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	<title>Zarentum Russland - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Zarentum_Russland&amp;diff=1047392&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Boonekamp: Jahrslinks</title>
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		<updated>2026-03-21T16:06:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jahrslinks&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Infobox Staat&lt;br /&gt;
|NAME-DEUTSCH               = Zarentum Russland&lt;br /&gt;
|NAME-AMTSSPRACHE           = Русское царство&lt;br /&gt;
|TRANSKRIPTION              = Russkoje zarstwo&lt;br /&gt;
|ZEITRAUM                   = 1547–1721&lt;br /&gt;
|BILD-FLAGGE                = Flag of Oryol ship (variant).svg&lt;br /&gt;
|ARTIKEL-FLAGGE             = Flagge Russlands#Geschichte&lt;br /&gt;
|FLAGGE-OPT                 = &lt;br /&gt;
|BILD-WAPPEN                = Russian-coat-arm-1667.svg&lt;br /&gt;
|ARTIKEL-WAPPEN             = Wappen Russlands#Historische Wappen&lt;br /&gt;
|WAPPEN-OPT                 = &lt;br /&gt;
|WAHLSPRUCH                 = &lt;br /&gt;
|AMTSSPRACHE                = [[Altgroßrussische Sprache|Altgroßrussisch]]&lt;br /&gt;
|HAUPTSTADT                 = [[Moskau]] (1547–1712)&amp;lt;br /&amp;gt;[[Sankt Petersburg|St. Petersburg]] (1712–1721)&lt;br /&gt;
|STAATS- UND REGIERUNGSFORM = [[Absolute Monarchie]], [[Autokratie]]&lt;br /&gt;
|VERFASSUNG                 = &lt;br /&gt;
|STAATSOBERHAUPT            = [[Liste der russischen Herrscher#Zaren von Russland|Zar]]&lt;br /&gt;
|REGIERUNGSCHEF             = &lt;br /&gt;
|STAATSRELIGION             = &lt;br /&gt;
|FLÄCHE                     = &lt;br /&gt;
|EINWOHNER                  = &lt;br /&gt;
|BEV-DICHTE                 = &lt;br /&gt;
|WÄHRUNG                    = [[Russischer Rubel]]&lt;br /&gt;
|GRÜNDUNG                   = 16. Januar 1547&lt;br /&gt;
|UNABHÄNGIGKEIT             = &lt;br /&gt;
|ENDPUNKT                   = 22. Oktober 1721&lt;br /&gt;
|VORGÄNGER                  = [[Großfürstentum Moskau]]&lt;br /&gt;
|NACHFOLGER                 = [[Russisches Kaiserreich]]&lt;br /&gt;
|NATIONALHYMNE              = &lt;br /&gt;
|NATIONALFEIERTAG           = &lt;br /&gt;
|BILD-LAGE                  = &lt;br /&gt;
|BILD-LAGE-BESCHREIBUNG     = &lt;br /&gt;
|BILD1                      = Russian Tsardom 1500 to 1700.png&lt;br /&gt;
|BILD1-BESCHREIBUNG         = Russlands Ausdehnung um 1500, 1600 und 1700&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Zarentum Russland&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Zarenreich Russland&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{ruS|Русское царство}}, [[Transkription (Schreibung)|transkribiert]] &amp;#039;&amp;#039;Russkoje zarstwo&amp;#039;&amp;#039;) war die offizielle Bezeichnung des [[Russland|russischen Staates]] zwischen 1547, als sich [[Iwan IV. (Russland)|Iwan IV.]] zum [[Zar#Zarentum Russland|Zaren]] krönen ließ, und 1721, als [[Peter der Große|Peter I.]] den lateinischen Titel des Imperators ([[Kaiser#Russisches Kaiserreich|Kaisers]]) annahm und sein Land in [[Russisches Kaiserreich]] ({{ruS|Российская империя}}) umbenannte. Dennoch wurde bis zur [[Februarrevolution 1917]] innerhalb des Zarenreichs umgangssprachlich vom Zar als Herrscher gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bezeichnung ==&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung Zarentum Russland basiert auf dem Herrschertitel. Parallel existiert die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Russisches Reich&amp;#039;&amp;#039;, die die gesamte Periode zwischen dem Entstehen eines zentralisierten russischen Staates unter [[Iwan III. (Russland)|Iwan III.]] am Ende des 15. Jahrhunderts und dem Ende der russischen Monarchie 1917 umfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im westeuropäischen Sprachgebrauch hieß Russland bis zur Epoche [[Peter der Große|Peters des Großen]] häufig &amp;#039;&amp;#039;[[Moskowien]]&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Hrsg=Dominic Lieven |Titel=The Cambridge History of Russia |Band=2 |Verlag=Cambridge University Press |Ort=Cambridge |Datum=2006 |ISBN=0-521-81529-0 |Kapitel=Introduction |Seiten=I |Sprache=en-US}}&amp;lt;/ref&amp;gt;. In der Geschichtswissenschaft findet für diese Periode auch der Terminus &amp;#039;&amp;#039;Moskauer Reich&amp;#039;&amp;#039; häufige Verwendung. Neben diesen beiden Bezeichnungen aus dem Bereich der politischen Geografie finden sich vereinzelt in älteren Quellen auch [[Reußen (historischer Begriff)|Reußen]] oder [[Ruthenien]] als Bezeichnungen für Russland, die sich auf die [[Rus]] als ethnisch-kulturellen Raum beziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem offiziellen Titel des Zaren &amp;#039;&amp;#039;Zar und Großfürst [[der ganzen Rus]]&amp;#039;&amp;#039; (Царь и Великий князь всея Руси)&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Karla Günther-Hielscher, Helmut Wilhelm Schaller, Victor Glötzner |Titel=Real- und Sachwörterbuch zum Altrussischen |Verlag=Harrassowitz |Ort=Wiesbaden |Datum=1995 |ISBN=3-447-03676-1 |Seiten=301}}&amp;lt;/ref&amp;gt; kann der Name auch als „Zarentum Rus“ übersetzt werden (das Adjektiv &amp;#039;&amp;#039;русское&amp;#039;&amp;#039; leitet sich ursprünglich von &amp;#039;&amp;#039;Русь&amp;#039;&amp;#039; her).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Max Vasmer]] |Titel=Ėtimologičeskij slovarʹ russkogo jazyka |Band=3 |Verlag=Progress |Ort=Moskau |Datum=1971 |Seiten=521 |Kommentar=&amp;#039;&amp;#039;Russisches etymologisches Wörterbuch&amp;#039;&amp;#039;; russisch}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Titel spiegelte das Selbstverständnis der Moskauer Herrscher wider, der freie Teil der Rus zu sein, der Ansprüche auf die [[Polen-Litauen|polnisch-litauisch]] besetzten Teile der Rus stellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultur ==&lt;br /&gt;
=== Byzantinisches Erbe ===&lt;br /&gt;
Als sich der Moskauer Großfürst [[Iwan der Schreckliche]] 1547 zum Zaren der ganzen Rus krönen ließ, verstärkte sich die bereits unter [[Iwan III. (Russland)|Iwan&amp;amp;#160;III.]] ausgearbeitete Konzeption von Moskau als [[Drittes Rom|Drittem Rom]], dem einzig verbliebenen „Hort des rechtgläubigen (orthodoxen) Christentums“. Byzantinische Rituale, Herrschaftsformen und Staatssymbole wie der [[Doppeladler]] fanden Einzug ins russische Leben. Das Krönungsritual Iwan des Schrecklichen, damals 17 Jahre alt, entsprach dem Krönungsritual [[Byzantinisches Reich|byzantinischer]] Kaiser. Das gleichzeitige Moskauer Selbstverständnis als der freie Teil der Rus, der eine Mission zu ihrer gänzlichen Befreiung von der [[Fremdherrschaft]] hatte, verursachte Spannungen und Kriege mit [[Königreich Polen|Polen]] und [[Großfürstentum Litauen|Litauen]] bzw. mit der späteren [[Polen-Litauen|polnisch-litauischen Realunion]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kontakte mit Europa ===&lt;br /&gt;
In Europa blieb Russland ein kaum bekanntes Land und die spärlichen Informationen, die vorhanden waren, kamen überwiegend aus polnisch-litauischen Händen. Die Situation änderte sich etwas, als Baron [[Siegmund von Herberstein]] im Jahr 1549 sein Werk &amp;#039;&amp;#039;Rerum Moscoviticarum Commentarii&amp;#039;&amp;#039; veröffentlichte. Dies lieferte eine umfangreiche Beschreibung des ehemals von Europäern kaum besuchten und kaum beschriebenen Staates. In den 1630er Jahren wurde das Zarentum von [[Adam Olearius]] bereist. Seine detailreichen und sachkundigen Notizen wurden in alle bedeutenden Sprachen Europas übersetzt. Weitere Information über Russland kam über [[Königreich England|englische]] und [[Republik der Sieben Vereinigten Provinzen|niederländische]] Kaufleute. Einer von ihnen war [[Richard Chancellor]], der 1553 zum [[Weißes Meer|Weißen Meer]] segelte und von dort aus über Land nach Moskau reiste. Nach seiner Rückkehr nach England gründete er mit Sir Hugh Willoughby und einigen Londoner Kaufleuten die [[Muscovy Company]]. [[Iwan IV. (Russland)|Iwan der Schreckliche]] ließ über die Kaufleute Briefe mit der englischen Königin [[Elisabeth I.]] austauschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte ==&lt;br /&gt;
=== Regierungszeit Iwans des Schrecklichen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Apostol 1564 Frontispis.jpg|mini|Das erste in Moskau gedruckte Buch: &amp;#039;&amp;#039;Der&amp;amp;nbsp;Apostel&amp;#039;&amp;#039; (1563) von [[Iwan Fjodorow]] und [[Pjotr Mstislawez]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Unterstützung von [[Bojaren]] führte [[Iwan IV. (Russland)|Iwan IV. (der Schreckliche)]] in der Anfangsphase seiner Herrschaftszeit eine Reihe von nützlichen Reformen durch. In den 1550er Jahren wurde ein neuer Gesetzeskodex geschaffen, der die administrative und militärische Ordnung neu regelte. Diese Reform zielte auf die Stärkung des russischen Staates vor dem Hintergrund der unaufhörlichen Kriege, die es führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Unterwerfung der Wolga-Tataren ====&lt;br /&gt;
Trotz interner Unruhen, die der erwachsenen Herrschaftszeit Iwans des Schrecklichen vorausgingen, führte Russland Kriege und setzte [[Russischer Imperialismus|seine Expansion]] fort. Iwan besiegte und annektierte das [[Khanat Kasan]] im Jahr 1552. Damit endeten die langen [[Moskau-Kasan-Kriege]] und Russland öffnete sich den Weg nach [[Sibirien]]. Wenig später gelang es Iwans Truppen, das an der unteren [[Wolga]] gelegene [[Khanat Astrachan]] einzunehmen und Russland einen Zugang zum [[Kaspisches Meer|Kaspischen Meer]] zu sichern, was Handel und kulturellen Austausch mit [[Iran|Persien]] und [[Zentralasien]] bedeutete. Mit diesen Siegen brach Russland die lange Umzingelung durch feindselig eingestellte muslimische Tatarenstaaten und wurde erstmals zu einem multikonfessionellen [[Vielvölkerstaat]]. Zugleich kühlten sich die Beziehungen zum als Lehnsherr der Tataren auftretenden [[Osmanisches Reich|Osmanischen Reich]] und dem [[Khanat der Krim|Krimkhanat]] dramatisch ab.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Hrsg=Maureen Perrie |Titel=The Cambridge History of Russia |Band=1 |Verlag=Cambridge University Press |Ort=Cambridge |Datum=2006 |ISBN=0-521-81227-5 |Kapitel=Building the realm |Seiten=252 ff}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Krieg im Baltikum und gegen die Krimtataren ====&lt;br /&gt;
Ermutigt durch den erworbenen Zugang zum Kaspischen Meer, wollte Iwan IV. einen ähnlichen Erfolg an der [[Ostsee]] erreichen. Schweden und der [[Livländischer Orden|Livländische Orden]] kontrollierten die Handelsrouten, die Russland mit Europa verbanden. Die Einfuhr von Waren war für Russland sehr teuer und einige strategische Güter wurden nicht nach Russland durchgelassen. &lt;br /&gt;
Der [[Livländischer Krieg|Livländische Krieg]], der 1558 ausbrach, begann für Russland erfolgreich: Die Truppen des Zaren eroberten weite Teile des Baltikums. Weitere Gebiete wurden vom traditionellen Rivalen [[Großfürstentum Litauen]] erobert, das den Livländischen Orden unterstützt hatte. Als dieses jedoch infolge der [[Union von Lublin|Lubliner Union]] einen [[Polen-Litauen|Unionsstaat]] mit Polen bildete, stand Russland einer gestiegenen Macht seiner Gegner gegenüber. Verwüstende Einfälle der Krimtataren, interner Terror des Zaren und eine [[Pestepidemie]] schwächten Russland weiter.&amp;lt;ref&amp;gt;Maureen Perrie (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia&amp;#039;&amp;#039;. Band 1, S. 256 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwar konnte 1569 ein osmanisch-krimtatarischer Angriff auf Astrachan abgewehrt und der Zugang zum Kaspischen Meer verteidigt werden, doch im [[Russisch-Krimtatarischer Krieg|Russisch-Krimtatarischen Krieg]] gelang den Krimtataren 1571 ein schneller Angriff auf Moskau, in dessen Folge Moskau fast vollständig niederbrannte. 1572 planten der Krimkhan und der osmanische Sultan die endgültige Niederwerfung Russlands und entsandten eine riesige Armee. Diese erlitt in der [[Schlacht bei Molodi|Schlacht von Molodi]] aber eine schwere Niederlage durch zahlenmäßig unterlegene Russen. Die Gefahr aus dem Süden war für Russland abgewendet, doch im Westen gingen seine Gegner zum Gegenangriff über. Russland verlor seine Eroberungen an der Ostsee und musste 1581 bei der [[Belagerung von Pskow (1581)|Belagerung von Pskow]] seinen eigenen Boden verteidigen. Nach Abschluss des [[Friedensvertrag]]es mit Polen und Schweden war Russland von seinen Zielen weiter entfernt als vor dem Krieg.&amp;lt;ref&amp;gt;Maureen Perrie (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia&amp;#039;&amp;#039;. Band 1, S. 256.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Eroberung Sibiriens ====&lt;br /&gt;
[[Datei:Surikov Pokoreniye Sibiri Yermakom.jpg|mini|hochkant=1.2|[[Wassili Surikow]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Eroberung Sibiriens durch Jermak&amp;#039;&amp;#039; (1895)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das turktatarische [[Khanat Sibir]] näherte sich während des russisch-krimtatarischen Krieges politisch dem [[Khanat der Krim|Krimkhanat]] an und griff russische Siedlungen im [[Ural]] an, die zum Besitz der einflussreichen Kaufmannsfamilie [[Stroganow]] gehörten. Daraufhin erhielt diese vom Zaren das Recht, eigene Truppen zum Schutz ihrer Ländereien aufzustellen und gegen die [[Sibirische Tataren|sibirischen Tataren]] vorzugehen. Zu diesem Zweck heuerten die Stroganows die im Steppenland zwischen [[Wolga]] und [[Don (Asowsches Meer)|Don]] lebenden [[Kosaken]] an. Unter dem Anführer [[Jermak Timofejewitsch]] unternahm im Jahr 1582 ein kleiner (nur knapp Tausend Mann), aber mit Kanonen und Musketen gut ausgerüsteter Kosakentrupp einen [[Eroberung des Khanates Sibir|Feldzug gegen das Khanat Sibir]]. Die Unzufriedenheit kleinerer [[Finno-ugrische Völker|ugrischer]] Völker mit [[Kütschüm Khan]] geschickt ausnutzend, konnten sie unaufhaltsam vorrücken und seine Hauptstadt [[Kaschlyk|Qaschliq]] im Sturm erobern. Obwohl die sibirischen [[Tataren]] die Kosaken Jermaks anschließend einen Winter lang belagerten und letztlich in einem Hinterhalt aufrieben, konnte der zerfallene sibirische Staat nicht mehr wiederaufgebaut werden. Reguläre Truppen des Zaren zerschlugen wenige Jahre später den letzten Widerstand, während die Kosaken und die nordrussischen Pelzjäger die neuen Freiräume nutzten, um Freiheit oder Profit zu finden. Es entstanden nach und nach Forts ([[Ostrog]]s) und Handelssiedlungen wie [[Werchoturje]], [[Tobolsk]], [[Mangaseja]], [[Jenisseisk]] und [[Bratsk]].&amp;lt;ref&amp;gt;Maureen Perrie (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia&amp;#039;&amp;#039;. Band 1, S. 270.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeit der Wirren ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Smuta|Polnisch-Russischer Krieg 1609–1618}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Lissner.jpg|mini|Polnische Kapitulation im Moskauer Kreml, 1612, Gemälde von [[Ernst Lissner]] (1874–1941)]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Tsar boyar duma.jpg|mini|Zar [[Michael I. (Russland)|Michael I. Romanow]] vor der [[Bojarenduma]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Tod Iwans IV. des Schrecklichen folgten mehrere Jahre der Herrschaft seines kränklichen Sohnes [[Fjodor I. (Russland)|Fjodor I.]], für den de facto der Bojar [[Boris Godunow]] regierte. Mit dem Tod Fjodors 1598 starb auch die über 700 Jahre alte Dynastie der [[Rurikiden]] aus. Godunow ließ sich zum Zaren krönen, doch Gerüchte über ein wundersames Überleben des jungen Zarewitsch [[Dmitri Iwanowitsch (Zarewitsch)|Dmitri]], des jüngsten Sohnes Iwans des Schrecklichen, der im Alter von 9 Jahren unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war, ließen das Land nicht zur Ruhe kommen. Zusätzlich stürzten Missernten das Land in eine schwere wirtschaftliche und soziale Krise. Als Boris Godunow 1605 starb, sah [[Polen-Litauen]] eine günstige Chance, in Moskau eine ihnen wohlgesinnte Marionette auf den Thron zu bringen. Ein polnisches Heer drang in Russland ein und machte einen Mann zum Zaren, der sich für Dmitri ausgab und als [[Pseudodimitri I.]] in die Geschichte einging. Seine Herrschaftszeit dauerte nur kurz, da er schon bald bei einer Revolte umgebracht wurde. Aber auch der neue Zar [[Wassili IV. (Russland)|Wassili IV. Schuiski]] konnte nicht lang regieren, denn die Polen fielen abermals in Russland ein, um die Ansprüche von [[Pseudodimitri II.]] und später ihres eigenen Königs [[Władysław IV. Wasa]] durchzusetzen. Ihre Intervention wurde von großem Terror gegen die weitgehend ablehnende orthodoxe Zivilbevölkerung begleitet. Die Polen besetzten Moskau, doch in [[Nischni Nowgorod]] bildete sich eine Volksarmee unter der Führung von [[Kusma Minin]] und Fürst [[Dmitri Michailowitsch Poscharski|Dmitri Poscharski]], die 1612 die Polen im [[Moskauer Kreml|Kreml]] belagerte und zur [[Kapitulation]] zwang. Daraufhin bestieg [[Michael I. (Russland)|Michael I.]] aus dem Geschlecht der [[Romanow]]s den Zarenthron und begründete so eine neue Dynastie, die bis 1917 regieren sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Maureen Perrie (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia&amp;#039;&amp;#039;. Band 1, S. 264 ff. und 409 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Krieg gegen Polen noch bis 1618 andauerte, gilt das Jahr 1613 als das Ende der Zeit der Wirren ([[Smuta]]). In dieser Periode kamen unzählige Russen durch Hunger, fremde Besatzer oder Räuber ums Leben. Zwischenzeitlich hörte die Staatsmacht de facto auf zu existieren. Als Erinnerung an die Befreiungsinitiative, die aus den Tiefen der russischen Gesellschaft kam, sowie an die Neugründung des russischen Staates wurde das Ende der Smuta bis zur Oktoberrevolution als Staatsfeiertag gefeiert. [[Wladimir Wladimirowitsch Putin|Wladimir Putin]] führte [[2005]] den [[4. November]], den Jahrestag der polnischen Kapitulation, als [[Tag der Einheit des Volkes|Tag der nationalen Einheit]] wieder als Feiertag ein.&amp;lt;ref&amp;gt;Maureen Perrie (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia&amp;#039;&amp;#039;. Band 1, S. 487 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Anschluss der Ukraine ===&lt;br /&gt;
Das Zarentum und Polen-Litauen blieben verfeindet. Ab den 1630er Jahren stieg in der zu Polen gehörenden [[Ukraine]] der feudale und religiöse Druck auf die orthodoxe bäuerliche Bevölkerung, was zahlreiche Aufstände der ukrainischen Kosaken zur Folge hatte, von denen der [[Chmelnyzkyj-Aufstand]] (1648–1657) der größte und der erfolgreichste war. Die königlichen polnischen Truppen erlitten in der Ukraine zahlreiche Niederlagen, doch auch die Ukraine begann zunehmend auszubluten, da der sporadisch verbündete Krim-Khan oft die Seiten wechselte, um im fortdauernden Kriegszustand reiche Beute machen zu können. Die Kosaken unter [[Bohdan Chmelnyzkyj]] wandten sich an den russischen Zaren mit der Bitte um Beistand. Auf der [[Vertrag von Perejaslaw|Rada von Perejaslawl]] leistete der überwiegende Teil der ukrainischen Kosaken-Elite dem Zaren den Treueeid und bekannten sich als seine Untertanen. Im Gegenzug erhielt das [[Hetmanat]] weitgehende Autonomie. Zwischen dem Zarenreich und Polen begann 1654 [[Russisch-Polnischer Krieg 1654–1667|ein Krieg]], an dessen Ende 1667 der östlich des [[Dnepr]] gelegene Teil der Ukraine zusammen mit [[Kiew]] bei ersterem verblieben.&amp;lt;ref&amp;gt;Maureen Perrie (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia&amp;#039;&amp;#039;. Band 1, S. 500 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kirchenspaltung ===&lt;br /&gt;
[[Datei:PhilipandNikon.jpg|mini|Patriarch Nikon und Zar [[Alexei Michailowitsch]] in der [[Erzengel-Michael-Kathedrale (Moskau)|Erzengel-Michael-Kathedrale]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Jahren 1654–1655 führte der Patriarch [[Nikon (Patriarch)|Nikon]] Kirchenreformen durch, die in großen Teilen der Bevölkerung auf Widerstand stießen. Die Folge war eine Abspaltung der sogenannten [[Altorthodoxe|Altgläubigen]], die den Neuerungen nicht folgen wollten. Dafür waren sie bis in die Zeit [[Peter der Große|Peters des Großen]] mit staatlicher Verfolgung konfrontiert, woraufhin viele altgläubige Russen nach Nordrussland, nach Sibirien, ins [[Baltikum]] und ins [[Biosphärenreservat Donaudelta|Donaudelta]] auswanderten ([[Lipowaner]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fjodor III. und Sofia ===&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Zar [[Alexei I. (Russland)|Alexei Michailowitsch]], der über weite Strecken des 17. Jahrhunderts regierte, folgten mehrere Regierungsjahre seines älteren Sohns [[Fjodor III.]] In diese Zeit fiel der [[Russisch-Türkischer Krieg (1676–1681)|Russisch-Türkische Krieg 1676–1681]], in dem Russland und die ukrainischen Kosaken eine osmanische Expansion in die östliche Ukraine verhindern konnten. Nach dem frühen Tod von Fjodor III. kam es zum Machtkampf mehrerer Parteien. Hinter den jüngeren Söhnen Alexeis, [[Iwan V. (Russland)|Iwan]] und [[Peter der Große|Peter]], die beide noch im Kindesalter waren, standen jeweils die Häuser [[Miloslawski]] und [[Naryschkin (Adelsgeschlecht)|Naryschkin]], denen die beiden Halbbrüder mütterlicherseits angehörten. Infolge des [[Moskauer Aufstand 1682|Strelitzenaufstands 1682]] konnte sich zunächst die Miloslawski-Partei durchsetzen, zur Regentin wurde die ältere Tochter Alexeis [[Sofia Alexejewna|Sofia]]. Ihre Herrschaft scheiterte im Jahr 1689 an zwei erfolglosen [[Krimfeldzüge]]n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Regierungszeit Peters des Großen bis 1721 ===&lt;br /&gt;
[[Datei:PeterandPaulNeva.JPG|mini|Die [[Peter-und-Pauls-Festung]] als Kern des neugegründeten [[Sankt Petersburg]]]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Goto Predestinacia 1.jpg|mini|Das russische Linienschiff &amp;#039;&amp;#039;Goto Predestinazija&amp;#039;&amp;#039;, Kupferstich (1701)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Macht riss der junge und energische Peter an sich, während sein Halbbruder Iwan V. ein Leben im Kloster präferierte. Peter war ein sehr tatenhungriger und patriotischer Herrscher, er erkannte jedoch bald, dass die russische Gesellschaft eine umfassende Modernisierung nach westlichem Vorbild brauchte, um ihre Interessen auf der internationalen Bühne effektiv verteidigen zu können. Im Zuge der [[Große Gesandtschaft|Großen Gesandtschaft]] unternahm Peter eine mehrjährige Reise durch Westeuropa, um das Know-how zu studieren, Bündnisse zu schließen und Experten anzuwerben. Besonders angetan war er vom Schiffsbau, den er in den [[Republik der Sieben Vereinigten Provinzen|Niederlanden]] selbst erlernte. Um am europäischen Handel und dem Wissensaustausch partizipieren zu können, fehlte Russland weiterhin der Zugang zur Ostsee und zum [[Schwarzes Meer|Schwarzen Meer]], der nur in Kombination mit einer zeitgemäßen Flotte erobert und behauptet werden konnte. Vor allem die [[Asow-Flotte (1695)|Asow-Feldzüge]] Peters in den Jahren 1695–1696 brachten diese Erkenntnis. Peters Reise wurde durch den [[Zweiter Strelizenaufstand|zweiten Strelitzenaufstand]] unterbrochen. Die alte Zarengarde rebellierte in Peters Abwesenheit gegen die Einführung westlicher Sitten und die Abschaffung der alten Ordnung. Nach seiner vorzeitigen Rückkehr schlug Peter den [[Zweiter Strelizenaufstand|Aufstand]] gewaltsam nieder, viele [[Strelizen|Strelitzen]] wurden hingerichtet und ihr Stand endgültig abgeschafft. Im Zuge der Rückkehr aus Westeuropa begann Peter I. die [[Petrinische Reformen|Petrinischen Reformen]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge der Bündnisse, die Peter in Westeuropa schloss, trat Russland 1700 in den [[Großer Nordischer Krieg|Großen Nordischen Krieg]] ein. Das Ziel war die Eroberung des 1617 verloren gegangenen Zugangs zur Ostsee. Die empfindliche [[Schlacht bei Narva|Niederlage von Narva]] gegen die damalige Großmacht Schweden verdeutlichte einmal mehr die Notwendigkeit umfassender Reformen in der Armee, die Peter sofort begann. Bereits 1703 eroberten die Russen die Mündung der [[Newa]], wo die neue Hauptstadt [[Sankt Petersburg]] angelegt wurde, die als „Fenster nach Europa“ dienen sollte. Auf dem vom Zugriff der Schweden geschützten [[Ladogasee]] ließ Peter die russische Ostseeflotte aufbauen. In der [[Schlacht bei Poltawa|Schlacht von Poltawa]] 1709 errang die reformierte [[Kaiserlich Russische Armee|russische Armee]] einen entscheidenden Sieg über die Schweden, weitere Erfolge folgten in mehreren Seeschlachten an der Ostsee. Durch den [[Frieden von Nystad]] im Jahr 1721 erhielt Russland das Baltikum und löste Schweden als vorherrschende Macht im Ostseeraum ab. Im selben Jahr ließ Peter sein Land in [[Russisches Kaiserreich]] &amp;#039;&amp;#039;(Rossijskaja Imperija)&amp;#039;&amp;#039; umbenennen und nahm den Titel eines Kaisers &amp;#039;&amp;#039;(Imperator)&amp;#039;&amp;#039; an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Geschichte Russlands]]&lt;br /&gt;
* [[Liste der russischen Herrscher]]&lt;br /&gt;
* [[Altgroßrussische Sprache]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Martin Aust]]: [http://ieg-ego.eu/de/threads/europa-und-die-welt/wissenschaft/martin-aust-russland-und-europa-in-der-epoche-des-zarenreiches-1547-1917 &amp;#039;&amp;#039;Russland und Europa in der Epoche des Zarenreiches (1547–1917)&amp;#039;&amp;#039;], in: &amp;#039;&amp;#039;[[Europäische Geschichte Online]]&amp;#039;&amp;#039;, hrsg. vom [[Leibniz-Institut für Europäische Geschichte|Institut für Europäische Geschichte (Mainz)]], 2015, Zugriff am 15. März 2021 ([https://d-nb.info/1125541970/34 pdf]).&lt;br /&gt;
* [[Richard Pipes]]: &amp;#039;&amp;#039;Rußland vor der Revolution. Staat und Gesellschaft im Zarenreich.&amp;#039;&amp;#039; C.H. Beck, München 1977, ISBN 3-406-06720-4.&lt;br /&gt;
* [[Maureen Perrie]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia.&amp;#039;&amp;#039; Band 1, Cambridge University Press, Cambridge 2006.&lt;br /&gt;
* [[Dominic Lieven]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Cambridge History of Russia.&amp;#039;&amp;#039; Band 2, Cambridge University Press, Cambridge 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Historischer Staat (Neuzeit)|Russland, Zarentum]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gegründet 1547]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Boonekamp</name></author>
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