<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Viktimisierung</id>
	<title>Viktimisierung - Versionsgeschichte</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?action=history&amp;feed=atom&amp;title=Viktimisierung"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Viktimisierung&amp;action=history"/>
	<updated>2026-06-08T20:46:26Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Viktimisierung&amp;diff=502635&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Dandelo: /* Ideologie- und Sprachkritik */ linkfix</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Viktimisierung&amp;diff=502635&amp;oldid=prev"/>
		<updated>2026-04-30T10:40:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;span class=&quot;autocomment&quot;&gt;Ideologie- und Sprachkritik: &lt;/span&gt; linkfix&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Viktimisierung&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ist ein Fachbegriff vor allem in der [[Kriminologie]]. Das Verb &amp;#039;&amp;#039;viktimisieren&amp;#039;&amp;#039; bedeutet „zum Opfer machen“ ({{laS|victima|de=Opfer}}), indem jemand durch kriminelles Handeln geschädigt wird. Insbesondere in der Sozialwissenschaft beschreibt der Begriff auch den Vorgang, jemandem oder einer Personengruppe einen Opferstatus oder die Opferrolle zuzuschreiben, sowie entsprechende Selbstzuschreibungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[https://web.archive.org/web/20241212034225/http://www.krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=V&amp;amp;KL_ID=202 Viktimisierung.]&amp;#039;&amp;#039; Kriminologie-Lexikon Online, Hrsg.: Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum Professor Dr. Thomas Feltes und Institut für Kriminologie der Universität Tübingen Professor Dr. Hans-Jürgen Kerner, [https://web.archive.org/web/20241212034225/http://www.krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=V&amp;amp;KL_ID=202 www.krimlex.de]. Auch: Hans J. Kerner, Thomas Feltes, Frank Hofmann, Helmut Janssen, Dieter Kettelhöhn: &amp;#039;&amp;#039;Kriminologie-Lexikon (= Grundlagen der Kriminalistik. Band 33).&amp;#039;&amp;#039; 4. Auflage. Hüthig Verlag, München 1999, ISBN 3-7832-0989-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit den 1990er Jahren wird eine Debatte in den Medien über die politischen und sozialen Implikationen der Schädigung und der Benutzung des Begriffs &amp;#039;&amp;#039;Opfer&amp;#039;&amp;#039; geführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== In verschiedenen Bereichen ==&lt;br /&gt;
=== Kriminologie ===&lt;br /&gt;
In der Kriminologie beschäftigt sich die [[Viktimologie]] wissenschaftlich mit Menschen, die zweifelsfrei als Opfer von Straftaten geschädigt wurden. Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Viktimisierung&amp;#039;&amp;#039; bezieht sich hier auf den Prozess der Schädigung durch Straftäter und beschreibt die Beziehung zwischen Opfer und Straftäter.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[https://web.archive.org/web/20241216223227/http://krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=V&amp;amp;KL_ID=203 Viktimologie.]&amp;#039;&amp;#039; Kriminologie-Lexikon Online, Hrsg.: Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum Professor Dr. Thomas Feltes und Institut für Kriminologie der Universität Tübingen Professor Dr. Hans-Jürgen Kerner, [https://web.archive.org/web/20241216223227/http://krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=V&amp;amp;KL_ID=203 www.krimlex.de]. Auch: Hans J. Kerner, Thomas Feltes, Frank Hofmann, Helmut Janssen, Dieter Kettelhöhn: &amp;#039;&amp;#039;Kriminologie-Lexikon (Grundlagen der Kriminalistik).&amp;#039;&amp;#039; 4. Auflage. Hüthig Verlag, München 1999, ISBN 3-7832-0989-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Viktimologie#Das Karrieremodell der Viktimisierung|titel1=Abschnitt „Das Karrieremodell der Viktimisierung“ im Artikel Viktimologie}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rechtswissenschaft ===&lt;br /&gt;
Voraussetzung für Leistungen nach dem bundesdeutschen [[Opferentschädigungsgesetz]] ist eine „Viktimisierung“, nämlich die Feststellung, dass ein Antragsteller „Opfer“ im Sinne des Gesetzes ist.&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;{{§§|Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten|buzer}}&amp;#039;&amp;#039;, [[buzer.de]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;{{Webarchiv |url=https://www.bmas.de/DE/Themen/Soziale-Sicherung/Soziale-Entschaedigung/Opferentschaedigungsrecht/oeg.html |text=Opferentschädigungsrecht |wayback=20180622195307}}&amp;#039;&amp;#039; 1. Juni 2016, [[Bundesministerium für Arbeit und Soziales|Bundesministerium für Arbeit und Soziales (&amp;lt;abbr&amp;gt;BMAS&amp;lt;/abbr&amp;gt;)]], Wilhelmstraße 49, 10117 Berlin.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;#039;&amp;#039;[https://web.archive.org/web/20160417181958/http://krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=S&amp;amp;KL_ID=162 Schaden durch Kriminalität].&amp;#039;&amp;#039; Kriminologie-Lexikon Online, Hrsg.: Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum Professor Dr. Thomas Feltes und Institut für Kriminologie der Universität Tübingen Professor Dr. Hans-Jürgen Kerner, [https://web.archive.org/web/20160416192351/http://krimlex.de/artikel.php?BUCHSTABE=V&amp;amp;KL_ID=203 www.krimlex.de]. Auch: Hans J. Kerner, Thomas Feltes, Frank Hofmann, Helmut Janssen, Dieter Kettelhöhn: &amp;#039;&amp;#039;Kriminologie-Lexikon (Grundlagen der Kriminalistik).&amp;#039;&amp;#039; 4. Auflage. Hüthig Verlag, München 1999, ISBN 3-7832-0989-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Viktimisierung wird von &amp;#039;&amp;#039;Juristen&amp;#039;&amp;#039; auch die ungerechtfertigte Benachteiligung von Menschen, die Klage gegen ihre Ungleichbehandlung eingereicht haben, bezeichnet, sofern die geltend gemachte Schädigung als „[[Diskriminierung]]“ anerkannt wird. Die vier Anti-Diskriminierungs-Richtlinien der EU verbieten diese Form der Viktimisierung (&amp;#039;&amp;#039;Antirassismusrichtlinie&amp;#039;&amp;#039; [[Richtlinie 2000/43/EG (Antirassismusrichtlinie)|Richtlinie 2000/43/EG]], &amp;#039;&amp;#039;Rahmenrichtlinie&amp;#039;&amp;#039; [[Richtlinie 2000/78/EG (Gleichbehandlungsrahmenrichtlinie)|Richtlinie 2000/78/EG]], &amp;#039;&amp;#039;Genderrichtlinie (2002)&amp;#039;&amp;#039; [[Richtlinie 2002/73/EG]], &amp;#039;&amp;#039;Genderrichtlinie (2004)&amp;#039;&amp;#039; [[Richtlinie 2004/113/EG]]). So heißt es in der Einleitung der [[Richtlinie 2000/78/EG (Gleichbehandlungsrahmenrichtlinie)|Gleichbehandlungsrahmenrichtlinie]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=(30) Die effektive Anwendung des Gleichheitsgrundsatzes erfordert einen angemessenen Schutz vor Viktimisierung.&lt;br /&gt;
 |Autor=&lt;br /&gt;
 |Quelle=&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref&amp;gt;{{EU-Richtlinie|2000|78|format=PDF}}&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In {{§|16|agg|juris}} des deutschen [[Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz|Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes]] (AGG, auch „Antidiskriminierungsgesetz“) wird das Viktimisierungsverbot weniger missverständlich als „Maßregelungsverbot“ bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Iris Borrée, Johannes Friedrich, Barbara Wüsten: &amp;#039;&amp;#039;[https://weisser-ring.de/system/files/domains/weisser_ring_dev/downloads/sosi22014opfer.pdf Das kaum bekannte Opferentschädigungsgesetz. Die Leistungen und ihre Gewährung – Praxisprobleme und Novellierungsbedarf.]&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Soziale Sicherheit.&amp;#039;&amp;#039; 2/2014, [[Weißer Ring]] – Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den Risiken einer [[Viktimologie#Sekundäre Viktimisierung|sekundären Viktimisierung]] bei der [[Vernehmung]] als [[Zeuge]] in einem Strafverfahren zu begegnen, gibt es in der Schweiz seit 1993 das [[Opferhilfegesetz]],&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lebe2003&amp;quot; /&amp;gt; in Deutschland seit 1998 das [[Zeugenschutzgesetz]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sozialwissenschaften ===&lt;br /&gt;
==== Erweiterter Viktimisierungsbegriff ====&lt;br /&gt;
Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Viktimisierung&amp;#039;&amp;#039; wird in den [[Sozialwissenschaften]] unterschiedlich verwendet, sowohl transitiv (jemand macht jemand anderen zum Opfer oder bezeichnet jemand anderen als Opfer) als auch reflexiv (jemand hält sich für ein Opfer bzw. bekennt sich dazu, ein Opfer zu sein). [[Stigmatisierung]] kann eine Opferrolle, einen Opferstatus oder ein [[Opferthese|Opfermythos]] auslösen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Lebe2003&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Wolfgang Lebe |Titel=Viktimologie – Die Lehre vom Opfer – Entwicklung in Deutschland. Phänomenologische Entwicklung des Opferbegriffes |Sammelwerk=Berliner Forum Gewaltprävention |Nummer=12 |Datum=2003 |Seiten=8–19 |Online=http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-lkbgg/bfg/nummer12/04_lebe.pdf |Format=PDF |KBytes=}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch können Menschen durch schicksalhaft-unabwendbare Vorgänge (z.&amp;amp;nbsp;B. eine [[Naturkatastrophe]]) geschädigt werden. [[Johan Galtung]] und seine Anhänger fassen des Weiteren Menschen, die durch [[Altersdiskriminierung]], [[Klassismus]], [[Elitarismus]], [[Ethnozentrismus]], [[Nationalismus]], [[Speziesismus]], [[Rassismus]], [[Sexismus]], [[Krieg]]s&amp;lt;nowiki /&amp;gt;folgen usw., also durch „[[strukturelle Gewalt]]“ geschädigt wurden, unter den Opferbegriff.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Zuschreibungen =====&lt;br /&gt;
Die Zuschreibung einer Opferrolle an einzelne Mitglieder oder Gruppen der Gesellschaft erfolgt unter Umständen durch Mitglieder dominanter gesellschaftlicher Gruppen, [[Institution]]en oder [[Ideologie]]n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Verstetigung der Rolle von Opfern spielt der Effekt der [[Erlernte Hilflosigkeit|erlernten Hilflosigkeit]] eine Rolle. Durch [[Kausalattribuierung|Attribuierung]] von außen oder durch die Übernahme entsprechender Etikettierungen ins [[Selbstbild]] können leicht aus Menschen, die einmal oder mehrmals geschädigt &amp;#039;&amp;#039;wurden&amp;#039;&amp;#039; ([[Aktiv und Passiv im Deutschen|Vorgangspassiv]]), Menschen werden, die dauerhaft geschädigt &amp;#039;&amp;#039;sind&amp;#039;&amp;#039; ([[Aktiv und Passiv im Deutschen|Zustandspassiv]]), die also dauerhaft in eine Opferrolle geraten sind, einen dauerhaften Opferstatus erworben haben oder einen Opfer[[mythos]] pflegen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Philosophie ===&lt;br /&gt;
In &amp;#039;&amp;#039;Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!&amp;#039;&amp;#039; beschreibt [[Slavoj Žižek]] den Prozess der Viktimisierung als ein gesellschaftliches [[Identität]]sbildungsmerkmal der [[Postmoderne]]. Das postmoderne [[Subjekt (Philosophie)|Subjekt]] neigt zu einem [[Narzissmus|narzisstischen]] Selbstverhältnis, bei dem es seine Beschädigtheit betont und sich gern in einer selbstgewählten Opferrolle darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Psychologie ===&lt;br /&gt;
In der &amp;#039;&amp;#039;Psychologie&amp;#039;&amp;#039; wird als &amp;#039;&amp;#039;sekundäre Viktimisierung&amp;#039;&amp;#039; das Phänomen bezeichnet, dass z.&amp;amp;nbsp;B. durch Naturkatastrophen Geschädigte, Verbrechensopfer (siehe [[Täter-Opfer-Umkehr]]) oder von illegalen Drogen Abhängige ungerechtfertigt für ihre Lage selbst verantwortlich gemacht werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Siehe auch|Viktimologie#Sekundäre Viktimisierung|titel1=Abschnitt „Sekundäre Viktimisierung“ im Artikel Viktimologie}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ideologie- und Sprachkritik ==&lt;br /&gt;
Gegen die Bezeichnung geschädigter Menschen als „Opfer“ (verwerflichen Verhaltens von Personen) werden ebenso Einwände erhoben wie gegen die Einordnung von Menschen als Geschädigte, ohne dass sie durch einen benennbaren „Täter“ ein konkret benennbares bzw. allgemein als solches bewertetes Unrecht erlitten hätten. Dabei wird der Begriffskern „Opfer einer Straftat“ so ausgedehnt, dass zu „Opfern einer Naturkatastrophe“ oder „Opfern der Gesellschaft“ kein Unterschied mehr zu erkennen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstens wird eine inflationäre Benutzung des Begriffs „Opfer“ kritisiert. Dies könne den Verdacht erwecken, es gehe eher darum, durch Benutzung eines emotional stark aufgeladenen Begriffs in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit (auch in Konkurrenz oder gar Gegnerschaft zu anderen Opfergruppen) für das Leiden bestimmter Geschädigter zu wecken und einen Anspruch auf Entschädigungszahlungen für sie zu begründen, als den Geschädigten angemessen zu helfen.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Schaad: {{Webarchiv |url=http://www.einsteinforum.de/fileadmin/einsteinforum/downloads/victims_schaad_dt.pdf |text=&amp;#039;&amp;#039;Victims and Losers&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20130927183120}} (PDF; 126&amp;amp;nbsp;kB). [[Einstein Forum]], 9. Juni 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweitens wird kritisiert, dass vielen Geschädigten der ihnen zustehende Opferstatus vorenthalten werde. Denn bei der Benutzung des Begriffs „[[Opfer (Religion)|Opfer]]“ schwinge oft die Erwartung mit, Menschen müssten „rein“ und „vollkommen unschuldig“ sein, um das Mitgefühl der Gesellschaft zu verdienen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wildwasser Arbeitsgemeinschaft gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen e.&amp;amp;nbsp;V.: [http://www.strohhalm-ev.de/kunde/pdf/1/25_6_07.pdf &amp;#039;&amp;#039;„Edel sei das Opfer – hilflos und gut?“&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 373&amp;amp;nbsp;kB). Berliner Fachrunde gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, 25. Juni 2007.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drittens wird die zunehmende Mode kritisiert, Opfer-Kollektive zu konstruieren und sich selbst einem dieser Kollektive zuzuordnen, ohne dass der Sprecher überzeugend darlegen könnte, welche verwerfliche oder gar strafbare Tat gegen ihn begangen worden sein soll. Insbesondere gelten zulässige Meinungsäußerungen verfassungsrechtlich als Ausübung des [[Menschenrecht]]s auf [[Meinungsfreiheit]] und dürften daher eigentlich nicht als (Straf-)Taten bewertet werden, auch wenn Menschen anderer Meinung sich durch sie angegriffen („viktimisiert“) fühlen. Niemand hat ein Recht darauf, dass ihm nicht widersprochen wird, und zwar auch mit Argumenten, die ihm nicht gefallen, die ihn womöglich sogar kränken.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Xaver von Cranach]], Georg von Diez, Sebastian Hammelehle, Ulrike Knöfel, Nils Minkmar, Volker Weidermann, Steffen Winter: &amp;#039;&amp;#039;Der Riss. Nach der Dresdner Debatte zwischen [[Uwe Tellkamp]] und [[Durs Grünbein]] streiten Intellektuelle über Redefreiheit und den richtigen Umgang mit rechts.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Der Spiegel.&amp;#039;&amp;#039; Ausgabe 12/2018. 17. März 2018, S. 112–115.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Pejorativum|Pejorativ]], also in kritischer Absicht wird der Terminus verwendet, indem z.&amp;amp;nbsp;B. Forschern wie [[Pierre Bourdieu]] unterstellt wird, sie würden &amp;#039;&amp;#039;jedes&amp;#039;&amp;#039; soziale Phänomen in das Raster Opfer-Täter einordnen und einseitig Stellung zugunsten der Geschädigten beziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;in diesem Sinne beispielsweise Guillaume Erner: &amp;#039;&amp;#039;La société des victimes&amp;#039;&amp;#039;. Paris 2006, (d.&amp;amp;nbsp;h. Die Gesellschaft der Opfer)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Instrumentalisierung des „Opfer“-Begriffs durch Täter und Politiker ===&lt;br /&gt;
[[Slavoj Žižek]] warnt davor, dort einen ethnischen Konflikt zu sehen. Stattdessen sollten seiner Ansicht nach die tatsächlichen machtpolitischen Zusammenhänge wahrgenommen werden. Erst die von außen hineingelegte [[Interpretation]], es gehe um einen rassistischen Zusammenhang, trage dazu bei, den Konflikt zu einem „ethnischen Ding“ zu machen. Grund für diese Wahrnehmung sei eben auch die Viktimisierung, die hier als eine Art der Hilfe sich nur dann der Opfer annehme, wenn die Helfer sie für Opfer hielten. Sobald der Opferstatus nicht mehr hergestellt werden könne, bleibe die Unterstützung aus. Eine Unterstützung der Betroffenen finde nur deshalb statt, weil die Unterstützenden die Betroffenen in ihrer Opferrolle benötigten. Die Wahrnehmung des Konflikts auf einer rassistischen Folie sei dem Prozess der Viktimisierung also zuträglich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich beschreibt der Kultursoziologe Jonas Pfau den Umgang vieler Deutscher mit der Vergangenheit: „Die Täter machten sich zu Opfern. Teil dieser Viktimisierung war die gemeinsam entwickelte und individuell realisierte Schuldabwehr bezüglich der nationalsozialistischen Vernichtungsrealität. Die Strategien dafür reichten von Ignorieren über Verleugnen zur Universalisierung der [[Holocaust|Shoah]].“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch „Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird.“ des Autors [[Norman Finkelstein|Norman G. Finkelstein]] führte in den deutschen Medien zu Reaktionen, die mit der [[Martin Walser#Paulskirchenrede 1998|Walser-Debatte]] von 1998 vergleichbar waren. Die Debatte zeigte, dass die Viktimisierung von Juden wie auch die Kritik an der Viktimisierung jeweils mit [[Abwehrmechanismus|Erinnerungsabwehr]] und antisemitischen Vorstellungen verbunden werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Er verleiht der bei Antisemiten beliebten These akademische Weihen, nach der jüdische Eliten verdächtigt werden, mit der Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden ein Geschäft und pro-israelische Politik zu machen.&lt;br /&gt;
 |Autor=[[Martin Dietzsch]], Alfred Schobert&lt;br /&gt;
 |Quelle=&lt;br /&gt;
 |ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Dietzsch, Alfred Schobert: &amp;#039;&amp;#039;Ein „jüdischer David Irving“? Norman G. Finkelstein im Diskurs der Rechten – Erinnerungsabwehr und Antizionismus.&amp;#039;&amp;#039; [http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,151,16.html (unrast-verlag.de)]&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Problematische Kategorisierung von Menschen ===&lt;br /&gt;
==== Widerstand gegen die Fremdzuschreibung eines Opferstatus ====&lt;br /&gt;
Viele [[Ethnisierung|rassifizierte]] Menschen erfahren durch die Zuschreibung einer Opferrolle eine zusätzliche Form der Unterdrückung. Dagegen wehren sich z.&amp;amp;nbsp;B. Organisationen, wie die &amp;#039;&amp;#039;Theorie und Praxis einer Migrantinnenselbstorganisation&amp;#039;&amp;#039; in ihrem anti-[[Eurozentrismus|eurozentristischen]] Manifest &amp;#039;&amp;#039;Anthropophagie als Antwort auf die eurozentrische Kulturhegemonie:&amp;#039;&amp;#039; „Wir widersetzen uns jeglicher Zuschreibungspraxis, sei es in Form von Viktimisierung oder [[Exotismus|Exotisierung]]“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der [[Opfer (Schimpfwort)|Beschimpfung: „Du Opfer!“]] beginnen viele Aggressionen, durch die die Beschimpften erst zu Opfern im Sinne der Kriminologie gemacht werden, sofern sie tatsächlich so schwach sind, wie es der Aggressor annimmt. Wer stark genug ist, hat die Chance zu beweisen, dass er kein „Opfer“ (d.&amp;amp;nbsp;h. Verlierer der provozierten Auseinandersetzung) ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== „Selbstviktimisierung“ ====&lt;br /&gt;
[[Anselm Neft]] behauptet, dass es in Deutschland viele Menschen genössen, in sich selbst „Opfer“ zu sehen. „Männer begreifen sich als Opfer von [[Sexismus|Antisexismus]], Ostdeutsche als Leidtragende der Wiedervereinigung, der Vorsitzende einer Partei betrachtet das gesamte Land als Opfer seiner eigenen Vergangenheit.“ „[[Postmoderne]] Linke“ hätten mit der Methode begonnen, „[i]m Namen einer immer stärker moralisch aufgeladenen [[Identitätspolitik]] […] verschiedene Opfergruppen [zu konstruieren], mit denen sie sich im Tonfall persönlicher Betroffenheit identifizieren.“ Menschen aus dem eher rechten Spektrum hingegen inszenierten sich gerne als Opfer ebendieser Minderheiten oder als Opfer jener „Linken“, die diese Minderheiten verteidigen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Anselm Neft: [https://www.zeit.de/kultur/2018-05/opferkultur-debatte-sexismus-freiheit-gesellschaft/komplettansicht &amp;#039;&amp;#039;Opferkultur: Das große Mimimi&amp;#039;&amp;#039;]. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Zeit online]].&amp;#039;&amp;#039; 27. Mai 2018.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Georg Diez: [http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/uwe-tellkamp-widerspruch-gegen-rechts-ist-kein-sprechverbot-kommentar-a-1197896.html &amp;#039;&amp;#039;Tellkamp-Debatte: Jemandem auf die Nase hauen und dann Aua rufen&amp;#039;&amp;#039;]. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Spiegel online]].&amp;#039;&amp;#039; 13. März 2018.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Forscher in politischer Psychologie Daniel Bar-Tal behauptet, dass Volksgruppen als Folge von Ereignissen in ihrer Vergangenheit eine sog. kollektive Opfermentalität entwickeln können.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Afram Yakoub |Titel=Der Weg nach Assyrien – Ein Aufruf zu nationaler Erneuerung |Verlag=Tigris Press |Ort=Södertälje, Schweden |Datum=2022 |ISBN=978-91-981541-7-7 |Seiten=28}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neft hält die Methode für fragwürdig, die Welt in „Wir-Gruppen“ einzuteilen, die aus lauter „Opfern“ bestünden, und „Ihr-Gruppen“, deren Angehörige „Täter“ seien.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Slavoj Žižek: &amp;#039;&amp;#039;Liebe Dein Symptom wie Dich selbst! [[Jacques Lacan]]s Psychoanalyse und die Medien&amp;#039;&amp;#039;. [[Institut für Neue Medien]] an der Städelschule. Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-88396-081-0.&lt;br /&gt;
* [[Pascal Bruckner]]: &amp;#039;&amp;#039;Ich leide, also bin ich. Die Krankheit der [[Moderne]].&amp;#039;&amp;#039; Aufbau, Berlin 1997, ISBN 3-88679-278-1.&lt;br /&gt;
* Jonas Pfau: &amp;#039;&amp;#039;Die Viktimisierung der Deutschen.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Phase 2.&amp;#039;&amp;#039; 10/2003.&lt;br /&gt;
* Luzenir Caixeta: &amp;#039;&amp;#039;[[Kannibalismus|Anthropophagie]] als Antwort auf die eurozentrische Kulturhegemonie Oder: Wie die Mehrheitsgesellschaft feministische Migrantinnen schlucken ›muss‹.&amp;#039;&amp;#039; In: Hito Steyerl, [[Encarnación Gutiérrez Rodríguez]] (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik&amp;#039;&amp;#039;. [[Unrast Verlag]], Münster 2004, ISBN 3-89771-425-6.&lt;br /&gt;
* Mona Chollet: &amp;#039;&amp;#039;Wem Gerechtigkeit peinlich ist. Über das reaktionäre Gerede vermeintlich aufgeklärter Geister.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Le Monde diplomatique]]&amp;#039;&amp;#039;. (deutsche Ausgabe), Okt. 2007, S. 22f (Aus d. Franz. von Michael Adrian)&lt;br /&gt;
* Dieter Hermann, Dieter Dölling: &amp;#039;&amp;#039;Kriminalprävention und Wertorientierungen in komplexen Gesellschaften. Analysen zum Einfluss von Werten, Lebensstilen und Milieus auf Delinquenz, Viktimisierung und Kriminalitätsfurcht&amp;#039;&amp;#039;. [[Weißer Ring|Weisser Ring]], Mainz 2001, ISBN 3-9806463-8-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [https://www.weisser-ring.de/index.php?id=32 &amp;#039;&amp;#039;Strafrechtspolitische Forderungen des WEISSEN RINGS zur Verbesserung des Opferschutzes&amp;#039;&amp;#039;]&lt;br /&gt;
* &amp;#039;&amp;#039;[https://www.bmas.de/DE/Themen/Soziale-Sicherung/Soziale-Entschaedigung/Opferentschaedigungsrecht/oeg.html Opferentschädigungsrecht.]&amp;#039;&amp;#039; 1. Juni 2016, [[Bundesministerium für Arbeit und Soziales|Bundesministerium für Arbeit und Soziales (&amp;lt;abbr&amp;gt;BMAS&amp;lt;/abbr&amp;gt;)]], Wilhelmstraße 49, 10117 Berlin.&lt;br /&gt;
* Iris Borrée, Johannes Friedrich, Barbara Wüsten: [https://weisser-ring.de/system/files/domains/weisser_ring_dev/downloads/sosi22014opfer.pdf &amp;#039;&amp;#039;Das kaum bekannte Opferentschädigungsgesetz. Die Leistungen und ihre Gewährung – Praxisprobleme und Novellierungsbedarf.&amp;#039;&amp;#039;] In: &amp;#039;&amp;#039;Soziale Sicherheit.&amp;#039;&amp;#039; 2/2014, [[Weißer Ring]] – Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.&lt;br /&gt;
* Heiner Kiesel: &amp;#039;&amp;#039;[https://www.deutschlandfunkkultur.de/zwischen-erinnerungskultur-und-opferkult-land-der-opfer.976.de.html?dram:article_id=370350 Zwischen Erinnerungskultur und Opferkult: Land der Opfer.]&amp;#039;&amp;#039; Website [[Deutschlandfunk Kultur]] vom 7. November 2016.&lt;br /&gt;
* Andrea und Justin Westhoff: [https://www.deutschlandfunk.de/opferforschung-suendenbock-maertyrer-und-geisel-100.html &amp;#039;&amp;#039;Opferforschung: Sündenbock, Märtyrer und Geisel.&amp;#039;&amp;#039;] Website Deutschlandfunk Kultur vom 4. August 2016.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Rechtshinweis}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Viktimologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sozialpsychologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sozialstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Diskriminierung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Dandelo</name></author>
	</entry>
</feed>