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	<title>Waji - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Waji&amp;diff=2590642&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Invisigoth67: typo</title>
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		<updated>2024-10-24T14:50:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;typo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Waji&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[Nuristani-Sprachen|Nuristani]]), auch &amp;#039;&amp;#039;waj, vaj, vaji, wuj, wadzh, wanz,&amp;#039;&amp;#039; englisch &amp;#039;&amp;#039;Kafir harp&amp;#039;&amp;#039;, ist eine vier-, seltener fünfsaitige Bogen[[harfe]] der [[Nuristani]], einer kleinen Ethnie in der ost[[Afghanistan|afghanischen]] Provinz [[Nuristan]] und im angrenzenden [[pakistan]]ischen Distrikt [[Chitral (Distrikt)|Chitral]]. Die heute kaum noch gespielte, in ihrer Bauform einzigartige &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; stellt durch die Anordnung mehrerer paralleler Saiten eine der frühesten Entwicklungen aus dem [[Musikbogen]] dar und hat innerhalb der besonderen Musikkultur Nuristans als letzte Bogenharfe in [[Zentralasien]] überlebt. Instrumentenkundlich wird die &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; noch den mehrsaitigen Musikbögen mit verbundenem Resonator zugeordnet. Die indischen Harfen kamen vermutlich mit der Ausbreitung des [[Buddhismus]] ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. nach Afghanistan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft ==&lt;br /&gt;
Musikbögen sind die einfachsten und ältesten Saiteninstrumente. Sie bestehen aus einer oder selten mehreren, zwischen den beiden Enden eines elastischen Trägerstabes befestigten Saiten, durch deren Spannung der Stab gekrümmt wird. Zur Schallverstärkung dient beim Sonderfall des [[Mundbogen]]s der Mundraum des Spielers, ansonsten ein am Saitenträger angebrachter Resonanzkörper. Bei den afrikanischen Musikbögen ist dies häufig eine [[Kalebasse]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Mesopotamien]] ist das früheste Musikinstrument auf einer [[Tontafel]] der späten [[Uruk#Uruk-Zeit|Uruk-Zeit]] Ende des 4. Jahrtausends abgebildet. Sie zeigt eine dreisaitige Harfe mit einem bootsförmigen Resonanzkörper am unteren Ende, von dem ein gebogener Saitenträger abgeht. Aus dem 26. Jahrhundert v. Chr. wurden Fragmente von Harfen und [[Leier (Zupfinstrument)|Leiern]] zusammen gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ältesten Harfen in Afrika sind Bogenharfen, die auf Wandmalereien in [[Grabkammer#Altes Ägypten|Grabkammern]] aus der altägyptischen [[4. Dynastie]] um 2500 v. Chr. dargestellt sind; die aus Mesopotamien schon länger bekannte Winkelharfe kam ab dem 16. Jahrhundert v. Chr. im [[Mittleres Reich|Mittleren Reich]] hinzu.&amp;lt;ref&amp;gt;Roger Blench: [http://www.rogerblench.info/Ethnomusicology/Papers/Africa/General/Reconstructing%20African%20music%20history%20web.pdf &amp;#039;&amp;#039;Reconstructing African music history: methods and results.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 2,2&amp;amp;nbsp;MB) Safa Conference, Tucson, 17.–21 Mai 2002, Kapitel: &amp;#039;&amp;#039;The arched harp and its history&amp;#039;&amp;#039;, S. 2–6&amp;lt;/ref&amp;gt; Bogenharfen in Afrika werden heute noch in einigen Varianten in [[Uganda]] und der [[Zentralafrikanische Republik|Zentralafrikanischen Republik]] gespielt. Die &amp;#039;&amp;#039;[[ennanga]]&amp;#039;&amp;#039; im Süden von Uganda, die &amp;#039;&amp;#039;[[adungu]]&amp;#039;&amp;#039; im Norden von Uganda und die &amp;#039;&amp;#039;[[Kundi (Harfe)|kundi]]&amp;#039;&amp;#039; der [[Azande (Ethnie)|Azande]], die hauptsächlich im Norden des Kongo leben, sind Beispiele von Bogenharfen, die sich in der Form des Resonanzkörpers und der Art, wie der Saitenträger befestigt ist, unterscheiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Veda|vedischen]] und nachvedischen Texte, in denen die im 1. Jahrtausend v. Chr. entwickelte altindische [[Gandharva]]-Musiktheorie zusammengefasst wurde, verwenden das Wort &amp;#039;&amp;#039;[[vina]]&amp;#039;&amp;#039; als Sammelbegriff für Saiteninstrumente. Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. haben sich Abbildungen von Bogenharfen an Steinreliefs buddhistischer Kultbauten ([[Stupa]]s) erhalten, in den [[Brahmanas]] sind sie schriftlich bereits vor der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. belegt.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Walter Kaufmann (Komponist)|Walter Kaufmann]]: &amp;#039;&amp;#039;Altindien. Musikgeschichte in Bildern.&amp;#039;&amp;#039; Band II. &amp;#039;&amp;#039;Musik des Altertums.&amp;#039;&amp;#039; Lieferung 8. Hrsg. Werner Bachmann. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 35&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Relieffragment im [[Gandhara]]-Stil am Stupa von Loriyan Tangai (bei [[Peschawar]]) aus dem 3. Jahrhundert zeigt ein harfenartiges Instrument, das große Ähnlichkeit mit der &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; besitzt.&amp;lt;ref&amp;gt;Alvad, S. 154&amp;lt;/ref&amp;gt; In Südindien war die Bogenharfe &amp;#039;&amp;#039;[[yazh]]&amp;#039;&amp;#039; zur selben Zeit bis Ende des 1. Jahrtausends das hauptsächliche Saiteninstrument.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heute in der [[Indische Musik|indischen Musik]] als &amp;#039;&amp;#039;vina&amp;#039;&amp;#039; bezeichneten Langhalslauten und Stabzithern mit Kalebassenresonatoren (&amp;#039;&amp;#039;rudra vina&amp;#039;&amp;#039;) entwickelten sich erst nach der Zeitenwende und wurden ab dem 6. Jahrhundert abgebildet. Etwa um dieselbe Zeit ging in Indien der Gebrauch der Bogenharfen zurück, einige ursprünglich wohl aus Indien stammende Harfenvarianten haben sich weiterhin in Zentralasien in regionalen Musikkulturen erhalten. Die abgesehen von der &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; beinahe letzte noch verbliebene asiatische Bogenharfe ist das burmesische Nationalinstrument &amp;#039;&amp;#039;[[saung gauk]]&amp;#039;&amp;#039;. Ferner existiert noch bei den [[Karen (Volk)|Karen]] im burmesisch-thailändischen Grenzgebiet die mit sechs Metallsaiten ausgestattete Bogenharfe &amp;#039;&amp;#039;na den&amp;#039;&amp;#039;. Mit ihr begleiten junge Männer Brautwerbelieder. Die &amp;#039;&amp;#039;na den&amp;#039;&amp;#039; wird auf eine ältere, heute verschwundene Bogenharfe der [[Mon]] mit mehr Saiten zurückgeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Theodore Stern, Theodore A. Stern: &amp;#039;&amp;#039;&amp;quot;I Pluck My Harp&amp;quot;: Musical Acculturation among the Karen of Western Thailand.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Ethnomusicology,&amp;#039;&amp;#039; Vol. 15, No. 2, Mai 1971, S. 186–219&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht mit der &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; verwandt ist die in der [[Georgien|georgischen]] Region [[Swanetien]] gespielte sechs- bis neunsaitige &amp;#039;&amp;#039;[[tschangi]]&amp;#039;&amp;#039;, die namentlich und nach der Bauart von der mittelalterlichen persischen Winkelharfe &amp;#039;&amp;#039;[[Tschang (Harfe)|tschang]]&amp;#039;&amp;#039; abstammt. Dafür geht im zentralindischen Bundesstaat [[Madhya Pradesh]] am Ufer der [[Narmada]] beim [[Adivasi]]-Volk der Pardhan eine &amp;#039;&amp;#039;[[bin-baja]]&amp;#039;&amp;#039; genannte, fünfsaitige Bogenharfe, die gelegentlich anstelle der dreisaitigen Fiedel &amp;#039;&amp;#039;[[Bana (Lauteninstrument)|bana]]&amp;#039;&amp;#039; zur Gesangsbegleitung verwendet wird, auf dieselben Urformen zurück. Die Pardhan unterhalten als Musikerkaste die benachbarten [[Gond]].&amp;lt;ref&amp;gt;Roderic Knight: [http://www.oberlin.edu/faculty/rknight/pardhan.htm &amp;#039;&amp;#039;The Pardhan people of Dindori District, Madhya Pradesh (M.P.), India.&amp;#039;&amp;#039;] Oberlin College&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem Namen nach geht laut Christian Poché (2014) &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; über &amp;#039;&amp;#039;wanj&amp;#039;&amp;#039; auf eine arabische Harfe zurück, die vom 7. bis zum 10. Jahrhundert in einigen literarischen Quellen &amp;#039;&amp;#039;wann&amp;#039;&amp;#039; genannt wird. Das aus dem [[Mittelpersische Sprache|Mittelpersischen]] stammende Wort &amp;#039;&amp;#039;wann&amp;#039;&amp;#039; kommt an einer Stelle im Werk des früharabischen Dichters al-Aʾshā (um 570 – 625) vor, zusammen mit &amp;#039;&amp;#039;mushtaq&amp;#039;&amp;#039; (chinesische [[Maultrommel]]), &amp;#039;&amp;#039;[[Barbat (Musikinstrument)|barbat]]&amp;#039;&amp;#039; (Laute) und &amp;#039;&amp;#039;sanj&amp;#039;&amp;#039;. Vermutlich bezeichneten &amp;#039;&amp;#039;wann, sanj&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;tschang&amp;#039;&amp;#039; identische oder zumindest ähnliche Harfen. Der Historiker [[at-Tabarī]] (839–923) erzählt, &amp;#039;&amp;#039;wann&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;sanj&amp;#039;&amp;#039; seien vom biblischen [[Tubal-Kain|Tubal]], dem Sohn [[Lamech|Lamaks]] erfunden worden. In späteren arabischen Quellen steht &amp;#039;&amp;#039;sanj&amp;#039;&amp;#039; nicht mehr für „Harfe“, sondern für ein Perkussionsinstrument (&amp;#039;&amp;#039;[[Zang (Glocke)|zang]]&amp;#039;&amp;#039;). Während die Harfe, die nun bis zu ihrem Verschwinden &amp;#039;&amp;#039;tschang&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;jank&amp;#039;&amp;#039;) hieß, verschwand, hat sich ihre Bezeichnung als korrumpierte Form in Nurestan erhalten.&amp;lt;ref&amp;gt;Christian Poché: &amp;#039;&amp;#039;Wanj.&amp;#039;&amp;#039; In: Laurence Libin (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The Grove Dictionary of Musical Instruments&amp;#039;&amp;#039;. Bd. 5, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 285&amp;lt;/ref&amp;gt; Alastair Dick (2016) hält es für möglich, dass &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; über das mittelalterliche [[Prakrit]] &amp;#039;&amp;#039;vajji&amp;#039;&amp;#039; vom altindischen [[Sanskrit]]-Wort &amp;#039;&amp;#039;vadya&amp;#039;&amp;#039; für „Musikinstrument“ abstammt.&amp;lt;ref&amp;gt;Alastair Dick: &amp;#039;&amp;#039;Waji.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Grove Music Online&amp;#039;&amp;#039;, 2016&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bauform ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Kafir harp.jpg|mini|hochkant|Vereinfachte Skizze mit Resonator unten und Saitenträger oben]]&lt;br /&gt;
Die &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; stellt eine einzigartige Mischform aus ein- oder mehrsaitigem Musikbogen mit angehängtem Resonator und Bogenharfe mit [[Korpus (Musikinstrument)|Korpus]], also mit integriertem Resonator dar. Sie bildet ein entwicklungsgeschichtlich sehr altes Bindeglied zwischen beiden Instrumentenklassen. Aus Afrika sind mehrsaitige Musikbögen bekannt, bei denen zwischen einem halbrund gebogenen Stab eine Schnur Z-förmig hin und her gespannt ist, sodass sich drei oder mehr unterschiedlich lange Saiten ergeben. Eine andere Weiterentwicklung zu einem mehrsaitigen Instrument ist der afrikanische [[Pluriarc]] mit bis zu acht gebogenen Saitenträgern für jeweils eine Saite. Der Korpus der &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; besteht aus einem bootsförmigen, in der Mitte taillierten Block aus [[Himalaya-Zeder|Zedern]]&amp;lt;nowiki&amp;gt;holz&amp;lt;/nowiki&amp;gt; von etwa 40 bis 45 Zentimetern Länge, der bis auf einen schmalen Rand ausgehöhlt wurde. Eine übliche Breite beträgt 11 Zentimeter, bei einer Gesamthöhe des Instruments um 40 Zentimeter. Über den Kasten ist eine ungegerbte Ziegen- oder Kalbshaut gespannt. Durch Löcher an den Rändern gezogene und zur Unterseite geführte Hautstreifen bleibt die Haut[[Decke (Saiteninstrument)|decke]] gespannt.&amp;lt;ref&amp;gt;Maximilian Klimburg, 1981, Abb. S. 200&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kreisbogenförmig gekrümmte Saitenträger besteht aus einem festen dunklen Holz. Etwas außerhalb seiner Mitte liegt er in Längsrichtung auf der Decke, mit der er durch einen weiteren breiten, darüber gespannten Hautstreifen fest verbunden ist. So entsteht ein Kontaktbereich zwischen Saitenträger und Resonator, wie er beim Musikbogen in weniger fester Form durch die Stimmschlinge erzeugt wird. Vier, bei größeren Instrumenten mit bis zu 60 Zentimetern Länge fünf Saiten, werden am unteren Ende in gleichmäßigen Abständen durch Bohrlöcher gesteckt und am Stab festgebunden. Am oberen Ende werden die Saiten um den Saitenträger gewickelt und durch dicke Kordeln in ihrer Lage gehalten. Wie bei der &amp;#039;&amp;#039;saung gauk&amp;#039;&amp;#039; erfolgt die Stimmung durch Verschieben der Kordeln. Die Saiten bestehen aus einer Tiersehne (Rind oder Rehwild).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der [[Hornbostel-Sachs-Systematik]] gehört die &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; zu den Musikbögen, denn die Saiten können ohne Einbeziehung des Resonanzkörpers zwischen den Enden des Saitenträgers gespannt werden und sie sind außerdem nicht direkt auf dessen Decke befestigt. Den Übergang zur Harfe erreicht die &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; dadurch, dass der Saitenträger teilweise unter die Hautdecke in den Korpus eintaucht und so das untere Ende des Stabs die Position der Aufhängeleiste bei der Harfe einnimmt. Die Saiten sind wie bei einer Harfe einzeln in einer Ebene gespannt, während bei mehrsaitigen Musikbögen stets eine einzelne Schnur durchgeschlauft wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ulrich Wegner: &amp;#039;&amp;#039;Musikbögen und Musikstäbe. II. Verbreitung.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;MGG Online&amp;#039;&amp;#039;, November 2016&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stimmung der Saiten ist nicht einheitlich und richtet sich nach einer [[Diatonik|diatonischen]] Skala. Nach unterschiedlichen Angaben liegt ein Halbton über oder unter zwei Ganztönen.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Maria Brandl: &amp;#039;&amp;#039;Zum Gesang der Kafiren.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Max Peter Baumann]], Rudolf Maria Brandl, [[Kurt Reinhard (Musikwissenschaftler)|Kurt Reinhard]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Festschrift für Felix Hoerburger zum 60. Geburtstag.&amp;#039;&amp;#039; Laaber, Laaber 1977, S. 191–207, hier S. 192&amp;lt;/ref&amp;gt; Der auf dem Boden oder einem Stuhl sitzende Spieler hält die &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; (ebenso wie ein Parhan seine &amp;#039;&amp;#039;bin-baja&amp;#039;&amp;#039;) zwischen den Knien quer vor dem Körper, wobei er mit seinem linken angewinkelten Arm das Instrument umfasst. Die Saiten befinden sich in annähernd waagrechter Position und werden mit einem [[Plektrum]] aus Pinienholz in der rechten Hand von innen gezupft. Das Zupfen geschieht üblicherweise in einen Auf- und Abwärtsbewegung über alle Saiten (bei der Gitarre &amp;#039;&amp;#039;strumming&amp;#039;&amp;#039;). Saiten, die nicht erklingen sollen, werden mit den von der Außenseite greifenden Fingern der linken Hand gedämpft. Diese Spielweise ist seit der Antike bekannt und wird auch bei der äthiopischen Leier &amp;#039;&amp;#039;[[krar]]&amp;#039;&amp;#039; und der am Roten Meer verbreiteten Leier &amp;#039;&amp;#039;[[simsimiyya]]&amp;#039;&amp;#039; praktiziert. Zum Melodieton addiert sich so ein geräuschhaftes rhythmisches Muster.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kultureller Hintergrund und Spielweise ==&lt;br /&gt;
Die zwischen einer Handvoll und bis zu 400 Häusern großen Siedlungen in Nuristan liegen an terrassierten Steilhängen oder inmitten der (Weizen-)Felder in den Talsohlen. Die Passübergänge zwischen den Bergtälern sind oftmals Sprachgrenzen. Die Bewohner eines Gebiets können sich kaum mit ihren Nachbarn verständigen, falls nicht beide außer ihrer Muttersprache eine überregionale Sprache wie [[Persische Sprache|Persisch]] oder [[Paschtunische Sprache|Paschtu]] beherrschen.&lt;br /&gt;
Die topographischen Gegebenheiten in Verbindung mit den abgeschottet voneinander lebenden Gemeinschaften haben zu unterschiedlichen lokalen Kulturformen geführt, folglich gibt es auch keine einheitliche nuristanische Musik. Gemeinsam ist den Nuristani, dass sie sich als Nachfahren der Armee [[Alexander der Große|Alexanders des Großen]] sehen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[John Baily]]: &amp;#039;&amp;#039;Afghanistan II. Regional Styles, 5.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Stanley Sadie]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;The New [[Grove Dictionary of Music and Musicians]].&amp;#039;&amp;#039; Vol. 1. Macmillan Publishers, London 2001&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist eine [[Animismus (Religion)|animistische]] [[Ethnische Religion|Lokalreligion]] in Verbindung mit [[Schamane|schamanischen]] Ritualen, die bis Ende des 19. Jahrhunderts praktiziert wurden und die für die muslimischen Ethnien der Umgebung die Nuristani als „primitive Wilde“ und „Götzenverehrer“ (&amp;#039;&amp;#039;[[kāfir]]&amp;#039;&amp;#039;) erscheinen ließ. So kam es zu der Fremdbezeichnung &amp;#039;&amp;#039;[[Kafiristan]]&amp;#039;&amp;#039; für das nuristanische Siedlungsgebiet; ein abwertender Begriff, der von den Briten des kolonialen [[Britisch-Indien]] übernommen wurde. Nach ihrer Unterwerfung durch den afghanischen Emir [[Abdur Rahman Khan]] 1896 wurde die Bevölkerung des vom Emir in &amp;#039;&amp;#039;Nuristan&amp;#039;&amp;#039; („Land der Erleuchtung“) umbenannten Gebietes nahezu vollständig islamisiert; bestimmte, mit der Religionsausübung verbundene Musikstile verschwanden zeitgleich mit dem Genuss von Wein. Erhalten blieben eine verfeinerte Holzschnitzkunst und eine ebenso hochstehende Tradition der Metallverarbeitung.&amp;lt;ref&amp;gt;Maximilian Klimburg, 1981, S. 158–160&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Quelle zur vorislamischen Kultur ist das 1896 veröffentlichte Buch &amp;#039;&amp;#039;The Kafirs of the Hindu-Kush&amp;#039;&amp;#039; des britischen Kolonialbediensteten George Scott Robertson.&amp;lt;ref&amp;gt;George Scott Robertson: &amp;#039;&amp;#039;The Káfirs of the Hindu-Kush.&amp;#039;&amp;#039; Lawrence &amp;amp; Bullen, London 1896 ([http://www.archive.org/details/kafirshindukush00robe Online bei Internet Archive])&amp;lt;/ref&amp;gt; Er beschreibt an einer Stelle einen Sänger, der einen monotonen Wechselgesang mit wenigen Silben zusammen mit einem anderen Mann vortrug und sich dazu variationslos, mit einem Plektrum über alle Saiten streichend auf seiner &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; begleitete. Der zweite Sänger schlug dazu auf einer Holzschüssel den Rhythmus, zwei weitere Männer begannen einen immer schneller werdenden, lang andauernden Tanz.&amp;lt;ref&amp;gt;George Scott Robertson, 1896, S. 199f&amp;lt;/ref&amp;gt; Das häufig vorkommende Wort „monoton“ bei der Beschreibung der Musik hängt auch mit der kolonialen Attitüde des damaligen Beobachters zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich kreisen die Melodien um wenige Töne und der Tonumfang beträgt kaum mehr als eine [[Quarte]], der mehrstimmige Gesang stellt jedoch die einzige ausgeprägte [[Polyphonie]] Zentralasiens dar. Die von der Außenwelt isolierte Musikkultur kennt dreistimmige Gesänge, die von Männern und Frauen meist getrennt vorgetragen werden. Gesang und instrumentale Begleitung ergeben eine komplexe Schichtung der melodischen und rhythmischen Muster. Ein Lied kann mit zwei Gesangsstimmen beginnen, die vom [[Ostinato|ostinaten]] Muster der Harfe unterstützt werden, später erweitert durch einen Chor, der an einem [[Sekunde (Musik)|Sekundenintervall]] festhält. Schließlich wird der Rhythmus der Gruppe durch [[Synkope (Musik)|synkopisches]] Händeklatschen durchkreuzt. Allgemein sind [[Dissonanz]]en charakteristisch. [[Metrum (Musik)|Metren]] sind 6/8, seltener 5/8 und 4/4.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph Jordania: {{Webarchiv|text=&amp;#039;&amp;#039;Who Asked the First Question? The Origins of Human Choral Singing, Intelligence, Language and Speech.&amp;#039;&amp;#039; |url=http://www.polyphony.ge/uploads/whoaskthefirst.pdf |wayback=20120307121744}} (PDF; 3,1&amp;amp;nbsp;MB) Tbilisi State University, 2006, S. 152&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Waigal-Tal ist ein polyphoner Stil beheimatet, der auf dem Wechselgesang ([[Call and Response]]) von erster Stimme (&amp;#039;&amp;#039;mit-alol&amp;#039;&amp;#039;), zweiter Stimme (&amp;#039;&amp;#039;at-alol&amp;#039;&amp;#039;) und Chor basiert. Im Parun-Tal antwortet der Chor auf eine Solostimme mit einer längeren Melodiefolge. Manche der polyphonen Gesänge werden von einer &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; oder einer &amp;#039;&amp;#039;saringi&amp;#039;&amp;#039; (der lokalen Form der &amp;#039;&amp;#039;[[sarangi]]&amp;#039;&amp;#039;) begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während sich die Melodien der einzelnen Lieder recht ähnlich sind, beinhalten die Texte epische Heldengeschichten aus der langen Tradition. Ein Sänger begleitet sich auf einer &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; oder auf der Zupflaute &amp;#039;&amp;#039;urba&amp;#039;&amp;#039;. Die &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; war früher bei allen Altersgruppen beliebt und häufig im Freien meist solo oder zusammen mit der [[Rahmentrommel]] &amp;#039;&amp;#039;bumbuk&amp;#039;&amp;#039; zu hören.&amp;lt;ref&amp;gt;Maximilian Klimburg, 1999, S. 68&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie kann auch mit der schmalen zweisaitigen Fiedel &amp;#039;&amp;#039;saringi&amp;#039;&amp;#039; zusammenspielen, deren Saiten nach der &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; gestimmt und stets ohne Unterbrechung zusammen gestrichen werden. Die auf der &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; gespielten Melodien im Waigali-Tal bestehen meist aus schrittweisen Tonfolgen zur höchsten oder zur tiefsten Saite.&amp;lt;ref&amp;gt;Christer Irgens Møller, 2005, S. 64–66&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den traditionellen Glaubensvorstellungen der Nuristani gehörten neben zahlreichen Göttern und als hilfreich gedachten Berggeistern eine noch wesentlich größere Zahl an niederen böswilligen Geistern. Die männlichen &amp;#039;&amp;#039;sucha&amp;#039;&amp;#039; und die gefährlicheren weiblichen &amp;#039;&amp;#039;suchi&amp;#039;&amp;#039; zum Beispiel waren bei den Waigal und den Ashkun gefürchtet, weil sie Neugeborene stehlen und Besessenheit verursachen sollten. Die &amp;#039;&amp;#039;denik&amp;#039;&amp;#039; (auch &amp;#039;&amp;#039;denilo&amp;#039;&amp;#039;) waren hexenartige Dämonen, die als nackte Frauen in Erscheinung treten konnten. Auch sie stahlen Babys sowie Butterschmalz ([[Ghee]]). Um die &amp;#039;&amp;#039;denik&amp;#039;&amp;#039; zu identifizieren, trat ein mit magischen Fähigkeiten begabter Heiler in Aktion, der auf einer besonders gefertigten &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; spielte. Ihr Korpus war mit einer Echsenhaut bespannt, gespielt wurde sie mit einem Vogelschnabel als Plektrum. Der Heiler nahm zum Spielen an einem Walnussbaum Platz, dem man die unteren Äste abgeschnitten hatte. Durch die Klänge hervorgelockt, erschien der &amp;#039;&amp;#039;denik&amp;#039;&amp;#039; als wild tanzende nackte Frau, die vergeblich versuchte, den Baum zu erklimmen. Auf solche Art bloßgestellt, verschwand der Geist aus dem Dorf.&amp;lt;ref&amp;gt;Maximilian Klimburg, 1999, S. 157&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab den 1960er Jahren begann eine Gruppe von [[Mullah]]s, die ihre islamische Ausbildung in einer [[Madrasa]] im Dorf Panjpir nahe der pakistanischen Stadt [[Mardan]] erhalten hatten und die deshalb &amp;#039;&amp;#039;Panjpiri&amp;#039;&amp;#039; genannt werden, in Nuristan ihren, mit den Zielen der indischen &amp;#039;&amp;#039;[[Dar ul-Ulum Deoband|Deobandi]]&amp;#039;&amp;#039; verwandten „wahren Glauben“ fundamentalistischer Prägung zu propagieren. Sie verbannten traditionelle Feste, Musik und Tanz aus dem öffentlichen Alltag.&amp;lt;ref&amp;gt;Maximilian Klimburg, 1999, S. 58&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1970er Jahren war eine allgemeine Tendenz zur Modernisierung zu beobachten. Holzskulpturen an Häusern fanden vermehrt ihren Weg auf den internationalen Kunstmarkt, geduldet von der durch einen [[Saurrevolution|Staatsstreich 1978]] an die Macht gekommenen [[Demokratische Republik Afghanistan|kommunistischen Regierung]], gegen die bewaffnete Nuristanis einen erfolglosen Aufstand begonnen hatten.&amp;lt;ref&amp;gt;Maximilian Klimburg, 1981, S. 156–158&amp;lt;/ref&amp;gt; Die [[Taliban]] legten überdies in den 1990er Jahren das musikalische Leben des gesamten Landes lahm. Heute werden &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039; im westlichen Kunsthandel für etwa 1000&amp;amp;nbsp;Euro angeboten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Thomas Alvad: &amp;#039;&amp;#039;The Kafir Harp.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Man, Vol. 54.&amp;#039;&amp;#039; Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Oktober 1954, S. 151–154&lt;br /&gt;
* Alastair Dick: &amp;#039;&amp;#039;Waji.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Grove Music Online,&amp;#039;&amp;#039; 20. Januar 2016&lt;br /&gt;
* Maximilian Klimburg: &amp;#039;&amp;#039;A Collection of Kafir Art from Nuristan. A Donation by the Federal Republic of Germany to the National Museum of Afghanistan.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Tribus. Veröffentlichungen des Linden-Museums Stuttgart,&amp;#039;&amp;#039; Nr. 30, November 1981, S. 155–202&lt;br /&gt;
* Maximilian Klimburg: &amp;#039;&amp;#039;The Kafirs of the Hindu Kush: Art and Society of the Waigal and Ashkun Kafirs.&amp;#039;&amp;#039; Franz Steiner, Stuttgart 1999, ISBN 978-3515063081&lt;br /&gt;
* Christer Irgens Møller: [http://christerirgensmoller.dk/pdf-filer/nurart.pdf &amp;#039;&amp;#039;Remnants of the Kafir Music of Nuristan – a Historical Documentation.&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 4,7&amp;amp;nbsp;MB) In: &amp;#039;&amp;#039;DSCA Journal,&amp;#039;&amp;#039; Danish Society for Central Asia’s Electronic Quarterly, No. 2, Oktober 2005, S. 57–68&lt;br /&gt;
* Christer Irgens Møller: &amp;#039;&amp;#039;Music in Nuristan: Traditional Music from Afghanistan.&amp;#039;&amp;#039; (Jutland Archaeological Society Publications) Aaarhus University Press, 2009, ISBN 978-8788415582&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv|url=http://www.music.umich.edu/research/stearns_collection/Collection_item.php?id=2235|wayback=20160605070613|text=&amp;#039;&amp;#039;Waji.&amp;#039;&amp;#039;}} School of Music, Theatre &amp;amp; Dance, University of Michigan (Abbildung)&lt;br /&gt;
* [http://pliktavlevering.no/baser/morgenstierne/english/song.html &amp;#039;&amp;#039;Georg Morgenstierne: Song.&amp;#039;&amp;#039;] pliktavlevering.no (enthält die Tonaufnahme eines einminütigen Liedfragments mit &amp;#039;&amp;#039;waji&amp;#039;&amp;#039;-Begleitung, aufgenommen vom norwegischen Indo-Iranisten [[Georg Valentin von Munthe af Morgenstierne|Georg Morgenstierne]] 1968. Ebenfalls Aufnahmen von 1929 auf Wachswalzen in schlechterer Qualität)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references responsive /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Musik (Afghanistan)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Harfenart]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Invisigoth67</name></author>
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