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	<title>Winter 1783/84 - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Hardenacke: + wikilink</title>
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		<updated>2025-07-28T14:57:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;+ wikilink&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Der extreme &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Winter von 1783/1784&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; auf der [[Nordhalbkugel|nördlichen Hemisphäre]] war Teil einer natürlichen [[Klimaveränderung#Der Vulkanismus|Klimaschwankung]] und gilt als einer der härtesten überhaupt in [[Mitteleuropa]],&amp;lt;ref name=&amp;quot;Zeitreihe&amp;quot;&amp;gt;[[Zeitreihe der Lufttemperatur in Deutschland]]&amp;lt;/ref&amp;gt; war aber auch in [[Nordamerika]] und Asien ungewöhnlich. Ihm folgten extreme [[Überschwemmung]]en im Februar und März 1784 in Mitteleuropa, die als eine der größten Naturkatastrophen der [[Frühe Neuzeit|frühen Neuzeit]] in dieser Region angesehen werden. Die Ursache dafür wird in besonders schwefelreichen oder besonders heftigen und aschereichen vulkanischen Eruptionen gesehen, die sich in [[Island]] ereigneten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vulkanische Ereignisse ==&lt;br /&gt;
Beim [[Vulkanausbruch|Ausbruch]] der [[Laki-Krater]] auf Island (Beginn 8. Juni 1783, Dauer etwa 8 Monate) produzierten insgesamt etwa 130 Krater ein Gesamtvolumen von ungefähr 12 bis 15&amp;amp;nbsp;km³ Lava.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Williams, J. Moore: &amp;#039;&amp;#039;Man Against Volcano - The Eruption on Heimaey, Vestmannaeyjar, Iceland.&amp;#039;&amp;#039; U.S. Dept. of the Interior, Geological Survey, Washington 1976.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hinzu kamen Gas- und Aschewolken. Die umfangreichen Mengen ausgestoßenen [[Schwefeldioxid]]s reagierten mit den Wassertröpfchen der Wolken zu [[Schweflige Säure|schwefliger Säure]] und [[Schwefelsäure]].&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.agu.org/meetings/cc02babstracts/Grattan-p.pdf A Sulphurous Stench: Illness and Death in Europe Following the Eruption of the Laki Fissure] (PDF; 149&amp;amp;nbsp;kB).&amp;lt;/ref&amp;gt; Neben geschätzten 122 Millionen Tonnen Schwefeldioxid traten möglicherweise bis zu 15 Millionen Tonnen [[Fluorwasserstoff]] (HF) und 7 Millionen Tonnen [[Chlorwasserstoff]] (HCl) aus.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oppenheimer2011&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Clive Oppenheimer |Titel=Eruptions that Shook the World |Verlag=Cambridge University Press |Datum=2011 |ISBN=978-0-521-64112-8 |Seiten=276–294}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hatte verheerende Folgen für das ganze Land: Aufgrund von Vergiftungen siechte das Vieh dahin (→&amp;amp;nbsp;[[Fluorose]]) und die ausgelöste Hungersnot bewirkte, dass schätzungsweise 9350 Menschen in den folgenden Jahren starben, mehr als ein Fünftel der Bevölkerung Islands.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.ngdc.noaa.gov/idb/struts/results?eq_0=4280&amp;amp;t=102557&amp;amp;s=1&amp;amp;d=140,145,175,180&amp;amp;nd=display Laki 1783] in &amp;#039;&amp;#039;The Significant Volcanic Eruption Database&amp;#039;&amp;#039; der [[NOAA]] (Abgerufen am 8. März 2013).&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oppenheimer2011&amp;quot;/&amp;gt; In [[Westeuropa]] wirkte sich der Ausbruch ebenfalls aus: Die giftige [[Aerosol]]wolke legte sich über den gesamten Kontinent, besonders aber über die [[Britische Inseln|Britischen Inseln]], und wurde als [[Höhenrauch]] oder auch „trockener Nebel“ wahrgenommen. Aufzeichnungen berichten, dass der [[Smog]] wochenlang am Himmel hing. Vergiftungserscheinungen machten sich durch Atemnot bemerkbar, so dass beispielsweise Bauern kaum noch ihrer Feldarbeit nachgehen konnten. Allein auf den Britischen Inseln starben um die 25.000 Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.wou.edu/las/physci/taylor/g473/med_geo/grattan_2003.pdf John Grattan; Michael Durand; David Gilbertson; F. Brian Pyatt: &amp;#039;&amp;#039;Human Sickness and Mortality Rates in Relation to the Distant Eruption of Volcanic Gases: Rural England and the 1783 Eruption of the Laki Fissure, Iceland.&amp;#039;&amp;#039; Case Study, Western Oregon University, S. 19–23.]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ausbruch des Vulkans [[Asama]] in Japan 1783 hatte im Vergleich zur Eruption der Laki-Krater einen nur geringen Einfluss auf die Klimaveränderungen.&amp;lt;ref&amp;gt;G. A. Zielinski, R. J. Fiacco, Paul Andrew Mayewski, L.D. Meeker, S. Whitlow, M. S. Twickler, M. S. Germani, K. Endo, M. Yasui: [http://digitalcommons.library.umaine.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1191&amp;amp;context=ers_facpub &amp;#039;&amp;#039;Climatic Impact of the A.D. 1783 Asama (Japan) Eruption was Minimal: Evidence from the GISP2 Ice Core.&amp;#039;&amp;#039;] (1994). Earth Science Faculty Scholarship, Paper 191 (englisch, pdf, 492 kB).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wetterereignisse ==&lt;br /&gt;
=== Winter in Nordamerika ===&lt;br /&gt;
[[Benjamin Franklin]] berichtet von einem bemerkenswert kalten Winter in [[Philadelphia]]. Er war damals amerikanischer Botschafter in Paris&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2010-04/vulkanausbruch-island/seite-2 |titel=Naturkatastrophen: Einige Menschen sahen in dem Nebel den Vorboten des Weltuntergangs |werk=Zeit Online |datum=2010-04-07 |abruf=2014-07-06}}&amp;lt;/ref&amp;gt; und vermutete, dass die Kälte das Resultat eines Staubnebels in der Atmosphäre über Europa und Nordamerika war. Die Kälte war so stark, dass der Hafen von [[New York City]] zehn Tage lang zufror und Schlitten den [[Long-Island-Sund]] überqueren konnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Winter in Europa ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Mülheim am Rhein 1784 Eisgang Goblé 18-Jh.jpg|mini|Stahlstich der Eisflut des Jahres 1784 in [[Köln-Mülheim|Mülheim am Rhein]]]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Alte Bruecke in Heidelberg von Ferdinand Kobell 1784.jpg|mini|[[Ferdinand Kobell]]: &amp;#039;&amp;#039;Die zerstörte [[Alte Brücke (Heidelberg)#Eishochwasser 1784|Alte Brücke in Heidelberg]] nach dem Eisgang&amp;#039;&amp;#039;, 1784]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Hochwasser in Würzburg, 1784.jpg|mini|Hochwasser in Würzburg]]&lt;br /&gt;
Im gesamten europäischen Raum war der Winter außergewöhnlich kalt und schneereich. Wissenschaftler gehen davon aus, dass 1784 die Durchschnittstemperatur um ein Grad [[Celsius]] niedriger lag als üblich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Zeitreihe&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frostperiode hielt in [[Mainfranken]] insgesamt 13&amp;amp;nbsp;Wochen an. Die Kälte begann im Dezember 1783, und es froren daraufhin fast alle Gewässer in Mitteleuropa zu. Der [[Großer Belt|Große Belt]] in Dänemark war schon so stark zugefroren, dass man ihn mit Schlitten und Wagen überqueren konnte. Um den 26./27.&amp;amp;nbsp;Dezember 1783 trat bei den Temperaturen eine kurze Besserung ein, bis zum Jahresende fielen sie jedoch erneut stark. Diese extreme Kälte hielt bis Mitte Januar 1784 an. Von Mitte Januar bis zum 21./22.&amp;amp;nbsp;Februar wurde diese Kaltphase immer wieder von kurzen Phasen mit etwas milderen Temperaturen unterbrochen. In diesem Zeitraum fiel auch häufig Schnee.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Winter war von Dezember bis Februar sehr schneereich. Vom 24.&amp;amp;nbsp;Dezember 1783 bis zum 21. Februar beobachtete man beispielsweise in [[Mannheim]] 29 Schneefallereignisse, die teilweise tagelang anhielten. Der Schnee wuchs in manchen Regionen auf mehr als 150&amp;amp;nbsp;Zentimeter Höhe an, wobei am 27. und 28.&amp;amp;nbsp;Dezember 1783 im [[Rhein-Neckar-Raum]] um die 45&amp;amp;nbsp;Zentimeter Schnee fielen. Der Februar brachte ebenfalls viel Schnee und Eis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz Europa wurde von Ende Dezember 1783 bis in den Januar von einer [[Kältewelle]] heimgesucht, die vom Schwarzen Meer bis an den Atlantik reichte. In Frankreich war es so kalt, dass in den Dörfern Wölfe auftauchten, um Vieh zu reißen. Die Schneemengen im Winter 1783/84 schränkten die Agrarproduktion in verschiedenen deutschen Ländern in solch erheblichem Maße ein, dass es zu gravierenden Versorgungsengpässen kam. Um diese Verknappungen zu überbrücken, griffen die jeweiligen Regierungen kontrollierend ein. In [[Königsberg (Preußen)|Königsberg]] wurde so viel Getreide gespeichert, dass nicht genügend Raum dafür vorhanden war. Im [[Darmstadt|Darmstädtischen]] erfroren mehrere Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;Guido Nicolaus Poliwoda: &amp;#039;&amp;#039;Aus Katastrophen lernen. Sachsen im Kampf gegen die Fluten Elbe 1784–1845.&amp;#039;&amp;#039; S. 63.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der sächsischen Elbe bildeten sich Eisschollen, die immer dichter wurden, und in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember war der Strom vor der Augustusbrücke in Dresden zugefroren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Frankfurt am Main]] führte man im Januar 1784 wegen der anhaltenden strengen Kälte und zur Unterstützung der Armen Brot- und Holzsammlungen durch. Es wurden 14.752 Brote à sechs Pfund verteilt. In [[Speyer]] feierte man in bescheidenem Rahmen auf dem zugefrorenen Rhein, um mit den Einnahmen dieser Benefizveranstaltung ebenso der Armut entgegenzuwirken. Aus Angst vor einem möglichen [[Eisgang]] verordnete man in Köln und Bamberg öffentliche Gebete. In [[Stuttgart]] ließ man im Hof der Militärakademie einen [[Montgolfière|Luftball]] steigen, der erleuchtet und mit einem kleinen Feuerwerk versehen war. Aus den Einnahmen dieser Veranstaltung kaufte man für die Armen der Stadt Holz, da die Preise dafür sehr hoch waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Poliwoda, Katastrophen, S. 64.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 7. Januar wurden in [[Leipzig]] morgens um sieben Uhr minus 17,5 [[Grad Réaumur]] (−21,9&amp;amp;nbsp;°C) gemessen. In [[Weida]] im Vogtland zeigte das Réaumursche Thermometer, ebenso am 7. Januar, morgens minus 21 Grad Réaumur (−26,3&amp;amp;nbsp;°C). Doch auch im kalten Januar 1784 waren in Sachsen wärmere Abschnitte zu verzeichnen. Vom 15. bis zum 17. Januar herrschte Tauwetter, wobei eine maximale Temperatur von +5&amp;amp;nbsp;°C erreicht wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese meteorologische Konstellation, das Abwechseln von kälteren zu wärmeren Perioden, setzte sich im Februar 1784 fort und führte zu einem Auftürmen von Eis auf der Elbe, da dem kalten Januarabschnitt über Deutschland bis zum 21./22. Februar ein immer wieder von kurzen wärmeren Phasen unterbrochener kalter Abschnitt folgte. Der starke Frost hielt bis Ende Februar 1784 an, wodurch sich die Eismassen auf der Elbe bis zu 110&amp;amp;nbsp;Zentimeter auftürmten. Hinzu kamen erhebliche Schneefälle im Kurfürstentum, die die Versorgungslage schwieriger werden ließen.&amp;lt;ref&amp;gt;Poliwoda, Katastrophen, S. 65.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schneeschmelze ===&lt;br /&gt;
Um den 23. Februar brachte ein plötzlicher [[Warmfront|Warmlufteinbruch]] die enormen Schneemassen, die sich im Winter angesammelt hatten, zum Schmelzen. Diese Warmluft wurde durch ein blockierendes [[Hochdruckgebiet]] über Osteuropa ausgelöst, das in Mitteleuropa eine südwärts orientierte [[Zirkulation (Meteorologie)|Zirkulation]] zur Folge hatte. Die Veränderung der Großwetterlage führte in Mainfranken wie auch in weiten Teilen Europas warme Luftmassen aus westlichen und südlichen Richtungen heran. Der Winter war vorher überdurchschnittlich lange von den [[Großwetterlage]]n &amp;#039;&amp;#039;Hoch Mitteleuropa&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;Ost&amp;#039;&amp;#039; geprägt, wobei sehr kalte Luftmassen aus nördlichen und östlichen Richtungen herangeführt worden waren. Der Warmlufteinbruch wurde infolge großräumiger [[Aufgleiten|Aufgleitbewegungen]] von hohen Niederschlägen geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedingt durch die rasche und starke Erwärmung, die von heftigen Regenfällen begleitet war, kam es in den letzten Tagen des Februars 1784 zum Bruch und Aufstau des Eises in Deutschlands Flüssen. Aufgrund der enormen Schmelzwassermassen, des Eisstaus und der starken Niederschläge begannen die Pegel sehr schnell zu steigen. An allen größeren Haupt- und Nebenflüssen erfolgte der Eisgang gleichzeitig. Erschwerend kam hinzu, dass sich durch zeitweise herrschende Tauphasen mehrere Eisdecken übereinander geschoben hatten, die dann wieder festgefroren waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesem Warmlufteinbruch trat kurze Zeit später, bedingt durch die erneute Änderung der Großwetterlage, wieder Kälte ein, die Niederschläge ließen nach und die Pegel sanken rasch ab. Das blockierende Hoch hatte sich aufgelöst, und die vorherigen Wetterlagen konnten sich wieder etablieren. Es strömte wieder Kaltluft aus nördlichen und östlichen Richtungen nach Mitteleuropa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== {{Anker|Hochwasser im Februar 1784}} Hochwasser im Frühjahr 1784 ===&lt;br /&gt;
Das Hochwasserereignis wird als eine der größten Naturkatastrophen der frühen Neuzeit in Mitteleuropa angesehen. Das Hochwasser verwüstete ganze Talzüge, unzählige Brücken wurden zerstört. Es wird auch als „Jahrhundert-Eisgang“ oder „Eisflut“ bzw. „Winterhochwasser von 1784“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Köln]] wurde vom schlimmsten jemals verzeichneten Hochwasser heimgesucht. Beim erwähnten Temperatursprung war der Rhein fest zugefroren, während die Schneeschmelze sowie das aufbrechende Eis für einen Rekordpegel von 13,55 Metern sorgten – zum Vergleich, der [[Pegel (Wasserstandsmessung)|Normalpegel]] beträgt 3,48 Meter. Die Fluten, auf denen schwere Eisschollen trieben, verwüsteten weite Teile der Uferbebauung und zerstörten alle Schiffe. Einzelne Gebäude, darunter auch Befestigungsbauten, stürzten aufgrund des Schollengangs ein. 65 Tote waren zu beklagen. In [[Beuel]] überstanden nur ganz wenige Bauten mit Steinfundament die Eisbrocken; alle Fachwerkhäuser wurden weggeschwemmt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Manfred Spata |Titel=Das Jahrtausendhochwasser von 1784 in Bonn und Beuel |Reihe=Kleine Beiträge zu Denkmal und Geschichte im rechtsrheinischen Bonn |BandReihe=4 |HrsgReihe=Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch e.&amp;amp;nbsp;V. |Ort=Bonn |Datum=2017 |ISBN=978-3-9812164-5-5 |Umfang=40}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die rechtsrheinisch gelegene alte [[Herzogtum Berg|bergische]] Stadt [[Köln-Mülheim|Mülheim]] am Rhein, heute ein Kölner Stadtteil, wurde vollständig zerstört. Auch die Bäume des berühmten [[Walnussgewächse|Nussbaumwaldes]] auf der [[Namedyer Werth]] (seit 1857 Halbinsel) nahe Andernach wurden durch die Eisschollen oberhalb ihrer Wurzeln regelrecht abgeschnitten. Der Andernacher [[Alter Krahnen (Andernach)|Alte Krahnen]] entging der Katastrophe durch den rheinaufwärts angebauten [[Eisbrecher (Wasserbau)|Basalteisbrecher]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:20250430SaarlouisAlteKommandanturSaarstand1784 crop.jpg|mini|Tafel mit Hochwasserstand im Jahre 1784 an der Alten Kommandantur in Saarlouis]]&lt;br /&gt;
An der [[Mosel]] ist das Eishochwasser 1784 das bis heute höchste durch [[Hochwassermarke]]n bezeugte Winterhochwasser.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |hrsg=Bundesanstalt für Gewässerkunde |titel=Hochwasserereignisse im Rheingebiet: Das Eishochwasser 1784 |werk=Informationsplattform zu hydrologischen Extremereignissen (Hochwasser, Niedrigwasser) |url=https://undine.bafg.de/rhein/extremereignisse/rhein_hw1784.html |abruf=2024-06-01}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Trier]] wurde der Höchststand des Wassers am 28. Februar 1784 beobachtet. Das Wasser reichte dort bis zum [[Pferdemarkt (Trier)|Pferdemarkt]] und in die [[Jakobstraße (Trier)|Jakobsgasse]] hinein.&amp;lt;ref&amp;gt;Ludwig Müller: &amp;#039;&amp;#039;Witterungsbeobachtungen 1783–1813 (Handschriftensammlung), Stadtbibliothek Trier.&amp;#039;&amp;#039; Veröffentlicht durch den Trierer Stadtbibliothekar [[Gottfried Kentenich]] (1873–1939) in der Zeitschrift Trierische Chronik NF XVI; 1919/20. S. 56–61.&amp;lt;/ref&amp;gt; An der [[Kommandantur (Saarlouis)|Alten Kommandantur]] am Großen Markt in [[Saarlouis]] befindet sich eine Tafel, die den Wasserstand der [[Saar]] von 1784 markiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gemälde - Neckarhausen - zerstörte Mühle nach Eisgang.jpg|mini|Neckarhausen nach der Hochwasserkatastrophe, Februar 1784]]&lt;br /&gt;
Der [[Neckar]] verursachte in [[Heidelberg]] das größte Hochwasser in historischer Zeit. Die Folgen der Flut wurden durch den [[Eisgang]] verschärft. Neben der [[Alte Brücke (Heidelberg)#Eishochwasser 1784|Alten Brücke]] wurden 39 Gebäude zerstört und 290 beschädigt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Werner Fricke |Hrsg=[[Helmut Prückner]] |Titel=Der Bericht von E. F. Deurer über das Eishochwasser von 1784 |Sammelwerk=Die alte Brücke in Heidelberg |Verlag=Braus |Ort=Heidelberg |Datum=1988 |Seiten=41–60. Hier S. 43}} Originalbericht: {{Literatur |Autor=Deurer, E. F. |Titel=Umständliche Beschreibung der im Jänner und Hornung 1784 die Städte Heidelberg, Mannheim und andere Gegenden der Pfalz durch die Eisgänge und Ueberschwemmungen betroffenen grosen Noth: nebst einigen vorausangeführten Natur-Denkwürdigkeiten des vorhergehenden Jahres. |Verlag=Neue Hof- und Akademische Buchhandlung |Datum=1784 |Seiten=126 ff. |Kommentar=Bayerische Staatsbibliothek digital |URN=nbn:de:bvb:12-bsb10018562-2}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In ähnlicher Weise betroffen waren weitere Gemeinden, vor allem [[Edingen-Neckarhausen|Neckarhausen]], auf dem weiteren Weg des Neckars Richtung Mündung, einschließlich [[Mannheim]]er Innenstadt. Nach [[Seckenheim]] nahm der Fluss teilweise den Weg eines alten Mündungsarms und überschwemmte das einige Kilometer entfernte [[Neckarau]].&amp;lt;ref&amp;gt;siehe Deurer, E. F., o. a. Gesamtwerk, insbes. S. 135 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Naturkatastrophe war Anlass zur Errichtung erster Hochwasserschutzmaßnahmen zwischen Edingen und Mannheim. Unter anderem wurde unter der Regentschaft von [[Karl Friedrich (Baden)|Kurfürst Karl Friedrich von Baden]] am Neckarufer von Edingen ein aus Sandstein gefertigter [[Eisbrecher (Wasserbau)|Eisbrecher]] installiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der [[Main]] führte extremes Hochwasser. Dieses nach 1342 ([[Magdalenenhochwasser 1342|Magdalenenhochwasser]]) zweithöchste Hochwasser wird im mittleren Maingebiet als 300- bis 500-jährliches Ereignis eingestuft. Die [[Hochwasser in Würzburg|Hochwassermarke am Rathausportal von Würzburg]] zeigt für dieses Hochwasser einen Maximalpegel von {{Höhe|173.83|DE-NN}}, das sind 94&amp;amp;nbsp;cm über dem Wert von 1845. Im Vergleich zu dem am Pegel registrierten Hochwasser von 1845 hatte das Hochwasser von 1784 einen Pegelstand von 928 Zentimetern, bei einem Abfluss von 2600&amp;amp;nbsp;m³/s.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Hochwasserwahrscheinlichkeiten, Seite 229&amp;quot;&amp;gt;Heinz Schiller: &amp;#039;&amp;#039;Ermittlungen von Hochwasserwahrscheinlichkeiten am schiffbaren Main und überregionaler Vergleich der Ergebnisse.&amp;#039;&amp;#039; Seite 229. Siehe auch: Literatur.&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Bamberg]] fiel dem größten Hochwasser aller Zeiten die Uferbebauung im Mühlenviertel zum Opfer. Auch die Brücken wurden stark beschädigt. Insbesondere die erst 1756 fertiggestellte Seesbrücke, die heutige Kettenbrücke, mit ihrer barocken Ausstattung wurde durch Eisschollen und mitgerissene Baumstämme zerstört. In [[Marktbreit]] wurde der damalige [[Alter Kranen (Marktbreit)|Fachwerk-Verladekran]] zerstört und später durch einen Steinbau mit Eisbrecher ersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende Februar / Anfang März 1784 ereignete sich im böhmischen und sächsischen Elbtal eines der schwersten je aufgezeichneten [[Hochwasser und Naturkatastrophen in Sachsen|Frühjahrshochwasser]]. Die wochenlang zugefrorene [[Elbe]] brach innerhalb kürzester Zeit auf, stieg pro Stunde um bis zu 32&amp;amp;nbsp;cm und erreichte in [[Dresden]] am 1. März einen Stand von 8,57&amp;amp;nbsp;m (Durchfluss 5200&amp;amp;nbsp;m³/s). Das war der höchste Stand seit 1655. Im gesamten Elbtal wurden die Städte und Dörfer großflächig unter Wasser gesetzt. In Dresden stand das Wasser im Hof des [[Zwinger (Dresden)|Zwingers]] einen Meter hoch. Die Zerstörungskraft der Flut war durch die Wucht des mitgeführten Treibgutes und der Eisschollen besonders groß. In [[Štětí|Wegstädtl]] in Böhmen stürzte die gotische Kirche ein. In Dresden und [[Meißen]] wurden die Elbbrücken schwer beschädigt. Während in zahlreichen Orten das Vieh nicht gerettet werden konnte, war die Zahl der Todesopfer angesichts der Schwere der Flut vergleichsweise gering. In Meißen kamen neun Menschen in den Fluten ums Leben. Die alte [[Leipziger Straße (Dresden)|Poststraße zwischen Meißen und Dresden]] wurde wegen des Hochwassers in flutsichere Gebiete verlegt (vgl. [[Weiberstein]]). Obwohl sich die Elbe bereits am 6. März wieder in ihrem angestammten Lauf bewegte, gestalteten sich die Aufräumarbeiten schwierig, da einsetzender Frost die überfluteten Häuser und Flächen mit einer Eisschicht überzog. Die damaligen Pegelstände wurden vielerorts erst beim [[Elbhochwasser 1845]] übertroffen.&amp;lt;ref&amp;gt;Poliwoda, Katastrophen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weiter elbabwärts, im Bereich des Herzogtums Magdeburg zwischen Aken und Sandau, kam es erst Anfang April zu extremen Hochwassern mit Deichbrüchen, u.&amp;amp;nbsp;a. zwischen Cracau und Prester bei Magdeburg. Schwer getroffen wurden auch das Gebiet um die Mündung der Saale in die Elbe bei Calbe (Saale) und der Abschnitt nördlich der Stadt Jerichow bis Sandau, alles Gebiete, die auch vom [[Hochwasser in Mitteleuropa 2013|Hochwasser 2013]] besonders betroffen waren.&amp;lt;ref&amp;gt;Ausstellungsmaterial „Leben mit der Elbe. Hochwasser(schutz) in Magdeburg und Umgebung“ des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt in Magdeburg 2014&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die [[Lahn]] in [[Weilburg]] eine Brücke mit Wasserleitung zerstört hatte, entstand hier nach dem Wiederaufbau die erste [[Kettenbrücke (Bauform)|Kettenbrücke]] des europäischen Kontinents.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.weilburg.de/kultur-tourismus/sehenswuerdigkeiten-ausflugsziele/sehenswerte-bauwerke/ernst-dienstbach-steg Weilburg – Ernst-Dienstbach-Steg]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch kleinere Flüsse wie der [[Glan (Nahe)|Glan]] in [[Ulmet]] (Pfalz) oder die [[Paar (Donau)|Paar]] in [[Baar-Ebenhausen]] (Bayern) führten Hochwasser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Jahrtausendwinter von 1708/1709]]&lt;br /&gt;
* [[Jahr ohne Sommer]] (1816)&lt;br /&gt;
* [[Kleine Eiszeit]]&lt;br /&gt;
* [[Liste von Wetterereignissen in Europa]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Bernd Nebel: [http://www.bernd-nebel.de/bruecken/4_desaster/1784/1784.html &amp;#039;&amp;#039;Die Brückeneinstürze im Jahre 1784&amp;#039;&amp;#039;], bemerkenswerter Artikel zum Thema&lt;br /&gt;
* Guido Nicolaus Poliwoda: &amp;#039;&amp;#039;Aus Katastrophen lernen. Sachsen im Kampf gegen die Fluten der Elbe 1784–1845.&amp;#039;&amp;#039; Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2007, ISBN 978-3-412-13406-8.&lt;br /&gt;
* Manfred Vasold: &amp;#039;&amp;#039;Die Eruptionen des Laki von 1783/84. Ein Beitrag zur deutschen Klimageschichte&amp;#039;&amp;#039;. In: &amp;#039;&amp;#039;Naturwissenschaftliche Rundschau.&amp;#039;&amp;#039; 57(11), S. 602–608 (2004), {{ISSN|0028-1050}}&lt;br /&gt;
* [[Aubrey Pomerance]]: &amp;#039;&amp;#039;Wasser wie nie seit Menschengedenken.&amp;#039;&amp;#039; Eine unbekannte jiddische Quelle zum Rheinhochwasser von 1784 [Köln-Deutz], in: &amp;#039;&amp;#039;Memoria – Wege jüdischen Erinnerns.&amp;#039;&amp;#039; Metropol, Berlin 2005, S. 177–192, ISBN 978-3-938690-04-8.&lt;br /&gt;
* Christian Gottlieb Pötzsch: &amp;#039;&amp;#039;Chronologische Geschichte der grossen Wasserfluthen des Elbstroms seit tausend und mehr Jahren.&amp;#039;&amp;#039; Walthersche Hofbuchhandlung, Dresden 1784 [http://books.google.de/books?id=CkQAAAAAcAAJ&amp;amp;pg=116#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Google-Books, S. 116].&lt;br /&gt;
* [http://www.atmos-chem-phys.net/3/487/2003/acp-3-487-2003.pdf D.S. Stevenson; C.E. Johnson; E.J. Highwood; V. Gauci; W.J.Collins; R.G. Derwent: &amp;#039;&amp;#039;Atmospheric impact of the 1783–1784 Laki eruption: Part I Chemistry modelling.&amp;#039;&amp;#039; Atmospheric Chemistry and Physics, (2003) 3. S. 487–507.] {{ISSN|1680-7316}}.&lt;br /&gt;
* [http://hal.archives-ouvertes.fr/docs/00/29/53/14/PDF/acp-3-1177-2003.pdf E.J. Highwood; D.S. Stevenson: &amp;#039;&amp;#039;Atmospheric impact of the 1783–1784 Laki Eruption: Part II - Climatic effect of sulphate aerosol.&amp;#039;&amp;#039; Atmospheric Chemistry and Physics,(2003) 3. S. 1177–1189.] {{ISSN|1680-7316}}.&lt;br /&gt;
* John Grattan, F. Brian Pyatt: &amp;#039;&amp;#039;Acid damage to vegetation following the Laki fissure eruption in 1783 — an historical review.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Science of the Total Environment]]&amp;#039;&amp;#039; 01/1994; [[doi:10.1016/0048-9697(94)90473-1]].&lt;br /&gt;
* Gregor G. Santel: „.. ein vergieftender thau“ 1783, auf S. Johannes nacht, in Groß Hesepe und ganz Europa, in: Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte (Hrsg.): Emsländische Geschichte 6, Dohren 1997, S. 108–121.&lt;br /&gt;
* [http://seismo.berkeley.edu/~manga/LIPS/courtillot05.pdf Vincent Courtillot: &amp;#039;&amp;#039;New evidence for massive pollution and mortality in Europe in 1783–1784 may have bearing on global change and mass extinctions.&amp;#039;&amp;#039; C. R. Geoscience 337 (2005) S. 635–637.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://undine.bafg.de/rhein/extremereignisse/rhein_hw1784.html Informationsplattform Undine: &amp;#039;&amp;#039;Das Eishochwasser 1784 im Rheingebiet&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [https://virtuellesbrueckenhofmuseum.de/vmuseum/historie/abfrage_sql.php?serie=Hochwasserkatastrophe%201784&amp;amp;rolle=ja Die Hochwasserkatastrophe 1784 - ein Jahrtausend-Hochwasser]&lt;br /&gt;
* [http://archiv.twoday.net/stories/8460741/ Nachweis von Digitalisaten]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katastrophe 1783]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Katastrophe 1784]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Naturkatastrophe 1783]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Naturkatastrophe 1784]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wetterereignis (Europa)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Starkschneeereignis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochwasserereignis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hochwasserereignis (Rhein)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kälteanomalie|1783/84]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Naturkatastrophe (18. Jahrhundert)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Hardenacke</name></author>
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