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	<title>Tantra - Versionsgeschichte</title>
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		<title>imported&gt;Vergänglichkeit: Einleitung</title>
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		<updated>2025-08-19T10:01:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Einleitung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;{{Dieser Artikel|behandelt Tantra als Philosophie – zu anderen Bedeutungen siehe [[Tantra (Begriffsklärung)]].}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Taizokai.jpg|mini|„Das Reich des Mutterschoßes“. [[Mandala]] aus der buddhistischen [[Shingon-shū|Shingon-Schule]], Heian-Zeit (794–1185), Tō-ji, Kyōto, Japan.]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Camunda5.JPG|mini|hochkant|Die Verehrung der Göttin [[Chamunda]] (sowie [[Kali (Göttin)|Kali]] oder [[Durga]]) und anderer weiblicher ([[Muttergöttin|Mutter-]])&amp;amp;shy;Gottheiten wie der [[Matrikas]] nimmt im Tantrismus breiten Raum ein]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Khajurahosculpture.jpg|mini|hochkant|Die erotischen Skulpturen an den Tempeln von [[Tempelbezirk von Khajuraho|Khajuraho]], [[Sonnentempel von Konark|Konarak]] und anderen werden mit &amp;#039;&amp;#039;Tantrismus&amp;#039;&amp;#039; in Verbindung gebracht]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Yamantaka Vajrabhairav.jpg|mini|hochkant|Vom &amp;#039;&amp;#039;Tantrismus&amp;#039;&amp;#039; beeinflusste erotische [[Bhairava]]-Bronze aus Nepal (14.&amp;amp;nbsp;Jh.)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Tantra&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; ([[sanskrit]]isch तन्त्र, Neutrum, „Gewebe, Kontinuum, Zusammenhang“) oder &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Tantrismus&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039; bezeichnet verschiedene Strömungen innerhalb der [[Indische Philosophie|indischen Philosophie]] und Religion. In fast allen tantrischen Schulen und Richtungen ist die Verehrung und Huldigung der weiblichen Gottheit zentral. Die Ursprünge des Tantra beginnen im 2. Jahrhundert, in voller Ausprägung liegen ihre Lehren frühestens ab dem 7./8.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert vor. Tantra entstand als [[Esoterik|esoterische]] Form des [[Hinduismus]] und später auch innerhalb der nördlichen [[Mahayana]]-Tradition des [[Buddhismus]]. Im Buddhismus wird dieser [[Vajrayana|tantrische Buddhismus]] (&amp;#039;&amp;#039;Vajrayana&amp;#039;&amp;#039; oder &amp;#039;&amp;#039;Tantrayana&amp;#039;&amp;#039; „Fahrzeug der Tantra-Texte“) heute häufig als eigene Schule betrachtet und ist vor allem in [[Tibet]], [[Bhutan]] und der [[Mongolei]] verbreitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Westen ist als „Tantra“ vor allem [[Neotantra|Neo-Tantra]] bekannt, welcher einen starken Fokus auf Sexualität besitzt, obwohl diese im Tantra überhaupt nicht im Mittelpunkt steht.&lt;br /&gt;
{{Belege fehlen|Siehe [[Diskussion:Tantra#Wer ist Helmut Poller ?|Diskussion]].|Dieser Artikel}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ursprünge und Geschichte ==&lt;br /&gt;
Nach Poller (2013) sind in den Tantras [[Magie|magische Vorstellungen]] der vielen auf dem indischen Subkontinent beheimateten [[Ethnie]]n eingeflossen. Man kann deren Methoden in Indien gesichert bis in die [[Geschichte Indiens#Vedische Zeit|vedische Zeit]] zurückverfolgen (ab etwa 1500 v. Chr.). Bei den magischen Praktiken ging es vor allem darum, sich das Leben zu erleichtern, vom Beeinflussen des Wetters (Wetterzauber) über die Hilfe beim Gebären bis hin zu Kriegs- und [[Schadenzauber]]. Tantras enthalten [[Anrufung]]en von einer großen Anzahl von [[Polytheismus|Göttern]] und [[Geistwesen]] vermittels [[Mantra]]s, Visualisationen, speziellen Bildern, Gegenständen, dem Gebrauch von Farben, Düften, Musik, komplizierten [[Opfer (Religion)|Opfergaben]] und ähnlichem mehr.&amp;lt;ref&amp;gt;Helmut Poller: &amp;#039;&amp;#039;Was ist buddhistisches Tantra.&amp;#039;&amp;#039; Textauszug für das Werk &amp;#039;&amp;#039;Buddhistisches Tantra meistern&amp;#039;&amp;#039;. Abgerufen am 3. Oktober 2018 {{Webarchiv|url=http://helmutpoller.eu/text2/was-ist-buddhistisches-tantra.pdf |wayback=20180831125323 |text=helmutpoller.eu |archiv-bot=2024-05-22 06:32:09 InternetArchiveBot }}&amp;lt;!--? RELEVANZ ?--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die für die meisten tantrischen Schulen zentrale [[Verehrung]] einer [[Göttin]], symbolisiert als [[Shakti]], gab es bereits in [[Hinduismus#Frühvedische Phase (1750–1200 v. Chr.)|altvedischer Zeit]] (1750–1200 v.&amp;amp;nbsp;Chr.).&amp;lt;ref name=&amp;quot;fs&amp;quot;&amp;gt;[[Georg Feuerstein]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Yoga Tradition. Geschichte, Literatur, Philosophie &amp;amp; Praxis.&amp;#039;&amp;#039; Yoga Verlag, Wiggensbach 2009, ISBN 978-3-935001-06-9, S.&amp;amp;nbsp;532.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Kategorisierung oder Einteilung lässt sich vornehmen, indem man zwischen buddhistischen und hinduistischen Tantras unterscheidet. Beide Strömungen traten zwischen 500 und 1000 n.&amp;amp;nbsp;Chr. nahezu gleichzeitig auf und beeinflussten sich zu jener Zeit gegenseitig: Nach ihrer zunehmenden Konsolidierung entwickelten sie sich unabhängig weiter.&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus Röber: [https://archive.org/details/Klaus-Roeber_Tantra-und-Neo-Tantra_2002 Tantra und Neo-Tantra.] 2002, S. 10 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Tantras wurden in der Zeit zwischen 300 und 800 n. Chr. entwickelt und weiterentwickelt, so dass einige Konzepte in der Zeit von 800 bis 1200 n. Chr. ihre Hochblütezeit erlebten, hiernach folgte ein langsamer Prozess allmählichen Schwindens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Yoga und Tantra ===&lt;br /&gt;
Texte der älteren [[Upanishaden]], ca. 700 v. Chr., beschreiben Atemübungen und das Zurückziehen der Sinne ([[Pratyahara]]) in den [[Atman]] als Hilfsmittel der Meditation ([[Dhyana]]). Die mittleren Upanishaden, die um 400 v. Chr. entstanden, erwähnen mehrfach den Begriff [[Yoga]] und auch die wesentlichen Elemente des späteren Yoga-Systems. Der Yoga stand hierbei in enger Verbindung mit den Theorien, wie sie das philosophische System des [[Samkhya]] entwickelte, und bildete seine praktische Weiterführung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich war Yoga ein rein [[Spiritualität|spiritueller]] Weg, der vor allem die Suche nach [[Erleuchtung]] durch Meditation zum Ziel hatte. Die vielen [[Asana]]s entstanden erst im Laufe der Zeit. Ihr vorrangiges Ziel ist, den Körper so zu kräftigen und zu mobilisieren, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum im Meditationssitz&amp;amp;nbsp;– z.&amp;amp;nbsp;B. [[Lotossitz]]&amp;amp;nbsp;– verweilen kann.&lt;br /&gt;
Das Tantra weist als spiritueller Weg nicht nur große Ähnlichkeiten mit dem Yoga auf, es gibt auch eine Reihe von Überschneidungen, so dass man im Ergebnis von einem „tantrischen Yoga“ sprechen kann. Das [[Yoga#Geschichte|klassische Yoga]] orientiert sich an einem [[Askese|asketischen]] Ideal, verzichtet werden soll auf alles was vom Weg ablenkt, etwa Genüsse, &amp;#039;&amp;#039;Bhukti&amp;#039;&amp;#039;  ([[Sanskrit]]: भुक्ति bhukti) und im Speziellen auf Sexualität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tantra nutzt die wesentlichen Elemente des klassischen Yogas, nutzt aber im Gegensatz zu diesem die Leidenschaften und sinnlichen Bedürfnisse als integralen Bestandteil. Eigene Elemente des Tantras, wie sie sich im klassischen Yoga finden, kommen hinzu, etwa einfache oder komplexe Rituale, meditative Visualisierungen, Verwendung von Gegenständen mit symbolischer Bedeutung (Bilder, Statuen) und eben auch erotische Rituale ([[Mithuna#Mithuna-Ritual|Mithuna-Rituale]]).&amp;lt;ref&amp;gt;Helmut Poller: {{Webarchiv |url=http://helmutpoller.eu/text/tantra.neotantra.pdf |text=&amp;#039;&amp;#039;Tantra, Neo-Tantra und die Synthese&amp;#039;&amp;#039; |wayback=20160407012404 |archiv-bot=2023-01-19 09:47:15 InternetArchiveBot}} auf: &amp;#039;&amp;#039;helmutpoller.eu&amp;#039;&amp;#039;, Wien 2013, S. 1–10.&amp;lt;!--? RELEVANZ ?--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Georg Feuerstein: &amp;#039;&amp;#039;Die Yoga Tradition. Geschichte, Literatur, Philosophie &amp;amp; Praxis.&amp;#039;&amp;#039; Yoga Verlag, Wiggensbach 2009, ISBN 978-3-935001-06-9, S.&amp;amp;nbsp;533.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Buddhistische Tantras ===&lt;br /&gt;
Das buddhistische Tantra konsolidierte sich in Indien durch [[Padmasambhava]] (8. bis 9.&amp;amp;nbsp;Jh.&amp;amp;nbsp;n.&amp;amp;nbsp;Chr.) und durch verschiedene Mahasiddhas und deren Lehren bzw. Auslegungen: Später gelangten die Vorstellungen nach [[Tibet]], wo ihre Inhalte in Auseinandersetzung mit dem [[Buddhismus in Tibet|tibetischen Buddhismus]] zum Teil stark verändert wurden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;hp17&amp;quot;&amp;gt;Helmut Poller: &amp;#039;&amp;#039;Was ist buddhistisches Tantra?&amp;#039;&amp;#039; auf helmutpoller.eu, Wien 2013, S.&amp;amp;nbsp;1–7, abgerufen am 3. Oktober 2018 {{Webarchiv|url=http://helmutpoller.eu/text2/was-ist-buddhistisches-tantra.pdf |wayback=20180831125323 |text=helmutpoller.eu |archiv-bot=2024-05-22 06:32:10 InternetArchiveBot }}&amp;lt;!--? RELEVANZ ?--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im buddhistischen Tantra soll durch Übungen eine außergewöhnliche Fertigkeit und [[Virtuose|Virtuosität]] erlangt werden um einen höheren [[Bewusstseinszustand]] zu erreichen. Letztendlich ist das Ziel einen Bewusstseinszustand zu erreichen, der weniger leidet und damit auch weniger Leiden ([[Dukkha]]) verursacht als der Zustand vor den Übungen. Dabei werden viele höhere Zustände beschrieben, einhergehend mit höheren Bewusstseinskräften ([[Siddhi]]s), die sich als Ergebnis der Übungspraxis einstellen. Die im buddhistischen Tantra verwendeten Methoden wurden in Texten verschriftlicht, die häufig in ihrem Titel die Bezeichnung von tantrischen [[Gott]]heiten tragen. Sie alle galten als [[Emanation (Philosophie)|Emanationen]] des [[Buddha]]. Die Gottheiten konnten männlich, weiblich oder ein Paar in Vereinigung sein. Wichtige bekannte buddhistische Tantras sind: [[Hevajra]], [[Chakrasamvara]], [[Vajrayogini]], [[Yamantaka]], [[Guhyasamaja]], [[Kalachakra]], [[Vajrakila]], [[Guhyagarbha]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;hp17&amp;quot; /&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Silvio Wirth: &amp;#039;&amp;#039;Geschichte. Richtungen des Tantra.&amp;#039;&amp;#039; www.tantra-tradition.de, abgerufen am 4. Oktober 2018 [http://www.tantra-tradition.de/15.html]&amp;lt;!--? RELEVANZ ?--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinduistische Tantras ===&lt;br /&gt;
Die Ursprünge des Hindu-Tantra liegen in verschiedenen Einflüssen des frühen [[Geschichte Indiens|Mittelalters in Indien]]. Diese sind die südasiatische [[Dämonologie|dämonologische]] Tradition, lokale und volkstümliche Einflüsse und die Einflüsse religiöser [[Sekte]]n wie der [[Pashupatas]], die neue religiöse Rituale und Lehren einführten, die nicht-vedisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Tantra diente häufig dazu, einen König, der aus niederen [[Kaste]]n stammte oder ausländischer Herkunft war, durch [[Ritual]]e zu legitimieren, die ihm im vedisch-orthodoxen Ritual nicht zugänglich waren. Auf diesem Wege sind in das Hindu-Tantra Praktiken eingeflossen, die die rituelle Transformation des Praktizierenden in einen Gottkönig zum Ziel haben, der ein [[Götterwelt|Pantheon]] von Göttern und Dämonen regiert und dessen Palast in der Mitte des [[Mandala]]s angesiedelt ist.&lt;br /&gt;
Trotz dieser Bezogenheit auf einen Herrscher waren die wenigsten Tantriker Könige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem hatten Im Mittelalter die Prinzipien des hinduistischen Tantra einen großen Einfluss auf den Tempelbau. Tempel, die oft Gottheiten wie Śiva oder Viṣṇu geweiht waren, wurden nach tantrischen Schemata und Prinzipien errichtet. Die Grundrisse, architektonischen Merkmale und sogar die Dimensionen dieser Tempel wurden von tantrischen Konzepten abgeleitet und spiegeln eine Verschmelzung von religiösen und architektonischen Elementen wider. Tantrische Bilder, einschließlich erotischer Ikonographie, fanden Eingang in die ikonographischen Programme dieser Tempel, was den weitreichenden Einfluss des Tantra auf religiöse Kunst und Architektur verdeutlicht.&amp;lt;ref&amp;gt;{{Literatur |Autor=David Gordon |Titel=Tantra |Hrsg=Brill |Sammelwerk=Brill’s Encyclopedia of Hinduism Online |Ort=Leiden |Datum=2018 |Seiten=2-10}}&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In ländlichen Gebieten und in [[Indonesien]] ähnelt der Tantrismus stark [[Schamanismus in systematisierten Religionen|schamanistischen]] Religionen. Tantriker haben hier die Aufgabe, die Horden von Dämonen zu kontrollieren, die sich schädlich auf Menschen, das häusliche Umfeld und die Landwirtschaft auswirken können. Zu diesem Zweck werden die tantrischen „Herrscher des Geistes“ in [[Besessenheit]]strance angerufen, [[Exorzismus|Exorzismen]] und [[Magie|Zauberei]] ausgeführt. Diese finden auch mithilfe von Beschwörungsformeln und Zaubersprüchen statt. Gleichfalls gibt es Rituale und Opferungen. Diese Formen des Tantrismus sind jeweils lokal und regional begrenzt und besitzen kaum theoretische oder doktrinäre Aspekte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühe tantrische Literatur bezieht sich zu größeren Teilen auf diese [[Dämonologie]], und in bestimmten Texten, in denen man unterschiedliche Schichten ausmachen kann, wird diesen Praktiken erst [[Metaphysik]] und Praxis in Bezug auf spirituelle Ziele beigelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese metaphysischen und [[Spiritualität|spirituellen]] Lehren waren nur der Elite der Tantriker vorbehalten, unter denen sie in die Praxis umgesetzt wurden. Solche Eliten waren z.&amp;amp;nbsp;B. Könige, Aristokraten und bestimmte Brahmanengruppen. Deshalb reflektieren die Lehren des Tantrismus die Belange solcher Eliten, z.&amp;amp;nbsp;B. Aspekte von Macht und den Erwerb weltlicher und spiritueller, übernatürlicher Macht. Tantrische Lehren beziehen sich zum Beispiel auf Machtverhältnisse zwischen Menschen und übernatürlichen Wesen, gleichfalls aber auch auf [[Soteriologie|soteriologische]], [[Ontologie|ontologische]] und metaphysische Reflexionen. Ab dem 8. Jahrhundert n. Chr. entstand so ein tantrischer Kanon, der – in Sanskrit geschrieben – von diesen Eliten geschaffen und rezipiert wurde. Diese Schriften gehören alle dem Sekten-Hinduismus an, d.&amp;amp;nbsp;h., man kann sie dem [[Vishnuismus]], dem [[Shivaismus]] oder dem [[Shaktismus]] zuordnen, und es ist immer eine der Formen der Hauptgottheiten, [[Vishnu]], [[Shiva]] oder [[Shakti]] ([[Devi]]), die als höchste Gottheit einer göttlichen Hierarchie übergeordnet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hauptsekten dieser Form des Tantrismus sind:&lt;br /&gt;
# Schulen und Sekten des [[Kaschmirischer Shivaismus|kaschmirischen Shivaismus]] wie Krama, [[Trika]], Shrividya&lt;br /&gt;
# [[Shivaismus#Shaiva Siddhanta|Shaiva Siddhanta]]&lt;br /&gt;
# die Shakta-Kubjika-Sekte&lt;br /&gt;
# die vishnuitisch-shaktische Sahajiya-Schule und andere regionale Sekten&lt;br /&gt;
# [[Vishnuismus|vishnuitische]] Pancaratras.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen tantrischen Sekten haben oft gemeinsame Gottheiten, wie z.&amp;amp;nbsp;B. [[Kali (Göttin)|Kali]], [[Chamunda]] und Svacchanda Bhairava (einer Form von [[Shiva]]) in [[Kaschmir]], sowie [[Mahavidyas|Tripurasundari]], die in Kaschmir, [[Tamil Nadu]] und [[Nepal]] verehrt wird. Mythologien des Tantra, Götterwelten und Metaphysik sind im gesamten Tantrismus in großer Fülle vorhanden. Die Mythologie wird häufig in Skulpturen und Malereien dargestellt, die Gottheiten, übernatürliche Wesen, Dämonen und Tantriker abbilden. Ein besonderes Merkmal dieser tantrischen Kunst ist es, dass häufig der Geschlechtsakt abgebildet wird. Trotz der Fülle an Göttern und Entitäten steht nicht ein [[Polytheismus|polytheistisches]] Pantheon im Vordergrund der tantrischen Lehren, sondern es geht darum, dass der einzelne ein Verhältnis zum einen, nämlich zur obersten Gottheit hat. Dieses Verhältnis wird metaphysisch als Bhedabheda (Einheit in Unterschiedlichkeit) bezeichnet. Diese Einheit ist es, die zu Jivanmukti (Befreiung) führen soll. Tantrische Praktiken streben sowohl danach, Macht über übernatürliche Wesen zu haben oder Macht verliehen zu bekommen, als auch danach, zu erkennen, dass diese Gottheiten und Wesen letztendlich eins sind mit dem transzendenten Selbst der obersten Gottheit, das auch das Selbst des Tantrikers ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne bezieht sich die tantrische Metaphysik auf [[Emanation (Philosophie)|Emanationen]] des Göttlichen. Diese Emanationen werden in den meisten tantrischen Lehren auf 36 [[Tattva]]s (Kategorien) bezogen, die von den 25 Tattvas der [[Samkhya]]-Lehren abstammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese 36 Tattvas beziehen sich beispielsweise auf Gottheiten, [[Bewusstseinszustand|Bewusstseinszustände]], Vibrationen von Mantras, den yogischen Energiekörper und Guru-Linien. Dabei werden diese Tattvas als Einheit angesehen, die vom Überweltlichen bis in die Alltagswelt emanieren. Eine Internalisierung dieser Tattvas findet dann in der tantrischen Praxis durch [[Yoga]] und [[Meditation]], [[Mantra]]s und [[Visualisierung]]en statt. In der Geschichte des Tantra ist so für die indische Kultur besonders bedeutend gewesen, dass das heutige Yoga (z.&amp;amp;nbsp;B. [[Hatha-Yoga]] und [[Kundalini-Yoga]]) aus diesen tantrischen Praktiken im 9. bis 12.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert entstanden ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Ganzer Absatz: Denise Cush, Catherine Robinson, Michael York (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Encyclopedia of Hinduism.&amp;#039;&amp;#039; Routledge, London 2008, S.&amp;amp;nbsp;854 ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinduistische Tantra-Literatur ===&lt;br /&gt;
Der Begriff &amp;#039;&amp;#039;Tantra&amp;#039;&amp;#039; bezeichnete ursprünglich eine Literaturgattung, &amp;#039;&amp;#039;Tantras&amp;#039;&amp;#039; oder auch &amp;#039;&amp;#039;[[Agama (Hinduismus)|Agamas]]&amp;#039;&amp;#039;, die nach-vedisch ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hinduistische Tantra-Literatur kommt im Allgemeinen in zwei Hauptformen vor.&lt;br /&gt;
Entweder handelt es sich um Offenbarungstexte anonymer Autoren, die häufig in Dialogform zwischen Gottheiten wie Shiva und Kali oder Vishnu und Lakshmi stattfinden, oder es handelt sich um Texte einzelner Autoren, die Kommentare, Kompendien oder Leitfäden zu Offenbarungsschriften der Tantra-Literatur verfasst haben. Diese beziehen sich auf Praktiken und Prinzipien des Tantrismus. Die meisten dieser Texte wurden zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert verfasst. Diese Literatur wird als Tantra-[[Shastra]] bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die Offenbarungstexte in Bezug auf Sanskrit nicht allzu elaboriert sind, enthalten die Tantra-Shastras besonders hochsprachliche Texte. Die Tantra-Shastras behandeln eine Fülle von unterschiedlichen Inhalten. Sie beziehen sich z.&amp;amp;nbsp;B. auf [[Mantra|Mantren]] und [[Stotra]]s, auf Anweisungen zur Ausführung von [[Ritual]]en, [[doktrinär]]e Unterweisungen, Philosophie, Kommentare und [[Hagiographie]]n.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumeist wird die tantrische Literatur entweder dem [[Shivaismus]], dem [[Vishnuismus]] oder dem [[Kaschmirischer Shivaismus|Kaula]] (Shivaismus-[[Shaktismus]]) zugeordnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vishnuitische Tantras werden häufig auch [[Samhita]]s genannt, shivaitische Tantras bestehen aus Agamas, Tantras und Samhitas. Die Shaiva-Shakta-Texte tragen neben dem Titel &amp;#039;Tantra&amp;#039; eine Fülle von unterschiedlichen Namen, z.&amp;amp;nbsp;B. das Tripura Upanishad oder Jayadratha Yamala. Kaula-Tantra werden nur diejenigen Texte genannt, die den Eingeweihten zugänglich sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den tantrischen Schriften verwandte Texte, die teilweise inhaltlich übereinstimmen, sind z.&amp;amp;nbsp;B. die Texte des [[Hatha-Yoga]], der indischen [[Alchemie]] und einige [[Puranas]] wie das Agni Purana und das Kalika Purana.&amp;lt;ref&amp;gt;Ganzer Absatz: Denise Cush, Catherine Robinson, Michael York (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Encyclopedia of Hinduism.&amp;#039;&amp;#039; Routledge, London 2008, S.&amp;amp;nbsp;850/851.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lehren ==&lt;br /&gt;
Der Tantrismus ist eine Erkenntnislehre, die auf der Untrennbarkeit des Relativen und des Absoluten basiert. Der Tantrismus betont die Identität von absoluter und phänomenaler Welt. Das Ziel des Tantrismus ist die Einswerdung mit dem Absoluten und das Erkennen der höchsten Wirklichkeit. Da angenommen wird, dass diese Wirklichkeit energetischer Natur ist und [[Mikrokosmos]] und [[Makrokosmos]] verwoben sind, führt der Tantrismus äußere Handlungen als Spiegel innerpsychischer Zustände aus. Da [[Geist]] und [[Materie]] als nicht vollständig geschieden angesehen werden, ist der hinduistische Tantrismus diesseitsbejahend und benutzt psycho-experimentelle Techniken der Selbstverwirklichung und Erfahrung der Welt und des Lebens, deren Elemente als positive Dimensionen erfahren werden sollen, in denen sich das Absolute offenbart. Tantra stellt sich also hauptsächlich als [[Spiritualität|spiritueller]] und [[Mystik|mystischer]] Weg dar, der auf [[Metaphysik|metaphysischen]] Annahmen beruht.&lt;br /&gt;
[[Datei:Chakras.jpg|mini|hochkant|Bija-Mantren, die das jeweilige Chakra dominieren (von oben): Om, Om, Ham, Yam, Ram, Vam, Lam]]&lt;br /&gt;
Der heutige Tantrismus stammt aus dem 17. Jahrhundert und stellt sich als eine Sammlung ritueller Techniken dar, die sich auf göttliche Entitäten, häufig [[Göttin]]nen, beziehen, um verschiedene Kräfte zu erreichen. Die Ziele der tantrischen Riten sind Bhukti, Macht über das Diesseits, [[Siddhi]], übernatürliche Kräfte, und [[Mukti|Jivanmukti]], die Befreiung durch Vergöttlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tantrismus ist durchdrungen von [[Okkultismus|okkulten]] und [[Magie|magischen]] Vorstellungen. Sehr ausgeprägt sind [[Ritual]] und [[Kult]], da die Befolgung esoterischer Stufenwege zur Erkenntnis und [[Erleuchtung]] zentral für die religiöse Praxis ist. Von Bedeutung ist die Einweihung &amp;#039;&amp;#039;([[diksha]], abhisheka)&amp;#039;&amp;#039; und die Unterstellung des Schülers &amp;#039;&amp;#039;(cela)&amp;#039;&amp;#039; unter einen kundigen Lehrer oder Meister ([[Guru]]), der diesem auf dem spirituellen Weg behilflich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hauptelemente des Tantrismus sind:&lt;br /&gt;
* Die Darstellung und Vergegenwärtigung geistiger Prinzipien mittels sexueller Symbolik, da angenommen wird, die Polaritäten aktiv und passiv, bzw. weiblich und männlich, bildeten durch ihre Wechselwirkung das Universum. [[Shiva]], das männliche Prinzip, gilt als passiv und [[Shakti]], das weibliche Prinzip, als aktiv.&lt;br /&gt;
* Das System [[Feinstofflichkeit|feinstofflicher]] Energiezentren ([[Chakra]]s) und -kanäle ([[Nadi (Yoga)|Nadis]]), auf denen die yogischen und [[Meditation|meditativen]] Praktiken basieren, wie z.&amp;amp;nbsp;B. das körperliche [[Kundalini]]-[[Yoga]], die [[Visualisierung (Meditation)|Visualisation]] von [[Gottheit]]en oder die sexuelle Vereinigung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Arbeit mit geometrischen Symbolen wie [[Mandala]] und [[Yantra]] als Ausdruck des Makro- und Mikrokosmos&lt;br /&gt;
* Das Arbeiten mit [[Mantra]]s und [[Mudra]]s&lt;br /&gt;
* Die Transformation der Körperzentren in geistige Orte durch Mantras und [[Symbol]]e&lt;br /&gt;
* Das Einfließen magischer Vorstellungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der folgenden Unterteilung gibt es für jedes der vier [[Zeitalter]] Schriften, welche die jeweiligen Rituale und Übungen regeln. Die Regeln der Shruti, die Veden, gelten demnach nur für das goldene Zeitalter (Sat-[[Yuga]]), die Regeln der Agamas (Tantras) nur für das gegenwärtige eiserne Zeitalter ([[Kali-Yuga]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Agama (Hinduismus)|Agamas]] (Tantra)&lt;br /&gt;
* [[Puranas]] (hinduistische Mythologie)&lt;br /&gt;
* [[Shruti]] („das Gehörte“, die [[Veden]] mit den [[Upanishaden]])&lt;br /&gt;
* [[Smriti]] („das Erinnerte“, Gesetzestexte)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Shaktismus ==&lt;br /&gt;
Der [[Shaktismus]] ist eng verwoben mit dem indischen Tantrismus und ist neben [[Shivaismus]] und [[Vishnuismus]] eine der drei Hauptrichtungen der [[Hinduismus|hinduistischen Religionssysteme]]. Ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. wurde der Shaktismus auch tantrisch. Praktiken wie [[Puja (Hinduismus)|Pujas]] ([[Sanskrit]], f., पूजा, pūjā, [{{IPA|puːʤɑː}}]), Opfergaben und [[Meditation]] vermischten sich mit den esoterischen Inhalten des Tantrismus, vor allem auch mit Tantra-[[Yoga]]. In diesem werden körperliche und geistige Techniken angewendet: Meditation, [[Japa]], [[Mantra]]s und [[Yantra]]s sowie [[Asana]]s und andere körperliche Übungen. Die Shakti wird hier als [[Kundalini]] angesehen und jedes [[Chakra]] wird einer Göttin gleichgesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tantrismus ist häufig, aber nicht ausschließlich, mit dem Shaktismus, der Verehrung der göttlichen Mutter, [[Devi]] oder [[Shakti]], verbunden, die Ausdruck der schöpferischen Kraft Gottes ist, mithin der Schöpfung selbst. Im Gegensatz zum reinen Advaita-[[Vedanta]], der die Schöpfung als Illusion – [[Maya (Göttin)|Maya]] – betrachtet, sieht der Tantriker diese als Ausdruck der Kraft Gottes – Shakti, der Göttin – an und verehrt diese als Mahamaya oder [[Mahadevi]]. Der Tantriker betrachtet die Sinneswelt nicht als negativ, sondern benutzt diese, um zur Vereinigung mit dem Göttlichen zu gelangen. Die göttliche Mutter selbst ist nach diesen Lehren im menschlichen Körper als [[Kundalini]]-Energie vorhanden, die an der Basis der Wirbelsäule eingerollt liegt und, zum Leben erweckt, aufsteigt, um auf ihrem Weg die verschiedenen Chakras (Räder – subtile Energiezentren) zu öffnen und schließlich im obersten [[Chakra]], dem Sahasrara, mit [[Shiva]], dem männlichen Aspekt Gottes, dem Noumen, vereint zu werden. Alle Hauptgötter wohnen nach dem Tantrasystem im menschlichen Körper, meist im Zentrum der Chakras. So wie Shiva und Shakti im [[Ardhanarishvara]] (halb Mann, halb Frau) vereint sind, so ist auch die rechte Hälfte jedes Menschen männlich und entspricht Shiva, während die linke Hälfte der Shakti entspricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da alle Hauptgötter des [[Hinduismus]] einen weiblichen Gegenpart besitzen, gibt es je nach Sekte auch eine entsprechende tantrische Richtung:&lt;br /&gt;
* Vaishnavacara ([[Vishnuismus|Vishnu-Tantra]], [[Vishnu]] ist der [[Ishtadeva]])&lt;br /&gt;
* Vedacara ([[Veda]], hält die vedischen Gebote, benutzt vedische [[Mantra|Mantren]], [[Agni]] ist die Hauptgottheit – Ishta-Deva)&lt;br /&gt;
* Shaivacara ([[Shivaismus|Shiva-Tantra]], [[Shiva]] ist der Ishtadeva)&lt;br /&gt;
* Shakta-Tantra ist unterteilt in&lt;br /&gt;
** Dakshinacara ([[Pfad der rechten Hand|rechter Weg]], beachtet die konventionellen religiösen Gebote)&lt;br /&gt;
** Kaulacara&lt;br /&gt;
** Vamacara ([[Pfad zur linken Hand|linker Weg]], bricht religiöse Tabus)&lt;br /&gt;
Im linkshändigen Tantra, dem Vamacara, werden die fünf vedischen Reinigungsartikel bewusst umgekehrt, in der Verehrung der fünf M´s, den pañca-makāra:&lt;br /&gt;
* Madya (Wein)&lt;br /&gt;
* [[Mithuna|Maithuna]] (ritualisierter Geschlechtsakt)&lt;br /&gt;
* Māmsa (Fleisch)&lt;br /&gt;
* Matsya [oder Mīna] (Fisch)&lt;br /&gt;
* Mudrā (getrocknete Körner)&lt;br /&gt;
Insbesondere wegen des Maithuna ist Tantra in Verruf geraten und wird im Westen fälschlicherweise fast ausschließlich mit Sexualpraktiken identifiziert. Diese Praktiken werden jedoch nur von bestimmten Sekten, den Vamacharas, und auch dort nur von einem Personenkreis, den Viryas, in einem festgelegten rituellen Zusammenhang ausgeübt. Ähnliche Handlungen wurden und werden teilweise auch in [[Volksrepublik China|China]] im [[Daoistische Sexualpraktiken|Daoismus]] und vereinzelt in der tantrischen Form des [[Tibetischer Buddhismus|tibetischen Buddhismus]] durchgeführt ([[Anuttarayoga-Tantra]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So haben die Dakshinacara-Anhänger die fünf M´s durch andere Substanzen ersetzt oder üben sie nur symbolisch bzw. gar nicht aus. So verurteilt beispielsweise der Samayacara der Shri Vidya-Tradition, die besonders in Südindien in den konservativen Shankaracarya-Orden Eingang gefunden hat, all diese Praktiken und meditiert nicht über Chakras unterhalb des Nabels. Im Shri Vidya werden hauptsächlich die [[Mahavidyas|Dasa Mahavidyas]] verehrt, die zehn großen Göttinnen, [[Kali (Göttin)|Kali]], [[Tara (Göttin)|Tara]], Tripurasundari, Bhuvaneshvari, Bhairavi, [[Chinnamasta]], [[Dhumavati]], Bagalamukhi, Matangi, Kamala. Sie alle sind Aspekte der einen Göttin, und der Sadhaka (Übende) nähert sich der Ganzheit durch die Verehrung dieser Aspekte allmählich an. Eine besondere Rolle für die [[Shankara]]-Tradition spielt dabei die Göttin Sharada (ein anderer Name für [[Sarasvati]] oder Tara), die Göttin der Weisheit und des Lernens, da für den [[Advaita Vedanta|Advaita]] die Erkenntnis, &amp;#039;&amp;#039;Jnana&amp;#039;&amp;#039;, der Weg zur Befreiung ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezeichnend für fast alle Tantriker sind die Bedeutung von [[Mantra]]s (heilige Wortklänge), Bijas (einsilbige Wortklänge), [[Yantra]]s (Diagramme), [[Mudra]]s ([[Yoga|yogische]] Stellungen, Gesten), Nyasa (Energetisierung verschiedener Körperteile), Bhutashuddhi (Reinigung), [[Kundalini]]-Yoga, [[Kriya]] (Bewegungs- und Atemübungen), Carya (religiöse und soziale Vorschriften), Maya-Yoga ([[Magie]]). Tantra ist immer praxisorientiert, weswegen tantrische Praktiken in fast alle hinduistischen Richtungen eingeflossen sind. Allen Tantra-Traditionen ist außerdem das Gebot der Geheimhaltung der Lehre und die Bedeutung des [[Guru]] als Vermittler der tantrischen Lehren gemein. Traditionell kann Tantra nicht in einem Kurs oder durch Bücher erlernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Regionen, in denen tantrische Kulte noch besonders lebendig sind, gehören in Indien [[Assam]], [[Bengalen]], [[Odisha]], [[Maharashtra]], [[Kaschmir]], [[Rajasthan]], der nordwestliche [[Himalaya]] und Teile Südindiens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einteilungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tantra ist ein Weg der [[Achtsamkeit (mindfulness)|Achtsamkeit]]. In der indischen Tradition wird zwischen einem tantrischen Pfad nach seiner Methodik unterschieden: der ausschließlich auf Meditation, Energiearbeit und spiritueller Verehrung beruhende wird als der rechte Pfad oder rechtshändiges Tantra bezeichnet. Der Pfad, der zusätzlich Sinnlichkeit, Sexualität und Leidenschaft einschließt, wird als linker Pfad oder als linkshändiges Tantra bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* der Dakṣiṇācāra ([[Sanskrit]]: दक्षिणाचार dakṣiṇācāra) oder &amp;#039;&amp;#039;Weg der rechten Hand&amp;#039;&amp;#039;, ist eine Richtung des hinduistischen Tantra mit läuternden Ritualen und dabei strenger Disziplin, der die absolute Hingabe an die göttliche Mutter ([[Shakti]]) in ihren mannigfachen Formen fordert.&lt;br /&gt;
* der Vāmācāra (Sanskrit: वामाचार vāmācāra) ist der ungeläuterte, fraglich gefahrvolle Weg der linken Hand, der die sexuelle Praxis und das leidenschaftliche Handeln integriert.&amp;lt;ref&amp;gt;Silvio Wirth: &amp;#039;&amp;#039;Richtungen des Tantra&amp;#039;&amp;#039; www.tantra-tradition.de [http://www.tantra-tradition.de/15.html]&amp;lt;!--? RELEVANZ ?--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezeption im Westen ==&lt;br /&gt;
In der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] wird Tantra zunehmend seit dem beginnenden 20. Jahrhundert rezipiert, allerdings hauptsächlich verkürzt auf sexuelle Aspekte, die im klassischen Tantra durchaus nicht im Mittelpunkt stehen. Eine wichtige Rolle spielte dabei der britische Okkultist [[Aleister Crowley]], der zwar über keine vertieften Kenntnisse des indischen Tantrismus verfügte, diesen aber gleichwohl mit seinen [[Sexualmagie|sexualmagischen]] Praktiken identifizierte. Heute wird Tantra im Westen zumeist als [[Neotantra]] angeboten, bei dem die hinduistischen bzw. buddhistischen Inhalte zugunsten einer Optimierung der [[Orgasmus]]&amp;lt;nowiki /&amp;gt;fähigkeit und einem Streben nach sexuell-spiritueller [[Wellness]] in den Hintergrund getreten sind.&amp;lt;ref&amp;gt;Hugh Urban: &amp;#039;&amp;#039;Unleashing the Beast. Aleister Crowley, Tantra, and Sex Magic in Late Victorian England.&amp;#039;&amp;#039; In: &amp;#039;&amp;#039;Esoterica.&amp;#039;&amp;#039; 5, 2003, S. 150–160, hier S. ???.&amp;lt;!--konkrete SEITE ?--&amp;gt;&amp;lt;!--? RELEVANZ ?--&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* 1961: Arthur Avalon (alias Sir [[John Woodroffe]]): &amp;#039;&amp;#039;Die Schlangenkraft. Die Entfaltung schöpferischer Kräfte im Menschen.&amp;#039;&amp;#039; 3. Auflage. Barth, München 2003, ISBN 3-502-61044-4 (erstveröffentlicht 1961).&lt;br /&gt;
* 1967: Ajit Mookerjee: &amp;#039;&amp;#039;Tantra-Kunst, ihre Philosophie und Naturwissenschaft.&amp;#039;&amp;#039; Wien/München 1967.&lt;br /&gt;
* 1976: A. Bharati: &amp;#039;&amp;#039;Die Tantra-Tradition.&amp;#039;&amp;#039; Freiburg 1976.&lt;br /&gt;
* 1981: D. N. Bose, Hiralal Haldar: &amp;#039;&amp;#039;Tantras: Their Philosophy and Occult Secrets.&amp;#039;&amp;#039; 3., erweiterte Auflage. KLM Private, Kalkutta 1981.&lt;br /&gt;
* 2008: Denise Cush, Catherine Robinson, Michael York (Hrsg.): &amp;#039;&amp;#039;Encyclopedia of Hinduism.&amp;#039;&amp;#039; Routledge, London 2008.&lt;br /&gt;
* 1998: [[Georg Feuerstein]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Yoga Tradition. Geschichte, Literatur, Philosophie &amp;amp; Praxis.&amp;#039;&amp;#039; Yoga, Wiggensbach 2009, ISBN 978-3-935001-06-9 (original &amp;#039;&amp;#039;The Yoga Tradition: Its History, Literature, Philosophy and Practice.&amp;#039;&amp;#039; 1998).&lt;br /&gt;
* 1963: [[Jan Gonda]]: &amp;#039;&amp;#039;Die Religionen Indiens.&amp;#039;&amp;#039; Band 2. &amp;#039;&amp;#039;Der jüngere Hinduismus&amp;#039;&amp;#039; (= &amp;#039;&amp;#039;[[Die Religionen der Menschheit]].&amp;#039;&amp;#039; Band 12). Kohlhammer, Stuttgart 1963.&lt;br /&gt;
* 1995: [[Herbert V. Guenther]]: &amp;#039;&amp;#039;Tantra als Lebensanschauung.&amp;#039;&amp;#039; Econ, Düsseldorf 1995, ISBN 3-612-27983-1.&lt;br /&gt;
* 1990: David Kinsley: &amp;#039;&amp;#039;Indische Göttinnen. Weibliche Gottheiten im Hinduismus.&amp;#039;&amp;#039; Insel, Frankfurt 1990, ISBN 3-458-16118-X.&lt;br /&gt;
* 1990: [[André Van Lysebeth]]: &amp;#039;&amp;#039;Tantra für Menschen von heute.&amp;#039;&amp;#039; Mosaik, München 1990, ISBN 3-570-03549-2.&lt;br /&gt;
* 1978: Ajit Mookerjee, Madhu Khanna: &amp;#039;&amp;#039;Die Welt des Tantra in Bild und Deutung. Die umfassende Darstellung des wahren Tantra-Weges und seiner Praktiken.&amp;#039;&amp;#039; Barth, München 1978.&lt;br /&gt;
* 2017: Daniel Odier: &amp;#039;&amp;#039;Tantra Yoga: Vijnana Bhairava Tantra – der Weg zur höchsten Erkenntnis.&amp;#039;&amp;#039; Theseus, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-95883-166-7.&lt;br /&gt;
* 2006: Joachim Reinelt: &amp;#039;&amp;#039;Das große Kundalini-Buch. Kundalini-Erfahrungen.&amp;#039;&amp;#039; Aquamarin, Grafing 2006, ISBN 3-89427-315-1.&lt;br /&gt;
* 1993: [[Indra Sinha]]: &amp;#039;&amp;#039;Tantra. The Search for Ecstasy.&amp;#039;&amp;#039; Hamlyn, London 1993, ISBN 0-600-57699-X.&lt;br /&gt;
* 1998: Helmut Uhlig: &amp;#039;&amp;#039;Das Leben als kosmisches Fest. Magische Welt des Tantrismus.&amp;#039;&amp;#039; Lübbe, Bergisch Gladbach 1998, ISBN 3-7857-0952-8.&lt;br /&gt;
* 2003: David Gordon White: &amp;#039;&amp;#039;Kiss of the Yogini: &amp;#039;Tantric Sex&amp;#039; in its South Asian Contexts.&amp;#039;&amp;#039; University of Chicago Press, Chicago 2003, ISBN 978-0-226-89484-3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tantra| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Hinduismus]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Buddhismus| ]]&lt;br /&gt;
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