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	<title>Wilhelmstein - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Sokrates 399: Typografie (https://www.duden.de/rechtschreibung/e__V_)</title>
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		<updated>2024-10-03T11:38:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Typografie (https://www.duden.de/rechtschreibung/e__V_)&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Begriffsklärungshinweis|Zur gleichnamigen Burg siehe [[Burg Wilhelmstein]].}}&lt;br /&gt;
{{Infobox Insel&lt;br /&gt;
| NAME = Insel Wilhelmstein&lt;br /&gt;
| BILD1 = Wilhelmstein island Steinhuder Meer lake Lower Saxony Germany.jpg&lt;br /&gt;
| BILD1-TEXT = Luftbild mit Blickrichtung Osten&lt;br /&gt;
| BILD2 = Wilhelmstein (02).jpg&lt;br /&gt;
| BILD2-TEXT = Lage im Steinhuder Meer&lt;br /&gt;
| GEWAESSER = [[Steinhuder Meer]]&lt;br /&gt;
| GRUPPE = &lt;br /&gt;
| BREITENGRAD = 52/27/37/N&lt;br /&gt;
| LAENGENGRAD = 9/18/28/E&lt;br /&gt;
| REGION-ISO = DE-NI&lt;br /&gt;
| KARTE = &lt;br /&gt;
| POSKARTE = &lt;br /&gt;
| POSMARK = &lt;br /&gt;
| POSMARKSIZE = &lt;br /&gt;
| LAENGE = &lt;br /&gt;
| BREITE = &lt;br /&gt;
| FLAECHE = 0.0125&lt;br /&gt;
| ERHEBUNG = &lt;br /&gt;
| HOEHE = &lt;br /&gt;
| HOEHE-BEZUG = &lt;br /&gt;
| HAUPTORT = &lt;br /&gt;
| EINWOHNER-PREFIX = &lt;br /&gt;
| EINWOHNER = 1&lt;br /&gt;
| EINWOHNER-ART = (Inselvogt)&lt;br /&gt;
| ZENSUS = &lt;br /&gt;
| ZENSUS-REFERENZ = &lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelmstein Steinhude.jpg|mini|hochkant=1.2|Als [[Kupferstich]], 1787]]&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Wilhelmstein&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist eine 1,25&amp;amp;nbsp;ha große [[künstliche Insel]] im [[Steinhuder Meer]] in der [[Region Hannover]], die im 18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert aus militärischen Gründen als Landesfestung der Grafschaft [[Schaumburg-Lippe]] geschaffen wurde. Auf ihr befindet sich seither die [[Festung]] Wilhelmstein, die noch dem [[Haus Schaumburg-Lippe]] gehört. Die Insel nahe [[Hagenburg]] ist ein beliebtes Ausflugsziel, das mit [[Auswanderer (Bootstyp)|Auswanderer-Booten]] von [[Steinhude]] sowie [[Mardorf (Neustadt am Rübenberge)|Mardorf]] aus zu erreichen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entstehung ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelmstein Plan.jpg|mini|links|Ursprünglicher Lageplan mit zentraler Festungsinsel und 16 Außenwerken]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Wilhelm (Schaumburg-Lippe).jpg|mini|hochkant|Erbauer Wilhelm zu Schaumburg-Lippe]]&lt;br /&gt;
Graf [[Wilhelm (Schaumburg-Lippe)|Wilhelm zu Schaumburg-Lippe]] ließ die Insel mit der Festung zwischen 1761 und 1767 errichten. Die Inselfestung, im typischen sternförmigen [[Bastion]]ärsystem der damaligen Zeit errichtet, galt trotz ihrer geringen Ausdehnung als Mittelpunkt des Kleinstaates Schaumburg-Lippe und diente seiner Verteidigung. Graf Wilhelm wollte die kleine Grafschaft mit zu dieser Zeit nur 17.000 Untertanen gegen mögliche Annexionsbestrebungen anderer Mächte schützen. Bei den Planungen kamen ihm militärische Erfahrungen als [[Artillerie|Artillerist]] im [[Siebenjähriger Krieg|Siebenjährigen Krieg]] und Heerführer in Portugal zugute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Festung im Steinhuder Meer sollte zum uneinnehmbaren Fluchtpunkt werden und verhindern, dass ein Angreifer sich der Grafschaft bemächtigte. Der Verteidigungsfall trat 20 Jahre nach Fertigstellung der Festung tatsächlich ein (siehe unten [[#Belagerung von 1787|Belagerung 1787]]). Die [[Grundsteinlegung]] erfolgte 1761 im Südwestbereich des Sees, 1,4&amp;amp;nbsp;km vom Ufer entfernt. Das Bauprojekt trug die Bezeichnung &amp;#039;&amp;#039;Wilhelms Insuln&amp;#039;&amp;#039;, da es sich anfangs um den Wilhelmstein als Festungsinsel mit 16 Nebeninseln (Wilhelmsinseln) handelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen 1761 und 1765 wurde die Insel aufgeschüttet, auf der der Festungsbau entstehen sollte. Dazu schaffte die Bevölkerung fünf Jahre lang jeden Werktag rund 30&amp;amp;nbsp;m³ Schüttmaterial aus Sand, Kies sowie Steinen heran. Im Sommer transportierten Fischer das Material in ihren Booten, im Winter fuhren es Bauern auf Schlitten heran. Eigens für die Anlieferung wurde der 1,2&amp;amp;nbsp;km lange &amp;#039;&amp;#039;Hagenburger Kanal&amp;#039;&amp;#039; als Stichkanal vom [[Schloss Hagenburg]] zum Steinhuder Meer ausgehoben. Trotz des Anspruchs des Grafen Wilhelm auf [[Frondienst]] ließ er die Arbeitskräfte entlohnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Baubeschreibung ==&lt;br /&gt;
=== Festung ===&lt;br /&gt;
Auf der damals im Vergleich zu heute wesentlich kleineren Insel entstand zwischen 1765 und 1767 zunächst eine sternförmige Schanze mit vier [[Bastion]]en und einer [[Zitadelle]] sowie zangenförmigen [[Tenaille]]n. Während die Außenmauern aus Steinblöcken bestanden, wurde im Inneren [[Backstein]] verbaut. In den [[Kasematte]]n im Festungsinneren waren die Soldaten untergebracht. Die beschusssicheren Gewölbe dienten auch der Lagerung von Munition und Verpflegung. Über den Kasematten wurde ein [[Schloss (Architektur)|Schlösschen]] als Wohnraum für den Festungskommandanten und die Offiziere errichtet. Es besaß einen Turm, auf dem sich ab 1774 eine [[Sternwarte]] befand. Für die [[Patrouille]]ngänge der Wachen gab es in Wasserhöhe rund um die Festung eine schmale [[Berme]] und oberhalb auf der Festung einen Weg rund um das Schlösschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein Festung Ecke.jpg|Das Festungsbauwerk, oben das Schlösschen mit Turm&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein Inschrift.jpg|Mauerwerk der Festung mit Gedenkstein&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein Eingang.jpg|Festungseingang&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein Kasematte.jpg|Kasematte in der Festung&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Außenwerke ===&lt;br /&gt;
Rund um die Festungsinsel wurden 16 weitere Inseln als [[Außenwerk]]e errichtet, zunächst als Plattformen auf Holzpfählen und Balken. Sie bildeten vier äußere Bastionen, vier mittlere [[Ravelin]]s und acht kleinere [[Kurtine]]n. Die Außenwerke waren mit [[Zugbrücke]]n untereinander und mit der Festungsinsel verbunden. Auf ihnen standen neben Kanonenstellungen feste Häuser mit Werkstätten, Magazinen, ein Lazarett und Studienräume sowie eine Windmühle. Im Südwesten wurde ein kleiner Hafen angelegt, der noch heute besteht. Dort lagen fünf kleine [[Kanonenboot]]e. Auf einem Außenwerk ließ der Graf einen Versuchsgarten anlegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon früh führten [[Seegang|Wellen-]] und [[Eisgang]] zu Schäden an den Außenwerken. Auch verrotteten die Holzpfähle schnell im Wasser. Bereits 1772 bekamen die Außenwerke einen festen Untergrund durch Aufschütten von Sand und Steinen. Die Außenwerke bestehen heute in der ursprünglichen Form nicht mehr. Sie wurden in die Hauptinsel integriert, als um 1810 die Zwischenräume verfüllt wurden. Dadurch entstand aus der sternschanzenförmigen Anlage die Insel in ihrer heutigen, fast quadratischen Form mit etwa 100 m Seitenlänge. Von den ehemals 16 Häusern existieren heute noch neun (für Matrosen, Sergeanten, Bedienstete, Kaserne, Schmiede, Krankenstation, Pulverhaus, Viehhaus). Es handelt sich meist nicht um hölzerne Originalbauten von 1767, sondern um steinerne Nachbauten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein Inselhaus.jpg|Historisches, noch unrenoviertes Inselhaus auf einem früheren Außenwerk&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein Inselhäuser.jpg|Kleiner Hafen mit Inselhäusern&lt;br /&gt;
 Wilhelmstein1.jpg|Festungskanone am Inselufer&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bewaffnung und Besatzung ===&lt;br /&gt;
Die Festung besaß die in damaliger Zeit modernste Bewaffnung mit 166 Kanonen im Jahr 1777. Darunter waren Drei-, Sechs- und Zwölfpfünderkanonen (nach Gewicht der [[Kanonenkugel]]) sowie [[Mörser (Geschütz)|Mörser]]. Um 1850 waren es nur noch etwa 100 Geschütze, da ein Teil verkauft wurde. In die Festungsmauern sind vier lange [[Schießscharte]]n für Kanonen eingelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Kriegsfall war eine Besatzung von 800 Soldaten geplant, von denen jeweils die Hälfte für die Festung und die Außenwerke vorgesehen waren. In den Anfangsjahren betrug die reguläre Stärke 250 Soldaten, später rund 150 Mann. 1782 wurde die Besatzung aus Kostengründen auf 22 Mann reduziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Soldatendienst auf der Festung war gesundheitlich nicht unbedenklich. Die ständige Feuchtigkeit verursachte Erkältungskrankheiten und [[Rheuma]]. In Friedenszeiten versahen die Soldaten daher nur maximal zehn Tage Dienst auf der Insel, an Land waren sie in Hagenburg und Steinhude untergebracht. Auf der Insel lebten auch einzelne Ehefrauen von Soldaten, die für die Besatzung wuschen und andere Hausarbeiten übernahmen. Im Winter war das Eiland zeitweise vom Festland abgeschnitten, wenn das Eis noch nicht trug und Boote nicht fahren konnten. Deswegen wurden in der Festung größere Mengen an Lebensmitteln und Brennmaterial eingelagert. Im Winter musste die Besatzung die Inseln mit langen Sägen eisfrei halten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wilhelmsteiner Feld ===&lt;br /&gt;
1772 entstand am vermoorten Südwestufer des Steinhuder Meeres das &amp;#039;&amp;#039;Wilhelmsteiner Feld&amp;#039;&amp;#039; als Anlegeplatz für die Bootsflotte des Wilhelmsteins. Die Aufsicht über diese Arbeiten hatte der Artillerie Premier Lieutenant im hochgräflichen Schaumburg Lippischen Artillerie-Corps [[Ernst Carl von Colson]] (1746–1795), bei denen auch eine Entwässerung des Feuchtgebietes erfolgte. Darin entstanden [[Schanze (Festungsbau)|Schanzen]] und andere Befestigungs- sowie Übungsanlagen. Das Gebiet wurde auch landwirtschaftlich genutzt, denn mit den Erzeugnissen sollte die Inselfestung im Kriegsfall versorgt werden. Verdiente Soldaten bekamen im Wilhelmsteiner Feld Hofstellen. Nach dem Tod des Grafen 1777 wurden die militärischen und zivilen Anlagen verkauft und die Flächen wieder zu Moorflächen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Funktionen ==&lt;br /&gt;
Mit der Fertigstellung 1767 bis zum Tode des Erbauers Graf Wilhelm 1777 hatte der Wilhelmstein eine militärische Funktion als [[Festung]] inne. Während dieser Zeit und auch danach kamen der Insel weitere Funktionen zu:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Militärschule ===&lt;br /&gt;
Mit Fertigstellung der Inselfestung 1767 richtete Graf Wilhelm in ihr eine [[Kriegsschule]] ein, die er &amp;#039;&amp;#039;Praktische Artillerie- und Genie-Schule&amp;#039;&amp;#039; nannte. Sie diente der Ausbildung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der [[Artillerie]] und des [[Pionier (Militär)|Pionierwesens]]. Die Schüler lebten abwechselnd auf der Insel und in Steinhude. Der mehrjährige Besuch der Schule war kostenfrei. Sie vermittelte nicht nur militärisches Wissen wie [[Ballistik]] und Taktik, sondern unterrichtete ab 1770 auch allgemeine Fächer wie Physik, Medizin, Chemie sowie Geschichte und Fremdsprachen. In den ersten 10 Jahren des Bestehens der Militärschule wurden 44 [[Offizieranwärter|Offiziersanwärter]] ausgebildet. Der bekannteste Schüler war der spätere preußische General und [[Preußische Heeresreform|Heeresreformer]] [[Gerhard von Scharnhorst]]. Er begann 1773 im Alter von 18 Jahren seinen Dienst auf dem Wilhelmstein und blieb bis 1777. Später erhielt er die Goldene Medaille der Kriegsschule. Nach dem Tod von Graf Wilhelm 1777 verlegte sein Nachfolger [[Philipp II. (Schaumburg-Lippe)|Philipp Ernst]] die Schule nach [[Bückeburg]], wo sie 1787 aufgelöst wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gefängnisinsel ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Ansichten Deutschland Bokelmann 166.jpg|mini|Blick auf die Festung im 19. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
Nach dem Tod von Graf Wilhelm 1777 und Verlegung der Kriegsschule 1787 nach Bückeburg war die Festungsinsel weitgehend funktionslos geworden. Daraufhin wurde sie zum [[Gefängnis|Staatsgefängnis]] der Grafschaft [[Schaumburg-Lippe]]. Anfangs waren vor allem Schwerverbrecher inhaftiert, die längere oder lebenslange Haftzeiten zu verbüßen hatten. Um 1815 gab es im Schnitt 10 ständige Häftlinge auf der Insel, insgesamt haben in dem über 80 Jahre bestehenden Gefängnis etwa 300 Gefangene eingesessen. Sie mussten auf der Insel [[Zwangsarbeit]]en verrichten. Einige verstorbene Häftlinge wurden auf der Insel begraben. Wegen der Lage im Wasser galt die [[Gefängnisinsel]] als ausbruchssicher. Bekannt sind drei [[Gefängnisausbruch|Ausbrüche]] über das Eis (1784) und durch Schwimmen auf einer Holzbohle, von denen einer (1832) scheiterte. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Schaumburg-Lippischen Militärs nach einem Übereinkommen mit [[Preußen]] 1867 wurde das Gefängnis geschlossen, und die letzten Häftlinge kamen in Haftanstalten auf dem Festland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Historisches Ausflugsziel ===&lt;br /&gt;
[[Datei:2015-05 niedersachsen-fahrt 785.JPG|mini|[[Auswanderer (Bootstyp)|Auswanderer-Boot]] mit Kurs auf den Wilhelmstein]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Auswanderer 2.jpg|mini|Auswanderer-Boote am Anleger in Steinhude]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Ausflug]]sverkehr zur Insel setzte früh ein. Der erste Besucher trug sich bereits im Fertigstellungsjahr der Festung 1767 in das Fremdenbuch ein. Anfangs handelte es sich bei den Besuchern, im Schnitt um die 50 im Jahr, um [[Adel|Adlige]] oder hohe [[Militär]]angehörige. Die Belagerung von 1787 verlieh der Festungsinsel einen hohen Bekanntheitsgrad, so dass ab 1790 jährlich bis zu 300 Menschen auf die Insel kamen. Nachdem die Nutzung als Gefängnis 1867 beendet war, verstärkte sich der [[Fremdenverkehr]] erheblich. Die Insel wurde bereits in dieser Zeit vom [[Haus Schaumburg-Lippe]] als Besucherziel hergerichtet. Umliegende Kurorte, wie [[Bad Nenndorf]], [[Bad Eilsen]] und [[Bad Rehburg]], sorgten für hohe Besucherzahlen. Prominente Inselbesucher waren [[Johann Gottfried Herder]], [[Friedrich de la Motte Fouqué]], [[Jérôme Bonaparte]] und Kaiser [[Wilhelm I. (Deutsches Reich)|Wilhelm I.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Zunahme des Fremdenverkehrs zur Insel setzte um 1900 ein, wofür auch die 1898 in Betrieb genommene [[Steinhuder Meer-Bahn]] sorgte. Für die [[Fischer (Beruf)|Fischer]] des Steinhuder Meeres bedeutete der Tourismus zur Insel eine neue Einnahmequelle. Sie schafften sich zur Personenbeförderung größere Boote in Form der Auswandererboote an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 21. Jahrhundert ließ der Inselbesitzer [[Alexander zu Schaumburg-Lippe|Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe]] zwischen 2005 und 2009 für rund 1 Million [[Euro]] umfangreiche Renovierungen an den historischen Inselgebäuden vornehmen, um die Insel attraktiver für den Fremdenverkehr zu machen. 7 der 9 Inselhäuser wurden restauriert und wieder nutzbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Belagerung von 1787 ==&lt;br /&gt;
Die Inselfestung wurde lange Zeit als verspielter Einfall eines militärbegeisterten &amp;#039;&amp;#039;Kanonengrafen&amp;#039;&amp;#039; in Person von Graf [[Wilhelm (Schaumburg-Lippe)|Wilhelm zu Schaumburg-Lippe]] angesehen. Als er 1777 ohne männlichen Erben verstarb und 1787 auch sein Nachfolger [[Philipp II. (Schaumburg-Lippe)|Philipp Ernst]] verstarb, erhob die [[Landgrafschaft Hessen-Kassel]] Anspruch auf die Grafschaft [[Schaumburg-Lippe]]. Hessische Truppen besetzten im Februar 1787 die Grafschaft, ohne auf Widerstand zu stoßen. Lediglich auf dem Wilhelmstein verschanzten sich etwa 150 Mann. Die Hessen in einer Stärke von rund 2.800 Mann [[Belagerung|belagerten]] die Festungsinsel. Der Beschuss mit Kanonen misslang, da diese wegen des morastigen Ufers am Steinhuder Meer nicht nah genug aufgestellt werden konnten. Die Taktik des Aushungerns der Festungsbesatzung scheiterte ebenfalls: Der Wilhelmstein wurde vom [[Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg|Kurfürstentum Hannover]] unterstützt, zu dem das Nordufer des Sees gehörte. Während der Belagerung erteilte die kaiserliche Reichsführung [[Preußen]] und dem [[Kurfürstentum]] ein [[Mandat (Diplomatik)|Mandat]], die Grafschaft Schaumburg-Lippe notfalls mit Gewalt zu befreien. Als diese Koalition mehrere tausend Soldaten zusammenzog, traten die Hessen den Rückzug an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Heutige Situation ==&lt;br /&gt;
=== Besitzverhältnisse ===&lt;br /&gt;
Die im [[Steinhuder Meer]] liegende Insel Wilhelmstein ist im Besitz der Adelsfamilie [[Haus Schaumburg-Lippe|Schaumburg-Lippe]]. Mit dem Besitzrecht ist das Zufahrtsrecht mit einem Motorboot zur Insel auf dem ansonsten motorbootfreien See verbunden. 2021 verpachtete die fürstliche [[Hofkammer]] in [[Bückeburg]] die Insel für 15 Jahre an die &amp;#039;&amp;#039;Steinhuder Meer Tourismus GmbH&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.steinhuder-meer.de/fileadmin/Mediendatenbank/PDF/Wilhelmstein/PM_Vertragsunterzeichnung-Wilhelmstein-17-3-21.pdf &amp;#039;&amp;#039;Steinhuder Meer Tourismus GmbH pachtet die Insel Wilhelmstein. Vertrag mit der Fürstlichen Hofkammer geschlossen&amp;#039;&amp;#039;], Pressemitteilung der &amp;#039;&amp;#039;Steinhuder Meer Tourismus GmbH&amp;#039;&amp;#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Bis dahin wurde sie vom [[Vogt|Inselvogt]] der Hofkammer verwaltet. Ursprünglich gehörte auch das Steinhuder Meer zum [[Schaumburg-Lippe|Fürstentum Schaumburg-Lippe]]. Fürst Adolf  trat es jedoch nach der [[Novemberrevolution]] von 1918/19 zur Hälfte an den Staat ab, um einer [[Enteignung]] vorzubeugen. 1973 wurde die restliche Hälfte des Steinhuder Meeres von Philipp Ernst Fürst zu Schaumburg-Lippe zum Preis von 7,5 Millionen [[Deutsche Mark|DM]] an das [[Niedersachsen|Land Niedersachsen]] verkauft.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.lgln.niedersachsen.de/download/80442/NaVKV_2012_1_2.pdf  &amp;#039;&amp;#039;Einblick in den Alltag des Dezernats 7 der Regionaldirektion Hannover&amp;#039;&amp;#039;], von Iris Osterwald, in: Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung, November 2012, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Allgemeines ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Steinhuder Meer Sonnenuntergang 04 2010.jpg|mini|hochkant=1.4|Sonnenuntergang am Steinhuder Meer, links der Wilhelmstein]]&lt;br /&gt;
Die restaurierten Gebäude bieten ein Café, einen Souvenirladen, Seminarräume sowie Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen. In einem Inselhäuschen befindet sich eine kleine Ausstellung über den [[Naturpark Steinhuder Meer]]. Etwa 80.000 Tagesgäste, die auf [[Auswanderer (Bootstyp)|Auswandererbooten]] oder mit Fahrgastschiffen anreisen, besuchen die Insel jährlich. Eine Gebühr für das Anlegen von Segelbooten wird seit etwa 2021 nicht mehr erhoben.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.naturpark-steinhuder-meer.de/Service/Pressemeldungen/2022/Insel-Wilhelmstein-im-Steinhuder-Meer# &amp;#039;&amp;#039;Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer&amp;#039;&amp;#039;] bei hannover.de vom 10. Juni 2022&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gesamte Festung ist heute ein Museum, das gegen Eintrittsgeld besichtigt werden kann. Darin sind Kartenmaterial, Waffen ([[Mörser (Geschütz)|Mörser]], [[Kanone]]nrohre, [[Kanonenkugel]]n, [[Gewehr]]e) und andere Gegenstände aus der Geschichte der Anlage ausgestellt. Ebenso sind frühere Wohn- und Arrestzellen nachgebildet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit 2005 besteht für 20 Paare pro Jahr wieder die Möglichkeit, sich im ehemaligen Zimmer des Inselkommandanten [[standesamt]]lich trauen zu lassen. Trauungen auf der Insel wurden schon etwa ab dem Jahr 1900 durchgeführt und waren sehr beliebt. Nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] ließ das Interesse an Inseltrauungen aber nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ausstellungen ===&lt;br /&gt;
[[Datei:2013 Durch-Blicke, 00p08h, Timm Ulrichs Ausstellung IM GLASHAUS, Inselfestung Wilhelmstein, Steinhuder Meer, 5. Mai bis 13. Oktober, gefördert vom Meekunstraum e.V.jpg|mini|hochkant|Freiluft-Ausstellung &amp;#039;&amp;#039;Im Glashaus&amp;#039;&amp;#039; des Künstlers [[Timm Ulrichs]] im Jahre 2013]]&lt;br /&gt;
Der Kunstverein &amp;#039;&amp;#039;Meerkunstraum e.&amp;amp;nbsp;V.&amp;#039;&amp;#039; präsentiert seit 2003 auf der Insel Wilhelmstein eine Reihe von Freiluft-Ausstellungen unter dem Titel &amp;#039;&amp;#039;Durch-Blick&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Vergleiche beispielsweise die [http://www.meerkunstraum.de/ Website meerkunstraum.de]&amp;lt;/ref&amp;gt; 2013 zeigte der Künstler [[Timm Ulrichs]] in seiner Ausstellung &amp;#039;&amp;#039;Im Glashaus&amp;#039;&amp;#039; auf der Insel fünf Installationen unter dem Motto „Wer im Glashaus sitzt... “.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Commons&amp;quot;&amp;gt;Vergleiche die Dokumentation bei &amp;#039;&amp;#039;Commons&amp;#039;&amp;#039; (siehe unter dem Abschnitt &amp;#039;&amp;#039;Weblinks&amp;#039;&amp;#039;)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sonstiges ==&lt;br /&gt;
Von der Insel aus wurde 1772 das erste [[Unterseeboot]] in Deutschland, der &amp;#039;&amp;#039;[[Steinhuder Hecht]]&amp;#039;&amp;#039;, zu Wasser gelassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Festung fungierte als Vorbild für das [[Fort]] &amp;#039;&amp;#039;Nossa Senhora da Graça&amp;#039;&amp;#039; in der Stadt [[Elvas]] in Portugal, das der Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe im 18. Jahrhundert im Stile [[Sébastien Le Prestre de Vauban|Vaubans]] errichten ließ. Der portugiesische König benannte das Fort anfangs dem Grafen zu Ehre als „Fort de Lippe“. Es diente der Verteidigung gegen die Spanier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Liste der Festungen in Deutschland]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Ernst Andreas Friedrich]]: &amp;#039;&amp;#039;Der Wilhelmstein im Steinhuder Meer&amp;#039;&amp;#039;, S. 201–212, in: &amp;#039;&amp;#039;Wenn Steine reden könnten&amp;#039;&amp;#039;, Band I, Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-0397-3.&lt;br /&gt;
* Curd Ochwadt: &amp;#039;&amp;#039;Wilhelmstein und Wilhelmsteiner Feld. Vom Werk des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724-1777).&amp;#039;&amp;#039; Charis-Verlag, Hannover [um 1970]&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;Das Steinhuder Meer. Eine Sammlung von Nachrichten und Beschreibungen bis 1900.&amp;#039;&amp;#039; Mit Übersetzungen und Nachbemerkungen hrsg. von Curd Ochwadt. 2. Aufl. Charis-Verlag, Hannover 1975, ISBN 3-921160-03-0&lt;br /&gt;
* Hermann Tiemann: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer&amp;#039;&amp;#039;. Verlag von Heinrich Heine, Stadthagen 1908 (1. Aufl.) und 1922 (2. Aufl.)&lt;br /&gt;
* Silke Wagener-Fimpel, Martin Fimpel: &amp;#039;&amp;#039;Die Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer&amp;#039;&amp;#039;. Schaumburger Landschaft, Bückeburg 2004, ISBN 3-00-011662-1&lt;br /&gt;
* Irmela Wilckens, Claudia Rump: &amp;#039;&amp;#039;Zeitreise durch die Region Hannover&amp;#039;&amp;#039;. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2005, S. 34–35, ISBN 3-8313-1517-5&lt;br /&gt;
* Bodo Dringenberg: &amp;#039;&amp;#039;Mord auf dem Wilhelmstein. Ein historischer Kriminalroman.&amp;#039;&amp;#039; zu Klampen Verlag, Springe 2007, ISBN 978-3-86674-041-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* [http://www.wilhelmstein.de/ Offizielle Website]&lt;br /&gt;
* [https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/metadata/30992789/3/-/ &amp;#039;&amp;#039;Insel Wilhelmstein&amp;#039;&amp;#039;] im [[Denkmalatlas Niedersachsen]]&lt;br /&gt;
*  Tobias Uhlig: [https://denkmalatlas.niedersachsen.de/viewer/cms/443/ &amp;#039;&amp;#039;Das Wilhelmsteiner Feld – Festung, Schule, Labor&amp;#039;&amp;#039;] im Denkmalatlas Niedersachsen&lt;br /&gt;
* [http://www.burgerbe.de/2011/03/01/der-kanonengraf-von-der-festung-wilhelmstein-und-das-erste-u-boot-des-heiligen-roemischen-reiches/ Beschreibung und Fotos] bei burgerbe-Blog.de&lt;br /&gt;
* [http://www.burgenwelt.de/wilhelms/bilie.htm Wilhelmstein bei burgenwelt.de]&lt;br /&gt;
* [http://www.hannover.de/Kultur-Freizeit/Architektur-Geschichte/Historische-Bauten/Festung-Wilhelmstein Beschreibung bei hannover.de]&lt;br /&gt;
* [http://digam.net/image.php?file=img/dokumente/4048/1.jpg&amp;amp;b=850&amp;amp;h=auto Plan des Wilhelmsteins]&lt;br /&gt;
* [http://digam.net/image.php?file=img/dokumente/4049/1.jpg&amp;amp;b=850&amp;amp;h=auto Plan des Wilhelmsteiner Feldes]&lt;br /&gt;
* [http://www.360cities.net/image/steinhude-04 Interaktives 360°-Panoramafoto der Insel – &amp;#039;&amp;#039;vom Boden&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [http://www.360cities.net/image/steinhude-06 Interaktives 360°-Panoramafoto der Insel und des Steinhuder Meeres – &amp;#039;&amp;#039;vom Aussichtsturm&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [http://www.360cities.net/image/steinhude-05 Interaktives 360°-Panoramafoto der Festungskasematte – &amp;#039;&amp;#039;von innen&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* [https://www.niedersaechsische-bibliographie.de/REL?PPN=1042660921 Literatur über die Insel Wilhelmstein] in der [[Niedersächsische Bibliographie|Niedersächsischen Bibliographie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=g|GND=4779633-9|VIAF=240560987}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seeinsel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Künstliche Insel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Insel (Europa)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Insel (Niedersachsen)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung in Niedersachsen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Festung in Europa]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Militärische Ausbildungsstätte (Deutschland)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geographie (Wunstorf)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Steinhuder Meer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Baudenkmal in Wunstorf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Barockbauwerk in Niedersachsen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bauwerk in Wunstorf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Organisation (Wunstorf)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildung in der Region Hannover]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bildungseinrichtung in Niedersachsen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bauwerk des Hauses Schaumburg-Lippe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Sokrates 399</name></author>
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