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	<title>Technokratie - Versionsgeschichte</title>
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	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Wikipedia (Deutsch) – Lokale Kopie</subtitle>
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		<title>imported&gt;Nuaiv am 6. März 2026 um 07:27 Uhr</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;Unter &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Technokratie&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; wird heute eine Form der Regierung, Verwaltung oder die Haltung von Einzelpersönlichkeiten verstanden, die ihre Entscheidungen auf sozial neutralem wissenschaftlichem und technischem Wissen sowie dementsprechendes Agieren aufbauen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Titel=Technocracy {{!}} Modern Movement, Social Engineering &amp;amp; Scientific Management {{!}} Britannica |Sammelwerk=Encyclopedia Britannica |Online=https://www.britannica.com/topic/technocracy |Abruf=2026-03-06}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Technokraten gehen von der Annahme aus, es gäbe ideologie- und interessenfreie Wege, für das Gemeinwohl und für staatliche Stabilität zu sorgen. Technokratische [[Kabinett (Politik)|Kabinette]] sind meistens Vertreter nicht parlamentarisch gestützter Regierungen. Oppositionsbewegungen der [[Zivilgesellschaft]] sowie [[Nichtregierungsorganisation|NGOs]] kritisieren Technokratien gerade wegen ihrer häufigen [[Klientelpolitik]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff leitet sich ab von dem {{grcS|τέχνη|&amp;#039;&amp;#039;[[Techne|téchne]]&amp;#039;&amp;#039;|de=Fertigkeit}} und {{lang|grc|κράτος}} &amp;#039;&amp;#039;kratos&amp;#039;&amp;#039; ‚Herrschaft‘. Eine korrekte Übersetzung wäre demnach „Herrschaft der Sachverständigen“. Der Begriff ist jedoch eine Neuschöpfung aus dem [[20.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert]] und eng mit der [[Technokratische Bewegung|Technokratischen Bewegung]] in den [[Vereinigte Staaten von Amerika|USA]] der 1920er Jahre wie der damals verbreiteten Krise der Demokratie und der von der [[Sowjetunion]] und deren [[Planwirtschaft]] ausgehenden, anfänglichen Faszination verbunden. [[Umgangssprache|Umgangssprachlich]] wird als Technokrat auch abwertend eine Person bezeichnet, die eine rational-technische Weltsicht hat und einen Interessenausgleich sowie etwa [[Soziologie|soziologische]] oder [[Psychologie|psychologische]] Aspekte als „weiche Faktoren“ eines Themas vernachlässigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale ==&lt;br /&gt;
Merkmale der &amp;#039;&amp;#039;Technokratie&amp;#039;&amp;#039; sind:&lt;br /&gt;
* [[Fortschritt]] und Wissenswachstum sind Zielvorstellung, unter anderem deshalb wird tendenziell die herkömmliche politische Diskussion über [[Verteilungsgerechtigkeit]] vernachlässigt.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsmacht wird von demokratisch gewählten politischen [[Institution]]en in ausschließlich fachgebunden arbeitende Zirkel, sog. „[[Expertenkommission]]en“ verlagert.&lt;br /&gt;
* Im Vordergrund steht die rationale Planung und Durchführung von Vorhaben. Die Aufmerksamkeit wird auf Mittel und Wege konzentriert, nicht auf [[Demokratie|demokratische]] Entscheidung über die Ziele – Manager, Wissenschaftler, Militär, Ingenieure und andere qualifizierte Personen ersetzen gewählte Repräsentanten.&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst R. Berndt: [https://dspace.mit.edu/bitstream/handle/1721.1/2023/SWP-1353-09057784.pdf &amp;#039;&amp;#039;From Technocracy To Net Energy Analysis. Engineers, Economists And Recurring Energy Theories Of Value&amp;#039;&amp;#039;] (PDF; 4&amp;amp;nbsp;MB) (Studies in Energy and the American Economy. Discussion Paper; No.&amp;amp;nbsp;11). [[Massachusetts Institute of Technology]], Revised September 1982.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Argumentationsmuster verweisen auf alternativlose [[Sachzwang|Sachzwänge]] zur Befriedigung der in Frage stehenden Bedürfnisse, die mit technisch-wissenschaftlichen Methoden oder rein auf der Befehls- oder Weisungsebene gelöst werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herkunft ==&lt;br /&gt;
{{Belege fehlen|2=Dieser Abschnitt}}Der Begriff wurde im Ausgang des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkriegs]] in den USA geprägt, wobei Konzepte des amerikanischen Soziologen [[Thorstein Veblen]] und von prominenten Mitgliedern der [[Technokratische Bewegung|Technokratischen Bewegung]] wegweisend waren. Veblen wünschte sich für Ingenieure eine bedeutendere Rolle im politischen Prozess, da nur der von ihnen angetriebene technische Fortschritt das Potential hätte, die Menschen zur Vernunft zu bringen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Lena Schipper |Titel=Thorstein Veblen: Spott auf die feinen Leute |Sammelwerk=FAZ.net |ISSN=0174-4909 |Online=https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/die-weltverbesserer/thorstein-veblen-spott-auf-die-feinen-leute-12978070.html |Abruf=2023-01-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegende Vorstellung ist aber wesentlich älter. Als technokratische [[Utopie]]n können der „Sonnenstaat“ von [[Tommaso Campanella]] (1602) oder „[[Nova Atlantis|New Atlantis]]“ von [[Francis Bacon]] (1627) gelten.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |url=https://www.philosophie.ch/2022-10-19-schulz |titel=Philosophie.ch – Neues Wissen, neue Macht? |sprache=de |abruf=2023-01-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;{{Literatur |Autor=Hermann Lübbe |Titel=Technokratie. Politische und wirtschaftliche Schicksale einer philosophischen Idee |Sammelwerk=WeltTrends |Nummer=18 |Verlag=WeltTrends e.&amp;amp;nbsp;V. |Datum=1998 |Seiten=41 |Online=https://d-nb.info/1217485155/34}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Mit der [[Industrialisierung]] gewann die technokratische Utopie im [[19. Jahrhundert]] eine neue, realitätsnähere Prägung. [[Henri de Saint-Simon]] und sein Schüler [[Auguste Comte]] haben im Sinne des [[Positivismus]] Gesellschaftsentwürfe formuliert, in denen der instrumentellen Vernunft ein fast uneingeschränktes Herrschaftsrecht zukam.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Richard Saage |Titel=Saint-Simons Utopie der Industriegesellschaft |Sammelwerk=UTOPIE kreativ |Nummer=102 |Verlag=Förderverein Konkrete Utopien e.&amp;amp;nbsp;V. |Datum=1999-04 |Reihe=UTOPIE kreativ |Seiten=77 |Online=https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/102_Saage.pdf}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die [[politische Philosophie]] von [[Platon]] kann man als technokratisch verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Thomas Walli |url=https://www.uibk.ac.at/politikwissenschaft/kommunikation/artikel/blog/walli-wissenschaftspolitik.html |titel=Blog: Wer regiert denn hier wirklich? |sprache=de |abruf=2023-01-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die von Thorstein Veblen, aber auch etwa von [[Walter Rautenstrauch]] (1880–1951) gegen Ende des Ersten Weltkriegs vertretene Vorstellung, Ingenieure würden das [[Gemeinwohl]] am besten verwalten, ist sowohl im Kontext einer fundamentalen Krise des [[Kapitalismus]] als auch der [[Russische Revolution|Russischen Revolution]] zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Beverly H. Burris |Titel=Technocracy at Work |Verlag=SUNY Press |Datum=1993-01-01 |ISBN=978-0-7914-1495-8 |Seiten=26-30 |Online=https://books.google.de/books?id=I-k0hgtaiCcC&amp;amp;pg=PA31&amp;amp;lpg=PA31&amp;amp;dq=%22Continental+Committee%22+on+Technocracy+Inc.&amp;amp;source=bl&amp;amp;ots=KC-yu_Uu5g&amp;amp;sig=9YefoXvlt-vqEiLUgrdMwFrxgA4&amp;amp;hl=en&amp;amp;ei=HwcCS-DPEMOUkAWmjrjwCw&amp;amp;sa=X&amp;amp;oi=book_result&amp;amp;ct=result&amp;amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false |Abruf=2023-01-30}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Julia Obertreis |url=https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/sowjetunion-2021/331331/sowjetunion-global/ |titel=Sowjetunion global |sprache=de |abruf=2023-01-30}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Technokratie der Zwischenkriegszeit, die sich in den USA unter [[Howard Scott]] als „Technocracy Inc.“ zu einer politischen Partei verdichtete, verstand sich als Alternative sowohl zum Kapitalismus als auch zum [[Sozialismus]].&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=Sean F. Johnston |Titel=Technological parables and iconic illustrations: American technocracy and the rhetoric of the technological fix |Sammelwerk=History and Technology |Band=33 |Nummer=2 |Datum=2017-04-03 |ISSN=0734-1512 |DOI=10.1080/07341512.2017.1336851 |Seiten=196–219 |Online=https://philarchive.org/archive/JOHTPA-16 |Abruf=2023-01-30}}&amp;lt;/ref&amp;gt; In [[Weimarer Republik|Deutschland]] wurde dies Anfang der 1930er Jahre von [[Günther Bugge]]&amp;lt;ref&amp;gt;[[Stefan Willeke]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Technokratiebewegung zwischen den Weltkriegen und der „Kulturfaktor Technik“&amp;#039;&amp;#039;, in: Burkhard Dietz, Michael Fessner, Helmut Maier (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Technische Intelligenz und „Kulturfaktor Technik“&amp;#039;&amp;#039;: Kulturvorstellungen von Technikern und Ingenieuren zwischen Kaiserreich und früher Bundesrepublik, Waxmann, 1996, S.&amp;amp;nbsp;203.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[[Günther Bugge]]: &amp;#039;&amp;#039;Technokratie&amp;#039;&amp;#039;, in: &amp;#039;&amp;#039;Technik Voran !&amp;#039;&amp;#039;, Band 14, 1932, S.&amp;amp;nbsp;296–299 und S.&amp;amp;nbsp;313–316.&amp;lt;/ref&amp;gt; und anderen aufgegriffen, deren Technokratie-Bewegung aber 1933 mit der [[Machtergreifung|Machtübernahme]] der Nationalsozialisten verboten wurde. Wichtige Ideologen des [[Nationalsozialismus]] wie [[Gottfried Feder]] nahmen in diesem Sinne technokratisches Gedankengut auf. Technokratische Elemente sind auch tief im sowjetischen Modernisierungsprojekt verwurzelt, wie es [[Lenin]] am VIII. Sowjetkongress 1920 entwarf („Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“).&amp;lt;ref&amp;gt;{{Internetquelle |autor=Fabian Burkhardt |url=https://www.dekoder.org/de/gnose/technokratie-politmanager-autokratie |titel=Technokratie |werk=dekoder.org |datum=2018-07-12 |sprache=de |abruf=2023-01-30}}&amp;lt;/ref&amp;gt; Und auch der US-amerikanische „[[New Deal]]“ unter [[Franklin D. Roosevelt]] kann als technokratisches Vorhaben interpretiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die technokratische Vorstellung, wirtschaftliche Entwicklung sei am erfolgreichsten durch mächtige Expertenstäbe zu realisieren, lag dem US-amerikanischen Wiederaufbauplan für Westeuropa nach 1945 zu Grunde ([[Marshall Plan]]). Technokratische Planung etablierte sich in der Folge unter dem Stichwort [[Planification]] insbesondere in [[Frankreich]]. Die französischen Planvorstellungen, die wesentlich von [[Jean Monnet]] konkretisiert wurden, bildeten ihrerseits ein wesentliches Grundelement für die [[Europäische Union]]. Technokratische Planung erhielt in der Zeit nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] in allen westlichen [[Wohlfahrtsstaat]]en hohe Bedeutung. Sie wurde unter Wirtschaftsminister [[Karl Schiller]] selbst in der [[Bundesrepublik Deutschland]] wirksam, wo bisher der [[Ordoliberalismus]] prägend war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den 1950er Jahren wurde das Technokratiethema insbesondere in Frankreich durch [[Jean Meynaud]] (1914–1972) und [[Jacques Ellul]] aufgenommen, die den Verlust wertorientierter Handlungsoptionen angesichts einer sich eigendynamisch entwickelnden Technik beklagten.&lt;br /&gt;
In Deutschland entwickelte sich Anfang der 1960er Jahre eine Technokratiedebatte, ausgehend von [[Helmut Schelsky]]s Vortrag „Der Mensch in der wissenschaftlichen Zivilisation“.&amp;lt;ref&amp;gt;Zeitschrift „Atomzeitalter“, 1961.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem entwickelte er, anknüpfend an [[Arnold Gehlen]]s Menschenbild, der den Menschen als Mangelwesen betrachtete, welcher diese Mängel mithilfe von Technik auszugleichen versuche, die Vorstellung eines „technischen Staates“. Der Mensch habe in der modernen technisierten Welt ein neues Verhältnis zur Welt und zu seinen Mitmenschen entwickelt. Er spricht dabei von einer „universal gewordenen Technik“, die sich auf alle Bereiche des Lebens ausdehne. Diese universale Technik folgt der [[Logik]] der höchsten [[Effektivität#Effektivität und Effizienz|Effizienz]], welche nach und nach auch das Denken der Menschen erfasse. Dies hat jedoch Folgen für den Menschen: nun bestimmen die Mittel die Ziele und nicht mehr die Ziele die Mittel. Es entsteht also eine eigene Sachgesetzlichkeit, das heißt, jeder technische Erfolg schafft neue Probleme, die wieder mit Technik gelöst werden müssen. Dieser Sachzwang ersetzt dabei die Herrschaft von Menschen über Menschen. Daher bedarf es im Staat auch keiner demokratischen Partizipation mehr, denn „moderne Technik bedarf keiner Legitimität (…) solange sie optimal funktioniert“.&amp;lt;ref&amp;gt;Helmut Schelsky, S.&amp;amp;nbsp;458.&amp;lt;/ref&amp;gt; Daraufhin sterbe der demokratische Staat ab und bleibe lediglich als leere Hülse zurück. Über diese Thesen entbrannte im Folgenden eine rege Diskussion, welche vor allem in der Zeitschrift „Atomzeitalter“ ausgetragen wurde. In den 1960er Jahren haben sich, aufbauend auf der Kritik der [[Instrumentelle Vernunft|instrumentellen Vernunft]] von [[Max Horkheimer]], insbesondere [[Herbert Marcuse]] und [[Jürgen Habermas]] gegen die Anmaßung einer Technokratie gestellt. Wesentliche Beiträge zum Thema verfasste auch [[Hermann Lübbe]]. Spätestens Ende der 1980er Jahre kam die wissenschaftliche Technokratiedebatte in Deutschland jedoch zum Erliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weitere Technokratie-kritische Stimmen ==&lt;br /&gt;
Neben Herbert Marcuse sind oder waren in Deutschland [[Martin Heidegger]], [[Günther Anders]], [[Gotthard Günther]] und [[Erich Fromm]] prominente Kritiker der Technokratie. International haben sich u.&amp;amp;nbsp;a. [[George Orwell]] (in seinen Essays über [[Faschismus]]: Technokratie sei Vorstufe des Faschismus), und aktuell [[Noam Chomsky]] in kritischer Weise über die Technokratie geäußert. &amp;#039;&amp;#039;Siehe auch&amp;#039;&amp;#039;: [[Gesellschaftskritik]], [[Dystopie]], [[Cyberpunk]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[68er-Bewegung]] wurde diese Kritik an der Technokratie auf breiter Basis aufgegriffen. Der Technokratie und dem mit ihr verbundenen rationalen Sachzwang-Denken wurden von Künstlern und Intellektuellen beispielsweise Konzepte wie [[Subjektivität]], der individuelle [[Wunsch]], [[Selbstverwirklichung]] und [[Demokratisierung]] (bis hin zur [[Wirtschaftsdemokratie]], siehe [[Mai 68]]) entgegengestellt. Auch die gesellschaftsverändernden Visionen der [[Neue Linke|Neuen Linken]] waren nicht frei von technokratischen Aspekten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Götz Aly]] und [[Susanne Heim]] beschreiben das [[Drittes Reich|Dritte Reich]] und die damit verbundenen Herrschaftspläne für [[Osteuropa]] des [[Generalplan Ost]] sowie die [[Holocaust|Vernichtung der europäischen Juden]] als das Resultat einer Expertokratie. So sei „[[KZ Auschwitz|Auschwitz]] […] in hohem Maß die Folge einer gnadenlos instrumentalisierten Vernunft“ gewesen.&amp;lt;ref&amp;gt;[[Götz Aly]], [[Susanne Heim]]: &amp;#039;&amp;#039;Vordenker der Vernichtung&amp;#039;&amp;#039;, Hamburg 1991, ISBN 3-455-08366-8.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine differenzierte Position zur Technokratie nimmt Hermann Lübbe ein. Technokratie ist nach ihm dort geboten, wo durch eine [[Evidenz (Philosophie)|Evidenz]] des Richtigen eine Versachlichung der Entscheidungssituation gegeben ist. Für rationale Politik ist dies zwingend so, weswegen Politik auf wissenschaftliche Beratung angewiesen ist. Würde Politik auf technokratische Elemente verzichten, so würde nur die Perspektive der Herrschaft von Menschen über Menschen bleiben.&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Lübbe: &amp;#039;&amp;#039;Zur politischen Theorie der Technokratie&amp;#039;&amp;#039;, in: ders.: &amp;#039;&amp;#039;Theorie und Entscheidung&amp;#039;&amp;#039;, Freiburg 1971, S.&amp;amp;nbsp;32–53.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch [[Karl Popper]] kann nicht bedingungslos als Kritiker der Technokratie aufgefasst werden. In seinem Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ vertritt er ein Politikkonzept, das gegen prophetische Ideologien gerichtet ist und stattdessen eine Sozialtechnologie des Stückwerks propagiert, die von falsifizierbaren, also wissenschaftlichen, Einsichten abhängig sein soll. Im Sinne Lübbes wäre dies genau die Art technokratischer Politik, die auch er selbst wünscht. Lübbe hat diese Art der Politik auch tatsächlich als Politiker in [[Nordrhein-Westfalen]] in den 1970er Jahren vertreten. Er galt damals allgemein als „rechter“ [[Sozialdemokratische Partei Deutschlands|SPD]]-Mann. Rigorose Kritik gegen die Technokraten wurde dagegen von Habermas vorgebracht, der sich besonders mit Lübbe persönlich um diesen Punkt stritt. Lübbes Auffassung lautete damals, dass Leute, die nichts von Politik verstehen, sich besser aus solchen Angelegenheiten heraushalten sollten, womit er gezielt auf Habermas anspielte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zitate ==&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Technik selbst kann [[Autoritarismus]] ebenso fördern wie Freiheit, den Mangel so gut wie den Überfluss, die Ausweitung von Schwerstarbeit wie deren Abschaffung. Der Nationalsozialismus ist ein schlagendes Beispiel dafür, wie ein hochrationalisiertes und durchmechanisiertes Wirtschaftssystem von höchster Produktivität im Interesse von [[totalitär]]er [[Unterdrückung]] und verlängertem Mangel funktionieren kann. (…)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Um die wirkliche Bedeutung dieser Veränderungen zu verstehen, ist es notwendig, einen kurzen Überblick zu geben über die traditionelle Rationalität und über die Formen der [[Individualität]], die auf der gegenwärtigen Stufe des Maschinenzeitalters aufgelöst werden. Das menschliche Individuum, das die Vorkämpfer der [[bürgerliche Revolution|bürgerlichen Revolution]] zur Keimzelle wie zum höchsten Zweck der Gesellschaft erhoben hatten, repräsentierte Wertvorstellungen, die offensichtlich denen widersprechen, welche die Gesellschaft heute beherrschen.|[[Herbert Marcuse]]}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|[[Expertokratie]] ist eine Kombination aus Verwaltung und Experten, in der unentwegt irgendwelche Strategiepapiere mit mundgerechten Informationen darüber verfasst werden, was aus ihrer Sicht die Politiker wissen müssten. Das politische Gemeinwesen, das sind die Bürgerinnen und Bürger, ist bei diesem Prozess völlig außen vor. Das Verhängnisvolle daran ist, dass auf der technischen Ebene alle parlamentarischen Verkehrsformen eingehalten werden – aber zugleich die Planungsprozesse immanent undemokratisch sind, weil sie nur in der [[Dualität]] zwischen Techno- und Politikerpolitik ablaufen. Am Ende heißt es dann: Was wir entschieden haben, war [[alternativlos]].|[[Harald Welzer]]|ref=&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/die-zukunft-wird-sehr-kleinteilig-sein/ &amp;#039;&amp;#039;Die Zukunft wird sehr kleinteilig sein&amp;#039;&amp;#039;], [[die tageszeitung|taz]] vom 22. Oktober 2010.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
{{Mehrspaltige Liste |liste=&lt;br /&gt;
* [[Bedürfnis]]&lt;br /&gt;
* [[Epistokratie]]&lt;br /&gt;
* [[Konsumismus]]&lt;br /&gt;
* [[Kybernetik]]&lt;br /&gt;
* [[Sozialpsychologie]]&lt;br /&gt;
* [[Social Engineering (Politikwissenschaft)|Social Engineering]]&lt;br /&gt;
* [[Social Marketing]]&lt;br /&gt;
* [[Technikfolgenabschätzung]]&lt;br /&gt;
* [[Technikphilosophie]]&lt;br /&gt;
* [[Governance]]&lt;br /&gt;
* [[Verwaltung]]&lt;br /&gt;
* [[Bürokratie]]&lt;br /&gt;
* [[Technikskepsis|Technikkritik]]&lt;br /&gt;
* [[Scientokratie]]&lt;br /&gt;
}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
;Sachbücher&lt;br /&gt;
* [[Günther Anders]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Antiquiertheit des Menschen, Band 1: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution&amp;#039;&amp;#039;. Verlag C.H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47644-9 (EA München 1956).&amp;lt;ref&amp;gt;Dazu Band 2: &amp;#039;&amp;#039;Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution.&amp;#039;&amp;#039; Beck, München 1992, ISBN 3-406-31784-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Thorstein Veblen: &amp;#039;&amp;#039;The Engineers and the Price System.&amp;#039;&amp;#039; Cosimo Books, New York 2006, ISBN 1-59605-892-7 (Nachdr. d. EA New York 1921).&lt;br /&gt;
* Jürgen Habermas: &amp;#039;&amp;#039;[[Technik und Wissenschaft als „Ideologie“]]&amp;#039;&amp;#039;, Frankfurt am Main 1968.&lt;br /&gt;
* Jürgen Habermas: &amp;#039;&amp;#039;Im Sog der Technokratie&amp;#039;&amp;#039;, Kleine Politische Schriften XII, Frankfurt am Main 2013.&lt;br /&gt;
* [[Martin Heidegger]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Frage nach der Technik.&amp;#039;&amp;#039; In: [[Emil Preetorius (Grafiker)|Emil Preetorius]] (Hrsg.) &amp;#039;&amp;#039;Die Künste im technischen Zeitalter&amp;#039;&amp;#039;. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1956.&lt;br /&gt;
* Klaus Schubert: &amp;#039;&amp;#039;Politik in der „Technokratie“. Zu einigen Aspekten zeitgenössischer Kulturkrisentheorie.&amp;#039;&amp;#039; Campus Verlag, Frankfurt/M. 1981, ISBN 3-593-32960-3 (zugl. Dissertation, Universität München 1980).&lt;br /&gt;
* Hans Lenk (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Technokratie als Ideologie. Sozialphilosophische Beiträge zu einem politischen Dilemma&amp;#039;&amp;#039;. Kohlhammer, Stuttgart 1973, ISBN 3-17-236061-X.&lt;br /&gt;
* [[Neil Postman]]: &amp;#039;&amp;#039;Das Technopol. Die Macht der Technologien und die Entmündigung der Gesellschaft&amp;#039;&amp;#039; („Technopoly“, 1992). 4. Auflage. Fischer, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-10-062413-0.&lt;br /&gt;
* [[Erich Fromm]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Revolution der Hoffnung. Für eine Humanisierung der Technik&amp;#039;&amp;#039;. 2. Auflage. Dtv, München 1991, ISBN 3-423-15035-1 (EA Frankfurt/M. 1981).&lt;br /&gt;
* Brigitte Reck: &amp;#039;&amp;#039;Between Democracy and Technocracy. The Role of Expertise for the European Parliament.&amp;#039;&amp;#039; Ibidem Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89821-236-X.&lt;br /&gt;
* Raimund Krämer: &amp;#039;&amp;#039;Thema: Technokratie. Von der Endlichkeit eines vitalen Konzepts&amp;#039;&amp;#039; (Welt Trends; Band 18). Berliner Debatte Wissenschaftsverlag, Berlin 1998, ISBN 3-931703-19-3.&lt;br /&gt;
* Axel Görlitz, Hans-Peter Burth: &amp;#039;&amp;#039;Politische Steuerung. Ein Studienbuch.&amp;#039;&amp;#039; Verlag Leske + Budrich, Opladen 1995, ISBN 3-8100-1449-4.&lt;br /&gt;
* Don K. Rowney: &amp;#039;&amp;#039;Transition to technocracy. The structural origins of the Soviet administrative state.&amp;#039;&amp;#039; Cornell University Press, Ithaca 1989, ISBN 0-8014-2183-7.&lt;br /&gt;
* Gottfried Rickert: &amp;#039;&amp;#039;Technokratie und Demokratie. Zum Technokratieproblem in der Staatstheorie einschließlich des Europarechts.&amp;#039;&amp;#039; Peter Lang Verlag, Frankfurt/M. 1983, ISBN 3-8204-5428-4 (zugl. Dissertation, Universität Freiburg/B. 1982).&lt;br /&gt;
* [[Jacques Ellul]]: &amp;#039;&amp;#039;The Technological Society&amp;#039;&amp;#039; („La technique ou l&amp;#039;enjeu du siècle“, 1954). Vintage Books, New York 2004, ISBN 0-394-70390-1 (Nachdr. d. Ausg. New York 1967).&lt;br /&gt;
* Stefan Willeke: &amp;#039;&amp;#039;Die Technokratiebewegung in Nordamerika und Deutschland zwischen den Weltkriegen. Eine vergleichende Analyse&amp;#039;&amp;#039;, Studien zur Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Hrsg. Hans-Joachim Braun), Band 7, Frankfurt: Peter Lang 1995&lt;br /&gt;
* Stefan Willeke: &amp;#039;&amp;#039;Die Technokratiebewegung zwischen den Weltkriegen&amp;#039;&amp;#039;, Technikgeschichte, Band 62, 1995, S. 221–246&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
;Belletristik&lt;br /&gt;
* [[Max Frisch]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Homo faber (Buch)|Homo faber]]. Ein Bericht&amp;#039;&amp;#039;. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2011, ISBN 978-3-518-36854-1 (EA 1967).&lt;br /&gt;
* [[Aldous Huxley]]: &amp;#039;&amp;#039;[[Schöne neue Welt]]. ein Roman der Zukunft&amp;#039;&amp;#039; („Brave New World“, 1932). Fischer-Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 2011, ISBN 978-3-596-90345-0.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* Thorstein Veblen: &amp;#039;&amp;#039;{{Webarchiv | url=http://de.geocities.com/veblenite/txt/engineer.txt | wayback=20070807183142 | text=The Engineers and the Price System}}&amp;#039;&amp;#039;. 2007, über das &amp;#039;&amp;#039;[[Internet Archive]]&amp;#039;&amp;#039; (in englischer Sprache).&lt;br /&gt;
* [[Rafael Capurro]]: [https://www.capurro.de/zuerich.htm &amp;#039;&amp;#039;Informatik. Von der Technokratie zur Lebenskunst&amp;#039;&amp;#039;], Zürich 1992.&lt;br /&gt;
* [[Howard Scott]]: [https://archive.org/stream/HistoryAndPurposeOfTechnocracy.howardScott/HistoryAndPurposeOfTechnocracy.howardScott.pd-2_djvu.txt &amp;#039;&amp;#039;History and Purpose of Technocracy&amp;#039;&amp;#039;] (in englischer Sprache).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Techniktheorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Soziologie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herrschaftsform]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>imported&gt;Nuaiv</name></author>
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