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	<title>Ulrich Ochsenbein - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;wl&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;&amp;lt;!-- schweizbezogen --&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Ochsenbein Ulrich 1847.png|mini|hochkant|Ulrich Ochsenbein, der Tagsatzungspräsident in seiner Offiziersuniform (1847)]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Johann Ulrich Ochsenbein&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; (* vermutlich [[11. November]] [[1811]]&amp;lt;ref&amp;gt;Rolf Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Ochsenbein – Erfinder der modernen Schweiz.&amp;#039;&amp;#039; Echtzeit Verlag, Basel 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt;, getauft [[24. November]] 1811 in [[Schwarzenegg]] (Gemeinde [[Unterlangenegg]]); †&amp;amp;nbsp;[[3.&amp;amp;nbsp;November]] [[1890]] in [[Port BE|Port]]; [[Bürgerort|heimatberechtigt]] in [[Fahrni]]) war ein [[Schweiz]]er [[Politiker]] und [[Offizier]]. Er war 1845 Anführer des zweiten [[Freischarenzüge|Freischarenzugs]], danach [[Regierungsrat (Bern)|Regierungsrat]] des [[Kanton Bern|Kantons Bern]]. 1848 wurde er zuerst in den [[Nationalrat (Schweiz)|Nationalrat]] und anschliessend in den [[Bundesrat (Schweiz)|Bundesrat]] gewählt. Ochsenbein zerstritt sich mit seinen Gesinnungsgenossen der radikal-liberalen Fraktion (der heutigen [[Freisinnig-Demokratische Partei|FDP]]) und wurde 1854 als erster Bundesrat nicht wiedergewählt. Danach war er zweimal General in französischen Diensten und versuchte auf Seiten der Konservativen vergeblich einen Wiedereinstieg in die Politik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Biografie ==&lt;br /&gt;
=== Ausbildung und Beginn der politischen Karriere ===&lt;br /&gt;
Ulrich Ochsenbein war das zweite von zehn Kindern des Ehepaars Caspar und Magdalena Ochsenbein-Gasser. Der Vater führte den Gasthof «Bären» im Weiler [[Schwarzenegg]] mitsamt dem dazu gehörenden Gutshof, ausserdem war er als Pferdehändler tätig. Die Familie lebte in bescheidenem Wohlstand und übersiedelte 1818 ins [[Kanton Waadt|Waadtland]] nach [[Marnand]]. Ulrich besuchte bis zu seinem 14. Lebensjahr französischsprachige Schulen in [[Granges-près-Marnand]] und [[Moudon]]. 1825 zog die Familie ins [[Seeland (Schweiz)|Berner Seeland]] nach [[Nidau]]. Dort holte Ochsenbein die deutschsprachige Bildung rasch nach, besuchte das Gymnasium in [[Biel/Bienne|Biel]] und studierte daraufhin vier Jahre lang Recht an der Akademie in [[Bern]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochseinbein38&amp;quot;&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 38.&amp;lt;/ref&amp;gt; 1830 trat er der [[Schweizerischer Zofingerverein|Zofingia]] bei.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Joseph Jung]] |Titel=Leben und Wirken |Sammelwerk=Alfred Escher 1819–1882. Der Aufbruch zur modernen Schweiz |Band=1 |Verlag=NZZ Libro |Ort=Zürich |Jahr=2006 |Seiten=103 |ISBN=978-3-03823-236-0}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ochsenbein-Gut Brunnen 02 09.jpg|mini|Brunnen des Landguts Bellevue auf dem Friedhof Nidau&amp;lt;ref&amp;gt;Hanspeter Born: &amp;#039;&amp;#039;Ulrich Ochsenbein – Nidauer Lehrjahre.&amp;#039;&amp;#039; Zur Biografie von Rolf Holenstein. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Bieler Tagblatt]].&amp;#039;&amp;#039; 12. Oktober 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
Nachdem seine Mutter 1830 und sein Vater 1835 gestorben waren, erbte Ochsenbein einen grossen Schuldenberg. Mithilfe seiner Geschwister brachte er den Familienbetrieb innerhalb kurzer Zeit wieder in Ordnung. Ebenfalls 1835 heiratete er die Arzttochter Emilie Sury aus [[Kirchberg BE|Kirchberg]]. Im selben Jahr eröffnete er zusammen mit seinem Schwager Eduard Sury eine Anwaltskanzlei in Nidau, die rasch florierte. Als Sekretär der Sektion Nidau des Schweizerischen Nationalvereins setzte sich Ochsenbein für einen liberalen Bundesstaat ein, als Lokalpolitiker für die Abschaffung der [[Grundsteuer|Bodenzinsen]] und der [[Zehnt]]en. Nach dem [[Züriputsch]] von 1839 und Wahlerfolgen der Konservativen in den beiden folgenden Jahren, die er als ernsthafte Bedrohung des Liberalismus betrachtete, forcierte er seine militärische Karriere. Nachdem er die [[Generalstabsschule (Schweiz)|Generalstabsschule]] in [[Thun]] absolviert hatte, war er ab 1844 [[Hauptmann (Offizier)#Schweiz|Hauptmann]] im [[Generalstab (Schweiz)|Generalstab]] sowie [[Adjutant]] des späteren Generalstabschefs [[Friedrich Frey-Herosé]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochseinbein38&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Freischarenzug und Sonderbundskrieg ===&lt;br /&gt;
[[Datei:General Dufour IMG 3236.JPG|mini|Ochsenbein (Zweiter von rechts) im Sonderbundskrieg]]&lt;br /&gt;
Die politischen Wirren zwischen Konservativen und Liberalen, die damals die Eidgenossenschaft beherrschten, zogen den jungen Mann in ihren Bann. Ochsenbein stieg rasch zu einem der führenden Köpfe der Berner Radikalen auf. Er war ein militanter Politiker und an vorderster Front an den erfolglosen [[Freischarenzüge]]n von 1844 und 1845 beteiligt, die zum Ziel hatten, die konservative «Jesuitenregierung» des [[Kanton Luzern|Kantons Luzern]] zu stürzen und durch eine liberale zu ersetzen. Den zweiten Freischarenzug im März 1845 führte er persönlich an. Das Unternehmen scheiterte kläglich (siehe [[Gefecht bei Malters]]), und Ochsenbein wurde aus dem Generalstab ausgeschlossen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochseinbein39&amp;quot;&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 39.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dennoch erlangte er in seiner Heimat beträchtliche Popularität und eine Art Volksheldenstatus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 1845 sass Ochsenbein im [[Grosser Rat (Bern)|Grossen Rat]], dem bernischen Kantonsparlament. Nach der Absetzung der bisherigen gemässigt liberalen Regierung, welche den zweiten Freischarenzug stillschweigend toleriert hatte, arbeitete er zusammen mit [[Jakob Stämpfli]] die neue [[Verfassung des Kantons Bern|Kantonsverfassung]] aus. Nach ihrem Inkrafttreten wurde Ochsenbein 1846 in den [[Regierungsrat des Kantons Bern|Regierungsrat]] gewählt. Er vertrat seinen Kanton an den Versammlungen der [[Tagsatzung]] und präsidierte diese von Dezember 1847 bis Mai 1848. Bei der Wahl des Oberbefehlshabers des Tagsatzungsheeres unterstützte er seinen Freund Frey-Herosé, der jedoch dem eher konservativ eingestellten Genfer [[Guillaume Henri Dufour]] unterlag. Stattdessen befehligte Ochsenbein während des [[Sonderbundskrieg]]s als [[Oberst]] die 5600 Mann zählende Berner Reservedivision.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochseinbein39&amp;quot; /&amp;gt; Diese hatte zunächst die Aufgabe, gegen [[Freiburg im Üechtland|Freiburg]] einen Scheinangriff durchzuführen. Danach brach sie Ende November 1847 bei [[Schüpfheim]] den Widerstand der Luzerner Truppen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Präsident der Verfassungskommission ===&lt;br /&gt;
[[Datei:GS-GRAF-GESCH-Tagsatzung-1847.tif|mini|hochkant=2|Ochsenbein präsidiert die [[Tagsatzung]] 1847]]&lt;br /&gt;
Im Anschluss an die Niederschlagung des [[Sonderbund]]-Aufstands war Ochsenbein als Präsident der Verfassungskommission massgeblich an der Ausarbeitung der [[Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft|Bundesverfassung]] beteiligt. Die Kommission schaffte es nach 31 Sitzungen in 51 Tagen, die Schweiz in die für längere Zeit einzige stabile Demokratie in Kontinentaleuropa zu verwandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Björn Koch |url=https://www.briefedition.alfred-escher.ch/kontexte/uberblickskommentare/Bundesrevision |titel=Die Bundesrevision (1847/48) |hrsg=Alfred-Escher-Stiftung |datum=2015 |abruf=2019-03-25}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ochsenbein setzte sich insbesondere für folgende Neuerungen ein: Der Bund soll für politische Verträge mit dem Ausland und für den amtlichen Verkehr mit auswärtigen Staaten exklusiv zuständig sein, um ein geschlossenes aussenpolitisches Auftreten der Schweiz zu ermöglichen. Es sollte eine [[ETH Zürich|eidgenössischen Hochschule]] gegründet werden, deren Aufgabe er auf wissenschaftlicher und auf staatspolitischer Ebene sah. [[Kantonsverfassung]]en sollen verbindlich auf Rechtsgleichheit, individuelle Freiheitsrechte, republikanische Staatsform mit repräsentativer oder [[Direkte Demokratie|direkter Demokratie]], obligatorisches [[Verfassungsreferendum]] und [[Volksinitiative (Schweiz)|Verfassungsinitiative]] beim Volk verpflichtet werden. Das [[Zweikammersystem]] mit [[Nationalrat (Schweiz)|National-]] und [[Ständerat]] nach dem Vorbild der [[Vereinigte Staaten|Vereinigten Staaten]] sollte einen Ausgleich schaffen zwischen den Anhängern eines möglichst lockeren Bundes mit weitgehender Wahrung der Kantonssouveränität und den Befürwortern eines zentralistischen Einheitsstaates.&amp;lt;ref&amp;gt;Hanspeter Born: &amp;#039;&amp;#039;Der vergessene Gründervater.&amp;#039;&amp;#039; Zur Biografie von Rolf Holenstein. In: &amp;#039;&amp;#039;[[Weltwoche]].&amp;#039;&amp;#039; Ausgabe 38/2009.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kanton Bern verteidigte Ochsenbein den Verfassungsvorschlag erfolgreich gegen das ablehnende Votum seines ehemaligen Kampfgefährten Stämpfli, der die neue Verfassung für zu wenig zentralistisch hielt und militärische Interventionen zugunsten der [[Revolutionen 1848/1849|europäischen Revolutionen]] forderte – beides Anliegen, die Ochsenbein ablehnte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochseinbein39&amp;quot; /&amp;gt; Der 1848 errichtete Bundesstaat bewährte sich, gemäss dem Historiker [[Johannes Dierauer]], weil er «nicht, wie einst die [[Helvetische Republik|helvetische Einheitsrepublik]], nach einer ungeschichtlichen Doktrin von fremder Seite aufgezwungen, sondern in weisem Anschluss an einheimische historische Überlieferung entworfen und als natürliches Ziel einer stetig aufschwellenden inneren Bewegung ins Leben gerufen» wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Johannes Dierauer]]: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft.&amp;#039;&amp;#039; Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1913, 6 Bände.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bundesrat ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Zentralbibliothek Solothurn - CONSEIL FÉDÉRAL SUISSE - Furrer, Druey, Ochsenbein, Munzinger, Naeff, Franscini, Frey-Hérosé - aa0262.tiff|mini|hochkant|Die ersten sieben Bundesräte, Ochsenbein mit Schnurrbart]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ulrich Ochsenbein, Bueste Schloss Nidau 02 11.jpg|mini|hochkant|Ulrich Ochsenbein, Büste beim [[Schloss Nidau]]]]&lt;br /&gt;
Ochsenbein nahm im Oktober 1848 in vier Wahlkreisen an den [[Schweizer Parlamentswahlen 1848|ersten Parlamentswahlen]] teil. Während er im [[Nationalratswahlkreis Bern-Oberland|Wahlkreis Oberland]] unterlag, war er in den Wahlkreisen [[Nationalratswahlkreis Bern-Mittelland|Mittelland]], [[Nationalratswahlkreis Bern-Emmental|Emmental]] und [[Nationalratswahlkreis Bern-Seeland|Seeland]] erfolgreich. Daraufhin entschied er sich, im [[Nationalrat (Schweiz)|Nationalrat]] den Wahlkreis Mittelland zu vertreten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=[[Erich Gruner]] |Titel=Die Wahlen in den Schweizerischen Nationalrat 1848–1919 |Band=Band 3 |Verlag=Francke Verlag |Ort=Bern |Jahr=1978 |Seiten=9–25 |ISBN=3-7720-1445-3}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Am 6.&amp;amp;nbsp;November 1848 wurde er zum ersten [[Nationalratspräsident (Schweiz)|Nationalratspräsidenten]] gewählt. Zehn Tage später folgte die Wahl in den [[Bundesrat (Schweiz)|Bundesrat]]. Trotz dem Widerstand der Ultraradikalen um Stämpfli erhielt Ochsenbein im ersten Wahlgang 92 der 132 abgegebenen Stimmen und erzielte somit das beste Ergebnis aller sieben neu gewählten Bundesräte (bei seiner Wahl entfielen 13 Stimmen auf [[Karl Neuhaus (Politiker, 1796)|Charles Neuhaus]], 12 auf [[Henri Druey]] und 15 auf weitere Personen). Aufgrund seiner militärischen Erfahrung war es naheliegend, dass er das [[Eidgenössisches Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport|Militärdepartement]] übernahm.&amp;lt;ref&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits in seinen ersten Amtstagen liess Ochsenbein gesetzliche Grundlagen zur Schaffung der [[Schweizer Armee]] ausarbeiten, Anfang Januar 1849 stellte er zu diesem Zweck eine Expertenkommission zusammen. Das im Mai 1850 vorgelegte [[Schweizer Armee#Militärorganisation 1850|Bundesgesetz über die Militärorganisation]], das die Wehrpflicht, Ausbildung und Einteilung der Armee regelte, war weitgehend unbestritten und wurde in der parlamentarischen Beratung nur geringfügig geändert. Es sah die Aufstockung des Heers um ein Drittel auf 105&amp;#039;000 Mann vor und führte [[Schweizer Armee#Rekrutenschule|Rekrutenschulen]], Wiederholungskurse und Inspektionen ein. Nachfolgende Gesetze regelten die Fürsorge verunglückter Soldaten, das Militärstrafrecht sowie Bekleidung und Bewaffnung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochsenbein41&amp;quot;&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch als Bundesrat versuchte Ochsenbein Einfluss auf die bernische Kantonspolitik zu nehmen. Nachdem es ihm gelungen war, liberale und gemässigt radikale Kräfte von der Bundesverfassung zu überzeugen, wollte er diese Strömungen bei der Grossratswahl im Mai 1850 zu den «Weissen» vereinen (als Gegensatz zu den konservativen «Schwarzen»). Die «Weissen» traten jedoch nicht geeint auf, zumal der Gegensatz zwischen Ochsenbein und Stämpfli immer grösser wurde. So kam es, dass die besser organisierten Konservativen für vier Jahre die Mehrheit im Kanton Bern übernahmen. Aufgrund dessen galt Ochsenbein bei den Radikalen, der einflussreichsten Strömung im eidgenössischen Parlament, bald als unzuverlässig. Da amtierende Bundesräte sich damals im Sinne einer [[Komplimentswahl]] dem Urteil des Volkes stellen mussten, trat er zu den [[Schweizer Parlamentswahlen 1851|Nationalratswahlen 1851]] an, jedoch nicht mehr auf Seiten der Radikalen, sondern als Vertreter der gemässigten Liberalen. Gleichwohl gelang es Ochsenbein, sich durchzusetzen. Bei den anschliessenden Bundesrats-Erneuerungswahlen wurde er erst bei der Wahl um den siebten und letzten Sitz als Bundesrat bestätigt, mit 80 Stimmen im zweiten Wahlgang. Die [[Bundesversammlung (Schweiz)|Vereinigte Bundesversammlung]] wählte ihn anschliessend zum Vizepräsidenten des Bundesrates.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da bei den Berner Grossratswahlen im Mai 1854 weder Radikale noch Konservative eine Mehrheit erreichten, bildeten sie eine als «Fusion» bezeichnete Koalition. Ochsenbein hatte damit zwar erreicht, was er wollte, war aber politisch angeschlagen, sodass die Radikalen ihn fallen liessen. Um eine erneute Komplimentswahl zu sichern, kandidierte er bei den [[Schweizer Parlamentswahlen 1854|Nationalratswahlen 1854]] im Wahlkreis Seeland als Vertreter der Konservativen. Obwohl er deutlich unterlag, weigerte er sich, als Bundesrat zurückzutreten. Bei den Bundesratswahlen am 6.&amp;amp;nbsp;Dezember 1854, bei der Ochsenbein nicht anwesend war, kam die Bundesversammlung zum Schluss, dass ein Berner Bundesrat nicht gegen den Willen des Berner Volkes wiedergewählt werden könne. Ochsenbein war somit der erste nicht wiedergewählte Bundesrat, die Nachfolge trat sein Rivale Stämpfli an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochsenbein41&amp;quot;&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weiterer Lebensweg ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Ulrich Ochsenbein Grab Nidau 01 09.jpg|mini|hochkant|Ochsenbeins Grab]]&lt;br /&gt;
Ab Januar 1855 stand Ochsenbein ohne Einkommen da und dachte zunächst daran, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Schliesslich nahm er das Angebot von Kaiser [[Napoleon&amp;amp;nbsp;III.]] an und schloss sich dem französischen Heer an. [[Schweizer Truppen in fremden Diensten|Dienst in fremden Armeen]] war bis 1859 zwar nicht verboten, doch beschädigte er damit seinen Ruf, da er als Tagsatzungsgesandter und Bundesrat Solddienste für ausländische Mächte stets bekämpft hatte. Er wurde durch kaiserliches Dekret zum &amp;#039;&amp;#039;[[Brigadegeneral#Französische Streitkräfte|Général de brigade]]&amp;#039;&amp;#039; befördert und erhielt das Kommando über eine Schweizer Legion im [[Krimkrieg]]. Diese kam nicht zum Einsatz, sodass er bereits im April 1856 wieder freigestellt wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 41–42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ochsenbein kehrte nach Nidau zurück und erwarb das etwas ausserhalb, in der Gemeinde [[Port BE|Port]] gelegene Landgut Bellevue. Neben seiner Tätigkeit als Gutsbesitzer war er auch Autor von Sachbüchern und aktives Mitglied der [[Ökonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG|Ökonomischen Gesellschaft]], für die er verschiedene Schriften zur Landwirtschaft verfasste. In der 1864 erschienenen Broschüre «Die Versumpfung des Gebiets der Juragewässer» kritisierte er die [[Juragewässerkorrektion]] im Seeland aus der damals unzeitgemässen Perspektive des [[Ökologisches Gleichgewicht|ökologischen Gleichgewichts]]. Insbesondere warnte er vor Überschwemmungen (die später tatsächlich eintrafen) und dem Absinken des Torfbodens.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochsenbein42&amp;quot;&amp;gt;Holenstein: &amp;#039;&amp;#039;Das Bundesratslexikon.&amp;#039;&amp;#039; 2019, S. 42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Januar bis März 1871, während des [[Deutsch-Französischer Krieg|Deutsch-Französischen Krieges]], leistete Ochsenbein erneut Dienst für die französische Armee, diesmal jedoch nicht für den Kaiser, sondern für die provisorische [[Dritte Französische Republik|Dritte Republik]]. Diese ernannte ihn zum &amp;#039;&amp;#039;[[Generalmajor#Französische Streitkräfte|Général de division]]&amp;#039;&amp;#039; und vertraute ihm das 30&amp;#039;000 Mann starke 24. Armeekorps an, das in [[Bourg-en-Bresse]] und [[Lons-le-Saunier]] stationiert war. Am 5.&amp;amp;nbsp;Mai 1871 wurde er zum Ritter der [[Ehrenlegion]] ernannt. Ab 1878 trat Ochsenbein in der Schweiz politisch wieder in Erscheinung. Er schloss sich der konservativen [[Bernische Volkspartei|Bernischen Volkspartei]] unter [[Ulrich Dürrenmatt]] an, die einen christlich-konservativen Kurs verfolgte. Trotz mehreren Kandidaturen gelang es ihm aber nicht, in ein Amt gewählt zu werden. Am 13.&amp;amp;nbsp;November 1883 tötete er versehentlich seine Ehefrau, als sich ein Schuss aus seiner Jagdwaffe löste. 1890 starb er kurz vor seinem 79. Geburtstag auf seinem Landgut.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ochsenbein42&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erinnerungen an Ochsenbein ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Ulrich-Ochsenbein-Weg in Biel-Bienne.jpg|mini|Ulrich-Ochsenbein-Weg in Biel/Bienne]]&lt;br /&gt;
In [[Biel/Bienne]] erinnert der «Ulrich-Ochsenbein-Weg / Chemin Ulrich-Ochsenbein» an ihn.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.biel-bienne.ch/de/register-strassen-plaetze.html/1796 Strassenregister der Stadt Biel-Bienne.]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 2009 von Rolf Holenstein veröffentlichte Biografie &amp;#039;&amp;#039;Ochsenbein – Erfinder der modernen Schweiz&amp;#039;&amp;#039; rief Ochsenbein wieder in Erinnerung.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Rolf Holenstein |Titel=Ochsenbein – Erfinder der modernen Schweiz |Verlag=Echtzeit Verlag |Ort=Basel |Datum=2009 |ISBN=978-3-905800-30-2 |Kommentar=Rezension |Online=https://infoclio.clio-online.net/publicationreview/id/reb-18604 |Abruf=2023-10-28}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Nidau findet sich das Grab von Ochsenbein, seit 1998 erinnert eine Linde an ihn. Zu seinem 200. Geburtstag wurden 2011 eine Büste im Schlosshof und eine Gedenktafel an einem ehemaligen Wohnhaus, an der Hauptstrasse 30, enthüllt.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.derbund.ch/spaete-ehre-fuer-ulrich-ochsenbein-587913218012 |titel=Späte Ehre für Ulrich Ochsenbein |werk=[[Der Bund]] |datum=2011-11-11 |sprache=de |abruf=2023-10-28 |kommentar=Bezahlschranke}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Unterlangenegg wurde das denkmalgeschützte Geburtshaus von Ulrich Ochsenbein renoviert und 2021 ein Denkmal in Form eines [[Meilenstein]]s eingeweiht.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.unterlangenegg.ch/portrait/personlichkeiten/denkmal-ulrich-ochsenbein/ |titel=Denkmal Ulrich Ochsenbein |hrsg=Gemeinde Unterlangenegg |abruf=2023-10-28}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Stein sind ein Pfeil, das Wort «Bundeshaus» und «26,6&amp;amp;nbsp;km» eingemeisselt, sowie «Ulrich Ochsenbein, 1811 – 1890». Der Pfeil gibt die Richtung zum [[Bundeshaus (Bern)|Bundeshaus]] an, die Distanz entspricht der Luftlinien-Entfernung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* {{NDB|19|411|412|Ochsenbein, Johann Ulrich|[[Edgar Bonjour]]|118735918}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Rolf Holenstein |Herausgeber=[[Urs Altermatt]] |Titel=Ulrich Ochsenbein |Sammelwerk=Das Bundesratslexikon |Verlag=[[NZZ Libro]] |Ort=Zürich |Jahr=2019 |Seiten=38–43 |ISBN=978-3-03810-218-2}}&lt;br /&gt;
* {{Literatur |Autor=Rolf Holenstein |Titel=Ochsenbein – Erfinder der modernen Schweiz |Verlag=Echtzeit Verlag |Ort=Basel |Jahr=2009 |ISBN=978-3-905800-30-2}}&lt;br /&gt;
* {{HLS|4633|Ulrich Ochsenbein|Autor=Beat Junker}}&lt;br /&gt;
* {{ADB|52|695|702|Ochsenbein, Ulrich|Wilhelm Oechsli|ADB:Ochsenbein, Ulrich}}&lt;br /&gt;
* Hans Spreng: &amp;#039;&amp;#039;Ulrich Ochsenbein, 1811-1848&amp;#039;&amp;#039;. G. Grunau, Bern 1918. (Diss. Phil. Univ. Bern).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
{{Commonscat}}&lt;br /&gt;
* {{Helveticat}}&lt;br /&gt;
* {{Dodis|P32620|Ochsenbein, Ulrich|ja}}&lt;br /&gt;
* {{STABE|572|Nachlass Ulrich Ochsenbein}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personenleiste&lt;br /&gt;
| AMT = [[Liste der Mitglieder des Schweizerischen Bundesrates|Mitglied im Schweizer Bundesrat]]&lt;br /&gt;
| ZEIT = 1848–1854&lt;br /&gt;
| VORGÄNGER = —&lt;br /&gt;
| NACHFOLGER = [[Jakob Stämpfli]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Navigationsleiste Schweizer Verteidigungsminister}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118735918|LCCN=n2010051948|VIAF=807521}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{SORTIERUNG:Ochsenbein, Ulrich}}&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nationalrat (Bern)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Nationalratspräsident (Schweiz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Regierungsrat (Bern)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Grossrat (Bern)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tagsatzungsgesandter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Stabsoffizier (Schweiz)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Général de division (Frankreich)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter)]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Korporierter im Schweizerischen Zofingerverein]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schweizer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Geboren 1811]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestorben 1890]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mann]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Präsident der eidgenössischen Tagsatzung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Personendaten&lt;br /&gt;
|NAME=Ochsenbein, Ulrich&lt;br /&gt;
|ALTERNATIVNAMEN=Ochsenbein, Johann Ulrich (vollständiger Name)&lt;br /&gt;
|KURZBESCHREIBUNG=Schweizer Politiker und General&lt;br /&gt;
|GEBURTSDATUM=getauft 24. November 1811&lt;br /&gt;
|GEBURTSORT=[[Schwarzenegg]] (Gemeinde [[Unterlangenegg]])&lt;br /&gt;
|STERBEDATUM=3. November 1890&lt;br /&gt;
|STERBEORT=[[Port BE|Port]]&lt;br /&gt;
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		<author><name>imported&gt;Derkoenig</name></author>
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