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	<title>Tulum (Sackpfeife) - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<updated>2025-09-13T07:22:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Tippfehler korrigiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[Datei:Tulumcu.jpg|mini|hochkant|&amp;#039;&amp;#039;Tulum&amp;#039;&amp;#039; von einem [[Lasen]] gespielt]]&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Tulum&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ({{trS|für „Ziegenhautsack“}}, [[Lasische Sprache|lasisch]] გუდა &amp;#039;&amp;#039;guda&amp;#039;&amp;#039;) ist eine [[Sackpfeife (Musikinstrument)|Sackpfeife]] mit zwei gleich großen, miteinander verbundenen Spielpfeifen ohne [[Bordun]], die in der Volksmusik im Nordosten der Türkei gespielt wird. Hauptverbreitungsgebiet des traditionellen Hirteninstruments ist das bergige Hochland [[Ostanatolien]]s zwischen den [[Artvin (Provinz)|Provinzen Artvin]] im Norden und [[Muş (Provinz)|Muş]] im Süden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; gelangte mit der Vertreibung der [[Pontosgriechen]] 1923 nach [[Griechenland]] und ist unter dem Namen &amp;#039;&amp;#039;[[tsambouna]]&amp;#039;&amp;#039; auf einigen nördlichen Inseln bekannt. Die [[Thrakien (Landschaft)|thrakische]] Sackpfeife &amp;#039;&amp;#039;[[Gajda (Sackpfeife)|gaida]]&amp;#039;&amp;#039; kommt in der Türkei nur im europäischen Teil vor. Im Unterschied zum &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; besitzt sie eine Spiel- und eine separate Bordunpfeife.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft und Verbreitung ==&lt;br /&gt;
Aus der [[Antikes Griechenland|griechischen Antike]] ist eine Sackpfeife mit zwei Spiel- und einer Bordunpfeife überliefert. Eine Verbindung des &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; mit den auf dem [[Balkanhalbinsel|Balkan]] als &amp;#039;&amp;#039;gaida&amp;#039;&amp;#039; (und in ähnlichen Schreibweisen) bekannten Sackpfeifen gilt als unwahrscheinlich, die Bauformen unterscheiden sich deutlich und der Begriff &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; kommt für thrakische Sackpfeifen nicht vor.&amp;lt;ref&amp;gt;Picken, S. 547&amp;lt;/ref&amp;gt; Vom Türkischen abgeleitet bedeutet ansonsten &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; auch in mehreren Sprachen auf dem Balkan „Schlauch“ oder „Sack“. Daneben gingen [[Osmanische Sprache|Osmanisch]] &amp;#039;&amp;#039;tulumba&amp;#039;&amp;#039; („Pauke“) und &amp;#039;&amp;#039;tulumbaz&amp;#039;&amp;#039; („Paukenspieler“) in der Bedeutung „Trommel“ ins [[Serbokroatische Sprache|Serbokroatische]] (&amp;#039;&amp;#039;talàmbas&amp;#039;&amp;#039;) und ähnlich in andere Sprachen auf dem Balkan ein&amp;lt;ref&amp;gt;Michael Knüppel: &amp;#039;&amp;#039;Noch einmal zur möglichen Herkunft von osm. &amp;#039;&amp;#039;tambur(a)~dambur(a)~damur(a)&amp;#039;&amp;#039; etc.&amp;#039;&amp;#039; In: Marek Stachowski (Hrsg.): [http://www2.filg.uj.edu.pl/ifo/kjasis/sec/store/sec-14.pdf &amp;#039;&amp;#039;Studia Etymologica Cracoviensia.&amp;#039;&amp;#039; Bd. 14.] (PDF; 1,6&amp;amp;nbsp;MB) Krakau 2003, S. 220&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt Übereinstimmungen in der Bauform mit Sackpfeifen in [[Armenien]] &amp;#039;&amp;#039;(parakapzuk)&amp;#039;&amp;#039;, [[Georgien]] &amp;#039;&amp;#039;(stwiri&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;gudastviri)&amp;#039;&amp;#039;, und [[Adscharien]] im [[Kaukasus]] &amp;#039;&amp;#039;(schiboni&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;tschiboni)&amp;#039;&amp;#039;. In dieser nordöstlich gelegenen Region wird der Ursprung des &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; vermutet. Die [[Mari (Volk)|Mari]] und andere [[finno-ugrische Völker]] in Westrussland nennen einen ähnlichen Dudelsack &amp;#039;&amp;#039;schuwjir&amp;#039;&amp;#039; (auch &amp;#039;&amp;#039;shuvyr&amp;#039;&amp;#039;), mit den turkstämmigen [[Tschuwaschen]] kam der &amp;#039;&amp;#039;shabr&amp;#039;&amp;#039; (auch &amp;#039;&amp;#039;shapar&amp;#039;&amp;#039;) nach Osteuropa. Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039;-Sackpfeifentyp ist deutlich weiter außerhalb als innerhalb der türkischen Landesgrenze bekannt, genauso wie das Verbreitungsgebiet der auf dem [[Balkanhalbinsel|Balkan]] gespielten Sackpfeifen (türkisch &amp;#039;&amp;#039;gayda&amp;#039;&amp;#039;) die Türkei nur im europäischen Teil einschließt. Vom osmanischen Schriftsteller [[Evliya Çelebi]] (1611– nach 1683) stammt die vermutlich früheste Aufzeichnung des tulum in einem türkischen Text. Er gibt an, der &amp;#039;&amp;#039;ṭulūm dūdūkī&amp;#039;&amp;#039; sei in Russland erfunden worden (&amp;#039;&amp;#039;[[duduk]], düdük&amp;#039;&amp;#039; oder ähnlich ist der lautmalerische Name für verschiedene Blasinstrumente).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Provinz Artvin ist der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; das am meisten gespielte Volksmusikinstrument. Die dort lebenden [[Lasen]] nennen eine besonders große Sackpfeife &amp;#039;&amp;#039;guda&amp;#039;&amp;#039;. Mit diesem Wort werden ansonsten unbehandelte Tierhäute bezeichnet; es dürfte nichts mit den osteuropäischen &amp;#039;&amp;#039;gaida&amp;#039;&amp;#039;-Schreibweisen zu tun haben. Der spezifizierende Begriff &amp;#039;&amp;#039;tulum zurna&amp;#039;&amp;#039; soll mit dem Namenszusatz für die Kegeloboe &amp;#039;&amp;#039;[[zurna]]&amp;#039;&amp;#039; vom &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; als dem „Sack eines Ziegenbalgs“ unterscheiden. Im nomadischen Haushalt dienen solche Säcke traditionell zur Aufbewahrung und zum Transport von Lebensmitteln (Wasser, Öl, Käse).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; gehört zur halbnomadischen Lebensweise und Kultur der Schafhirten, die bis zu den Hochweiden &amp;#039;&amp;#039;(yayla)&amp;#039;&amp;#039; des [[Pontisches Gebirge|Pontischen Gebirges]] &amp;#039;&amp;#039;(Kaçkar Dağları)&amp;#039;&amp;#039; ziehen. Hier liegt der Übergang zur [[Schwarzes Meer|Schwarzmeerküste]], deren Landschaftsbild durch den Anbau von Haselnüssen und die Musik der Bauern durch die Fiedel &amp;#039;&amp;#039;[[kemençe]]&amp;#039;&amp;#039; geprägt wird. Abgesehen von den Provinzen Artvin und Muş kommt der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; in den [[Bayburt (Provinz)|Provinzen Bayburt]] bis im Westen [[Gümüşhane (Provinz)|Gümüşhane]], [[Erzurum (Provinz)|Erzurum]] und an der Küste in der [[Rize (Provinz)|Provinz Rize]] zum Einsatz. Außerhalb dieser Region übernimmt die endgeblasene Rohrflöte &amp;#039;&amp;#039;[[kaval]]&amp;#039;&amp;#039; die Rolle als führendes Musikinstrument der Hirten.&amp;lt;ref&amp;gt;Picken, S. 460, 531, 547, Verbreitungskarte S. 552.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zu [[Aserbaidschan]] gehörenden Republik [[Autonome Republik Nachitschewan|Nachitschewan]] ist der &amp;#039;&amp;#039;tulum zurna&amp;#039;&amp;#039; das alte Nationalinstrument der [[Aserbaidschaner]], das heute jedoch nur noch von wenigen Musikern gespielt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bauform ==&lt;br /&gt;
[[Datei:Birol-topaloglu-tulum.jpg|mini|hochkant|[[Birol Topaloğlu]] spielt &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039;, 2006]]&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; ist [[bordun]]los und besitzt zwei miteinander verbundene Spielpfeifen aus Rohr mit je fünf Grifflöchern. Die Pfeifen haben eine Länge von 13 bis 14 Zentimetern und einen Innendurchmesser von 10 Millimetern. Neben dem allgemeinen Begriff &amp;#039;&amp;#039;nav&amp;#039;&amp;#039; werden Spielpfeifen regional auch &amp;#039;&amp;#039;yatırular&amp;#039;&amp;#039; („herunterhängende Dinge“), &amp;#039;&amp;#039;toprak kamışı&amp;#039;&amp;#039; („Erde-Rohr“) oder im Flusstal des [[Çoruh]] &amp;#039;&amp;#039;deden&amp;#039;&amp;#039; genannt. Überwiegend bestehen sie aus dem Rohr eines Wassergrases, das speziell im Çoruh-Tal durch Erhitzen oder Kochen in Öl gefestigt wird, und nur selten aus Holz. Nach einem Bericht von 1937 wurden im besonders regenreichen Gebiet von [[Rize]] die Handgriffe alter Regenschirme verarbeitet. Der Abstand zwischen den Fingerlöchern erhöht sich nach unten von 19 auf 24 Millimeter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ahrens 1970, S. 28, fand gleiche Abstände zwischen den Grifflöchern&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei einer der Pfeifen (je nach Händigkeit des Spielers) werden mitunter die oberen zwei oder drei Löcher mit Bienenwachs verschlossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide Spielrohre werden nebeneinander mit Bienenwachs in einem Holzkasten befestigt, der aus [[Buchsbäume|Buchsbaum]]- oder [[Echte Walnuss|Walnussholz]] besteht und im Çoruh-Tal &amp;#039;&amp;#039;nav&amp;#039;&amp;#039;, ansonsten &amp;#039;&amp;#039;tekne&amp;#039;&amp;#039; genannt wird. Der Kasten ist im Bereich der Fingerlöcher oben offen oder durch ein Blech abgedeckt, das über den Fingerlöchern ausgeschnitten ist. Am unteren Ende münden die Rohre entweder in eine ebenfalls mit Bienenwachs fixierte Hornstütze (&amp;#039;&amp;#039;karaxsin&amp;#039;&amp;#039;, von [[Georgische Sprache|georgisch]] &amp;#039;&amp;#039;kar&amp;#039;&amp;#039;, „Horn“) oder häufiger in einen aus Buchsbaum (&amp;#039;&amp;#039;şimşir&amp;#039;&amp;#039;) geschnitzten rechteckigen Schallbecher. Das nichttürkische Wort &amp;#039;&amp;#039;nav&amp;#039;&amp;#039; kann auch auf das gesamte Bauteil bezogen werden. Mit dem nahen Ende stecken die Röhren im Holzkasten, der an dieser Stelle auf allen Seiten geschlossen ist und so die drei Zentimeter langen [[Einfachrohrblattinstrument#Instrumente mit fest verbundenem Blatt (idioglott)|idioglotten Einfachrohrblätter]] (&amp;#039;&amp;#039;zizmak&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;dillik&amp;#039;&amp;#039;) verbirgt. Das Anblasrohr besitzt im Gegensatz zu anderen Sackpfeifen kein Ventil&amp;lt;ref&amp;gt;Picken sah keine Sackpfeife mit Ventil, er erwähnt aber S. 533 [[Kurt Reinhard (Musikwissenschaftler)|Kurt Reinhard]] (&amp;#039;&amp;#039;Musik am Schwarzen Meer&amp;#039;&amp;#039;. Berlin 1966), der einmal ein Instrument mit einem einfachen Ventil sah&amp;lt;/ref&amp;gt;, der Spieler verschließt es beim Einatmen mit der Zunge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die beiden Spielpfeifen können auch ohne den Blasebalg verwendet werden. Als Doppelklarinette mit dem Namen &amp;#039;&amp;#039;nav&amp;#039;&amp;#039; entsprechen sie dem arabischen &amp;#039;&amp;#039;[[midschwiz]]&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Ahrens 1970, S. 27.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den Blasebalg (&amp;#039;&amp;#039;göğde&amp;#039;&amp;#039; in Artvin) ist das Jungtierfell &amp;#039;&amp;#039;(oğlak)&amp;#039;&amp;#039; von Schaf oder Ziege am beliebtesten. Für größere Instrumente benötigt es das Fell erwachsener Tiere. Das Haare werden entfernt und in den meisten Fällen wird die Haut [[Gerben|gegerbt]]. Wird die Haut nicht gegerbt, so entfernt man mechanisch die Fleischreste und legt sie in eine starke Salzbrühe zum Schutz vor Bakterienfäule. Ein Instrument mit einer derart präparierten Haut sollte ständig feucht gehalten werden, weil die Haut sonst steif und spröde wird. Das Gerben erfolgt eine Woche lang in einer [[Alaune]]-Lösung &amp;#039;&amp;#039;(şap)&amp;#039;&amp;#039;, danach werden Fleischreste und Haare abgeschabt und der Rest sonnengetrocknet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine lokale Methode des Gerbens, die von den Musikern selbst oder Spezialisten in den Dörfern angewandt wird, führt im Ergebnis zu Tierhäuten, die mit dem Dialektwort &amp;#039;&amp;#039;hasıl&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet werden. Eine wässrige Lösung aus der Asche von [[Hainbuchen]] &amp;#039;&amp;#039;(gürgen)&amp;#039;&amp;#039;, die mit Maismehl vermischt wird, und fermentierter, leicht gekochter Milch (Joghurt) wird hierbei hergestellt und auf die Fellseite der Häute gestrichen. Man faltet die Häute zusammen und lässt sie zwei Tage liegen, bis sie zu stinken beginnen. Dies ist das Zeichen, dass sich nun die Haare leicht abschaben lassen. Das nachfolgende Gerben der noch feuchten Haut geschieht mit einer Mischung aus etwas Alaune, Maismehl und Salz, die darüber gestreut wird. Nach einem Tag wird die Haut an der Fleischseite vorsichtig abgeschabt und nach einem weiteren Tag mit Olivenöl eingestrichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun kann die nur wenig mehr als nach Olivenöl riechende Haut vernäht werden. In eines der Vorderbeinabschnitte wird das Mundstück (Dialektnamen &amp;#039;&amp;#039;goda&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;lülük&amp;#039;&amp;#039;) eingenäht, es kann aus unterschiedlichen Holzarten oder aus Knochen bestehen. An der Stelle des anderen Vorderbeins werden die Spielpfeifen angebracht, die Hinterbeinabschnitte werden vernäht.&amp;lt;ref&amp;gt;Picken, S. 529–533.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spielweise ==&lt;br /&gt;
Die beiden vordersten Fingerglieder einer Hand liegen über zwei benachbarte Löcher hinweg, üblicherweise decken die Finger der rechten Hand die beiden oberen Löcher ab, die drei Finger der linken Hand die drei unteren Lochpaare. Der tiefste Ton ergibt sich, wenn alle Löcher abgedeckt sind, er wurde mit g&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt;, bei manchen Instrumenten mit a&amp;lt;sup&amp;gt;1&amp;lt;/sup&amp;gt; bestimmt und bildet den abschließenden Grundton jeder Melodie. Da die Pfeifen nicht [[überblasen]] werden, ist der [[Ambitus]] im Unterschied zur &amp;#039;&amp;#039;[[zurna]]&amp;#039;&amp;#039; gering. Er liegt bei einer großen [[Sexte]], also noch geringer als bei der Kurzoboe &amp;#039;&amp;#039;[[Mey (Blasinstrument)|mey]]&amp;#039;&amp;#039;. Durch die mit Wachs verschlossenen Fingerlöcher ergibt sich ein eingeblendetes zweistimmiges Spiel. Sind zwei der Löcher verschlossen, so lassen sich noch vier Töne erzeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Musiker achten streng darauf, dass beide Spielpfeifen möglichst genau gleich gestimmt sind, um [[Schwebung#Akustische Schwebungen|Schwebungen]] zu vermeiden. Entsprechend sorgfältig werden beide Pfeifen vor dem Spiel gestimmt. Der Grund für den Einsatz von zwei statt einer Spielpfeife liegt jedoch nicht in einer größeren Lautstärke, denn diese ist bei zwei Pfeifen nur um 10 bis 20 Prozent höher als bei einer, sondern in der Möglichkeit zu einem [[Mehrstimmigkeit|mehrstimmigen]] Spiel.&amp;lt;ref&amp;gt;Ahrens 1973, S. 144f&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Typisch für das &amp;#039;&amp;#039;tulum-&amp;#039;&amp;#039;Spiel sind sehr kurze Melodiefolgen, die ständig wiederholt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=GB2Is0WpxhQ&amp;amp;feature=related &amp;#039;&amp;#039;Tulum.&amp;#039;&amp;#039;] Youtube-Video (kurze, sich wiederholende Melodiefolgen)&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu gehören die abgehackt wirkenden &amp;#039;&amp;#039;[[Aksak (Rhythmus)|aksak]]-&amp;#039;&amp;#039;[[Takt (Musik)|Taktfolgen]], ein Rhythmusmuster &amp;#039;&amp;#039;(usul)&amp;#039;&amp;#039; aus einer Reihe von geraden und ungeraden Zählzeiten, deren Hauptschläge auf den Boden gestampft werden. Die Tonhöhe kann praktisch nicht beeinflusst und die Intervalle können nicht verschleift werden. Ebenso sind die Möglichkeiten begrenzt, den Klang und die Lautstärke zu beeinflussen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; dient zur Begleitung mehrerer regionaler Tanzstile, der &amp;#039;&amp;#039;tulumcu&amp;#039;&amp;#039; (&amp;#039;&amp;#039;tulum-&amp;#039;&amp;#039;Spieler) tritt entweder solistisch auf und führt die Tanzgruppe oder er begleitet eine Gesangsstimme. In der Schwarzmeerregion ist der &amp;#039;&amp;#039;[[horon (Tanz)|horon]]&amp;#039;&amp;#039; beliebt, bei dem sich die Mitwirkenden an den Händen fassen und um den Musiker, der mit Zwischenrufen die Bewegungsabläufe vorgibt, einen Kreis oder Halbkreis bilden. &amp;#039;&amp;#039;Türkülü horon&amp;#039;&amp;#039; bedeutet &amp;#039;&amp;#039;horon&amp;#039;&amp;#039; mit Gesang &amp;#039;&amp;#039;([[türkü]])&amp;#039;&amp;#039;, nach dem Text häufig ein Liebeslied. Zum Auftritt des &amp;#039;&amp;#039;tulumcu&amp;#039;&amp;#039; gehört, dass er energisch seinen Körper bewegt, manchmal mittanzt oder sein Spiel durch Gesangseinlagen unterbricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; spielt in seiner Heimatregion eine wesentliche Rolle bei der Festgestaltung, bei Hochzeiten und sonstigen Familienfeiern. Er steht für die „eigene Musik“. Damit hat das Instrument dieselbe Bedeutung wie die &amp;#039;&amp;#039;kemençe&amp;#039;&amp;#039; für die Haselnussbauern am Schwarzen Meer, wobei sich der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; etwas schwerfälliger anhört, als die streckenweise wild gespielte Fiedel. In [[Giresun]] wurden &amp;#039;&amp;#039;horon-&amp;#039;&amp;#039;Tanzmelodien aufgezeichnet, bei denen die &amp;#039;&amp;#039;kemençe&amp;#039;&amp;#039; mit der halben üblichen Geschwindigkeit spielte, um unter dem Gelächter des Publikums parodistisch die Spielweise des &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; nachzuahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Picken, S. 328f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der traditionellen Musik Nachitschewans spielt der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; mit der Kegeloboe &amp;#039;&amp;#039;zurna&amp;#039;&amp;#039;, der zylindrischen Kurzoboe &amp;#039;&amp;#039;balaban&amp;#039;&amp;#039;, der Schnabelflöte &amp;#039;&amp;#039;[[Tulak|tutek]]&amp;#039;&amp;#039; und der Zylindertrommel &amp;#039;&amp;#039;naghara&amp;#039;&amp;#039; (zu unterscheiden von der Kesseltrommel &amp;#039;&amp;#039;gosha [[Naqqara#Iran und Zentralasien|naghara]]&amp;#039;&amp;#039;) bei Liedern und Tänzen zusammen.&amp;lt;ref&amp;gt;Agida Akperli: &amp;#039;&amp;#039;Heyva Gülü. Dances and ashug melodies from Nakhichevan.&amp;#039;&amp;#039; Ensemble Dede Gorgud. (Anthology of Azerbaijanian musik 3) PAN 2021 CD, PAN Records, 1994&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerhalb der regionalen Volksmusik bietet die Band um [[Birol Topaloğlu]] ein Beispiel, wie der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; in der zeitgenössischen [[Ethno-Jazz]]musik eingesetzt werden kann.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Birol Topaloğlu]]: &amp;#039;&amp;#039;Ezmoze.&amp;#039;&amp;#039; CD veröffentlicht bei [[Kalan Müzik]], 2007 ([http://www.biroltopaloglu.com/ Homepage])&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Kadıköy]], einem auf der asiatischen Seite liegenden Istanbuler Stadtteil versammeln sich gelegentlich Passanten am Hafen zum &amp;#039;&amp;#039;horon&amp;#039;&amp;#039;-Tanz im großen Kreis um einen &amp;#039;&amp;#039;tulumcu&amp;#039;&amp;#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=QPWUuGqSryM &amp;#039;&amp;#039;kadıköy tulum.&amp;#039;&amp;#039;] Youtube-Video (tagsüber); [https://www.youtube.com/watch?v=FtXn9ZkU0C4&amp;amp;feature=related &amp;#039;&amp;#039;Hemşin Turks - Kadiköyde Hemsin Horonu.&amp;#039;&amp;#039;] Youtube-Video (abends)&amp;lt;/ref&amp;gt;   Als überregional bekanntester traditioneller &amp;#039;&amp;#039;tulumcu&amp;#039;&amp;#039; gilt Mahmut Turan. Er spielte auch in der Gruppe &amp;#039;&amp;#039;Grup Yorum&amp;#039;&amp;#039; mit, die ab Mitte der 1980er Jahre in der linken Studentenszene eine musikalisch wichtige Rolle innehatte. 1996 nahm die Gruppe eines der ersten Lieder in [[Lasische Sprache|lasischer Sprache]] mit [[E-Bass]] und &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; auf. Der &amp;#039;&amp;#039;tulum&amp;#039;&amp;#039; wird seither wie andere regionale Musikinstrumente in neuen, zusammengesetzten Stilrichtungen als „ethnischer“ Bestandteil eingebaut.&amp;lt;ref&amp;gt;Eliot Bates: &amp;#039;&amp;#039;Social Interactions, Musical Arrangement, and the Production of Digital Audio in Istanbul Recording Studios.&amp;#039;&amp;#039; Diss., University of California, Berkeley 2008, S. 60, 74f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* [[Christian Ahrens (Musikwissenschaftler)|Christian Ahrens]]: &amp;#039;&amp;#039;Instrumentale Musikstile an der osttürkischen Schwarzmeerküste. Eine vergleichende Untersuchung der Spielpraxis von davul-zurna, kemençe und tulum.&amp;#039;&amp;#039; Kommissionsverlag Klaus Renner, München 1970, ISBN 3-87673-002-3.&lt;br /&gt;
* Christian Ahrens: &amp;#039;&amp;#039;Polyphony in Touloum Playing by the Pontic Greeks.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Yearbook of the International Folk Music Council,&amp;#039;&amp;#039; Band 5, 1973, S. 122–131&lt;br /&gt;
* R. Conway Morris, Johanna Spector: &amp;#039;&amp;#039;Tulum&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Grove Music Online,&amp;#039;&amp;#039; 22. September 2015&lt;br /&gt;
* [[Laurence Picken]]: &amp;#039;&amp;#039;Folk Musical Instruments of Turkey.&amp;#039;&amp;#039; Oxford University Press, London 1975, ISBN 0-19-318102-9, S. 528–549.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv |url=http://pontian.info/MUSIC/touloum.htm |wayback=20070304151800 |text=The Pontian Touloum}} pontian.info&lt;br /&gt;
* {{Webarchiv |url=http://www.mahmutturan.com/ |wayback=20140106165840 |text=Mahmut Turan}} (Homepage mit Musik)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Traditionelles türkisches Musikinstrument]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Bauform (Sackpfeife)]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Graph Pixel</name></author>
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