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	<title>Vernunft - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<id>https://wiki-de.moshellshocker.dns64.de/index.php?title=Vernunft&amp;diff=28148&amp;oldid=prev</id>
		<title>imported&gt;Invisigoth67: typo</title>
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		<updated>2026-01-08T12:19:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;typo&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt den philosophischen Begriff – zu weiteren Bedeutungen siehe [[Vernunft (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Goya-Capricho-43.jpg|mini|[[Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer]] – Grafik von [[Francisco de Goya]] (1799)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Vernunft&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet in der modernen Verwendung ein durch [[Denken]] bestimmtes geistiges menschliches Vermögen zur [[Erkenntnis]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anlehnung an die terminologische Verwendung bei [[Christian Wolff (Aufklärer)|Christian Wolff]] wird sie vom [[Verstand]] abgegrenzt, der durch [[Beobachtung]] und [[Erfahrung]] [[Sachverhalt]]e erfasst und so der Vernunft die Fähigkeit verleiht, allgemein gültige Zusammenhänge durch [[Schlussfolgerung]]en zu erschließen, ihre [[Bedeutung]] zu erkennen und [[Gesetz|Regeln]] sowie [[Prinzip]]ien aufzustellen. Sofern diese das [[Handeln]], [[Axiologie (Philosophie)|Wertbestimmungen]] oder Fragen der [[Moral]] betreffen, spricht man von &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;praktischer Vernunft&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;. Unter diesem Begriff tritt zum Vermögen der Prinzipien auch die Fähigkeit, den eigenen Willen zu bestimmen, hinzu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den auf Erkenntnis und [[Wissenschaft]]en bezogenen Gebrauch bezeichnet man als &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;theoretische Vernunft&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;. [[Rationalität]] ist wiederum ein Begriff der „Vernünftigkeit“, der an der Steigerung der Effizienz, sowohl im Sinne von [[Wirtschaftlichkeit]] nach [[Ökonomisches Prinzip|ökonomischen Prinzipien]] als auch im Sinne der [[Gerechtigkeitstheorie]] oder der [[Diskursethik]], orientiert sein kann. Die Vernunft als Grundbegriff der klassischen bürgerlichen Philosophie von [[Francis Bacon]] und [[René Descartes]] bis zu [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Friedrich Hegel]] und [[Ludwig Feuerbach]] stand im Zentrum der neuen im Kampf gegen die Ideologie des Feudalismus und seiner Institutionen sich herausbildenden und festigenden bürgerlichen Weltanschauung.&amp;lt;ref&amp;gt;Artikel „Vernunft“. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Philosophisches Wörterbuch.&amp;#039;&amp;#039; 11. Aufl., Leipzig 1975. --&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Inhalt des Begriffs der Vernunft wird unterschiedlich bestimmt. In seinem Verhältnis mit dem Begriff des Verstandes hat er im Verlauf der Geschichte von der griechischen Philosophie – &amp;#039;&amp;#039;[[Nous]]&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[Logos]]&amp;#039;&amp;#039; gegenüber &amp;#039;&amp;#039;[[dianoia]]&amp;#039;&amp;#039; – über das Mittelalter – &amp;#039;&amp;#039;intellectus&amp;#039;&amp;#039; versus &amp;#039;&amp;#039;ratio&amp;#039;&amp;#039; – bis in die [[Neuzeit]] einen Wandel erfahren. In der Neuzeit entwickelte sich, angestoßen von [[Meister Eckart]] und [[Martin Luther]], ein Begriffsinhalt, wie er von [[Immanuel Kant]] in der &amp;#039;&amp;#039;[[Kritik der reinen Vernunft]]&amp;#039;&amp;#039; formuliert wurde und so in der Moderne noch weitgehend üblich ist. Danach ist die Vernunft das oberste [[Vermögen (Fähigkeit)|Erkenntnisvermögen]]. Dieses kontrolliert den Verstand, mit dem die [[Wahrnehmung]] strukturiert wird, erkennt dessen Beschränkungen und kann ihm Grenzen setzen. Damit ist die Vernunft das wesentliche Mittel der geistigen [[Reflexion (Philosophie)|Reflexion]] und das wichtigste Werkzeug der [[Philosophie]]. Dieses Verständnis wurde aber auch kritisiert, so etwa von [[Arthur Schopenhauer]], wo die Vernunft das Organ leerer [[Spekulation (Philosophie)|Spekulation]] sein kann, was er als Anschluss an Kants Kritik verstanden wissen will, welche in der [[Transzendentale Dialektik|transzendentalen Dialektik]] jenes Thema behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben dieser Vernunft als subjektives Vermögen eines [[Mensch]]en oder „endlichen Vernunftwesens“ &amp;#039;&amp;#039;([[animal rationale]])&amp;#039;&amp;#039; – nahmen einige Philosophen die Existenz einer objektiven Vernunft an: ein die Welt durchwaltendes und ordnendes Prinzip als metaphysische oder kosmologische Vernunft – Weltvernunft, [[Weltgeist]], [[Logos]], [[Gott]]. Zu diesen Philosophen gehören z.&amp;amp;nbsp;B. [[Heraklit]], [[Plotin]] und Hegel. Die Debatten um die Existenz oder Nichtexistenz einer solchen Weltvernunft und ihre eventuelle Beschaffenheit sind ein bedeutender Teil der [[Philosophiegeschichte]]. Kant verwendet dafür in seiner [[Kritik der praktischen Vernunft]] den Begriff der göttlichen Vernunft (&amp;#039;&amp;#039;intellectus archetypus&amp;#039;&amp;#039;) der im Gegensatz steht zur menschlichen Vernunft &amp;#039;&amp;#039;(intellectus ectypus)&amp;#039;&amp;#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Abgrenzung zum Begriff der &amp;#039;&amp;#039;Vernunft&amp;#039;&amp;#039; wird der Begriff des &amp;#039;&amp;#039;Verstandes&amp;#039;&amp;#039; heute gebraucht für Fälle, in denen Phänomene gesondert betrachtet werden, abgelöst vom größeren umfassenden Zusammenhang. In der [[Umgangssprache]] werden die beiden Begriffe allerdings nicht streng voneinander unterschieden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung ==&lt;br /&gt;
{{Belege fehlen}}&lt;br /&gt;
Sowohl umgangssprachlich als auch in der Geschichte der Philosophie hat die Bezeichnung „Vernunft“ mehrere Bedeutungen, die sich aber überschneiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen wird sie als die Grundlage für [[Erkenntnis]] und Erkenntnisgewinn betrachtet. Sie schafft die Voraussetzung für Erkenntnis, indem sie eine Systematik und einen Bezugsrahmen für [[Wissen]] vorgibt. Von der Vernunft unterschieden wird gewöhnlich der Verstand als Erkenntnisvermögen oder als das Zusammenwirken vieler verschiedener kognitiver Fähigkeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen wird Vernunft in der Bedeutung von &amp;#039;&amp;#039;vernünftigem Handeln&amp;#039;&amp;#039; verwendet. In diesem Sinn begründet Vernunft eine [[normativ]]e, [[philosophische Ethik]], die keine Berufung auf andere Instanzen eingesteht. Sie findet sich zum Beispiel bei [[Aristoteles]] als &amp;#039;&amp;#039;das rechte Maß&amp;#039;&amp;#039; oder bei Immanuel Kant als der &amp;#039;&amp;#039;[[Kategorischer Imperativ|kategorische Imperativ]]&amp;#039;&amp;#039;. In seiner Universalgeschichte beschreibt [[Voltaire]] eine stetige Entwicklung der Menschheit von primitiver Barbarei zur Vorherrschaft der Vernunft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich wird Vernunft in der Bedeutung von „einer höheren Ordnung gemäß“ verwendet. Diese Sichtweise trägt meistens die Züge einer religiösen Überzeugung, und auch im [[Deutscher Idealismus|deutschen Idealismus]] ist die Vernunft das „Denken Gottes“. Der Mensch und die ganze Menschheit hat im Idealismus Anteil an dieser Vernunft, aber sie &amp;#039;&amp;#039;vollzieht&amp;#039;&amp;#039; sich eher an ihm, als dass er einen Einfluss darauf hat. Auch ohne einen traditionellen religiösen Bezug sind heute viele Menschen überzeugt, in der Welt einer &amp;#039;&amp;#039;höheren&amp;#039;&amp;#039; Vernunft der &amp;#039;&amp;#039;[[Schöpfung]]&amp;#039;&amp;#039; zu begegnen (vgl. [[Intelligent Design]]). Physiker wie [[Erwin Schrödinger]] waren von der Existenz einer &amp;#039;&amp;#039;übernatürlichen&amp;#039;&amp;#039;, vernünftigen Ordnung überzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Philosophiegeschichte ==&lt;br /&gt;
=== Antike ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Nous}}&lt;br /&gt;
Bei [[Platon]] findet sich die Unterscheidung zwischen &amp;#039;&amp;#039;noesis&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;[[dianoia]]&amp;#039;&amp;#039;. &amp;#039;&amp;#039;Noesis&amp;#039;&amp;#039; als das „intuitive Schauen der [[Idee]]n“ bezeichnet hier das Vermögen, das Seiende in seinem [[Wesen (Philosophie)|Wesen]] zu erkennen, während &amp;#039;&amp;#039;dianoia&amp;#039;&amp;#039; die begriffliche, [[Methode (Erkenntnistheorie)|methodisch]]-[[diskursiv]]e Weise der Erkenntnis meint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Aristoteles]] bestimmte die Vernunft auf zweierlei Ebenen. Zum einen die denkende Vernunft, der [[Logos]], der ein Gespräch mit sich selbst ist, und zum anderen die handlungsleitende Vernunft, die [[Klugheit|Phronesis]], die auf die Praxis gerichtet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Friederike Rese: &amp;#039;&amp;#039;Praxis und Logos bei Aristoteles: Handlung, Vernunft und Rede in Nikomachischer Ethik, Rhetorik und Politik.&amp;#039;&amp;#039; Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 2.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwischen Phronesis und Logos besteht eine unmittelbare Beziehung ([[Nikomachische Ethik|EN]] VI 5, 1140 b20) Der Logos bestimmt das vernünftige Handeln, als er dazu dient, das Mittlere der Tugend zu erfassen (siehe [[Mesotes]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Friederike Rese: &amp;#039;&amp;#039;Praxis und Logos bei Aristoteles: Handlung, Vernunft und Rede in Nikomachischer Ethik, Rhetorik und Politik.&amp;#039;&amp;#039; Mohr Siebeck, Tübingen 2003, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Mensch ist nicht nur ein Gemeinschaftswesen &amp;#039;&amp;#039;(zoon politikon)&amp;#039;&amp;#039;, sondern auch ein Vernunftwesen &amp;#039;&amp;#039;(zoon logon echon)&amp;#039;&amp;#039; ([[Politik (Aristoteles)|Pol]]. I 2, 1253 a1-18) Wie schon für [[Heraklit]] oder [[Anaxagoras]] galt Aristoteles der Nous als ein allgemeines, unveränderliches Weltprinzip. „Anaxagoras hat Recht, wenn er den Geist (nous) als dasjenige bezeichnet, das nicht in Mitleidenschaft gezogen werden kann und unvermischt ist, eben deshalb, weil er ihn als Prinzip (arché) der Bewegung ansetzt. Denn nur unter dieser Voraussetzung kann er als Unbewegter bewegen und als Unvermischter herrschen.“ ([[Physik (Aristoteles)|Physik]] 5, 256 b24&amp;amp;thinsp;f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der von [[Zenon von Kition|Zenon]] begründeten [[Stoa]] diente die Vernunft dazu, die körperlichen Triebe zu regulieren und so zu einem ausgewogenen, von [[Affekt#Begriffsgeschichte|Affekten]] befreiten, [[Arete|tugendhaften]] Leben zu kommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Überblick bei Denis Walter: &amp;#039;&amp;#039;Die Politeia des Zenon von Kition: Über die Rollen der Normfiguren im Staat der Erziehung zur Tugend.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Zeitschrift für philosophische Forschung]]&amp;#039;&amp;#039;, Band 72, Heft 1, 2018, S.&amp;amp;nbsp;75–94.; [[Wilhelm Weischedel]]: &amp;#039;&amp;#039;Die philosophische Hintertreppe&amp;#039;&amp;#039;. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1966 (erweiterte Ausgabe 1973, ISBN 3-485-00863-X, Neuauflage 2000), S.&amp;amp;nbsp;60–69, hier S.&amp;amp;nbsp;64 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Mensch ist Teil der Natur und Aufgabe der Vernunft ist es, das Leben in die [[Universum|kosmische Ordnung]] (Logos) einzufügen. Die Vernunft kann sich nicht gegen die Ordnung der Natur stellen. So fragt [[Cicero]]: „Ist irgendetwas naturgemäß, was gegen die Vernunft (ratio) geschieht?“ ([[Tusculanae disputationes|Gespräche in Tusculum]], 4. Buch, 79&amp;amp;thinsp;f.). Bei [[Seneca]] findet sich die Antwort: „Die Natur nämlich muss man zum Führer nehmen: sie beachtet die Vernunft (ratio), und diese fragt sie um Rat.“&amp;lt;ref&amp;gt;Seneca: &amp;#039;&amp;#039;[[De vita beata|Über das glückliche Leben]].&amp;#039;&amp;#039; {{Webarchiv|url=http://www.literaturknoten.de/philosophie/s/seneca/glueck/glueck1_1.html |wayback=20121107074911 |text=VIII, 1 |archiv-bot=2023-02-05 09:21:56 InternetArchiveBot }})&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Europäisches Mittelalter ===&lt;br /&gt;
Die lateinische Terminologie übersetzte &amp;#039;&amp;#039;noesis&amp;#039;&amp;#039; mit &amp;#039;&amp;#039;intellectus&amp;#039;&amp;#039; und &amp;#039;&amp;#039;dianoia&amp;#039;&amp;#039; mit &amp;#039;&amp;#039;ratio&amp;#039;&amp;#039;. Die [[Philosophie des Mittelalters]] war in ihren Anfängen geprägt durch den Gedanken einer Integration von Religion und Philosophie. Beide sollten nicht in Widersprüche zueinander geraten. Ein wesentlicher Wegbereiter hierzu war [[Augustinus von Hippo]]: „Es sind zwei verschiedene Heilmittel, die aufeinanderfolgend zur Anwendung kommen müssen, nämlich Autorität und Vernunft. Die Autorität verlangt Glauben und bereitet den Menschen auf die Vernunft vor. Die Vernunft führt zur Einsicht und Erkenntnis. Doch ist auch die Autorität nicht gänzlich von Vernunft verlassen, da man sich überlegen muss, wem man glauben soll, und nicht minder eignet auch der bereits einleuchtenden und erkannten Wahrheit unzweifelhaft höchste Autorität.“&amp;lt;ref&amp;gt;Augustinus: &amp;#039;&amp;#039;Über die wahre Religion.&amp;#039;&amp;#039; 24, 45, Reclam, Stuttgart 2006, S. 122–123.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es ist nicht mehr die Natur, wie in der Stoa, sondern ein [[transzendent]]er göttlicher Wille, wie im [[Neuplatonismus]], der der Maßstab für das menschliche Handeln ist. „Das erste Verderben der vernünftigen Seele ist der Wille, zu tun, was die höchste und innerste Wahrheit verbietet. Infolgedessen ward der Mensch aus dem Paradiese in unsere Erdenwelt ausgestoßen und gelangte damit von Ewigkeit ins Zeitliche, aus der Fülle in den Mangel, aus der Kraft in die Schwachheit, nicht jedoch aus wesenhaft Gutem zu wesenhaft Schlechten. Denn kein Wesen ist schlecht.“&amp;lt;ref&amp;gt;Augustinus: &amp;#039;&amp;#039;Über die wahre Religion.&amp;#039;&amp;#039; 20, 38, Reclam, Stuttgart 2006, S. 101–102.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott wurde aber im [[Mittelalter]] auch als eine Instanz gedacht, die allem menschlichen Denken übergeordnet ist, bei [[Petrus Damiani]] sogar so weit gehend, dass das Denken seinen Ursprung im Teufel hat und vor Gott nichts gilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Petrus Damiani: &amp;#039;&amp;#039;De sancta simplicitate scientiae inflanti anteponenda.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Jacques Paul Migne]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Patrologia Latina|Patrologiae cursus completus: Serie latina]]&amp;#039;&amp;#039;, Band 145, S.&amp;amp;nbsp;695–704, hier S.&amp;amp;nbsp;695.&amp;lt;/ref&amp;gt; Entsprechend vertrat er die Auffassung, dass die Philosophie die „[[Magd der Theologie]]“ sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Thomas von Aquin]] hielt es hingegen für erforderlich, dass die Erkenntnis der Welt nicht auf Irrtümern gegründet werden darf, weil dadurch der rechte Glaube an Gott gefährdet wird. „So ist also offenbar, daß die Meinung bestimmter Leute falsch ist, die sagen, es komme für die Wahrheit des Glaubens nicht darauf an, was man über die Geschöpfe meine, wenn man nur in bezug auf Gott die richtige Meinung habe […] denn der Irrtum über die Geschöpfe geht über in eine falsche Meinung von Gott und führt den Geist der Menschen von Gott weg, zu dem sie der Glaube doch hinzulenken trachtet, indem der Irrtum die Geschöpfe anderen Ursachen unterordnet.“ ([[Summa contra gentiles|ScG]] II 3 Nr. 864). Für Thomas ist ein Handeln, das sich unvernünftigen Trieben beugt, schlecht. „Jegliches Wollen, das von der Vernunft abweicht, mag diese nun recht sein oder irren, ist immer schlecht.“ ([[Summa theologica|STh]] I/II 19 a.5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Hochscholastik]] entwickelte sich das Streben, Glaubensüberzeugungen und Vernunft wieder zu trennen. Bedeutende Vertreter dieser Entwicklung waren [[Johannes Duns Scotus]] und [[Wilhelm von Ockham]]. Bei [[Meister Eckhart]] und [[Martin Luther]] wurde intellectus wiederum mit Verstand und ratio mit Vernunft gleichgesetzt, wobei der Verstand (intellectus/noesis) als die Wesenserkenntnis der diskursiv und argumentativ operierenden Vernunft (ratio/dianoia) übergeordnet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Außereuropäische Philosophie ===&lt;br /&gt;
Ähnliche Ansätze finden sich in fast allen Kulturkreisen. In der islamischen Tradition hat der einflussreiche Philosoph [[Avicenna]] die Vernunft als eine stetige [[Emanation (Philosophie)|Emanation]] Gottes beschrieben. Östliche Weisheitslehren wie [[Yoga]] und [[Zen]] lehren die Grenzen und Widersprüchlichkeit der Vernunft und wie man sich davon befreien kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nikolaus von Kues ===&lt;br /&gt;
[[Nikolaus von Kues]] hob hervor, dass die Vernunft eine besondere Fähigkeit des Menschen ist, die durch Bildung erst ihre Kraft entfalten kann.:&lt;br /&gt;
{{Zitat|Text=Der Mensch verhält sich als Mensch zum Tier wie ein belehrter Mensch zu einem unbelehrten. Der belehrte nämlich sieht die Buchstaben des Alphabets (&amp;#039;&amp;#039;litteras alphabeti&amp;#039;&amp;#039;) und ebenso der unbelehrte. Jedoch bildet der belehrte durch verschiedenartige Zusammenstellung der Buchstaben Silben (&amp;#039;&amp;#039;syllabas&amp;#039;&amp;#039;) und aus Silben Wörter und aus diesen Sätze. Das kann der unbelehrte nicht, weil ihm die Kunst fehlt, die sich der belehrte durch Schulung seiner Vernunft (&amp;#039;&amp;#039;ab exercitato intellectu&amp;#039;&amp;#039;) erworben hat. Der Mensch vermag also durch die Kraft seiner Vernunft, die natürlichen Erkenntnisbilder (&amp;#039;&amp;#039;species naturales&amp;#039;&amp;#039;) zusammenzusetzen und zu trennen und aus ihnen Erkenntnisbilder und Erkenntniszeichen der Vernunft und der Kunst zu schaffen. Hierdurch überragt der Mensch die Tiere und der belehrte den unbelehrten, weil er über eine geschulte und gebildete Vernunft (&amp;#039;&amp;#039;exercitatum et reformatum intellectum&amp;#039;&amp;#039;) verfügt.|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;Nikolaus von Kues: &amp;#039;&amp;#039;Compendium –  Kurze Darstellung der philosophisch-theologischen Lehren.&amp;#039;&amp;#039; VI n, 18, zitiert nach: Rudi Ott: &amp;#039;&amp;#039;Die menschliche Vernunft und der dreieine Gott bei Nikolaus von Kues: Erläuterungen zum Werk De docta ignorantia – Die belehrte Unwissenheit.&amp;#039;&amp;#039; Buch I, Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-8484-9, S. 9.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Cusanus ist wie später bei Kant die Vernunft die höchste Stufe im Dreiklang Sinne – Verstand – Vernunft.&amp;lt;ref&amp;gt;Nikolaus von Kues: De beryllo – Über den Beryll, n 12&amp;lt;/ref&amp;gt; Während der Verstand die vielfältigen Sinneseindrücke zusammenfasst, geht die Vernunfteinsicht in der Schau des Höheren noch über den Verstand hinaus. Die Einheit der Vernunft selbst als die einfachste Zusammenschau des Ganzen beschrieb er in Anlehnung an [[Ramon Llull|Raimundus Llullus]] als eine [[Triade (Philosophie)|Triade]] aus (1) Erkennendem, (2) Erkanntem und (3) dem Vorgang des Erkennens. Der Intellekt übersteigt die Ratio insofern, als er aus dem, was in der Ratio diskursiv getrennt ist (&amp;#039;&amp;#039;intelligens, intelligibile, intelligere&amp;#039;&amp;#039;) eine Einheit bildet.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudi Ott: &amp;#039;&amp;#039;Die menschliche Vernunft und der dreieine Gott bei Nikolaus von Kues: Erläuterungen zum Werk De docta ignorantia – Die belehrte Unwissenheit.&amp;#039;&amp;#039; Buch I, Books on Demand, Norderstedt 2009, S. 86.&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Dreiheit von (1) Ungeteiltheit (&amp;#039;&amp;#039;indivisio&amp;#039;&amp;#039;), (2) Unterscheidung (&amp;#039;&amp;#039;discretio&amp;#039;&amp;#039;) und (3) Verbindung (&amp;#039;&amp;#039;conexio&amp;#039;&amp;#039;) verweist auf die Kategorienlehre bei [[Charles S. Peirce]] und die [[Prozessphilosophie]] bei [[Alfred North Whitehead]], in dessen Kategorie des Elementaren (siehe &amp;#039;&amp;#039;[[Prozess und Realität]]&amp;#039;&amp;#039;). Die Einheit der Vernunft ist das Ineinanderfallen der Gegensätze (&amp;#039;&amp;#039;[[Coincidentia oppositorum]]&amp;#039;&amp;#039;). Wie der Verstand, so ist aber auch die Vernunft begrenzt. Das Wesen Gottes als Licht, das ihr entgegenkommt, bleibt ihr verschlossen. „Daher bewegt sich die Vernunft zu der Weisheit hin als zu ihrem eigentlichen Leben. Und süß ist es für jeden Geist, zum Ursprung des Lebens, wiewohl er unzugänglich ist, ständig aufzusteigen. […] Wie wenn jemand etwas liebt, weil es liebenswert ist, so freut er sich, dass in dem Liebenswerten unendliche und unausdrückbare Gründe für die Liebe zu finden sind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Nikolaus von Kues: &amp;#039;&amp;#039;Idiota de sapientia – Der Laie über die Weisheit.&amp;#039;&amp;#039; I n 11, zitiert nach Rudi Ott: &amp;#039;&amp;#039;Die menschliche Vernunft und der dreieine Gott bei Nikolaus von Kues: Erläuterungen zum Werk De docta ignorantia – Die belehrte Unwissenheit.&amp;#039;&amp;#039; Buch I, Books on Demand, Norderstedt 2009, S. 53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Aufklärung ===&lt;br /&gt;
{{Hauptartikel|Aufklärung}}&lt;br /&gt;
Das europäische Zeitalter der Aufklärung ist von dem Gedanken getragen, dass die Vernunft imstande ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die [[Vernunftreligion]] soll die dogmatische Unterdrückung und den Autoritätsglauben der christlichen Religion überwinden und Freiheit und Wohlstand für alle bringen. So sah der [[Rationalismus]] in der Vernunft das „reine“, d.&amp;amp;nbsp;h. das von den empirischen Erfahrungen unabhängige Erkennen, das bei [[René Descartes|Descartes]], [[Baruch Spinoza|Spinoza]] und [[Gottfried Wilhelm Leibniz|Leibniz]] die Basis der philosophischen Systeme bildete. Der Begriff der menschlichen Vernunft wurde oft mit [[Bewusstsein]], [[Selbstbewusstsein]] oder [[Geist]] gleichgesetzt. Im Rationalismus stellt die Vernunft das zentrale Element des Erkenntnisprozesses dar. Mit ihr seien demnach deduktive Erkenntnisse möglich, die auch ohne sinnliche Wahrnehmungen erreicht werden können. Demgegenüber steht der [[Empirismus]] (z.&amp;amp;nbsp;B. [[David Hume]]), der eine Erkenntnismöglichkeit [[a priori]], d.&amp;amp;nbsp;h. ohne Erfahrungen bestreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kant ===&lt;br /&gt;
[[Immanuel Kant]] führte Ende des 18. Jahrhunderts die Ansätze des Rationalismus und des Empirismus in seiner &amp;#039;&amp;#039;kritischen Philosophie&amp;#039;&amp;#039; zusammen. Mit Kant kam endgültig der Vernunft ihre Bedeutung als dem gegenüber dem Verstand höheren Erkenntnisprinzip zu. Er definierte den Verstand als das an Sinneseindrücke gebundene, [[A posteriori|aposteriorisch]] arbeitende Erkenntnisvermögen. Bei der Vernunft unterschied er zwischen der („reinen“) theoretischen und der praktischen Vernunft. Die theoretische Vernunft ist nach Kant die Fähigkeit, Schlüsse zu ziehen, sich selbst zu prüfen und unabhängig von der Erfahrung zu den [[A priori|apriorischen]] Vernunftsideen ([[Seele]], [[Gott]], [[Welt]]) zu gelangen. In seinem Werk &amp;#039;&amp;#039;[[Kritik der reinen Vernunft]]&amp;#039;&amp;#039; versucht Kant vor allem, die Grenzen und die Bedingtheit der menschlichen Vernunft aufzuzeigen. Dadurch könne der Vernunftsbegriff von metaphysischen Spekulationen befreit und der Weg für eine &amp;#039;&amp;#039;wissenschaftliche&amp;#039;&amp;#039; [[Metaphysik]] geebnet werden. Kant trug damit wesentlich zu den heute praktizierten wichtigsten [[Methode (Erkenntnistheorie)|Methoden]] in der [[Wissenschaft]] bei, in der Theorienentwicklung und das empirische Experiment wechselseitig betrieben werden. Die praktische Vernunft hingegen bezieht sich nach Kant auf das Setzen von ethischen Prinzipien, denen der [[Wille]] unterworfen wird und die so das Handeln individuell und sozial begründen und leiten &amp;#039;&amp;#039;([[Kritik der praktischen Vernunft]])&amp;#039;&amp;#039;. Am Beginn der Vorrede zur 1. Auflage der &amp;#039;&amp;#039;Kritik der reinen Vernunft&amp;#039;&amp;#039; heißt es:&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.projekt-gutenberg.org/kant/krva/krva001.html Projekt Gutenberg]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat&lt;br /&gt;
 |Text=Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: daß sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann; denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann; denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.&lt;br /&gt;
 |Autor=Immanuel Kant}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hegel ===&lt;br /&gt;
Nachdem Kant die Grenzen der Erkenntnisse und der Vernunft beschrieben hatte, wollten sich einige Vertreter des deutschen Idealismus nicht mit diesen abfinden. [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Hegel]] erkennt Kants Einsicht der Vernunft als den Grund (Substanz) von Freiheit ausdrücklich an. Doch er bezeichnet Kants Position als subjektiv, weil er dem Subjekt nur zugestehe, wahre Erscheinungen von den Dingen erkennen zu können und nicht diese selbst, wie sie an sich sind. Um darüber hinauszukommen, braucht es eine &amp;#039;&amp;#039;absolute Vernunft&amp;#039;&amp;#039;. Bei ihm ist sie das [[Spekulation (Philosophie)|spekulative]] Vermögen, [[das Absolute]] in der Bewegung aller seiner Momente zu begreifen. Sie ist für ihn der einheits- und sinnstiftende Grund, der ewig aus sich selbst herausgeht, sich so entzweit, indem sie sich im Laufe der Geschichte in immer neuen Erscheinungen als (Zeit-)Geist und Natur verwirklicht (bzw. materialisiert), wieder in die Einheit fällt und so „zu (oder in) sich selbst zurückkehrt“. Hegel sagt, weil sie alles in sich zurücknimmt und in ihre Form (die Einheit) bringt, also im Grunde keine Grenze habe, sei sie unendlich, und weil sie sich nur selbst erkenne, &amp;#039;&amp;#039;absolut&amp;#039;&amp;#039;. &amp;#039;&amp;#039;Das Absolute&amp;#039;&amp;#039; selbst ist für ihn Gott, der absolute Geist. Ihn zu erkennen ist für Hegel das oberste Ziel aller Philosophie. Die Verbindung der Vernunft mit dem Geschichtsprozess hat nachfolgend besonders durch den [[Marxismus]] eine sehr deutliche Wirkung entfaltet. Vernunft und Fortschritt (wirtschaftlich, wissenschaftlich, technisch, gesellschaftlich) sind seitdem in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung eng miteinander verbunden. Der Freiheitsgedanke der Vernunft aus der Aufklärung wurde dagegen weitgehend verdrängt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schopenhauer ===&lt;br /&gt;
[[Arthur Schopenhauer]] unterscheidet &amp;#039;&amp;#039;Verstand&amp;#039;&amp;#039; als die Fähigkeit zum anschaulichen Erkennen und &amp;#039;&amp;#039;Vernunft&amp;#039;&amp;#039; als jene zum abstrakten, diskursiven Erkennen. Vernunft betrachtet er als spezifisch menschlich, wogegen Verstand auch (höheren) Tieren zukomme. Diese seien zum Teil sogar in der Lage, auch mehrstufige Kausalzusammenhänge verstandesmäßig zu erfassen, könnten aber nicht vernunftsmäßig denken, da es ihnen an abstrakten Begriffen und Vorstellungen mangele.&amp;lt;ref&amp;gt;[[HWPh]] Bd. 11, S. 834.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Engels ===&lt;br /&gt;
„Alle bisherigen Gesellschafts- und Staatsformen, alle altüberlieferten Vorstellungen wurden als unvernünftig in die Rumpelkammer geworfen; die Welt hatte sich bisher lediglich von Vorurteilen leiten lassen; alles Vergangne verdiente nur Mitleid und Verachtung. Jetzt erst brach das Tageslicht, das Reich der Vernunft an; von nun an sollte der Aberglaube, das Unrecht, das Privilegium und die Unterdrückung verdrängt werden durch die ewige Wahrheit, die ewige Gerechtigkeit, die in der Natur begründete Gleichheit und die unveräußerlichen Menschenrechte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Engels: „Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft“, in: Karl Marx/Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 189&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Brecht ===&lt;br /&gt;
Bertolt Brecht schreibt: »Ja, ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft über die Menschen. Sie können ihr auf die Dauer nicht widerstehen. Kein Mensch kann lange zusehen, wie ich einen Stein fallen lasse und dazu sage: er fällt nicht. Dazu ist kein Mensch imstande. Die Verführung, die von einem Beweis ausgeht, ist zu groß. Ihr erliegen die meisten, auf die Dauer alle..«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Ich glaube an den Menschen, und das heißt, ich glaube an seine Vernunft! Ohne diesen Glauben würde ich nicht die Kraft haben, am Morgen aus meinem Bett aufzustehen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leben des Galilei 3. (Galilei)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ratzinger ===&lt;br /&gt;
Für Ratzinger (Benedikt XVI.) als Anwalt der Vernunft fallen die Liebe und Vernunft als eigentliche Grundpfeiler des Wirklichen zusammen: „Die wahre Vernunft ist die Liebe, und die Liebe ist die wahre Vernunft. In ihrer Einheit sind sie der wahre Grund und das Ziel alles Wirklichen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph Cardinal Ratzinger:&lt;br /&gt;
Die Christenheit,&lt;br /&gt;
die Entmythologisierung&lt;br /&gt;
und der Sieg der Wahrheit über die Religionen&lt;br /&gt;
Vortrag von Kardinal Joseph Ratzinger, gehalten am 27. November 1999&lt;br /&gt;
anläßlich eines Kolloquiums der Pariser Sorbonne zum Thema: »2000 ans après quoi?«&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Moderne ===&lt;br /&gt;
Angesichts der Schrecken des 20. Jahrhunderts ([[Holocaust]], [[Imperialismus]]), bei denen sie auch einen Zusammenhang mit der [[Industrialisierung]] sahen, wurde von den Mitgliedern der [[Frankfurter Schule]] eine [[Kritik]] der [[Rationalität]] ausgearbeitet. Sie kritisiert den modernen Wissenschaftsbetrieb und seine &amp;#039;&amp;#039;Faktengläubigkeit&amp;#039;&amp;#039;, der durch den [[Positivismus]] bestimmt wird. Die Vernunft und der Verstand seien zu einem Instrument der [[Unterdrückung]] des Einzelnen geworden und hätten die „Selbstbefreiungskräfte“ der Vernunft fast erstickt. [[Jürgen Habermas]] stellt der „[[Instrumentelle Vernunft|instrumentellen Vernunft]]“ ([[Theodor W. Adorno]], [[Max Horkheimer]]) die [[Intersubjektivität|intersubjektive]] „kommunikative Vernunft“ der Lebenswelt gegenüber, die auf Herrschafts- und Gewaltfreiheit und gegenseitiger Anerkennung basiert. Nötig sei eine neue Stufe der Aufklärung, die – nach Habermas – noch nicht vollendet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Papst [[Johannes Paul II.]] thematisierte in seiner dreizehnten Enzyklika [[Fides et ratio]] im Jahr 1998 das Spannungsfeld zwischen Vernunft und [[Glaube (Religion)|Glaube]] aus Sicht der römisch-katholischen Kirche. Papst [[Benedikt XVI.]] griff die Gedanken seines Vorgängers in seiner Rede an der [[Universität Regensburg]] vom 12. September 2006 und in seinen Äußerungen zu dem Gottesbild der katholischen Kirche auf.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.radiovaticana.va/proxy/tedesco/tedarchi/2006/September06/ted23.09.06.htm Radio Vatikan – Meldung vom 23. September 2006]; [https://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/september/documents/hf_ben-xvi_spe_20060912_university-regensburg_ge.html Glaube, Vernunft und Universität] (Text des Vortrags)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neurowissenschaften ==&lt;br /&gt;
In den [[Neurowissenschaften]] wird &amp;#039;&amp;#039;Verstand&amp;#039;&amp;#039; als [[fluide Intelligenz]], d.&amp;amp;nbsp;h. die Fähigkeit zum [[Schlussfolgerung|logischen Denken]] und [[Problemlösen]], aufgefasst. Die dafür zuständigen neuronalen Strukturen befinden sich im [[präfrontaler Cortex|dorsolateralen präfrontalen Cortex]] (DLPFC). Wird dieser Hirnteil verletzt, verhalten sich die betroffenen Patienten „unintelligent“ (bleiben z.&amp;amp;nbsp;B. stur bei einem Verhalten, obwohl sich die Situation stark geändert hat). Unter &amp;#039;&amp;#039;Vernunft&amp;#039;&amp;#039; werden die für „vernünftiges Verhalten“ notwendigen Fähigkeiten verstanden, u.&amp;amp;nbsp;a. das Abschätzen von sachlichen und sozialen Handlungsfolgen, das erfahrungsgeleitete Aufstellen von Handlungszielen und die Kontrolle egoistischer Verhaltensimpulse. Die entsprechenden Strukturen sind vor allem im [[Orbitofrontaler Cortex|orbitofrontalen Cortex]] (OFC) lokalisiert. Personen mit Verletzungen in diesen Bereichen zeigen verstärkt „unvernünftiges“ Verhalten (gehen z.&amp;amp;nbsp;B. große Risiken wider besseres Wissen ein).&amp;lt;ref&amp;gt;[[Gerhard Roth (Biologe)|Gerhard Roth]]: &amp;#039;&amp;#039;Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten&amp;#039;&amp;#039;. [[Klett-Cotta Verlag|Klett-Cotta]], Stuttgart 2007, ISBN 978-3-608-94490-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird auch diskutiert, dass das menschliche Gehirn ein Interpretationsorgan ist, das eine stabile Umwelt- und Lebenssituation erstellen will. Das Gehirn interpretiert die Welt und versucht auch, Vorhersagen über die unmittelbare Zukunft durchzuführen, damit das Verhalten entsprechend angepasst werden kann. Vernunft wird in diesem Sinne als Fähigkeit zur Anpassung an die gegebenen Umstände auf der Basis individueller Erfahrung verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Lutz Jäncke]]: &amp;#039;&amp;#039;Ist das Hirn vernünftig?&amp;#039;&amp;#039; 2., unveränderte Auflage. Hogrefe, Bern 2016, ISBN 978-3-456-85653-7, S. ??.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;!--SEITE der Fundstelle?--&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[Lumen naturale]]&lt;br /&gt;
* [[Vernunftrecht]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
=== Anthologien und Sammelbände ===&lt;br /&gt;
* [[Karl-Otto Apel]] und Matthias Kettner (Hg.): &amp;#039;&amp;#039;Die eine Vernunft und die vielen Rationalitäten&amp;#039;&amp;#039;. Suhrkamp, Frankfurt 1996, ISBN 3-518-28807-5.&lt;br /&gt;
* Jose Luis Bermudez, Alan Millar (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Reason and Nature.&amp;#039;&amp;#039; Essays in the Theory of Rationality. Clarendon Press, Oxford 2002.&lt;br /&gt;
* Paul K. Moser (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Rationality in Action.&amp;#039;&amp;#039; U.K.: Cambridge University Press, Cambridge 1990.&lt;br /&gt;
* [[Hans Poser (Philosoph)|Hans Poser]] (Hg.): &amp;#039;&amp;#039;Wandel des Vernunftbegriffs&amp;#039;&amp;#039;. Alber, Freiburg/München 1981, ISBN 3-495-47468-4.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Philosophiegeschichtliche Überblicksdarstellungen ===&lt;br /&gt;
* M. Bremer u.&amp;amp;nbsp;a.: &amp;#039;&amp;#039;Vernunft, Verstand.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;[[Historisches Wörterbuch der Philosophie]].&amp;#039;&amp;#039; Bd. 11, S. 748–863.&lt;br /&gt;
* [[Karen Gloy]]: &amp;#039;&amp;#039;Vernunft und das Andere der Vernunft&amp;#039;&amp;#039;, Freiburg, München 2001, ISBN 3-495-47890-6.&lt;br /&gt;
* Karen Gloy (Hrsg.): Rationalitätstypen, Freiburg, München 1999, ISBN 3-495-47960-0.&lt;br /&gt;
* [[Herbert Schnädelbach]]: &amp;#039;&amp;#039;Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Ekkehard Martens]], Herbert Schnädelbach (Hg.): &amp;#039;&amp;#039;Philosophie. Ein Grundkurs.&amp;#039;&amp;#039; Band 1, überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. 1998, S. 77–115.&lt;br /&gt;
* [[Armin G. Wildfeuer]]: &amp;#039;&amp;#039;Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; In: Petra Kolmer, Armin G. Wildfeuer (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Neues Handbuch philosophischer Grundbegriffe.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 3. Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. 2011, S. 2333–2370. [https://armin-wildfeuer.de/wordpress/wp-content/uploads/2016/07/Wildfeuer-121-2011_Art-Vernunft.pdf PDF]&lt;br /&gt;
* G. J. Warnock: Art. &amp;#039;&amp;#039;Reason.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Encyclopedia of Philosophy]], Band 8, S. 279–282.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Speziellere Literatur ===&lt;br /&gt;
* [[Hans Albert]]: &amp;#039;&amp;#039;Traktat über kritische Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; 5. verbesserte und erweiterte Auflage. Mohr Siebeck, Tübingen 1991, ISBN 3-8252-1609-8, (1992: ISBN 3-16-145721-8).&lt;br /&gt;
* [[Volker Caysa]]: &amp;#039;&amp;#039;Empraktische Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; Peter Lang, 2015, ISBN 978-3-631-66707-1.&lt;br /&gt;
* [[Donald Davidson]]: &amp;#039;&amp;#039;Subjective, Intersubjective, Objective: Philosophical Essays.&amp;#039;&amp;#039; Clarendon Press, Oxford 2001, ISBN 0-19-823753-7 (englisch).&lt;br /&gt;
* Karen Gloy: &amp;#039;&amp;#039;Denkformen und ihre kulturkonstitutive Rolle.&amp;#039;&amp;#039; Paderborn 2016, ISBN 978-3-7705-6105-6.&lt;br /&gt;
* [[Jürgen Habermas]]: &amp;#039;&amp;#039;Theorie des kommunikativen Handelns.&amp;#039;&amp;#039; (Band 1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Band 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft), Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-518-28775-3.&lt;br /&gt;
* [[Max Horkheimer]]: &amp;#039;&amp;#039;Zur Kritik der instrumentellen Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; Fischer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-596-17820-9 (original 1947: &amp;#039;&amp;#039;Eclipse of Reason&amp;#039;&amp;#039;).&lt;br /&gt;
* [[Lutz Jäncke]]: &amp;#039;&amp;#039;Ist das Hirn vernünftig?&amp;#039;&amp;#039; 2., unveränderte Auflage. Hogrefe, Bern 2016, ISBN 978-3-456-85653-7.&lt;br /&gt;
* [[Herbert Schnädelbach]]: &amp;#039;&amp;#039;Vernunft.&amp;#039;&amp;#039; Leipzig 2007, ISBN 978-3-15-020317-0.&lt;br /&gt;
* Stephen Stich: &amp;#039;&amp;#039;The Fragmentation of Reason.&amp;#039;&amp;#039; MIT Press, Cambridge 1990.&lt;br /&gt;
* [[Oswald Bayer]]: &amp;#039;&amp;#039;Vernunft ist Sprache. Hamanns Metakritik Kants.&amp;#039;&amp;#039;, Frommann-Holzboog, Stuttgart 2002, ISBN 3-7728-2210-X.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Wiktionary}}&lt;br /&gt;
{{Wikiquote}}&lt;br /&gt;
* [[Rudolf Eisler (Philosoph)|Rudolf Eisler]]: [https://www.textlog.de/5358.html Vernunft], in: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 1904 (mit Unterpunkten)&lt;br /&gt;
* [[Friedrich Kirchner (Philosoph)|Friedrich Kirchner]]: [https://www.textlog.de/2186.html Vernunft und Verstand], in: Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe, 1907&lt;br /&gt;
* [[Julian Nida-Rümelin]]: {{Webarchiv |url=http://www.julian.nida-ruemelin.de/docs/vernunft_freiheit.pdf |text=Vernunft und Freiheit |wayback=20100509035952}} (PDF-Datei; 142&amp;amp;nbsp;kB)&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Welsch (Philosoph)|Wolfgang Welsch]]: [https://web.archive.org/web/20160304201813/http://www2.uni-jena.de/welsch/teaching_materials/Folien_Vernunft_und_Vernunftkritik_SS08.pdf Folien zur Vorlesung „Vernunft und Vernunftkritik“] (SS 2008; PDF-Datei; 224&amp;amp;nbsp;kB)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4063106-0}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Philosophie des Geistes]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erkenntnistheorie]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>imported&gt;Invisigoth67</name></author>
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