung (Ausstrahlung, Vertrieb&amp;lt;!-- letzteres ggf. mit Auflagen, z.&amp;amp;nbsp;B. „Abgabe an Personen über 18 Jahren“--&amp;gt;) oder die inhaltliche Veränderung bzw. Kürzung. Bei Filmen werden beispielsweise zensurwürdige Szenen herausgeschnitten, Objekte verdeckt oder Ausdrücke mit einem Piepston (engl. &amp;#039;&amp;#039;Bleep&amp;#039;&amp;#039;) überlagert, letzteres auch bei der Wiedergabe von Tonaufnahmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders problematisch ist eine Zensur der Zensur, wenn Berichte über Verbote selbst verboten sind oder nicht veröffentlicht werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Roland Seim]]: &amp;#039;&amp;#039;Zensur in Kunst und Medien&amp;#039;&amp;#039;. In: Nikola Roßbach: &amp;#039;&amp;#039;Zensur. Handbuch für Wissenschaft und Studium&amp;#039;&amp;#039;. Baden-Baden 2024, S. 163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterscheidungen in Deutschland ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== {{Anker|Vorzensur|Nachzensur}} Zensur als juristischer Vorgang ===&lt;br /&gt;
Häufig wird – wie etwa im [[Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland|Grundgesetz]] – unter Zensur die Kontrolle von Presseerzeugnissen vor ihrer Veröffentlichung verstanden. Zensur in diesem Sinne, die sogenannte &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Vorzensur&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, ist ein [[Erlaubnis#Arten|Verbot mit Erlaubnisvorbehalt]], das in {{Art.|5|gg|juris}} Abs.&amp;amp;nbsp;2 GG festgelegt ist. Davon unterscheidet man die &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Nachzensur&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;, bei der erst nach der Veröffentlichung in die freie Meinungsäußerung eingegriffen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Melanie Bär: [http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2003/714/pdf/diss_melanie_baer.pdf &amp;#039;&amp;#039;Präventive Aufsichtsmaßnahmen im Bereich des privaten Fernsehens.&amp;#039;&amp;#039;] Inaugural-Dissertation. Tübingen 2003 (PDF; 1,4&amp;amp;nbsp;MB), S. 81 f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zensur ist dabei nur die Vorzensur, nicht die Nachzensur.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.servat.unibe.ch/dfr/bv033052.html BVerfGE 33, 52 (Mephisto)]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der &amp;#039;&amp;#039;Vorzensur&amp;#039;&amp;#039; müssen Medien (Filme, Bücher, Zeitschriften usw.) &amp;#039;&amp;#039;vor&amp;#039;&amp;#039; Veröffentlichung entsprechenden Institutionen zur Prüfung vorgelegt werden, die dann gegebenenfalls Abänderungen fordern oder das Werk indizieren, also in eine [[Schwarze Liste]] aufnehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;Nachzensur&amp;#039;&amp;#039; ist Bestandteil auch jener Rechtssysteme, in denen Vorzensur laut Verfassung verboten ist. Jeder darf seine Meinung zum Ausdruck bringen, kann aber nachträglich zur Verantwortung gezogen werden, wenn er dabei gegen Gesetze verstößt. Die Konsequenzen können Einziehung und Indizierung des betreffenden Werkes oder Bestrafung der Person sein. Ein Beispiel aus der deutschen Nachkriegsgeschichte ist die Kontroverse um die sog. [[Lex Soraya]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da [[Grundrechte]] traditionell als Abwehrrechte Privater gegenüber dem Staat zu verstehen sind ({{Art.|1|gg|juris}} Abs.&amp;amp;nbsp;3 GG), ist in Deutschland eine verbotene Zensur im Sinne von Art. 5 Abs. 1, S. 3 Grundgesetz nur die Zensur durch den Staat oder dem Staat zurechenbare Stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Vorauswahl privater Stellen, ob Beiträge veröffentlicht werden oder nicht (z.&amp;amp;nbsp;B. einer Zeitungsredaktion vor der Veröffentlichung von [[Leserbrief]]en oder eines Forenmoderators vor oder nach der Veröffentlichung von Beiträgen in Online-Foren), ist daher keine Zensur im Sinne des Grundgesetzes und verfassungsrechtlich unbedenklich. Im Zuge der sogenannten [[Mittelbare Drittwirkung|mittelbaren Drittwirkung]] von Grundrechten kommt je nach Sachverhalt der Stellenwert von Art. 5 Grundgesetz zwischen Privaten indirekt zum Tragen. Dabei handelt es sich dann allerdings um ein Auslegungsinstrument für andere Gesetze, nicht um eine direkte Anwendung des Zensurverbotes aus dem Grundgesetz.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Lüth-Urteil|BVerfGE 7, 198 – Lüth]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zensur als sozialer Vorgang ===&lt;br /&gt;
Die bloß juristisch aus dem Grundgesetz hergeleitete Definition von Zensur bildet lediglich einen Teilausschnitt des umgangssprachlich als „Zensur“ verstandenen sozialen Vorgangs ab.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Michael Kienzle |Hrsg=Micael Kienzle, Dirk Mende |Titel=Einleitung |Sammelwerk=Zensur in der Bundesrepublik. Fakten und Analysen |Reihe=Heyne-Buch |BandReihe=7167 |Auflage=Neu bearbeitete, ergänzte Taschenbuch |Verlag=Wilhelm Heyne Verlag |Ort=München |Datum=1981 |ISBN=3-453-01508-8 |Seiten=8}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Verbindung juristischer Dogmatik mit umgangssprachlicher Verwendung wird durch Johanne Noltenius vorgeschlagen. Sie definiert Zensur im materiellen Sinne als „Beeinflussung der öffentlichen Meinung“ dahingehend, „dass ein möglicher Beitrag zum Prozess der Meinungsbildung der Öffentlichkeit durch eine intervenierende Instanz entzogen oder verändert zugänglich gemacht wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Johanne Noltenius |Titel=Die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft und das Zensurverbot des Grundgesetzes, |Sammelwerk=Göttinger Rechtswiss. Studien |Ort=Göttingen |Datum=1958 |Seiten=107}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zensur wird als Diskurskontrolle im Sinne der Ausübung semantischer Herrschaft verstanden und bedeute eine „faktische, strukturelle Zensur […], die auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Alltags stattfindet“.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Michael Kienzle |Hrsg=Michael Kienzle, Dirk Mende |Titel=Einleitung |Sammelwerk=Zensur in der Bundesrepublik. Fakten und Analysen |Reihe=Heyne-Buch |BandReihe=7167 |Verlag=Wilhelm Heyne Verlag |Ort=München |Datum=1981 |ISBN=3-453-01508-8 |Seiten=8}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie beruht auf dem Eigentum an Produktionsmitteln und wird durch staatliche Macht abgesichert. Wirtschaftlich und politisch wirksame Lobby-Gruppen bedienen sich des Staates, indem sie ihn zur Sanktion unwillkommener Ansichten auffordern. „Zensur ist ein Mittel sozialer Kontrolle zur Aufrechterhaltung bestehender Produktionsverhältnisse“, wie Kienzle und Mende ausführen. Der Staat belohne herrschaftskonformes Verhalten und werde vor allem dann tätig, wenn von gesellschaftlichen Akteuren sexualmoralische, kulturelle, soziale, religiöse oder politische Normen hinterfragt würden, die er zur Aufrechterhaltung seiner Legitimität benötige.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Michael Kienzle, Dirk Mende |Hrsg=Michael Kienzle, Dirk Mende |Titel=Stichwort &amp;quot;Zensur&amp;quot; |Sammelwerk=Zensur in der Bundesrepublik. Fakten und Analysen |Reihe=Heyne-Buch |BandReihe=7167 |Auflage=Neu bearbeitete, ergänzte Taschenbuch |Verlag=Wilhelm Heyne Verlag |Ort=München |Datum=1981 |ISBN=3-453-01508-8 |Seiten=284}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Soziale Zensur wird auch jenseits staatlicher Akteure von [[Pressure Group]]s ausgeübt, etwa im Rahmen von [[Cancel Culture]] oder der Maßnahmen zur [[Kulturelle Aneignung|kulturellen Aneignung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sozial wirksame Zensur führt dazu, dass ein großes Potential von Phantasie, Kreativität und gesellschaftlichen Bewusstseins brachliegt oder vernichtet wird. Wirksam wird das in Form von Wissenschaftszensur, Rundfunkzensur, [[Pressezensur]], [[Filmzensur]], Bibliothekszensur, [[Theaterzensur]] und Kirchenzensur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur über Zensur ==&lt;br /&gt;
Eine als klassisch geltende Stellungnahme gegen die Vorzensur ist die 1644 erschienene Rede &amp;#039;&amp;#039;[[Areopagitica]]&amp;#039;&amp;#039; von [[John Milton]], ähnlich wie die 1859 von [[John Stuart Mill]] veröffentlichte Schrift &amp;#039;&amp;#039;[[On Liberty]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ulla Otto: &amp;#039;&amp;#039;Die literarische Zensur als Problem der Soziologie der Politik.&amp;#039;&amp;#039; 1969, S. 41.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die klassische [[Literatursoziologie|soziologische]] Studie zur Zensur stammt aus dem Jahr 1911 und ist von [[Vilfredo Pareto]]: &amp;#039;&amp;#039;Le mythe vertuiste et la littérature immorale&amp;#039;&amp;#039; (dt. &amp;#039;&amp;#039;Der Tugendmythos und die unmoralische Literatur&amp;#039;&amp;#039;, 1968).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Kasseler Liste]], das weltweit größte Verzeichnis zensierter und verbotener Bücher&lt;br /&gt;
* [[Index librorum prohibitorum]], Verzeichnis verbotener Bücher in der katholischen Kirche&lt;br /&gt;
* [[Karte (Kartografie)#Manipulation von Karten|Zensur von Landkarten]]&lt;br /&gt;
* [[Hassrede]]&lt;br /&gt;
* [[Steyn-Kommission]] in Südafrika&lt;br /&gt;
* Zur Diskussion über mögliche Zensur in Ungarn siehe [[Nemzeti Média- és Hírközlési Hatóság]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Censorship : a world encyclopedia&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. von Derek Charles Jones, London [u.&amp;amp;nbsp;a.] : Fitzroy Dearborn, 2001, 4 Bände&lt;br /&gt;
* [[Heinrich Hubert Houben]]: &amp;#039;&amp;#039;Hier Zensur – Wer dort? Antworten von gestern auf Fragen von heute. Der gefesselte Biedermeier. Literatur, Kultur, Zensur in der guten, alten Zeit&amp;#039;&amp;#039;. Philipp Reclam jun., Leipzig 1990, ISBN 3-379-00532-0. (&amp;#039;&amp;#039;[[Reclams Universal-Bibliothek]]&amp;#039;&amp;#039; 1340)&lt;br /&gt;
* [[Werner Pieper]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;1000 Jahre Musik und Zensur in den diversen Deutschlands.&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Der grüne Zweig.&amp;#039;&amp;#039; Band 209). Pieper &amp;amp; Die Grüne Kraft, Löhrbach 2001, ISBN 3-922708-09-9.&lt;br /&gt;
* Werner Pieper (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Musik &amp;amp; Zensur – weltweit.&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;Verfemt, verbannt, verboten.&amp;#039;&amp;#039; 1 = &amp;#039;&amp;#039;Der Grüne Zweig.&amp;#039;&amp;#039; Band 206). Pieper &amp;amp; Die Grüne Kraft, Löhrbach 1999, ISBN 3-922708-06-4.&lt;br /&gt;
* [[Bodo Plachta]]: &amp;#039;&amp;#039;Zensur&amp;#039;&amp;#039;. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 3-15-017660-3 ([https://www.gbv.de/dms/hebis-darmstadt/toc/179212834.pdf Inhaltsverzeichnis]).&lt;br /&gt;
* [[Hubert Wolf (Theologe)|Hubert Wolf]]: &amp;#039;&amp;#039;Index: Der Vatikan und die verbotenen Bücher&amp;#039;&amp;#039;, C.H. Beck, München 2007&lt;br /&gt;
* [[Siegfried Lokatis]] u. a. (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Vom Autor zur Zensurakte. Abenteuer im Leseland DDR.&amp;#039;&amp;#039; Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-110-1 [https://books.google.at/books?id=ev5pAwAAQBAJ&amp;amp;printsec=frontcover (books.google.at)].&lt;br /&gt;
* [[York-Gothart Mix]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Kunstfreiheit und Zensur in der Bundesrepublik Deutschland.&amp;#039;&amp;#039; de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-025999-5.&lt;br /&gt;
* [[Robert Darnton]]: &amp;#039;&amp;#039;Censors at Work: How States Shaped Literature&amp;#039;&amp;#039;. W. W. Norton, New York 2014, ISBN 978-0-393-24229-4.&lt;br /&gt;
* {{HLS|24656|Zensur|Autor=Ernst Bollinger, [[Georg Kreis]]|Datum=2015-01-25}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat|Censorship|Zensur}}&lt;br /&gt;
{{Wiktionary|Zensur}}&lt;br /&gt;
{{Wikiquote|Zensur}}&lt;br /&gt;
{{Wikisource|Zensur}}&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv |url=http://www.ruhr-uni-bochum.de/komparatistik/basislexikon/texte/zensur/ltext.html |text=Zensur |wayback=20130318022407}}, in: Basislexikon Literaturwissenschaft, Bochum. (Archiv)&lt;br /&gt;
* [https://mediengeschichte.dnb.de/ &amp;#039;&amp;#039;Zeichen - Bücher - Netze&amp;#039;&amp;#039;, virtuelle Ausstellung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums, unter anderem mit einem Themenmodul zu Zensur]&lt;br /&gt;
* [https://www.beaconforfreedom.org/index.html Beacon for Freedom of Expression] (Datenbank mit mehr als 40.000 Einträgen zu zensierten Büchern, Zeitschriften, Sendungen und Internetseiten sowie internationale Literatur über Zensur)&lt;br /&gt;
* [[Agnès Callamard]]: {{Webarchiv |url=http://www.eurozine.com/articles/article_2007-04-27-callamard-de.html |text=&amp;#039;&amp;#039;Dem freien Wort Raum geben.&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20080512002505}} In: &amp;#039;&amp;#039;[[Le Monde diplomatique]].&amp;#039;&amp;#039; 27. April 2007, abgerufen am 13. Februar 2022.&lt;br /&gt;
** Agnès Callamard: [https://www.monde-diplomatique.fr/2007/04/CALLAMARD/14603 &amp;#039;&amp;#039;A-t-on le droit de tout dire?&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;[[Le Monde diplomatique]].&amp;#039;&amp;#039; April 2007, abgerufen am 13. Februar 2022 (französisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4067601-8}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Zensur| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Medienrecht]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literaturgeschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Wagenlenker</name></author>
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